Globalisierung Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von ralf0816

GLOBALISIERUNG! WAS IST DENN DAS SCHON WIEDER?

Pro:

DAS BUCH IST GUT

Kontra:

DIE GLOBALISIERUNG MACHT NICCHT NUR DER DRITTEN WELT WENIG FREUDE

Empfehlung:

Nein

Überall Globalisierung. Ein Begriff macht sich selbstständig und spukt in der Weltgeschichte herum. Keine politische Diskussion ohne Globalisierung , überall Globalisierungsexperten.
Auf der einen Seite die Globalisierungsbefürworter, welche die Globalisierung für eine ganz tolle Sache halten, auf der anderen die Gegner, die in der Globalisierung das Übel schlechthin sehen.

Wirklich interessant an der Sache ist die Unschärfe dieses Begriffs. Was ist gemeint? Ist das ganz neu, und wenn ja, wann hat´s denn angefangen? Wer hat das ins Leben gerufen, und warum? Oder passierte das einfach so, einer Naturgewalt, oder, je nach Standpunkt einer Naturkatastrophe vergleichbar?

Ähnlich toll ist die Wortschöpfung „Krieg gegen den Terror“. Was heißt das? Ich würde das einfach mal so definieren: Die erste Welt unter dem Kommando der USA bombt und mordet überall herum, ohne sich vom lästigen Völkerrecht in die Suppe spucken zu lassen.
Das hat auf jeden Fall eine ganze Menge mit Globalisierung zu tun.
Wer glaubt, die Zerschlagung des Taliban-Regimes in Afghanistan hat irgendetwas mit menschenfreundlichen Absichten zu tun, muß sich mindestens den Vorwurf grenzenloser Naivität gefallen lassen. Blut für Öl hört sich zwar ein wenig plakativ an, trifft die Sache im Kern aber wesentlich besser. Aber das ist ein Thema für sich.

Zurück zur Globalisierung:
Selbstverständlich gibt es eine Menge Literatur zum Thema, empfehlen möchte ich „No Logo“ von Naomi Klein.
Nicht weil es besonders wissenschaftlich ist, im Gegenteil, die Lektüre ist kurzweilig und manchmal sogar unterhaltsam.

Naomi Klein, Jahrgang 1971, lebt in Kanada und ist über ihr Buch hinaus Aktivistin der Anti-Globalisierungsbewegung.
Durch die Veröffentlichung wurde sie zu einer Art Aushängeschild der Bewegung, bösartig könnte man von so einer Art Popstar Status sprechen.
Anders als die üblichen verknöcherten Geisteswissenschaftler sieht sie attraktiv, symphatisch und intelligent aus, was dem Erfolg des Buches sicher nicht im Weg stand.

Hier eine verkürzte Fassung der Kleinschen Erkenntnisse:

Es gibt immer weniger, dafür umso größere Konzerne, deren Machtfülle ihnen einen quasi uneingeschränkten Handlungsspielraum bietet.
Das nutzen sie unter anderem zur Ausbeutung der dritten Welt und zur Verdummung der ersten, wo unter immensen Aufwand den Menschen mit Hilfe der Werbung jeder noch so überflüssige Mist angedreht wird.
Da sind wir beim Titel: „No Logo“ bezieht sich darauf, das es eigentlich immer weniger um die tatsächlichen Produkte geht, vielmehr bezahlt der Konsument in erster Linie das mit dem Produkt verbundene Image.
Eltern von Teenagern können davon ein Lied singen.

Die tatsächliche Qualität spielt dabei eine untergeordnete Rolle, so lässt z.B. Nike den Großteil seines Sortimentes in sogenannten „Sweatshops“ in der dritten Welt fertigen.
Das sind mittelgroße, miese Bruchbuden in denen vom Kind bis zum Greis alle Einheimischen für einen Hungerlohn schuften dürfen.
Die Arbeiterschaft in der ersten Welt lässt sich darüber auch prima unter Druck setzen, drohend wird bei jeder noch so selbstverständlichen Forderung darauf verwiesen, dass man an anderen Standorten wesentlich günstiger produzieren kann. Kennt man ja.

Doch Klein sieht durchaus einen Silberstreifen am Horizont:
Da die Konzerne letztendlich in erster Linie von ihrem Image, dem Logo also, abhängig sind, macht Klein dort einen Angriffspunkt, eine Art Achillesferse aus.

Wenn die Verbraucher darüber aufgeklärt werden, was für Schweinereien bei der Produktion ihrer Lieblingsturnschuhe passieren, und man ihnen darüber hinaus klar macht, das es eigentlich uncool ist, mit so etwas herumzulaufen, ,ja, dann geht alles fast wie von selbst.
Die Konsumenten kaufen nichts mehr, die Konzerne müssen ihre unmoralischen Produktionsverfahren verändern, und alles wird gut.

Obwohl ich vor jeder/jedem den Hut ziehe, der (vernünftige, also linke) Überzeugungen in die Tat umsetzt, halte ich das für Wunschdenken.

Nicht nur bei Klein, vielmehr bei einem Großteil der Anti-Globalisierungsbewegung lassen sich theoretische Defizite beobachten, für meinen Geschmack wird allzu sehr „aus dem Bauch“ argumentiert. Das liegt auch an der extrem heterogenen Zusammensetzung dieser Gruppen.

So ist die Globalisierung keinesfalls ein neues Phänomen, schon gar nicht etwas, das sich böse Konzernbosse ausgedacht haben, um ein schlechtes Werk zu tun.
Das ist schlicht und einfach der ungebremste Kapitalismus, wie er sich nach dem Zusammenbruch des „real existierenden Sozialismus“ ausbreitet.
Da gibt es keinen Platz für moralisch ethische Bedenken, was zählt ist der Profit.

Doch teilen die meisten Globalisierungsgegner einen unverständlichen Glauben daran, dass es sich bei den unerträglichen Begleiterscheinungen des Kapitalismus um die Verbrechen einzelner, um Verfehlungen aus Inkompetenz und moralischen Schweinehundtum handelt.

Trotzdem ist es auf jeden Fall richtig, angebracht und lobenswert sich zu engagieren, auch wenn die Analyse zu wünschen übrig läßt .

Deshalb kann ich „No Logo“ uneingeschränkt empfehlen.

Riemann Verlag ca. 25 Euro

15 Bewertungen, 1 Kommentar

  • anonym

    13.05.2002, 16:12 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Mach doch mal was größeres aus dem "Kampf gegen terror"-Abschnitt. Würde mich wirklich interessieren. Wortdeutereien machenschließlich immer Spaß, besonders, wenn sie in entsprechender Weise gewürzt sind. Gru&szli