Irland: Glendalough Testbericht

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Erfahrungsbericht von Gaeltacht

Im Tal der zwei Seen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Man muß nicht unbedingt tief religiös zu sein, um zu verstehen, warum Glendalough so ist wie es ist, und warum der heilige Kevin sich genau diesen Ort ausgesucht hat, um dort zu leben. Am besten kann man es selbst erleben, wenn man die Nacht wild campend am Ufer des Oberen Sees verbringt, sich von den ersten zwitschernden Vogelstimmen sanft wecken läßt und bei den ersten Sonnenstrahlen aus dem Zelt klettert. Während die Gipfel jenseits des engen Tals bereits golden vom Licht der Morgensonne bestrahlt werden, liegt über dem See noch eine dicke gespenstische Nebelschicht, die das Tal wie eine Edgar Wallace Kulisse erscheinen läßt. Außer den Vögeln ist um diese Zeit noch kein Ton zu hören, auch wenn dieses „Tal der zwei Seen“, wie Glendalough wörtlich übersetzt heißt, zu den größten Attraktionen der Dubliner Umgebung gehört.

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Geschichte:
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Kevin soll um 498 n. Chr. als Sohn einer irischen Adelsfamilie aus der Umgebung Dublins geboren worden sein. Er wurde von Mönchen erzogen und entsagte bald darauf dem weltlichen Leben und den Menschen, die er haßte. Er zog sich in ein enges Tal in den Wicklow Mountains südlich von Dublin zurück, wo er in einer Höhle nahe des Oberen Sees hauste. Die Legende berichtet, daß er in Harmonie mit den Tieren des Tales lebte, sich nur in Felle natürlich gestorbener Tiere kleidete und sich von Beeren und Wurzeln ernährte. Als er eines Tages mit ausgebreiteten Armen betend im Oberen See stand, soll eine Amsel ein Ei in seine Hand gelegt haben, so daß Kevin es nicht wagte sich zu rühren und wartete, bis die Amsel fertig gebrütet hatte.

Erst einige Jahre später entdeckte ein Bauer aus einem Nachbartal den Einsiedler und schon bald war es mit dem Eremitendasein vorbei. Zahlreiche Jünger versammelten sich um Kevin, der daraufhin beschloß, ein Kloster zu gründen. Zusammen mit den anderen Mönchen baute er eine Kirche und mehrere Klostergebäude, bevor er angeblich auf eine Pilgerfahrt nach Rom aufbrach, um den Segen des Papstes in die kleine Klostergemeinde zu bringen. Die kleine Siedlung entwickelte sich bald zu einem der Zentren der Christenheit zu damaliger Zeit und zu einem der Ausgangspunkte für die Christianisierung Zentraleuropas. Ein Zeitgenosse Kevins soll Glendalough sogar als „Rom des Westens“ bezeichnet haben. Zu seiner Blütezeit, sollen bis zu 3000 Mönche, Gelehrte und Studenten in Glendalough beheimatet gewesen sein.

Kevin selbst blieb weiterhin menschenscheu und zog sich oft in eine Höhle am Oberen See zurück. Hier soll sich auch zugetragen haben, was Kevin zu langen Bußjahren zwang. Eine extrem aufdringliche junge Frau, heute würden wir sie wohl „Groupie“ nennen, versuchte den Heiligen in seiner Höhle zu verführen. Kevin, der Menschen im Allgemeinen und Frauen im Besonderen nicht besonders leiden konnte, soll sie in einem Anflug von Zorn von sich gestoßen haben, so daß sie über die Schwelle der Höhle hinab in den See stürzte und dort ertrank.

Nach den Überlieferungen wurde der heilige Kevin 120 Jahre alt und starb am 3. Juni 618. Er soll unter der Klosterkirche begraben sein. Das Kloster jedoch bestand noch bis ins 13. Jahrhundert, wurde aber schließlich 1214 von Normannen erobert und zerstört.

Am 3. Juni wird das Fest des heiligen Kevin, der auch Schutzheiliger der Erzdiözese Dublin ist, auch heute noch oft mit einem traditionellen Festmahl gefeiert.

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Glendalough besichtigen:
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Glendalough liegt, wie schon erwähnt, in einem tief eingeschnittenen, wildromantischen Tal der Wicklow Mountains, etwa 50 km südlich von Dublin. Zwei Seen gaben dem Tal seinen Namen und heute ist die alte Klostersiedlung der Hauptanziehungspunkt des Tales.

Glendalough bietet zwei voneinander getrennte Komplexe, die eine Besichtigung wert sind, die meisten Pauschaltouristen besuchen jedoch meist nur die dem Visitor’s Centre nähergelegene Klosteranlage. Am westlichen Ende des Tals, am Südufer des Oberen Sees gelegen, kann man jedoch noch einige Relikte aus der Frühzeit der Siedlung bewundern. Leider liegen zwei der Sehenswürdigkeiten in der Felswand über dem See und sind nicht zu Fuß zugänglich, so daß man sie nur vom gegenüberliegenden.Ufer sehen kann – ein Fernglas kann dabei sehr hilfreich sein.

„Teampaill na Sceilig“, ein kleines Kirchlein in der Felswand soll an dem Ort stehen, an dem Kevin die erste Kirche in Glendalough erbaute. Einige Meter weiter links liegt „St. Kevins Bed“, die Felshöhle, in die sich der heilige gerne vor den Menschen zurückzog. Hier soll sich auch der Todessturz zugetragen haben, von dem zuvor schon die Rede war.

Zwei weitere Monumente liegen nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt. Für Irland fast untypisch liegt die kleine Reefert-Kirche in einem kleinen Wäldchen. Wissenschaftler vermuten, daß sich um diese Kirche herum einst ein bedeutender Friedhof oder ein wichtiges Grabmal befunden haben könnte, da sich das heutige „Reefert“ möglicherweise vom gälischen „rí fearta“ herleitet, was soviel wie „Grabmal des Königs“ bedeutet. Nicht weit davon entfernt findet man etwas erhöht „St Kevin’s Cell“ eine Bienenkorbhütte (Bee Hive Hut) wie sie ansonsten eigentlich nur noch auf der Dingle-Halbinsel zu sehen sind. Bee Hive Huts sind igluähnliche Hütten, aus losen Steinen so kunstvoll aufeinander geschichtet, daß sie auch heute noch absolut wind- und wasserdicht sind. Diese Hütte soll – wiederum der Legende nach – die gewöhnliche Unterkunft des Heiligen gewesen sein.

Etwa eineinhalb Kilometer entfernt liegt die spätere eigentliche Klostersiedlung. Wildwuchernde Büsche durchkreuzt von Trampelpfaden und verwitterte und schiefstehende Grabsteine ergeben in Verbindung mit den Klosterruinen eine Atmosphäre, die ein wenig an einen Gruselfilm erinnern mag. Überragt wird das ganze vom noch intakten Rundturm des Klosters, der ursprünglich die Funktion eines Schutzturmes hatte. Wurde das Kloster angegriffen, zogen sich die Mönche mit den wichtigsten Schätzen in den Turm zurück und zogen die Leiter zum 5 Meter hoch gelegenen Eingang in den Turm.

Direkt daneben liegt die größte Ruine Glendaloughs. Die vermutlich aus dem 9. Jahrhundert stammende Kathedrale ist die größte Kirche, die mit ihren 15 mal 9 Metern Grundfläche zu dieser Zeit in Irland existierte.

Vor der Kathedrale steht ein wunderschönes etwa 3 Meter hohes Hochkreuz, das Wissenschaftlern zufolge um 1150 aus einem einzigen Granitblock herausgehauen wurde.
Das am besten erhaltene und wohl auch älteste Gebäude der Anlage ist jedoch ein kleines Kirchlein, das aufgrund seines später aufgesetzten und einem Kamin ähnelnden Glockentürmchen, im Volksmund den Spitznamen „Kevin’s Kitchen“, Kevins Küche bekam.

Für den Bummel durch beide Teile der Klosteranlage sollten Interessierte etwa 2 Stunden, Eilige 45 – 60 Minuten einplanen.

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Anfahrt und Parken:
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Ausgehend von Dublin verläßt man die Stadt auf der M 11 / N 11 Richtung Süden, vorbei an Bray Richtung Wicklow Mountains. Etwa 7 Meilen südlich von Bray zweigt man in dem Örtchen Kilmacanoge nach rechts auf die R 755 ab. Diese Straße führt mitten durch die Wicklow Mountains, vorbei am „Great Sugar Loaf“, einem sehr charakteristischen Bergkegel, nach Roundwood, Annamoe und schließlich nach Laragh.
Von Süden kommend empfiehlt es sich von Wicklow oder Arklow über die R 752 nach Rathdrum zu fahren, und dort auf die R 755 nach Laragh abzubiegen.

Von Laragh selbst sind es nur etwa 3 Kilometer bis Glendalough; seinen Parkplatz sucht man sich am besten nach folgenden Kriterien aus:

Parkplatz 1:
Der offzielle Parkplatz direkt am Visitor‘s Centre. Das Visitor’s Centre bietet eine audiovisuelle Show und eine Ausstellung zu Glendalough, die jedoch kostenpflichtig sind. Von hier strömt der Massentourist auf direktem Wege zu den alten Klostergebäuden und zurück.

Parkplatz 2:
Einfach am offiziellen Parkplatz vorbei das Tal entlang fahren. Einige 100 Meter weiter kommt ein kleines Hotel. Nach dem Hotel findet man entlang des Flüßchens mehrere Parkbuchten. Dieser Parkplatz liegt unmittelbar an der Klosterruine.

Parkplatz 3:
Wer mehr Zeit und Interesse mitbringt, und Glendalough er-„leben“ will, der sollte bis zum Ende des Tals fahren und auf dem Parkplatz am oberen See parken. Dort liegen in Laufdistanz die Stätten von Kevins Einsiedelei. Zu Fuß gelangt man in eine kurzen gemütlichen Wanderung vorbei am Unteren See zum Kloster Glendalough.

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Fazit:
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Auch wenn der Gael nicht unbedingt das ist, was man in Rom als das Idealbild des Katholiken sieht, so läßt er sich aber doch immer wieder von der magischen Ruhe und Schönheit von Glendalough einfangen und jedesmal versteht er ein bißchen mehr, was Kevin veranlaßt hat, genau hier zu bleiben. Selbst ein cleverer Tourismusmanager unserer Zeit könnte keine romantischere und idyllischere Lage finden, als der heilige Kevin das vor über 1400 Jahren getan hat. Wann immer der Gael in der Nähe von Glendalough vorbeikommt, ist ein kurzer Stop Pflicht.

Nur eines möchte ich noch mal betonen. Wer immer Glendalough als ein besonderes Erlebnis in Erinnerung behalten will, der sollte wirklich in den frühen Morgenstunden am See entlang zu den Ruinen schlendern und die Stätten genießen, bevor die amerikanisch-japanischen Horden videofilmend und knipsend im Tal der zwei Seen einfallen.

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P.S.:
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Glendalough bietet auch einen kleinen Insider-Lacher für Hardcore-Cineasten. Im 12 Jahrhundert war ein Abt von Glendalough zugleich Erzbischof von Dublin. Er hörte auf den schönen Namen Lawrence O’Toole.

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