Gothika (DVD) Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
Erfahrungsbericht von LilithIbi
Ich glaube nicht an Geister ~ sie glauben an mich
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Nachdem ich dann bereits in diesem noch recht jungen Monat rund 50 EUR für Bücher ausgegeben habe, war es doch wieder an der Zeit, aufs gute alte Fernsehen zurückzugreifen.
Während ich mich mittags an „Unsere kleine Farm“ und vorabendlich an „King of Queens“ erfreue guck ich mir später anstatt der Werbeblöcke oft eine DVD bzw. eine VHS oder gar einen altertümlichen Beta-Film an.
Vor wenigen Tagen schaute ich mich zudem erneut „Gothika“ an; einen Film, den ich bereits vor ca. einem halben Jahr schon mal auf DVD gesehen hatte.
//WORUM GEHT`S//
Vermeintliche Hauptdarstellerin in „Gothika“ ist zweifelsohne die Psychologin Miranda Grey (Halle Barry), die mit ihrer „mir doch egal was du für Stimmen hörst“ Art nicht sonderlich beliebt oder gar vertrauenserweckend bei den Patienten ist. Schon zu Beginn wird dem Zuschauer übermittelt, dass Miranda nicht wirklich zuhört und die Probleme oftmals auf die falsche Dosierung der Medikamente schiebt.
Die einzige Patientin, die dem Zuschauer wirklich näher gebracht wird, ist wohl Chloe (hervorragend dargestellt von Penélopez Cruz) ~ die davon überzeugt ist, vom Teufel persönlich vergewaltigt zu werden. Miranda glaubt nicht an diese Geschichte, meint vielmehr, dass Chloe Schuldgefühle gegenüber ihres Stiefvaters hätte, den sie einst ermordete.
So weit, so gut ~ vielmehr: soweit die Richtung des Filmbeginnes. Wer jetzt noch glaubt, es ginge vorrangig um Chloe, der irrte sich gewaltig.
Nachdem Miranda auf dem Heimweg einer jungen Frau ausweicht, rast sie mit ihrem Wagen die Böschung herunter und kommt erst drei Tage später wieder zu sich ~ in einer Zelle jener Heilanstalt, in der sie als Psychologin tätig war.
Ja, war ~ denn wenig später wird Miranda mit der blutigen Wahrheit konfrontiert: sie wird beschuldigt, ihren Mann Douglas (Charles S. Dutton), der gleichzeitig der Leiter der Anstalt war, kaltblütig ermordet und zerstückelt zu haben.
Miranda kann sich zwar nur bruchstückhaft an ihre Heimfahrt erinnern; ist sich aber sicher, so etwas nie getan zu haben.
Während ihr einstiger Kollege Dr. Pete Graham (gespielt von dem zauberhaften Robert Downey jr.) ihr anfangs noch glaubt, kommen auch ihm langsam Zweifel auf ~ spätestens dann, als Miranda das Mädchen, was sie auf einer Brück gesehen hat, identifiziert. Es handelt sich um die Tochter eines weiteren Kollegen ~ dumm nur, dass eben diese Tochter schon vor längerer Zeit durch einen verübten Suizid aus dem Leben schied.
Nach und nach teilt Miranda die vermeintlichen Wahnvorstellungen Chloes ~ und als sie blutüberströmt aus der Dusche geholt wird und sie behauptet, angegriffen worden zu sein, während alle anderen Insassen schwören, sie hätte sich selbst verletzt ist ihr klar, dass sie der Wahrheit alleine auf den Grund gehen muss und versucht erneut zu fliehen. Zumal die Worte, die auf ihren linken Unteram eingeritzt wurden, genau die sind, die auch mit dem Blut ihres auf die Wand ihrer Wohnung geschrieben wurden ~ „not alone“.....
//MEINE MEINUNG//
Die Story von „Gothika“ ist, um mal ein Wortspiel zu benutzen, zweifelsohne nicht ohne.
Die Wahl der Schauspieler erwies sich meiner Meinung nach als goldrichtig; dass der vermeintliche „Teufel“ (der letztendlich „natürlich“ doch nur ein vergewaltigender Mensch war) gegen Ende etwas bleiern wirkt, ist nicht ihm, sondern eher dem „Fehler“ zuzuschreiben, der häufig in Filmen oder auch Serien auftaucht:
Anstatt sein nächstes oder von mir aus auch letztes Opfer kurz und schmerzlos (?) ebenfalls zum schweigen zu bringen hält er erst mal einen ermüdenden Monolog, was, warum, wieso und mit wem er wann gemacht hat ~ damit auch dem letzten Depp klar ist, dass es sich hier wirklich um den Täter handelt.
Ebenso „daneben“ das von Miranda flugs erstellte Täterprofil, nur um dann wie kurz vorm wegdösen ihrem Gegenüber ein „das Profil würde auch auf dich passen“ loszulassen, woraufhin er ebenso trantütig antwortet: „richtig, ich wars“. – Fehlt echt nur noch der Applaus von den andren Inhaftierten, aber huppala, siehe da, es gibt weder weitere Eingesperrte noch einen weitere Einsperrer ~ schöne leere Welt.
Natürlich hat „Gothika“ nicht nur schlechte Seiten zu bieten ~ sondern auch ein paar Mittelmäßigkeiten; als da beispielsweise diverse Unlogiken wären:
Warum eigentlich wurde Miranda derart von dem toten Mädchen verfolgt und sogar zusammengeschlagen? Was ist nun überhaupt mit dem toten Mädchen passiert, so dass jeder von Selbstmord ausging? Warum konnte Miranda nach dem zusammenschlagen noch genauso munter umherlaufen wie letztens Brad Pitt in „Mrs. und Mrs. Smith“? Warum wurde sie nach ihrem Fluchtversuch nicht noch besser weggebunkert? Warum brach sie ihre Flucht überhaupt ab? Warum hilft und glaubt ihr letztendlich sogar doch jemand? Und wenn selbst drauf schwört, dass sie ihren Mann geliebt hat, wieso erwähnt sie gleichzeitig in einem Nebensatz, dass sie eben doch gerne eine Affäre mit Pete gehabt hätte?
Gut, es handelt sich hier um ROBERT DOWNEY JR; aber solche Denkzüge sollten in einem Film eben nicht erlaubt sein.
Schade vor allem, dass man überhaupt nicht so wirklich mitbekommt, wie lange Doug sein Doppelleben schon führte. Zwar wird eben dies ebenfalls in jenem Monolog des Vergewaltigers erwähnt; doch wie das ganze überhaupt vonstatten gehen sollte und konnte bleibt leider völlig im Schatten stehen.
Letztendlich erinnert „Gothika“ ein wenig an „8 MM“ und hinkt somit bei einem Vergleich der beiden Werke kräftig hinterher. Selbst wenn es bei „8 MM“ um lediglich „irdisches“ ging drängte sich mir kurz ein versuchter Nachmach-Effekt auf.
~ Letztendlich muss ich dennoch sagen, dass „Gothika“ bei weitem kein schlechter Film ist. Allerdings wird er umso schlechter, je mehr man über die einzelnen Punkte nachdenkt.
Fasziniert bin ich jedoch von der Duschszene, in der eine perfekte Kameraführung es schafft, keine einzige Frau der vielen Anwesenden wirklich totalitär nackelisch zu zeigen ~ ähnlich wie in dieser neuen Bierwerbung, wo die Männer mit einem Stück Seife Fußball spielen; allerdings darf sich der Gothika-Gucker mit der beneidenswerten Silhouette von Halle Barry begnügen (oder in Depressionen verfallen).
Aufgrund der „schlechten Beleuchtung“ in Mirandas Zelle schafft der Film einen besonderen Grusel-Effekt. Obwohl man von der Begleitmusik her ohnehin schon erahnen kann, dass „gleich etwas passiert“ droht sogar der härteste Horrorfreak dann und wann vom Sofa zu hüpfen. Meiner Meinung nach schocken Filme durch die musikalische „Ankündigung“ ohnehin mehr als mit ohne ~ man denke nur an den „Weißen Hai“, wo sich 95% der Kinobesucher schon dann in ihre Sitze oder wahlweise in den Arm ihrer Begleitung krallten, als das berühmt-berüchtigte „döh-döh-döhdöh“ einsetzte, von dem schwimmenden Säugetier aber noch gar nix zu sehen war.
Der gewählten Song "Behind blue eyes" von Limp Bizkit schafft es zudem, ein wenig Tempo in die dann und wann eben doch schleppende Handlung zu bringen und die Spannung ein wenig aufzuplustern.
Lange Rede, kurzer und zugleich verwirrender Sinn: der Film „Gothika“ ist allem vorgenannten zum Trotz dennoch knapp empfehlenswert; allerdings sollte niemand erwarten, hier gleichermaßen vom Hocker gehauen zu werden wie von dem Machwerk „8 mm“; oder, um einen mystischeren Vergleich zu ziehen, gar von „The Ring“.
Meiner Meinung nach finden hier nicht viele Szenen statt, in denen dem Zuschauer das gruseln gelehrt wird ~ zwar ist die bereits zitierte Duschszene ein buchstäblich einschneidendes Erlebnis; jedoch wurde mit solchen „Effekten“ ein wenig zu sehr gespart.
Das Ende hingegen fand ich wieder recht sympathisch ~ auch wenn der Beginn der Endszene ebenfalls wieder zu weit hergeholt war und erneute Fragen aufwarf.
~ Wie ich zu Anfang des Berichtes schon sagte, so habe ich mir den Film bereits das zweite Mal angesehen. Seit dem ersten Gucken ist schon genug Zeit vergangen, um mich nicht mehr an jedes Detail zu erinnern; so dass ich auch jetzt nicht gelangweilt auf der Couch lag.
Dennoch fühle ich mich verpflichtet zu sagen, dass „Gothika“ nie das schaffen wird, was „Nicht auflegen“, „Final Destination 2“, „The Ring“ oder „Saw“ schaffte ~ nämlich binnen 24 Stunden gleich zweimal zugleich begeistern als auch zu verstören.
Wer den Streifen einmal sah, der hat lange Zeit „genug“ davon; und auch ich hätte mir den Film wohl nicht noch mal angesehen, wenn ich ihn nicht auf meinem neuen TV-Gerät mit integriertem DVD Player hätte testen wollen (durch den der Ton deutlich verbessert wurde).
Ich will nicht sagen, dass ich die DVD nun zum Handspiegel umfunktioniere ~ jedoch wird er wohl noch eine stattliche Weile wieder vor sich hinstauben. „Gothika“ ist nun mal einfach ein Werk, dass man, genau wie den um-zig-Ecken-rum-ähnlichen Film „Sag kein Wort“ anguckt, für gut befindet, und dann nicht in Tränen ausbrechen würde, wenn sich jemand eben diesen ausleiht und dann aber „vergisst“ ihn zurückzugeben.
Nun denn, auch das Leben einer Eintagsfliege kann kurzweilig erfüllend sein.
Originaltitel: Gothika (2003)
Spieldauer: 98 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Genre: Thriller / Horror
Kinostart: 11.3.2004
Regie: Mathieu Kassovitz
Buch: Sebastian Gutierrez
Musik: John Ottman
Verleih: Columbia Tristar
13 Bewertungen, 8 Kommentare
-
22.05.2006, 11:54 Uhr von superlativ
Bewertung: sehr hilfreichschöner bericht! hat mir gut gefallen! liebe grüße superlativ
-
20.05.2006, 20:50 Uhr von schnekuesschen
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht...LG Sandy :-)))
-
20.05.2006, 20:12 Uhr von bodspy
Bewertung: sehr hilfreichfleißig weiter lesen° * * * SEHR HILFREICH * * * Liebe Grüße RenÖ ;o
-
20.05.2006, 15:00 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichschöner bericht...lg inspire
-
20.05.2006, 14:42 Uhr von sakibr
Bewertung: sehr hilfreichToller Bericht! LG
-
20.05.2006, 14:42 Uhr von topfmops
Bewertung: sehr hilfreichEin AUFRUF: Wer jetzt zu einem Streik oder Boykott aufruft, hat nicht verstanden, was ein Streik bewirken soll. Seit wann streiken Unternehmer?? Und die Schreiberlinge sind Unternehmer, die ihre Beiträge verkaufen. Ich schädige doch nicht mich selbst. Ganz
-
20.05.2006, 14:24 Uhr von Schattenesserin
Bewertung: sehr hilfreich♪♫ SH :o) ♫♪
-
20.05.2006, 13:38 Uhr von Vicky
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich - Vic
Bewerten / Kommentar schreiben