Geschichte Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von *sannah*

Studium Geschichte - id est historia...

Pro:

übt kritisches Hinterfragen von Texten, fördert ("humanistische") Allgemeinbildung, man erfährt Wissenwertes nicht nur aus dem Bereich der Geschichtswissenschaft,

Kontra:

Textflut könnte abschreckend sein

Empfehlung:

Nein

„Noch eine Geschichte!“ forderte das kleine Mädchen und kuschelte sich und „Wauzi“ näher an seine Oma. Oma seufzte, aber ließ sich dennoch zu einer weiteren Geschichte überreden, obwohl das Mädchen eigentlich schon im Bett sein sollte. „Wie war das eigentlich damals, als du in der Schule warst, Oma?“ hatte das Mädchen gefragt und Oma erinnerte sich lächelnd an die harten, aber schönen Zeiten von damals.
Schon bald darauf lernte das Mädchen lesen, und kam über die Erstleseversuche (das waren Todesanzeigen...) zu Astrid Lindgren und Enid Blyton, dann schließlich hin zu vielen vielen Büchern, die erzählten, wie es damals war, in der Zeit, von der seine Oma früher immer erzählt hatte und die es noch immer faszinierten, ob mündliche oder schriftliche Erzählungen.
Das Mädchen wuchs heran (ihr Vater drohte damit, ihr einen Stein auf den Kopf zu legen) und musste bald auf dem Gymnasium einen Leistungskurs wählen. Einer davon stand für sie bereits seit Jahren fest – „Geschichte“ sollte es sein, die Faszination war geblieben, hatte sich durch (guten) Geschichtsunterricht noch verstärkt; das Mädchen hatte inzwischen schon fast den gesamten Bestand an historischen Jugendbüchern der örtlichen Stadtbücherei durchgeschmökert...

Das Mädchen war inzwischen noch größer geworden, und mit dem Abitur für reif (und weise) befunden und in die große weite Welt geschickt worden. Doch so groß die Welt auch war, eine Leidenschaft war geblieben: das Interesse für Geschichte. Daher stürzte sie sich auch auf das Studium der Geschichte. Das ganze auf Lehramt und dazu auch noch Mathe, leichtsinnigerweise, aber das ist ein anderes Thema...

Tja, und nun schreibt das Mädchen als *sannah* Beiträge für dooyoo, weil sie nach wie vor der Meinung ist, dass ihre Meinung andere Leute interessieren oder weiterhelfen könnte – einfach unverbesserlich, die Kleine, nicht wahr?

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Nun studiere ich also mit völliger Hingabe *g* Geschichte und bin hellauf begeistert. Auch die Unmengen an Literatur, die zu bewältigen sind, konnten mich nicht schocken, war ich doch schon von Kindesbeinen an mit einer extremen Leselust gesegnet. Auch wenn es inzwischen eher Fachtexte, und keine Jugendliteratur sind, die ich lese. Die Autoren heißen Chladenius, Schlözer, Weber oder Ranke und sind vor (einigen) hundert Jahren sehr weise Geschichtstheoriker gewesen, die Sachen geschrieben haben, die auch heute noch besprochen werden (müssen). Das Ganze nennt sich dann „Einführung in die Geschichtstheorie“. Doch das ist nur eine der Veranstaltungen, die ich belege.

Kommen wir zunächst zu dem, was man belegen muss, wobei die Vorschriften zunächst einmal von Uni zu Uni variieren können und dann auch noch ein Unterschied zwischen den Lehramts- und den Magisterstudiengang besteht.
Vier Proseminare in allen Epochen, also „Alte Geschichte/Antike“, „Mittelalter“, „Neuzeit“ (16.-19. Jh.) und „Zeitgeschichte“ (19.-20 Jh.) für Magister (M.A.), die Lehramtsstudenten (LA) müssen entweder Neuzeit oder Zeitgeschichte belegen, dazu kommt dann aber noch ein Proseminar in „Didaktik der Geschichte“. Proseminare dienen dazu, Formen der wissenschaftlichen Arbeit kennenzulernen – es werden Referate gehalten und/oder Hausarbeiten geschrieben, um Leistungsscheine zu erwerben, die man dann für die Zulassung zur Zwischenprüfung nachweisen muss. Diese findet i.d.R. nach dem 4. Fachsemester statt.
Außerdem müssen noch verschiedene Vorlesungen oder Übungen besucht werden, für LA kommen dann noch Schulpraktische Übungen und Praktikumsvorbereitung dazu. Gemessen wird in Semesterwochenstunden, den Nachweis über den Besuch von Veranstaltungen wird hier über Studiennachweise bzw. Teilnahmescheine erbracht. Die Bedingungen dafür sind verschieden, manchen Professoren reicht die pure Anwesenheit, andere wollen eine Bibliographie etc. zum Thema sehen.
Kommt man dann nach bestandener Zwischenprüfung ins Hauptstudium, sieht die Sache ähnlich aus, abgesehen davon, dass man statt Proseminaren jetzt Hauptseminare hat – der einzige Unterschied besteht im Anspruch (man hat ja jetzt Übung) und in der geforderten Länge der Hausarbeit. Nach einer Regelstudienzeit von 10-12 Semestern (als M.A. überziehen viele, weil sie die Chance eines Auslandssemesters nutzen - die internationalen Kontakte sind gerade in diesem Fach besonders gut ausgeprägt) kann man sein Studium dann mit der Magisterprüfung bzw. dem ersten Staatsexamen beenden. Dazu schreibt man u.a. noch einmal eine schlaue wissenschaftliche Arbeit. Näher habe ich mich mit dem Thema allerdings noch nicht auseinandergesetzt – ist ja noch lang hin! *g*

Wo wir grad beim Ausland waren – so einfach darf man Geschichte dann doch nicht studieren, sondern es müssen bestimmte Sprachkenntnisse nachgewiesen werden: Kenntnisse in zwei modernen Fremdsprachen und (jetzt kommt der Haken) auch in Latein. Zumindest Englisch stellt kein Problem da (ist ja überall Pflicht ab Klasse 5), als zweite Fremdsprache wird Französisch empfohlen, da viel Fachliteratur aus dem frankophonen Bereich im Original gelesen wird, aber zumindest hier in den neuen Bundesländern gehen viele auch noch mit Russisch durch. Das größte Problem stellen für die meisten, die sich Latein nicht grad als zweite Fremdsprache gewählt haben, die geforderten lateinischen Sprachkenntnisse dar. Doch dafür ist das Sprachenzentrum der Uni da, das Kurse anbietet (Achtung: rechtzeitig einschreiben!); entweder schreibt man (als Autodidakt) nur die abschließende Klausur mit oder man besucht drei Semester lang diesen Sprachkurs.

Hat man all diese Hürden umschifft, lebt es sich recht sorglos. Nur muss man sich – wie schon anfangs erwähnt – durch eine Textflut quälen. Denn die wichtigste Fähigkeit, die man während des Studiums erlernt, ist der kritische Umgang mit Texten: Sachverhalte zu hinterfragen, zu analysieren und selbstständig Thesen zu erarbeiten.

Und genau das ist der Grund, warum es viele „fertige“ Historiker nicht mehr ins Museum oder ein Archiv zieht, sondern in die Medienbranche oder an andere Positionen bei Unternehmen, bei denen kritisches Hinterfragen von Zusammenhängen gefragt ist. Auch wenn es weiterhin jede Menge Unkenrufe gibt, dass ein Geschichtsstudium in der Arbeitslosigkeit enden wird – man sollte sich in diesem Fall eher nach seinen Interessen richten als nach der Arbeitsmarktprognose, die sich schon oft genug geirrt hat.


Also geht meine Empfehlung an alle Geschichtsbegeisterten da draußen, die sich auch von dem theoretischen Anteil nicht schrecken lassen – es ist nicht alles Zuckerschlecken!