Das zweite Königreich (Taschenbuch) / Rebecca Gablé Testbericht

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ab 8,97
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Erfahrungsbericht von mima007

Buntes Zeitgemälde, das viel Geduld erfordert

Pro:

spannend, unterhaltsam, stellenweise bewegend, lehrreich

Kontra:

erfordert viel Geduld und Überblick

Empfehlung:

Ja

Handlung
°°°°°°°°°°°°°

Die erzählten Ereignisse spielen sich zwischen März 1064 und Oktober 1087 ab.

Die Überschriften der Teile lauten:

1) Die Verbannung
2) Die Eroberung
3) Der Widerstand
4) Der Fluch
5) Zeit der Buße
6) Die Vergebung

East Anglia, 1064.

Kaum haben die beiden Jünglinge Dunstan und Caedmon of Helmsby die dänischen Piraten bemerkt, als diese auch schon auf sie schießen. Dunstan erwischt ein Pfeil, aber auch Caedmon ist verletzt, weil er sich ein Bein gebrochen hat. Während sein Vater Aelfric, der Thane of Helmsby, die Dänen verfolgt und gefangennimmt, muss Caedmon, gepflegt von seiner normannischen Mutter, sein Bein und das Wundfieber auskurieren. Doch der Knochen wächst nicht ordentlich zusammen. Damit er nicht zu dem Krüppel wird, als den ihn sein älterer Bruder Dunstan verspottet, übt Caedmon, um das Bein besser gebrauchen zu können. Da er nie in der regulären Armee wird kämpfen können, lernt er mit seiner Mutter Marie de Falaise fleißig ihre normannische Muttersprache.

Eines Tages reitet Harold Godwinson auf den Hof von Aelfric of Helmsby. Der Earl of Wessex ist der Schwager des Königs und, da Edward lieber Kirchen baut als zu regieren, der eigentliche Regent Englands. Harold braucht einen Spion am Hof von William dem Bastard, dem Herzog der Normandie. Caedmon willigt trotz seiner Angst ein. Die Kanalüberquerung überlebt Caedmon mehr tot als lebendig, denn ein Sturm hat die Schiffe fast alle versenkt. Ein Normanne bringt ihn und Harold zu Williams Nachbar, dem Grafen Guy de Ponthieu. Dieser will sie lieber als Geiseln gegen William benutzen und sperrt sie ein. Doch Caedmon gelingt die Flucht nach Rouen, Williams Hauptstadt.

Dort bekommt er erst einmal zu essen, denn sein Vater Aelfric ist Herzog William durchaus bekannt. Und Harold, der später eintrifft, ist der Bruder von Wulfnoth Godwinson, den William seit zwölf Jahren als „Gast“, besser gesagt: als Geisel bei sich auf genommen hat. Wulfnoth ist ein hervorragender Lautenspieler und bringt Caedmon das sizilianische Instrument bei. Der Junge schließt Freundschaft mit Etienne, dem Sohn eines normannischen Ritters. Als Harold eintrifft, reitet er neben Guy de Ponthieu und dessen schöner Tochter Aliesa. Caedmon ist von diesem Mädchen hingerissen, doch er ahnt nicht, welches Geheimnis sie hütet: Seit ihrem vierten Lebensjahr ist sie Etienne versprochen.

William verhandelt mit Harold Staatsangelegenheiten, und Caedmon muss für die beiden dolmetschen. Daher bekommt er die brisante Situation aus erster Hand mit. Der englische König Edward ist kinderlos und hat deshalb William versprochen, ihn zu seinem Nachfolger zu machen. Harold tut so, als hätte er nichts dagegen einzuwenden, obwohl er es doch ist, der England in Wahrheit regiert. Er wäre aber schön blöd, wenn er protestieren würde, denn dann käme er nicht mehr lebend zurück nach England. Vielmehr legt er sogar einen Treueid auf Williams Reliquiar ab.

1065-1066

Ein Jahr vergeht, und Caedmon lernt mit Etienne die Schwertkunst bei Meister Jehan. Zugleich kommt er Aliesa de Ponthieu immer näher, und sie erwidert seine Zuneigung. Im Januar 1066 stirbt jedoch König Edward und entgegen allen Abmachungen und Eiden erklärt sich Harold zum Nachfolger. Dieses Verhalten erbost William derart, dass er erwägt, Wulfnoths Kopf nach London zu schicken. Er lässt ihn und Caedmon einkerkern. Nach ein paar Wochen heißt es jedoch: Caedmon soll Harold eine Botschaft bringen, eine Protestnote, denn er gedenke England zu erobern, um seinen Anspruch geltend zu machen. Ab März lässt er eine mächtige Flotte bauen.

Sobald im Mai der Papst seine Erlaubnis für die Invasion gegeben hat, strömen sogar Freiweillige nach Rouen, um das Heer Williams zu verstärken (und etwas von der erhofften Beute einzuheimsen). Unterdessen erlebt König Harold eine ganz andere Invasion: König Tostig von Norwegen ist mit 300 Schiffen gelandet und hat York erobert, eine alte römische Garnison, die den Norden Englands beherrscht. Im September 1066 kann er den Norwegern zwar in der Schlacht an der Stamford Bridge eine schwere Niederlage zufügen, doch als ihn die Meldung von der Landung Williams bei Pevensey erreicht, muss er in Eilmärschen das ganze Land durchqueren. Als seine Soldaten nach London gelangen, sind sie ausgepumpt und halbtot.

Widrige Winde haben bislang das Auslaufen von Williams Flotte verhindert, doch nun hat der Wind gedreht. In Pevensey befestigt William eine Festungsruine und setzt eine List in die Tat um. Indem er Harolds Grafschaft Sussex mit seiner Armee angreift, lockt er ihn aus London heraus. In der Nähe von Hastings treffen die beiden Heere schließlich am 14. Oktober 1066 zusammen. Caedmon hält sich als Nichtkombattant im Hintergrund und verfolgt die Schlacht von Williams Hügelstellung aus. 8000 Engländern stehen 7000 Normannen gegenüber…

Am nächsten Tag findet er auf dem Schlachtfeld seinen sterbenden Vater. Weil er seinen Erstgeborenen Dunstan für tot hält, überträgt Aelfric seinem Sohn Caedmon die Herrschaft über Helmsby. Doch Herzog William beansprucht Caedmons Dienste für sich. Als Caedmon dies ablehnt, bittet William ihn um seine Fürsprache für das besiegte Volk Englands. Mit der Rolle des unparteiischen Vermittlers ist Caedmon einverstanden, und in zwei Monaten soll er seinen Dienst antreten.

Als Caedmon nach zwei Jahren im Ausland in sein Heimatdorf zurückkehrt, ist dort allerdings nichts mehr wie zuvor. Ein weiterer Kampf ums Überleben beginnt…

Mein Eindruck
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Rebecca Gablé geht nach immer dem gleichen Muster vor, wenn sie den Farbenteppich einer Epoche vor uns ausrollt. In „Das Lächeln der Fortuna“, „Die Hüter der Rose“, ja, sogar in „Die Siedler von Catan“ setzt die Erzählung mit der Jugend des Helden bzw. der Heldin ein. Seine bzw. ihre Abenteuer dauern dann rund eine Generation, bis irgendwelche Hauptkonflikte gelöst sind, meist durch den Tod eines üblen Tyrannen oder einer anderen Landplage. Als König William der Erober stirbt ist es mal wieder soweit, und Caedmon of Helmsby kann endlich die Liebe seines Herzens, Aliesa, aus dem Kloster holen und in sein Heim führen.

Die Grundzüge dieses immer gleichen Musters halten die auseinanderstrebenden Kräfte im Zaum, die sonst von den verschiedenen Kräften in der politischen Landschaft ausgeübt werden, seien dies nun Gegenkönige, konkurrierende Fürsten, intrigante Kirchenmänner oder auch nur ein rivalisierender Stamm wie in „Die Siedler von Catan“. Die eine oder andere Invasion verschärft natürlich die Lage Dinge und die des Helden, vor allem wenn seine Loyalität nicht nur (s)einem Herrscher gehört.

In „Das zweite Königreich“ bewirkt Williams Invasion und gewaltsame Eroberung Englands den Widerstand der Britannier, der sich unter der Führung eines Verwandten König Edwards, Edgar, organisiert. Auch Hereward der Wächter ist eine Symbolfigur der Rebellen. Caedmon bekommt es als Gefolgsmann Williams und Vermittler mit beiden Herrschaften zu tun. Schlimm sind die Szenen, die er im abtrünnigen York erlebt, wo er die Burg gegen die anrennenden Bürger und Rebellensoldaten verteidigt.

Schlimm sind aber auch die Szenen in der Abtei Ely, die mitten in den Sümpfen von East Anglia liegt, wo er sich bestens auskennt, da es seine Heimat ist. Hier greift Williams Armee Edgar, Hereward und Caedmons Bruder Dunstan an, der unerwarteterweise gar nicht tot ist. Wie so oft, muss auch dieser Erzählstrang in einer dramatischen Szene seinen Höhepunkt finden, damit dieser Nebenschauplatz gerechtfertigt ist. Und es gibt als Bonus noch eine gute Actionszene mit Schwertkampf obendrauf. Immer wieder werden die politisch-militärischen Entwicklungen lange vorbereitet, bis es zu einer Entscheidungssschlacht wie in Ely kommt. Das gilt auch für Williams Kampf gegen den rebellischen Sohn Roger und dessen Gefolgsleute.

Ob diese Ereignisse wirklich so stattgefunden haben oder in Wahrheit ganz anders, darüber sollen sich die Historiker streiten, mit denen die Autorin allerdings nicht im Clinch liegt, wenn man ihrer Aussage im Booklet glauben darf. Die Hauptsache ist doch, dass die Ereignisse eine logische Abfolge ergeben. Dass die Rebellion der Britannier eine Folge der normannischen Invasion ist, erscheint völlig plausibel. Die Engländer mussten plötzlich eine fremde Kultur und Sprache übernehmen. Aus dem Wandel entstand das titelgebende „zweite Königreich“.

Prof. Tolkien als Sprach- und Literaturspezialist fasste dieses epochale Ereignis als Katastrophe für die einheimische Kultur auf und reagierte mit der Schaffung eines eigenen Schöpfungsmythos für seine Nation, sozusagen eine Alternativgeschichte. Ironisch, dass er dabei auf altnordische, finnische und walisische Quellen zurückgriff.

Es verlangt natürlich einige Aufmerksamkeit von Hörer, dem umfangreichen Personal über so viele Szenen hinweg zu folgen. Daher empfiehlt es sich, das Hörspiel mehrmals zu hören. Die schön gestaltete Soundkulisse – siehe unten – trägt einen hohen Anteil zu dem Vergnügen bei, das man dabei hat.


Fazit: vier von fünf Sternen.

Michael Matzer © 2008ff

Info: Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 02/2006, 878 Seiten, Preis: 6,00 Euro, ISBN-13: 978-3404264780

37 Bewertungen, 21 Kommentare

  • Iris1979

    24.06.2008, 18:36 Uhr von Iris1979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht. LG Iris

  • Clarinetta2

    30.03.2008, 16:09 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    klasse geschrieben

  • panico

    09.02.2008, 20:01 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg panico:-)

  • UnserRenatchen

    07.02.2008, 12:05 Uhr von UnserRenatchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    viele liebe Grüße sendet das Renatchen

  • Tut_Ench_Amun

    30.01.2008, 22:44 Uhr von Tut_Ench_Amun
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG vom Ollen

  • kreinsch2

    21.01.2008, 12:03 Uhr von kreinsch2
    Bewertung: sehr hilfreich

    lieben Gruß - kreinsch2

  • wir_2

    15.01.2008, 21:36 Uhr von wir_2
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einfach klasse, wir_2

  • anonym

    14.01.2008, 17:31 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Perfekt, lG Chrissy

  • anonym

    14.01.2008, 13:51 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse lg pidi

  • Markusgeiger86

    14.01.2008, 13:27 Uhr von Markusgeiger86
    Bewertung: sehr hilfreich

    mfg, Markus

  • anonym

    12.01.2008, 09:34 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Damaris

  • BroeselWerner

    11.01.2008, 23:15 Uhr von BroeselWerner
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße

  • bigmama

    11.01.2008, 22:24 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anett

  • Miraculix1967

    11.01.2008, 21:42 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönes Wochenende, SH und LG Miraculix1967:-)

  • aurelia_aurita

    11.01.2008, 19:36 Uhr von aurelia_aurita
    Bewertung: sehr hilfreich

    bin immer vorsichtig, wenn frauen sich in historischen romanen versuchen, das endet immer so schnell in schnulzig, aber das scheint hier ja nicht der fall zu sein :-)

  • anonym

    11.01.2008, 17:44 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Sabrina

  • morla

    11.01.2008, 15:54 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    l.g. petra

  • calista78

    11.01.2008, 14:19 Uhr von calista78
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht, Petra

  • Barniestar

    11.01.2008, 13:33 Uhr von Barniestar
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg :-)

  • DOMMEL

    11.01.2008, 13:22 Uhr von DOMMEL
    Bewertung: sehr hilfreich

    ein sh, LG Dominik

  • Katja204

    11.01.2008, 13:21 Uhr von Katja204
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, lg katja