Herr der Fliegen (Taschenbuch) / William Golding Testbericht

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Erfahrungsbericht von mima007

Der Teufel in jedem

Pro:

psychologisch bezwingend plausibel, spannend, einfallsreich

Kontra:

sehr pessimistisch hinsichtlich des Menschen

Empfehlung:

Ja

"Der Herr der Fliegen" (The Lord of the Flies") erschien 1954, wenige Jahre nach Hiroshima, und die Welt fürchtete einen Atomkrieg zwischen den zweiSupermächten, die sich in einem Wettlauf befanden, wer zuerst die Wasserstoffbombe haben würde. Dieser Hintergrund liefert das Science-Fiction-Element des Romans: Eine Klasse von Jungen stürzt mit ihrem Flugzeug, das in einem Atomkrieg beschossen wird, auf einer einsamen tropischen Insel ab.
Handlung
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Was dann folgt, könnte sich entwickeln wie eine Abenteuergeschichte für Jungs, wie sie der Viktorianer R.M. Ballantyne 1857 in seinem Roman "The Coral Island" schrieb. Einer Gruppe erfindungsreicher Jungs, die bei einem Schiffbruch auf einer kleinen Insel gestrandet sind, gelingt es, mit Hilfe ihrer erlernten Techniken zu überleben, bis Hilfe eintrifft. Goldings Version dieser Geschichte jedoch verläuft sehr viel düsterer und pessimistischer. Dabei verleiht sie ihr eine metaphysische Bedeutungsebene, die der Vorlage völlig fehlte. Diese Ebene wurde, wie gesagt, von der moralischen Krise mit herbeigeführt, in die sich die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg und Hiroshima gestürzt sah, als, wie Golding einmal bemerkte, wir "ein schreckliches und verzweifeltes Wissen" erwarben "über das, wozu menschliche Wesen fähig sind".
Golding nimmt wiederum Schuljungen - in Peter Brooks' Film werden sie geradezu als Chorknaben vorgestellt - als Hauptdarsteller, obwohl sie diesmal nur durch einen Flugzeugabsturz in der nahen Zukunft - in oder kurz nach einem Atomkrieg - auf die Insel verschlagen werden. Ihr weiteres Schicksal spielt sich weit entfernt von jeder menschlichen Gesellschaft, geschweige denn Zivilisation ab. Sie versuchen, auf der Insel ihre eigene selbständige soziale Ordnung aufzubauen, aber im Verlauf der Handlung - die hier als durch die Filme und das Buch bekannt vorausgesetzt werden darf - scheitert dies völlig angesichts der Ausbrüche von Terror, moralischen Verbrechen und sogar Menschenjagd. Bei einem der Jungen führt dies zu der Erkenntnis "des Endes der Unschuld, der Finsternis im Herzen des Menschen".
Mein Eindruck
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Goldings Geschichte aus der späten Moderne handelt nicht von jugendlichem Erfindungsreichtum, sondern breitet vor dem Leser eine zutiefst pessimistische Vision der menschlichen Bosheit, um nicht zu sagen: Bösartigkeit, aus. Diese Vision liegt weit jenseits von viktorianischem Optimismus oder auch nur konventionellen liberalen Träumen vom moralischen und sittlichen Fortschritt des Menschen.
Golding hat einmal kurzangebunden bemerkt, daß "die Natur des Menschen sündhaft und sein Zustand gefährlich" sei. Tatsächlich sind alle seine Romane und auch einige seiner Kurzgeschichten irgendwo jenseits des "Endes der Unschuld" angesiedelt. Selten einmal befassen sie sich mit der realen Welt, zeigen wenig Besorgnis um Sitten oder gesellschaftliche moralische Werte und spielen an klar gezeichneten, eingeschlossenen, beinahe allegorischen (Schau-) Plätzen, häufig am Randbereich des Sozialen und des Nicht-Sozialen oder von Geschichte und Vorgeschichte. Mich hat der Roman sehr berührt.
Sir William Golding starb unerwartet am 19. Juni 1993 im Alter von 82 Jahren. Er war Großbritanniens einziger Nobelpreisträger für Literatur in den letzten Jahren, ein Schriftsteller, der sich distanziert hielt von den aktuellen Moden und Strömungen in der Literatur, ein Autor, der zeigte, wie die Times einmal schrieb, "dass Literatur große metaphysische Themen angehen kann und soll".
Michael Matzer (c) 2009ff

41 Bewertungen, 16 Kommentare

  • Michaela2015

    27.03.2009, 09:58 Uhr von Michaela2015
    Bewertung: sehr hilfreich

    guter bericht, liebe grüsse michi

  • anonym

    26.03.2009, 15:24 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ;O) Lieben Gruß Sabrina

  • Miraculix1967

    25.03.2009, 12:27 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr interessanter Bericht! Lieben Gruß aus dem gallischen Dorf Miraculix1967

  • Clarinetta2

    25.03.2009, 11:30 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    perfekt geschrieben.

  • Iris1979

    25.03.2009, 10:34 Uhr von Iris1979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht. Liebe Grüße Iris

  • tk7722

    25.03.2009, 10:24 Uhr von tk7722
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr interessanter Bericht, liebe Grüße

  • minasteini

    25.03.2009, 10:02 Uhr von minasteini
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr schöner Bericht. LG Marina

  • Baby1

    25.03.2009, 08:38 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • MasterSirTobi

    25.03.2009, 00:08 Uhr von MasterSirTobi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein Reporter in spe^^. LG MasterSirTobi

  • anonym

    24.03.2009, 23:25 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    BW, liebe Grüsse ausm Süden

  • morla

    24.03.2009, 23:02 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    wechselhafte grüße aus berlin lg. petra

  • carmaxx

    24.03.2009, 22:53 Uhr von carmaxx
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schöner Bericht! Freue mich über Gegenlesungen.

  • swissghostly

    24.03.2009, 22:48 Uhr von swissghostly
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schöner Bericht.

  • juriS91

    24.03.2009, 22:29 Uhr von juriS91
    Bewertung: sehr hilfreich

    :SH: Hoffe auf Gegenbewertung. Wenn du lust auf eine Leserrunde hast schreib mir ins GB. LG Juri

  • Groudon1

    24.03.2009, 22:21 Uhr von Groudon1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht! Schönen Abend noch! LG

  • bettie47

    24.03.2009, 22:16 Uhr von bettie47
    Bewertung: besonders wertvoll

    "Sehr guter Bericht. L.G. bettie 47