Der König der purpurnen Stadt (gebundene Ausgabe) / Rebecca Gablé Testbericht

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ab 9,97
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Erfahrungsbericht von galeria

Episode I für das Lächeln der Fortuna?

Pro:

Spannung und historische Korrektheit

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

So könnte man den neuesten Schmöker Rebecca Gables bezeichnen. Denn es spielt genau in der Zeit vor ihrem ersten Roman "Das Lächeln der Fortuna". Was aber nicht heißen soll, dass man ihren Ersten kennen müsste. Es ist ein abgeschlossener Roman und äußerst empfehlenswert für alle Fans historischer Schwergewichtler. Ich hab durch einen regelmäßigen Newsletter erfahren, der dritte Band Rebeccas ist draußen - also ab dahin und kaufen, pfeif aufs Geld, den muss ich haben und ich hab`s nicht bereut.

Wieder spielt die Handlung im Old England und das im 14. Jahrhundert zur Zeit Edwards III., der König, der seinen Anspruch auf den französischen Thron geltend machen wollte und dadurch den 100jährigen Krieg begann. Die Hauptperson ist diesmal ein junger Kaufmannslehrling, der sein Handwerk bei seinem grausamen trunksüchtigen Vetter Rupert Hillock erlernt. Schläge und Beleidigungen gehören zum Alltag, nur die alte Großmutter, die noch im Hause wohnt, setzt sich oft für Jonah ein, denn sie erkennt in ihrer Weisheit, dass aus Jonah mal ein gerissener Kaufmann werden könnte.

Elisabeth, Ruperts Frau, verliert ein Kind nach dem anderen, kann nicht eine Schwangerschaft austragen, wird demzufolge immer mürrischer und neidischer. Schlimmer wird es, als die alte Großmutter stirbt und Jonah ein Vermögen hinterlässt, das Vermögen, dass eigentlich Elisabeths Kindern zugestanden hätte, die sie ja nun mal nicht hat. Sie und Rupert schmieden Komplotte gegen Jonah, die sich durch die ganze Geschichte ziehen, aber wie durch ein Wunder rappelt sich Jonah immer wieder auf und wird eines Tages ein angesehener Kaufmann und Mitglied in der Tuchmachergilde.

Jonahs Freunde und seine guten Beziehungen zum Königshaus helfen ihm immer wieder aus jeder schrecklichen ausweglosen Lage. Aber auch Jonah ist ein schlauer und einfallsreicher Mann, der äußerlich eiskalt und berechnend wirkt, aber das ist nicht sein wahres Ich. Er verbirgt seine Gefühle vor jedermann und das bringt ihm in seinem Leben immense Vorteile, nämlich den Respekt seiner Freunde und diverser Geschäftsleute und den Gehorsam seiner Untergebenen.

Wer ein bisschen in der Geschichte Englands bescheid weiß, der hat sicherlich schon davon gehört, dass König Edward III. seinen Krieg gegen Frankreich teuer bezahlen musste und ohne seine Kaufleute jämmerlich dagestanden hätte. Und in Geschichtsbüchern kann man nachlesen, dass er um England von der flandrischen Tuchindustrie unabhängig zu machen, flämische Leineweber zur Ansiedlung einlud. Er begründete damit die englische Tuchindustrie. Und genau das ist das Hauptaugenmerk in Rebeccas Roman. Allerdings hat sie es als Idee Jonahs hingestellt, der das Ganze mit Hilfe der Königin in die Wege leitete. Wer nun wirklich diese Idee hatte, das weiß wohl keiner so genau *g*. Fest steht aber, dass Rebecca trotz aller Fiktion immer noch größtenteils bei der Wahrheit geblieben ist und klasse recherchiert hat.

Ich erzähle jetzt nicht die ganze Geschichte, auch wenn`s mich in den Fingern juckt, aber ich will nicht wieder Ärger kriegen mit einigen hier *g*. Aber ich verspreche euch einen spannenden und unterhaltsamen Roman, wie man`s nicht anders gewohnt ist von der Gable. Und auch wenn Jonah nebst Familie frei erfunden sind, so ist es doch im Großen und Ganzen ein historisch korrektes Werk geworden, was für mich immer das Wichtigste ist. Rebecca versteht es wunderbar, die Charaktere zu beschreiben, man weiß immer irgendwie genau, was in den einzelnen Mitwirkenden vor sich geht. Und man kann so richtig herrlich hassen *g*, ja wirklich! Den schlimmsten Feind Jonahs könnte man aus den Seiten zerren und in den Händen zerdrücken. Und man wird wütend, wenn er immer wieder übers Ohr gehauen wird. Aber man ist auch irgendwie stolz auf ihn, weil er ein Mensch ist, der sich nichts gefallen lässt. Rache ist was schönes *g*.

Tja, und wenn Rebecca dermaßen gut schreibt, dass man direkt mit der Geschichte mitwächst, sich gar mittendrin befindet (ich trampelte im Fitnessstudio auf meinem Rad und las dieses Buch, bekam nicht mit, dass jemand was von mir wollte und alle zeigten mir schon einen Vogel, weil ich so versunken war und mit niemandem mehr redete, meine Reaktion: "...ups....ähm...ja?..."), so muss ich doch sagen, dass mir zwei kleine Schnitzer nicht gefielen:

In einer Textstelle verglich sie etwas mit dem selbstmörderischen Gehopse der Lemminge und in einer anderen wurde Jonah mit der Müllerstochter verglichen, die Stroh zu Gold gesponnen hatte. Ok, die Grimms gabs noch nicht, sicherlich aber ihre Märchen, die ja nichts anderes als überlieferte von Mund zu Mund weitergereichte Geschichten waren. Ok, das lass ich mir noch ein bisschen gefallen, auch wenn es irgendwie nicht so recht passte, aber Lemminge??? Irgendwie sind das Kleinsäuger der Polargebiete und ich glaub kaum, dass ihre Selbstmorde schon zur damaligen Zeit als Redewendung benutzt wurden, geschweige denn dass sie jemand im England Mitte des 14. Jahrhunderts schon kannte. Man mag mich eines Besseren belehren, aber dafür hätte ich dann doch ganz gern Beweise.

Trotz dieser kleinen Ausrutscher war es ein rundum gelungenes Buch und ich freue mich schon auf das nächste, was Rebecca vielleicht grad in der Mangel hat...ich denke doch, dass sie wieder was in Arbeit hat, ich hoffe es zumindest. Sie hat`s mit der englischen Geschichte und die verpackt sie immer sehr originell und spannend, dass man süchtig nach ihren Büchern werden kann...ich bin`s schon *g*.

Das Buch ist noch nicht lange auf dem Markt und ist unter der ISBN-Nummer 3-431-03439-X nur in gebundenem Zustand zu bekommen. Auf Taschenbücher muss man wohl noch ein bisschen warten.

Danke fürs Lesen,

eure Galeria.

UPDATE!
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Das Märchen vom Rumpelstilzchen ist seit dem 12. Jahrhundert bekannt, also sei die Müllerstochter verziehen. Ebenso muss ich mich entschuldigen wegen der Lemminge. Die waren tatsächlich damals sehr wohl bekannt:

Rebecca Gable Zitat Anfang:

"Diese Tiere und ihr unerklaerliches Verhalten haben
sowohl Theologen wie auch die Vorgaenger der Naturwissenschaftler im Mittelalter beschaeftigt und sind in Tierbuechern, sog. Bestiarien, den
Bestsellern des Mittelalters, beschrieben worden."

Zitat Ende.

Ein Irrtum meinerseits, deshalb nehme ich das da oben zurück. Rebecca Gable recherchiert wirklich meisterhaft, selbst solche Kleinigkeiten, die man nie im Leben in so einer Geschichte vermutet hätte, haben einen historischen Hintergrund. Man glaubt es kaum. Hut ab vor dieser Frau.

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