Gartenhibiskus Testbericht

Gartenhibiskus
ab 9,59
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
5 Sterne
(1)
4 Sterne
(4)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)
Summe aller Bewertungen
  • Pflege:  einfach
  • Aussehen:  sehr gut
  • Anspruch an Standort:  gering

Erfahrungsbericht von Tut_Ench_Amun

Dem Pharao blüht was

Pro:

Sieht toll aus WENN er denn mal blüht, mag viel Sonne und hohe Temperaturen - lässt sich vom Pharao übelst beschimpfen ;-)

Kontra:

Pflegeintensiv und berührungsempfindlich

Empfehlung:

Ja

Und weiter gehts mir einer neuen Folge von Grünen Daumen des Pharaos und seinem schmucken Tempelbewuchs. Nach dem Dauerbeschuß von Iris’ Rosenwahn ist es nun langsam mal an der Zeit gnadenlos zurückzuschlagen, auch Merkwürden hat was rosenmäßiges aufzufahren: Den Hibiscus oder auch (Rosen-)Eibisch. Diese Strauchpflanze ist ein schrulliger Vertreter, sofern man bei einer Pflanze davon sprechen kann, doch diese Eigenschaft passt ja irgendwie ganz gut zu mir *g*. Anschaffungsgrund war aber nicht irgendein Anfall von plötzlichem Rosenwahn, sondern ist eher praktisch motiviert gewesen. Der Dach-Tempel des Pharaos ist sehr hell und im Sommer geradezu unerträglich warm, nicht viele Gewächse kommen auf diese Umgebungsbedingungen klar. Ich brauchte noch etwas für meinen Couchtisch direkt unter dem (schrägen) Wohnzimmerfenster, wo dummerweise die Sonne tagsüber lange drauf scheint. Demnach brauchte ich eine lichthungrige Pflanze, denn immer nur Kakteen is’ ja auch irgendwann mal langweilig. Ein großer, dekorativer Eyecatcher sollte es sein, um diese tote Ecke endlich zu füllen...

Der Steckbrief
-------------------
Name: Hibiscus (Varietät: „Syriacus“)*
Deutsche Synonyme: Hibiskus(-Busch), (Rosen-)Eibisch (Varietät: „ rosa-sinensis“) auch China Rose (Varietät: „rosa-chinensis“), insgesamt etwa 300 bekannte Arten.
Gruppe: Malvengewächse (Moraceae)
Heimat: China, Ostindien
Blüte- und Wuchszeit: März – Oktober (Varietäten ganzjährig)*
Wuchshöhe: je nach Unterart von 30 cm bis zu 2 m
Standort: Hell, Sonnig ohne Zugluft – Standort nicht verändern!
Düngung: Blütezeit - 1 x in der Woche mit Flüssigdünger
Wurzelform: Ballen / Ast- bzw. Fadenwurzeln
Boden: Humus, Blumenerde, Rindenmulch
Bewässerung: Reichlich, Stauwasser im Übertopf vermeiden!
Überwinterung: 12 – 14° C nicht unterschreiten*
Normaltemperaturen: 14 bis 35 ° C
Topfgröße: von 15 cm bis Kübel-Größe auf der Terrasse/Balkon
Vermehrung: Kopf-Stecklinge

*) Der Syriacus ist die einzige „Winterharte“ Varietät des Hibiscus, die auch in unseren Breiten draußen überwintern kann und diesen Stunt auch überlebt, zudem blühen die kleineren Wohnungs-Arten beinahe ganzjährig und kennen so etwas, wie Überwintern nicht, sofern die Temperatur und Umgebungsbedingungen stimmen.

Rosa Riese – Die Anatomie
-----------------------------------
Der Hibiskus wird oft als Eibisch, Rosen-Eibisch oder als „China Rose“ ab ca. 30 cm Höhe im Handel angeboten. dabei hat er biologisch mit einer Rose soviel zu tun, wie der Sägefisch mit’m Hobeln. Beide gehören völlig verschiedenen Familien an, der Hibiscus ist ein Malvengewächs und hat etwa 300 verschiedene Arten aufzuweisen. Die Wildform blüht rosa, Zuchtformen gibt es auch in Gelb, Rot, Apricot und diversen Zwischentönen. Der Hibiscus-Strauch kann in seinem Herkunftsgebiet (China, Vorderasien) bis zu 2 Meter hoch werden, in unserer Gegend erreicht er immerhin noch respektable 1 - 1½ Meter. Die meist verbreitete und etwas kleinwüchsigere (Wohnungs-)Kultur ist die Art „rosa-sinensis“ aber auch der „Syriacus“ wird hierzulande gerne verkauft, dies ist auch die einzige Unterart, die winterfest ist und in der kalten Jahreszeit draußen bleiben kann. Mein Exemplar ist ein Syriacus, mit den charakteristischen rosa Blütenkelchen der Wildform.

Die Blütenkelche des Hibiscus sind trompetenförmig und erinnern stark an die Schalltrichter eines alten Grammophons mit etwas ausgefransten Rändern, sie erreichen im Idealfall einen Durchmesser von gut 10-13 cm. Die samtigen, leuchtenden Kelche sind extrem berührungsempfindlich und werden in diesem Falle von der Pflanze rigoros abgeworfen. Aus ihrer Mitte entspringt ein vorspringender Stempel, die Knospen selbst (bei einer 30 cm messenden Pflanze etwa 3 - 5 Stück - je nach Laune *g*) bilden sich in den Knotenpunkten der Blattachseln, nie 2 am gleichen Ort und über die gesamte Pflanzenlänge verteilt. Das relativ dichte, ausgewachsene Blattwerk ist dunkelgrün (damit meine ich RICHTIG dunkel, fast schwarzgrün). Das einzelne Blatt hat entfernte Keilform und ist dem einer Birke nicht unähnlich, lediglich geringfügig größer und einen Tick gezackter, zudem wirkt es robuster bzw. fleischiger. Verkauft wird ein einzelner Hibiscustrieb entweder mit seinen (Ast-)Wurzeln im Ballen oder direkt fix und fertig eingetopft. Der gummiartig/flexible Mutter-Stamm hat anfangs etwa 5 mm Durchmesser und eine leicht holzige, ziemlich glatte Oberfläche.

Rosarote Zeiten – Die Pflege
------------------------------------
Die ersten Probleme fangen schon direkt nach dem Kauf an: Der Hibiskus ist ein kleines Trinchen-rühr-mich-nicht-an, er hasst Ortswechsel und wenn im Laden auch noch die schönsten Blütenkelche zu sehen waren, so könnt ihr ziemlich sicher sein, dass er die zuhause angekommen und sobald ihr ihn aus seiner Transportfolie gepellt habt, euch erstmal wahrscheinlich alle Blüten entgegen rieseln. Ängstliche Naturen seien beruhigt, das ist vollkommen normal und gibt sich innerhalb weniger Tage, das heißt: wenn dem Herrn der neue Standort auch genehm ist. Damit haben wir eine erstklassige Überleitung zum Standort, der sollte hell und sonnig sein, das prädestiniert ihn für die Fensterbank oder den Balkon/Terrasse. Halbschatten geht zur Not auch noch soeben, ist aber nicht wirklich seine Welt. Pralle Mittagssonne ist dennoch nicht ganz nach seinem Geschmack, kann er aber verdauen, falls es nicht tagelang brütend heiß ist (so wie jetzt *g*). Meiden sollte man starke Zugluft, denn - wir erinnern uns - bei Berührung schmeißt der kleine Lump seine Blüten wech, ein kräftiger Luftzug wird von ihm auch als Berührung registriert und...naja, man kann sich denken, was dann passiert ;-)

Etwas robuster ist der auch in europäischen Gefilden im Winter überlebensfähige var. syriacus, der ist zwar ebenfalls ein Weichei, was Standort und Pflegebedingungen angeht, treibt aber schneller neue Blüten und ist nicht ganz so eine Mimose, wenn mal ein wenig Wind geht. Trotzdem gleicht das erfolgreiche Blühen lassen eines Hibiscus oft einem Lotteriespiel oder einer okkulten Wissenschaft, hat man es denn mit viel gutem Zureden und einschließen ins Nachtgebet geschafft, dass der Halunke sich wohlfühlt, sollte man sich hüten die Kelche voller glücklichem Hurra-Geschrei zu berühren und vor lauter Freude mit dem Topf fest ans Herz gedrückt durch die Bude zu rennen (Denkt an den Standortwechsel *g*). Wer Haustiere hat, sollte auch sie versuchen davon zu überzeugen besser nicht mit den tollen neuen Blüten zu zocken oder dran zu schnüffeln. Kaum hat man sich umgedreht spuckt der kleine Drecksack einem nämlich die farbenfrohen Kelche demonstrativ vor die Füße *uuuargh*. Freut euch still und leise, stört ihn nicht, lobpreiset ihn (heimlich)...aber packt ihn nicht an. An dem Kelchen gibt’s übrigens auch nichts zu riechen, kann ich euch hiermit hoch und heilig versichern - Neugier hin oder Her: lasst es!... ;-)

Die Gießerei erreicht biblische Züge, manchmal komme ich mir vor, wie weiland Johannes der Täufer, als er halb Israel den Jordan über die Birne gegossen hat: Der Hibiskus ist ein Schluckspecht. Im Gegenzug kommt er aber auch mir niedriger Luftfeuchte ab etwa 45% rel. aus, ein Tribut seiner fleischigen Blätter, die dort Wasser speichern können. Vermeiden sollte man, dass sich überschüssiges Stauwasser im Übertopf sammelt, dann beginnen die Wurzeln zu faulen - wer also meint den durstigen Hibiskus überlisten zu können, indem er einfach nach dem Motto „Viel hilft viel“ den Topf einmal in der Woche flutet, kann damit rechnen, dass sich bald schon braun-gelbe Blätter bilden. Das gleiche Symptom zeigt sich übrigens auch bei zu wenig Wasser. Der olle Genießer will jeden Tag eine wohldosierte Portion Wasser bekommen - nicht zu viel und nicht zu wenig...und lauwarm bitteschön *g*. Gedüngt wird in der Blütezeit (die meisten Arten, so auch mein Syriacus von März bis Oktober) jede Woche mit einem beliebigen, flüssigen (!) Blühpflanzendünger. Um ein Verbrennen der Wurzeln zu verhindern verdünnt man Dünger nach Vorschrift und daran hält man sich auch tunlichst. In den Herbst- / Wintermonaten reicht die gleiche Dosis einmal im Monat, das hängt aber von der jeweiligen Unterart ab.

Rosenkrieg - Nebeneffekte
-----------------------------------
Getrocknete Hibiskusblüten werden in der Volksmedizin gerne in Tee-Form verzehrt und sollen als „Malven-Tee“ oder „Hibiskus-Tee“ positiven Einfluss auf dem Magen-Darm Trakt haben. Als homöopathisches Mittel eingestuft fehlt dafür aber bisher der medizinische Beweis über diese Wirkung, allerdings hat man hohen Ascorbin-Gehalt (sprich: Vitamin C) in Form von Zitronensäure nachweisen können, das ist ja immerhin schon mal was *g*. Allergiker aufgehorcht! Auch hierzulande sind viele Menschen gegen einige Eibisch-Arten allergisch, die Haupt-Pollenflugzeit liegt beim hier überwinterungsfähigen Hibiscus rosa-sinensis syriacus Anfang Juni bis gegen Ende Juli und erstreckt sich nicht auf die gesamte Blühzeit. Ich war bis vor etwa 5 Jahren gegen Eibisch hochgradig empfindlich, was mein Körper mit erhöhter Histaminausschüttung quittierte...aus unerfindlichen (aber höchst erfreulichen) Gründen hat sich das gelegt und ich kann diese schöne Pflanze auch in der Wohnung kultivieren ohne gleich mit geröteten Rhesus-Augen in Tränen auszubrechen oder dass mir der Schnodder gleich literweise aus der wunden Nase läuft *igittigitt*...Die Pharmaindustrie möge mir verzeihen, zumindest in diesem Fall benötige ich nicht länger ein großkalibriges Anti-Allergikum ;-)

Rosenkavalier – Das Fazit
---------------------------------
Teuer sind zumindest die Syriacus Varianten nicht, sie liegen bei circa. 6 Euronen pro Topf, wobei man natürlich wieder darauf achten sollte, dass der Bursche auch schon vor’m Kauf gesund aussieht. Fehlende Blüten sind leicht zu verschmerzen, doch bräunlich-gelbe Blätter sind dickes Pfui-Pfui. Man kann über den Rosen-Eibisch sagen, was man will - zum Beispiel, dass er ziemlich launisch ist und kein einfacher Kamerad, was das Blühen angeht - doch gerade solche Momente, WENN er denn mal blüht (jetzt gerade hat er einen schönen, leuchtenden Riesenkelch ausgebildet *stolz*) entschädigen für den Aufwand diese Pflanze gut zu versorgen. Falls dann auch noch an möglichst vielen Knoten und Achseln feine zart-grüne Blätter sprießen, ist buchstäblich alles wieder im grünen Bereich. Die Standortsuche kann so manches Mal etwas dauern, doch der Hibiscus „sagt“ einem schon, wo’s ihm genehm ist und wo nicht, das kriegt man sehr schnell spitz. Der olle Verbrecher ist meine einzige Pflanze die auch morgens mal ein herzliches (nicht bös’ gemeintes) „Na Drecksack?“ zu hören bekommt... geschadet hat’s, wie ich anhand der dicken rosa Blüte sehe, nicht ;-)

Grundsätzlich gilt: Hell, Heller am Hellsten und eifrig gießen. Wenn man ihn dann nicht betatscht (besonders die Blüten nicht) klappt\'s auch mit dem dekorativen Aussehen. Beschneidung in den Herbst/Wintermonaten sorgt für Eindämmung der Wuchshöhe und kann dazu benutzt werden Ableger zu ziehen. In einem kleinen Topf mit etwa 15 cm Durchmesser ist sein Bestreben allzu groß zu werden sowieso etwas gehemmt – anders, wenn man ihn draußen in einen Kübel pflanzt, dann wird der Hibiscus (bei guter Pflege und gutem Zureden) verdammt hoch. Abzüge gibt es für den Zirkus den man veranstalten muss, damit sich der Gauner denn auch wohlfühlt und seinen Hang zu theatralischem Abwerfen der Kelche plus der eventuellen Allergiegefahr. Das macht unterm Strich immer noch ein sattes GUT und eine Empfehlung für alle, die den Aufwand nicht scheuen, jedoch mit wunderschönen Blüten belohnt werden möchten. 4 Sterne...*seufz*...wenn das Biest mal soviel Blüten gleichzeitig zeigen würde... ;-)

SoLong

Der Hibiscus-Beschimpfer-Pharao

Warnhinweis:
Schnellklicker sollen bei lebendigem Leibe von Spinnenmilben aufgefressen werden ;-)

21 Bewertungen