Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Pletpan

Seelenstriptease

Pro:

Regie, Drehbuch, Geschichte, Sam Rockwell

Kontra:

nicht viel

Empfehlung:

Ja

Der eindrucksvollste und zugleich künstlerisch ansprechendste, letzte Teil von George Clooneys ambitioniertem Regiedebüt, enthält zudem eine exemplarische Szene, die gleichsam Motive der genreübergreifenden Geschichte aufdeckt, wie sie das komplizierte und zutiefst verstörte Seelenleben der Hauptfigur beschreibt. Chuck Barris (Sam Rockwell), tagsüber Fernsehproduzent und Moderator, nachts mordender Attentäter der CIA, steht dort während der Aufzeichnung einer Show außerhalb des Bildes, vor einem roten Vorhang. Dunkle Augenringe, ein fast schmerzhaft verzerrtes Gesicht und ein lebloses Äußeres kennzeichnen die physische und psychische Beanspruchung, die sein Doppelleben mit sich bringt.

Barris ist als Auftragskiller selbst ins Fadenkreuz feindlicher Geheimdienste geraten und sieht sich einer unsichtbaren Bedrohung gegenüber. In dieser entscheidenden Szene lässt Clooney das Bild seiner Kamera durch den roten Vorhang teilen. Auf der linken Seite steht Barris verängstigt, psychotisch, gestresst. Auf der rechten Seite, hinter der Bühne, sieht man einen der kommenden Gäste. Einen Komiker, dessen Kopf mit einer Papiertüte verhangen ist, der direkt in den Lauf von Barris’ Revolver blickt, während die Game-Show munter weiterläuft.

Ein Bild, das auf bestimmte Art die Motive des Films aufgreift, in seiner Absurdität zur gleichen Zeit komisch wie dramatisch wirkt, die Frage nach Realität und Fiktion stellt. All das geschieht hinter den Kulissen des amerikanischen Fernsehens, in der ‚Gong-Show’, die Kritiker wohl zurecht als Niedergang niveauvoller Fernsehunterhaltung bezeichneten und ihren Erfinder Barris zum Anführer des Niveau-Abfalls deklarierten. Die Szene versinnbildlicht all das, was der Film in Frage stellt und erzählt, beschreibt in einer stilistisch wunderbar festgehaltenen Aufnahme die Abgründe hinter der Fassade, hinter dem illusorischen Vorhang, der in diesem Fall nichts anderes als das Doppelleben von Chuck Barris zur Grundlage hat.

Zurückblickend auf die Inszenierung des Films greift dieser Abschnitt der Erzählstruktur jedoch vor, die sich chronologisch der Anfänge ‚allen Übels’ erinnert und von Barris’ selbst in einer Art retrospektiven Selbstanalyse geschildert wird. Man sieht wie Barris aufwächst, wie aus einem kleinen Jungen langsam ein Mann wird, der sich über sexuelle Aktivität zu definieren versucht. Hinterher werden Kindheitstraumata, sein gestörtes Familienleben und genetische Veranlagung zu Beweggründen einer Lebenslinie erklärt, die aus dem kreativen Fernsehproduzent auch einen kaltblütigen Killer machen. Er arbeitet sich nach oben, keinem amourösen Abenteuer abgeneigt, laviert er sich seinen Weg durch die Sender und geht mit seinen Ideen hausieren.

Als Barris mit seiner Erfindung ‚The Dating Game’ an den Start geht, hat er sich jedoch bereits zu einem lukrativen Nebenjob entschlossen, der ihn nach einer gründlichen Ausbildung zum professionellen Mörder im Dienste der Nation macht. Rekrutiert von Jim Byrd (George Clooney) erhält er Aufträge auf der ganzen Welt und tarnt diese Missionen oftmals als Gewinnreisen seiner Fernsehshow. Von diesem Zeitpunkt an ist Chuck Barris nicht länger nur der verwirrte Knallkopf der Fernsehindustrie, sondern jemand der respektiert wird, gefürchtet ist, jemand mit Macht. Das seine Nebenbeschäftigung allerdings alles andere als leicht verdientes Geld ist, bemerkt er fast zu spät. Denn als der KGB auch hinter ihm her ist, droht Barris alles zu verlieren. Seine Shows, seine Liebe zu Penny (Drew Barrymore) und sein Leben.

Basierend auf der autobiographischen Schrift „Confessions Of A Dangerous Mind“ von Chuck Barris, entwickelte Drehbuchautor Charlie Kaufman ein Skript, das zu abgedreht und absurd wirkt um real zu sein. Letztlich weiß niemand außer Barris selbst, wie viel Wahrheit sich hinter seiner Lebensgeschichte verbirgt, die sich im Film als psychologische Studie zwischen Fiktion und Wahrheit, Wahnsinn und seelischer Entblößung präsentiert. Regisseur Clooney ist der fiktive Charakter seines Stoffes bewusst und er tut gut daran seinen Film als genreübergreifenden Mix aus Mediensatire, Agententhriller und Psychodrama zu inszenieren.

Darüber hinaus ist Clooney intelligent genug der unglaublichen Handlung durch zahlreiche visuelle Einfälle, brillante Schnitte und Kameraeinstellungen ein artifizielles Antlitz zu geben, das sich selbst nicht als aus dem Leben gegriffene Realität versteht, sondern als künstliche Kreation im Stile der knallbunten Tv-Shows ihres Erfinders. Besonders gelungen ist hierbei die filmische Umsetzung von farblosen, fast schwarz-weißen Sequenzen, die als Kontrast zur vitalen Fernseh-Idylle existieren und die gezielte Verwendung von Musik. Beeindruckend die Szenen, in denen Barris wie betäubt durch eine befremdliche Umwelt geistert, die seinen Verfolgungswahn und psychischen Niedergang beschreiben. Ohne Ton, lediglich durch dumpfes klopfen verleiht Clooney diesen Augenblicken eine bedrohliche Note, die ein hervorragendes audiovisuelles Ergebnis erzielt.

Trotz seiner künstlerisch anspruchsvollen Inszenierung kann kein Film ohne das gelungene Spiel seiner Schauspieler funktionieren. An dieser Stelle gilt es Sam Rockwell hervorzuheben, der auf sehr subtile Art und Weise die chaotische Gefühlswelt von Chuck Barris nach außen dringen lässt. Ohne ihn würde der Film keineswegs diese Qualität erreichen. Während der Film sich völlig auf die Entwicklung seiner Hauptfigur verlässt, sind die übrigen Charaktere kaum erwähnenswert und spielen in dieser Studie eine weitgehend untergeordnete Rolle, wobei Drew Barrymore als Barris’ Langzeit-Liebe Penny noch die größte Bedeutung zukommt.

Clooneys Film erschafft eine von Grund auf eigenständige, seltsame und fesselnde Atmosphäre, die durch komische Einschübe unterbrochen wird. Eine Einordnung des Films in ein Genre fällt daher dementsprechend schwer, wobei der Film thematisch sicherlich mit Paul Schraders „Auto Focus“ (2002) konkurriert und auf seltsame Art an „Forrest Gump“ (1994) erinnert. Ein ohne Zweifel auf den ersten Blick merkwürdiger Vergleich, der sich jedoch aus der Charakterisierung der zwei Hauptfiguren und der filmischen Bezüge zum kulturellen und zeitgeschichtlichen Hintergrund der Geschichten erklärt. Fremdbestimmte Charaktere wandeln dort durch die 60er und 70er Jahre Amerikas, sind in ihren Bereichen mehr oder minder direkt an den Entwicklungen der Epochen beteiligt und doch so sehr in ihrer eigenen Problematik verhangen, die sie entweder zu Siegern oder Verlierern macht.

Auf der einen Seite führt die naive, kindliche, unbeschwerte Art des Forrest Gump zu simpler Glückseligkeit. Auf der anderen Seite steht Chuck Barris, dessen Lebensweg in Depressionen, Selbstzweifel, Psychosen und Wahnvorstellungen endet. Die Schattenseite des amerikanischen Traums.

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