Herr der Fliegen (Taschenbuch) / William Golding Testbericht
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Erfahrungsbericht von [email protected]
Der unvermeidliche Verlust der Unschuld.
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Der unvermeidliche Verlust der Unschuld.
Einführung:
Während des Studiums hatte ich nie viel Zeit zum Genuss-Lesen... einfach für mich selbst. Aber nun, in der vorlesungsfreien Zeit, wird all die (ungewollte) lesefreie Zeit nun wieder aufgeholt.
Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, dass ich am Freitag ausgelesen habe. Die Eindrücke sind noch frisch...
Was geschieht?
Eine Gruppen von 6-12 Jährigen Jungen überlebt einen Flugzeugabsturz auf einer unbewohnten Pazifikinsel.
Die Jugendlichen sind also gezwungen bis zu ihrer Rettung das Zusammenleben zu organisieren.
Einer der älteren Jungen, Ralph, wird per Abstimmung zum Anführer bestimmt; zu ihm gehören der intellektuelle Piggy und – nach Meinung der anderen etwas abgedrehte – Simon. Jack ist der Anführer einer zweiten Gruppe die das Jagen übernehmen sollen. Doch Jack kann nicht ertragen, dass Ralph und nicht er als Anführer bestimmt wurde...
Allmählich entwickelt sich ein brutaler Machtkampf, währenddessen die Gestrandeten jegliche Hemmungen verliert.
Der Umschwung der paradiesischen Idylle zum primitiven Barbarentum äußert sich in Opferzeremonien, in welchen auch die Außenseiter Simon und Piggy getötet werden. Am Ende ist nur Ralph als einziges zivilisiertes Wesen auf der Insel übrig – und erst die Ankunft eines britischen Kriegsschiffes beendet den fehlgeschlagenen Versuch, ohne Erwachsene eine neue, bessere Welt aufzubauen.
(Quelle: http://www.amazon.de/Herr-Fliegen-William-Golding/dp/3596214629/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1250510081&sr=8-1)
Autor:
William Golding wurde im Jahre 1911 in Cornwall geboren und schloss ein Studium in Oxford ab. Er war als Lehrer tätig und diente im Krieg als Marineoffizier. Der Herr der Fliegen bescherte ihm weltweit großes Aufsehen. Für seine Werke wurde Golding mit dem Booker-Preis und dem Literatur-Nobelpreis geehrt. Im Juni 1993 stirbt er in seinem Heimatort.
Leseprobe:
„Simon sah auf, fühlte den Druck seines feuchten Haares und starrte zum Himmel empor. Da oben waren endlich einmal Wolken, große aufgeblasene Türme, die grau und milchig und kupfern über der Insel wuchsen. Die Wolken lasteten auf dem Land; sie verdichteten sich und schufen stetig diese dicke, quälende Hitze. Sogar die Schmetterlinge verließen die Lichtung, wo das schamlose Ding grinste und tropfte. Simon neigte den Kopf mit krampfhaft geschlossenen Augen, die er dann mit seiner Hand beschirmte. Es waren keine Schatten unter den Bäumen, alles verharrte in mattfarbener Unbeweglichkeit, und die Gegenstände schienen namenlose Trugbilder zu sein. Der Gedärmhaufen war ein schwarzer Fliegenklumpen, der wie eine Säge summte. Nach einer Weile fanden diese Fliegen Simon. Gesättigt ließen sie sich auf die Schweißrinnsale nieder und tranken. Sie kitzelten um seine Nasenlöcher und spielten auf seinen Schenkeln Bockspringen. Sie waren schwarz und schillernd grün und ohne Zahl; und vor Simon hing der Herr der Fliegen auf seinem Stock und grinste. Schließlich gab Simon es auf und schaute wieder hin; sah die weißen Zähne, die trüben Augen, das Blut – und sein Blick kam nicht von diesem unausweichlichen Urbild los. In Simons rechter Schläfe begann es heftig zu pulsen.“
(Zitat von S. 156)
Meine Meinung:
Die Wahrheit kann so erschreckend sein.
Es ist eine erschütternde Geschichte. Eine Gruppe ganz normaler Jugendlicher, wenn nicht gar Kinder, die auf einer einsamen Insel stranden. Ohne Erwachsene, ohne Leitung. Ganz auf sich allein gestellt. Und an dieser Aufgabe zerbrechen... eine Tragödie, die erschreckende Ausmaße annimmt, mit Rivalität, dem Aufkochen überschäumender Wut und Hass, der ein grausames Ausmaß annimmt, bei welchem selbst Mord in Frage kommt.
Golding weiß es, geschickt Atmosphäre zu schaffen, und bereits am Anfang einen aufkommenden Sturm der Ungewissheit zu erzeugen, nur durch die Kraft erzählender Worte. Die Insel scheint idyllisch, doch schon am Anfang, als Piggy, der dickliche Junge mit seinem Asthma und seiner Brille, bei Ralph Zuflucht finden will, um sich vor Hohn und Spott der anderen zu schützen... und Jack, der dem Ruf des Muschelhorns, Strandgut im weißen Sand folgt, mit seiner Truppe, die nur ihm gehorcht...
Schon am Anfang wird dem Leser bewusst, dass eine unbewusste Spannung zwischen Jack und Ralph herrscht, die nicht positiv zu verstehen ist...
Das Muschelhorn spielt eine große Rolle innerhalb des Buches. Ralph dient es zur Einberufung von Versammlungen. Es ist ein Zeichen der Zivilisation. Der Systematik. Der Ordnung.
Und auch das Feuer dient der Ordnung. Es ist das Zeichen, das mit seinem Rauch die ersehnte Rettung erwirken soll. Doch die Unordnung wächst, und mit ihr die Rivalität. Als das Feuer ausgeht und ein Schiff in der Nähe von dannen zieht, verliert auch Ralph langsam seinen Glauben an eine Rettung.
Und als schließlich auch das Muschelhorn zerbricht, ist dies das Ende des Paradieses, das nie eines war.
Und auch das Feuer wandet sich zum Schlechten.
Der Schreibstil ist poetisch, nicht ausufernd aber atmosphärisch dicht... Es ist eine reiche, bildhafte Sprache. Man meint fast das Dickicht aus Schlingpflanzen und den Sand unter den Füßen zu spüren. Dazu die kindliche Sprache der Charaktere, die alle auch noch Kinder sind.
Erschreckend ist, dass man bei genauem Hinsehen erkennen kann, dass es sich wirklich um ganz normale Kinder handelt, die man selbst in der Nachbarschaft oder im nächstgelegenen Kindergarten finden könnte. Ganz normale Kinder, die unter dem Druck des Ungewissen zerbrechen und nicht mehr zur Realität zurückfinden, bis der Wahnsinn regiert.
Am Ende der Lektüre ist man fassungslos, man ist bereit seine Tränen zu verschütten, und fragt sich, ob in jedem Herz dieser Hass, dieser Wahnsinn und Finsternis wohnt.
Die Antwort darauf lautet: ja.
Golding macht uns bewusst, dass in jedem ein schwarzer, böser Kern steckt. Und auch Kinder sind vor diesem Ende der Unschuld nicht bewahrt.
Die Rettung erfolgt, aber nur oberflächlich. Denn die eigentliche Rettung – vor dem, was im Menschen lauert: dem Bösen, dem unausweichlich Schlechten, das in jedem von uns wohnt – gibt es kein Zurück.
Der Leser bleibt ohne jeglichen Trost.
Fazit:
Poetisches, großes Buch eines verdienten Nobelpreisträgers.
80 Bewertungen, 24 Kommentare
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06.12.2009, 00:39 Uhr von SweetPiccolina
Bewertung: sehr hilfreichsehr gut geschrieben
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15.11.2009, 12:58 Uhr von XXLALF
Bewertung: sehr hilfreicheinen schönen sonntag und lg
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11.10.2009, 20:29 Uhr von Michaela2015
Bewertung: sehr hilfreichich seh mir mal deine aktuellen berichte durch, freue mich auf gegenlesungen! danke, lg michi
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27.09.2009, 14:10 Uhr von ingoa09
Bewertung: sehr hilfreichEin sehr guter Bericht! Liebe Sonntagsgrüße, Ingo
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03.09.2009, 14:39 Uhr von Striker1981
Bewertung: sehr hilfreichSH und Liebe Grüße vom STRIKER
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02.09.2009, 14:37 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich und liebe Grüsse
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01.09.2009, 13:20 Uhr von paula2
Bewertung: sehr hilfreichliebe Grüße
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30.08.2009, 17:19 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreich;O) Lieben Gruß Sabrina
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29.08.2009, 16:48 Uhr von Solaija
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht. Liebe Grüße, Solaija
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19.08.2009, 14:25 Uhr von DerPrinz
Bewertung: sehr hilfreichEin spannendes Buch, hab ich verschlungen:-)
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19.08.2009, 11:49 Uhr von Kleinnightwish
Bewertung: sehr hilfreichganz viele liebe grüße von der angi ;)
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18.08.2009, 19:35 Uhr von mima007
Bewertung: sehr hilfreichViele Gruesse, mima007
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18.08.2009, 19:33 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichsehr gut geschrieben
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18.08.2009, 16:17 Uhr von sunrise67
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße von Beate
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18.08.2009, 15:18 Uhr von tk7722
Bewertung: sehr hilfreichEin sehr schöner Bericht, liebe Grüße
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18.08.2009, 12:52 Uhr von Gozo-Bernie
Bewertung: sehr hilfreichGruss aus Catania - der Heimat von telestrada.it
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18.08.2009, 03:44 Uhr von durchdacht
Bewertung: sehr hilfreichMir hat es auch gut gefallen. LG Karin
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18.08.2009, 02:07 Uhr von frankensteins
Bewertung: besonders wertvollwie immmmmmmer, super lg
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18.08.2009, 01:29 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichwünsche dir einen guten wochenstart lg. petra
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18.08.2009, 00:04 Uhr von willma1984
Bewertung: sehr hilfreichToller Bericht. LG willma1984 :)
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17.08.2009, 23:37 Uhr von MrNeuss
Bewertung: sehr hilfreichsehr schöner bericht!
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17.08.2009, 23:12 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
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17.08.2009, 23:01 Uhr von minasteini
Bewertung: sehr hilfreichSh und liebe Grüße. Freue mich über Gegenlesung.
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17.08.2009, 23:00 Uhr von liebes35
Bewertung: sehr hilfreichGuter Bericht. LG Steffi
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