Auf Ehre und Gewissen (Taschenbuch) / Elizabeth George Testbericht

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Erfahrungsbericht von wirnhier

Elite wird oft als etwas besseres gesehen...

Pro:

Interessante Umgebung, Zeit für Impressionen und nettes Hin und Her

Kontra:

Wie gut sind Klischees

Empfehlung:

Ja

...doch wenn die Elite der Elite wegen etwas vertuscht, weil etwas passiert ist, das nach aussen die Elite als Übel darstellen würde, dann wird der Einzelne schon mal vergessen.

Damit habe ich im Grunde die Moral der Geschichte vorweggenommen, doch wenn die Geschichte nur diesen Satz vermitteln wollte, dann verrät sich alles schon im Titel. Doch gerade weil Eliten etwas sehr faszinierendes ist geht dieser Stoff runter wie Öl, dazu ist die Vorlage von Elizabeth George auch noch so flüssig übersetzt, dass sich die Geschichte einfach so dahinlesen lässt.

1. Der Krimi
2. Ansprache an die Phantasie
3. Spannung und Tiefgang
4. Was wird diese Geschichte transportieren...?
5. Was nehme ich sonst noch mit...?


1. Der Krimi
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An einer Kirche wird ein totes Kind, ein Teene gefunden. Die Spur führt zu einer Elite Schule. Der Tote ist aber nicht der typische Elite Schüler, das wird schnell klar, doch vieles bleibt erst einmal im Dunkeln.

Inspector Thomas Lynley und Sergeant Barbara Havers, beide vom Scotland Yard mehr oder weniger freiwillig auf diesen Fall angesetzt, werden so richtig klassisch in die Geschichte eingeführt. Wie bei einem guten Kriminalisten Paar verstehen sie sich nicht gleich, jeder hat seine Eigenheiten und auch so sein Geheimnis. Sei es das Sergeant Barbara Havers Probleme im Elternhaus hat, eigentlich ihren Vater zum Arzt bringen müsste, doch durch den Einsatz nicht dazu kommt, bis ja bis... Ihre Mutter kann wird in dieser Situation mit ihrem Alzheimer ein weiteres Problem und beides versucht Havers vom Beruf fern zu halten.

Im Fall des Toten Kindes, sein Name ist, besser war Matthew stossen die beiden auf immer neue Ungereimtheiten. Matthews Eltern konnten sich die Elite-Schule nicht leisten, sie waren ein ganz normal verdienendes Ehepaar, sie mussten sogar beide arbeiten gehen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Es fällt Lynley und Havers aber nicht leicht herauszufinden, dass es einen Gönner des Jungen gibt, doch zuvor stossen sie in der Schule schon auf Spuren eines zurück liegenden Falls, der auch im Tod, wenn gleich anderer Art endete. Trotzdem ergeben sich Parallelen und Verbindungen zwischen dem Tod der beiden Elite Schüler.

In den Tod des Schülers Matthew, der nicht nur keine reichen Eltern hat, sondern auch sonst nicht so richtig in die Schule passte, mischt sich die Aufdeckung einer Hackordnung, die in der Elite-Schule traditionell gegen die jüngeren Schüler richtet. Diese Hackordnung wird scheinbar von allen geduldet, ja sogar in gewisser Weise unterstütz bzw. oft durch eigene Erfahrungen einfach angenommen. Die Ausmasse dieser alt hergebrachten Tradition sind jedoch den wenigsten klar und werden ganz nebenbei in der Geschichte abgegeisselt.


2. Ansprache an die Phantasie
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Die Umgebung der Geschichte – so wie ich sie eingangs vorgestellt habe – bedient sich gewisser Vorurteile oder Klischees, die meiner Meinung nach den Einstieg in das was passiert und das was beschrieben wird vereinfachen soll, oder anders formuliert, man soll sich nicht lange damit auseinandersetzen irgendwelche Beziehungen zu den gesellschaftlichen Schichten herzustellen, die sollen sofort greifbar sein, damit sich der Leser mehr dem Fall aber noch viel mehr der Umgebung widmen kann.

Ich finde es an und für sich plump, wenn sich eine Geschichte in eine sehr stark ausgeprägte Umgebung einbettet. Doch ich denke Elizabeth George wird nicht umsonst sehr gerne gelesen, sie bedient sich zwar auch dieses Mittels, doch der Tiefgang in der Geschichte folgt und das beseitigt diesen kleinen Makel. Und um letztlich keinen intellektuellen vorzutäuschen, der ich nicht bin, ich habe dieses Buch angefangen zu lesen, weil ich durchaus scharf auf solche Geschichten bin.

Ich liebe es aber gleichermassen sich in ein Umgebung hineinzudenken, mir Gebäude detailliert vorzustellen, Schlupfwinkel vor meinem inneren Auge zu bilden und eine Geschichte im inneren Auge wie ein Film vor mir ablaufen zu lassen. Bei ‚Auf Ehre und Gewissen’ habe ich quasi einen detaillierten Lageplan des Campus vor mir bei dem ich lediglich ein paar Gebäude hinzufügen musste und bei dem ich hin und wieder die Himmelsrichtungen wieder neu ausloten muss. Ich habe jetzt nicht überprüft, ob mir da ein gedanklicher Fehler unterlaufen ist oder ob da ein Fehler im Text vorliegt ;o)

Wenn eine Geschichte auf einen Raum, eine kleine Umgebung beschränkt wird laufe ich doch hin und wieder Gefahr mich darin zu langweilen. Da muss die Geschichte dann schon sehr viel Spannung aufbauen. So ein Campus - gut, hin und wieder geht die Geschichte auch mit den ermittelnden Kommissaren nach ausserhalb – so ein Campus ist aber ein idealer Platz, er ist eben nicht zu eng, um sich zu langweilen, dafür aber wieder gross genug, um interessant zu sein. Eben auch ein probates Mittel einen Leser nicht zu überfordern.


3. Spannung und Tiefgang
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Ich liebe Romane, wenn sie viele Geheimnisse lange verbergen und den Leser durchaus auflaufen lassen. Wenn sich Gegebenheiten plausibel anders verhalten, als man sich das zuvor ausgemalt hat.

Den Tiefgang kann ich nicht wirklich beurteilen und da ich das Buch locker durchlesen konnte gehe ich einfach mal davon aus, dass es nicht all zu tief war. Doch wie steht es schon hinten treffend auf dem Umschlag: Beste Unterhaltung.

Und doch bleibt der Roman nicht einfach flach bei der Geschichte. Man kommt schon ins Grübeln bei dem einen oder anderen rassischtischen Ansatz. All zu schnell wird man auf eine Spur geleitet, die einem zu voreiligen Schlüssen kommen lässt. Klar bin ich skeptisch, doch war ich nicht skeptisch genug, schliesslich steht Roman drauf und es hätte ja auch sein können, dass die Geschichte ganz platt Moral predigen möchte.

Ich wollte in der Geschichte bei Rückschlüssen, die ich eben vermutlich gewollt voreilig gezogen habe, ganz schnell wissen wie es zu so einer Gemeinheit kommen konnte, welcher der feinen Herren da wohl der Wolf im Schafspelz ist. Ich wäre enttäuscht gewesen, hätte ich den Verlauf der Geschichte erraten können. Ein ums andere Mal wurde eine Finte gelegt. Die Machenschaften der älteren Schüler, die ihre jüngeren Mitschüler aus Tradition drangsalierten. Dann ein über alles erhabener Schülersprecher, der jedoch obgleich er sich nicht so gibt die Machenschaften seiner Mitschüler gewollt übersieht. Ein Schüler, der zwar reiche Eltern hat, aber nicht die Reife, um den Anspruch der Schule zu genügen und sich durch ‚Leichen im Keller’ seinen Verbleib auf der Schule sichert. Jeder der Elite-Schüler scheint nicht ganz sauber zu sein und doch trügt der Schein immer und immer wieder. Nicht der eine Makel des einen ist einfach so das Böse.

Ich bleibe dabei, es sind einfache Mittel, um Spannung zu erzeugen, doch sie sind gut aufeinander abgestimmt und haben für mich keine nennenswerten Lücken hinterlassen.


4. Was wird diese Geschichte transportieren...?
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Für mich als ich formuliere es mal so: Viellese Anfänger (erst seit einem guten Jahr lese ich ein Buch nach dem anderen) habe mich in dieser Geschichte immer wieder gut beirren lassen. Ein ums anderen Mal habe ich mir gewünscht, dass z.B. der bereits erwähnte rassistische Ansatz die Wurzel des Übels ist. Da Matthew ein halber Engländer und ein halber Asiate ist drängt sich das Thema unwillkürlich auf. Es drängt sich aber auch gut wieder in den Hintergrund, weil der eine oder andere Verdacht entkräftet wird.

Doch viel schlimmer finde ich, dass ich als Leser mich manipulieren lasse. Die Erkenntnis, dass ich, obwohl ich mich durchaus als gefestigten Charakter einschätze, einfach mal so mit meinem gedanklichen Finger auf einen scheinbar Schuldigen zeige ist erschreckend.

Es wäre jetzt ganz einfach zu sagen, siehst du, das sollst du aus dieser Geschichte lernen. Die scheinbar schuldigen sind es eben nicht. Diese Schlussfolgerung wäre wiederum auch zu einfach. Auf dieses Spielchen habe ich mich eben auch nur ein Stückweit eingelassen, ich habe der Dinge geharrt und es nicht wirklich gewagt meinen gedanklichen Finger zu heben. Klar habe ich mitgefiebert und habe versucht den Schuldigen oder die Schuldigen auszumachen. Doch in dem Augenblick, da ich jemanden eingekreist habe bin ich einen Schritt zurück gegangen und habe noch mal abgewartet. Ich habe mich in eine beobachtende Person zurückgezogen.

Ich habe das natürlich in erster Linie deswegen gemacht, weil ich am Ende nicht selbst vor mir stehen wollte und sagen musste, tja, falsch geraten. Ich wollte schon mit Lynley zusammen die Schuldigen fangen und das mit Hinweisen und eben nicht durch raten. Aber ich glaube beobachten ist sehr oft eine gute Methode, um fair zu bleiben.

Wenn das die Botschaft der Geschichte ist habe ich sie aufgenommen. Aber ich denke es sind weitere Interpretationsmöglichkeiten möglich.


5. Was nehme ich sonst noch mit...?
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Die Geschichte gewährt einen kleinen Einblick in die englische Geschichte. Es findet eine kleine Erklärung für die Probleme derer, die durch ihre Eltern keine eindeutige Herkunft gesegnet sind. Als sogenannter Mischling, in diesem Fall englisch und asiatisch (das wird nicht genauer definiert oder ich habe es bereits vergessen), hat man schnell kleine Probleme. Zum einen sind das ganz normale Ausgrenzungen, die auch durch eine zu dicke Nase oder Segelohren auftreten. Eine Nase oder Ohren kann man operativ korrigieren, doch eine Herkunft, auch wenn lange keiner mehr danach schreit oder viele sich daran gewöhnt haben, eine Herkunft und Beschimpfungen darauf denke ich sind weit grausamer, als wenn man wegen einer Nase gehänselt wird. Es fehlt halt der Halt zu etwas gemeinsamen, zu etwas was andere eben auch habe, etwas was man mit anderen teilen kann.

Neben solchen Problemen werden aber auch ganz einfach Beziehungsprobleme behandelt, so wie bei Sergeant Barbara Havers Elternhaus. Sie kümmert sich um ihre Eltern, die eigentlich nicht allein gelassen werden sollten. Ihr Vater ist schwer krank, wird beatment und ihre Mutter redet wirr, kann nicht mehr an sich halten, wirkt depressiv und manisch. Das sind nicht die besten Voraussetzungen für einen jungen Menschen, der sich auch im Beruf noch beweisen möchte. Alte Verwandte hat im Prinzip jeder, viele kennen sicher das Problem der Eltern oder Grosseltern, die betreut werden müssen. Das kann sehr belastend sein und wenn man sich das nur einen Augenblick vor Augen hält, dann sind die allermeisten sicherlich froh, dass die eigenen Probleme doch lächerlich und klein dagegen wirken.

Ich finde es gut, wenn ein Buch in der Lage ist mir solche Gedanken zu verursachen. Dann ist es egal ob es sich um einen trivialen Roman handelt oder ob es ein hochintellektuelles Werk handelt. Mich muss eine Geschichte faszinieren, ich nehme gerne etwas mit auf meinen Weg und wenn probate Mittel dafür eingesetzt werden, dann finde ich es trotzdem o.k. - ist mir sowieso ein Rätsel, wer bestimmt denn wie oder was welche Qualität hat, gerade wenn es nicht schwarz oder weiss ist, sondern sich im Graubereich befindet.

27 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Lotosblüte

    12.09.2005, 01:32 Uhr von Lotosblüte
    Bewertung: sehr hilfreich

    aber ich selbst lese lieber über solche Bücher, als mich selber durchzuarbeiten. Ich interessiere mich einfach mehr für Nicht-Krimis. lg