Die Bruderschaft (gebundene Ausgabe) / John Grisham Testbericht

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Erfahrungsbericht von Lanzelot

Herr Kanzler, sind Sie wirklich nicht käuflich???

Pro:

neue Themen und Stoffe überzeugende Storyline Charaktere

Kontra:

psychisch nicht sehr tiefgründig

Empfehlung:

Ja

Sind wir doch einmal ehrlich. Glauben wir wirklich das Ammenmärchen von den ehrlichen Politikern? Wer ist sich den sicher, dass man nicht mit einem Milliönchen auch unser Bundeskanzler ködern kann? Wahrscheinlich niemand. Aus diesem Grunde sollte mich „Die Bruderschaft“ doch auch gar nicht so betroffen und nachdenklich stimmen. Aus diesem Grunde, ist es doch keineswegs überraschend, dass Grisham mit seiner Bruderschaft einen so realen Bezug schafft, dass man ihn auch als Zeitroman lesen könnte. Unverhohlen die Kritik, die Brisanz und doch spannend und fesselnd zu lesen.
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.:| John Grisham – sein Weg zur Bruderschaft |:.


John Grisham sollte nun wirklich allen Literatur- oder Lesefreunden ein Begriff sein. Er schrieb nicht nur die erfolgreichsten Romane des letzten Jahrhunderts, nein, er lieferte auch den Stoff zahlreicher, sehr erfolgreicher Kinoversionen seiner Bücher. Sie alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, aber „Die Firma“, „Die Akte“, „Die Jury“, etc sprechen eine klare Sprache und dürften den Meisten ein Begriff sein. Grisham schaffte es, immer wieder Millionen in seinen Bann zu ziehen. ( Das hat er auch mit seinem Buch \"Das Testament\" geschafft, über das ich auch einen Bericht geschrieben habe, der mit einer Krone belohnt wurde!!!)

Seine Figuren sind dabei meist sehr ähnlich, wie sich aus der Nachsicht immer herausstellt, doch schafft er stets einen Stoff, der fesselt und mischt ihm seinen so süchtig machenden Stil hinzu. Stets kämpfen die Guten gegen die Bösen, bis zuletzt sollten immer die Guten gewinnen. Und wenn das aus Spannungsgründen einmal nicht der Fall war, fügte Grisham immer eine Moral mit ein, die dem Leser deutlich machte, dass dies so nicht gut sein könne – Grisham der Moralist.

Tatsächlich ist er ein Mann, der an die Gerechtigkeit glauben muss, war er doch erst jahrelan g als Anwalt tätig. Es folgte eine Karriere als Abgeordneter im Staate Mississippi, ehe er sich endlich Mitte der 80-er einzig dem Schreiben widmete. Seine Figuren bedienen sich seinen Erfahrungen und Kenntnissen, spielen immer im Anwaltsmilieu und nicht selten zu Gericht. Waren es zu Beginn seiner Romanreihen stets riesige Gerichtsschlachten, wird er seit Neuerem erfinderischer...

Zwar immer noch nicht experimentell, aber nicht mehr absolut vorhersagbar, knüpft er seine Geschichten nun vielseitiger und thematisch nicht so einseitig ausgeprägt wie zu Beginn seiner Karriere als Schriftsteller. Sein Stoff bleiben die Menschen, das Milieu die Justitia, doch der Fokus wechselt weg vom Helden – meist dem Anwalt oder das Opfer – hinweg zu vielseitigeren Figuren, die plötzlich ebenso vielseitig dargestellt werden, zwar Klischées bedienen, aber Charaktere werden, die man kennt und anerkennt.

Seine einstigen Helden (und unfehlbaren Moralisten) sind erwachsen geworden, wie ich meine, menschlicher. Sie haben Fehler und zeigen diese, haben an deren Folgen oder Auswirkungen zu knabbern und eignen sich nur noch bedingt als uneingeschränktes Vorbild. Grisham wird älter und zeigt dies in seinen Büchern, nachdenklicher mit Sicherheit, anprangernder – vielleicht!
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.:| Die Bruderschaft – Rezension eines Meisterwerks?! |:.


“Die Bruderschaft“, erschienen 2001 im Heyne-Verlag (ISBN3-453-18593-5) von John Grisham behandelt das Thema der Politik, speziell dem Präsidentschaftswahlkampf, anhand dem Schicksal des Aaron Lake. Er ist bereits in Washington als Bundesabgeordneter tätig, als sich die CIA in Form ihres Präsidenten Teddy Maynard, an ihn wendet und sich ihm im Geheimen anvertraut. Unverhohlen wird ihm angeboten, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Wie das ginge, spielt erst einmal keine Rolle, er solle sich entscheiden und als Gegenleistung dafür einstehen, dass die USA sich militärisch wieder aufrüsten – der Militäretat in der kommenden Legislaturperiode verdoppelt würde.

Aaron Lake, ein sehr bescheidener Witwer mit sehr nüchternen privaten Angelegenheiten und nahezu langweiligem Leben ausgestattet zögert nur vordergründig, zu verlockend ist der Ruf der Macht und des Ruhmes. Er sagt zu und sieht sich plötzlich als Frontmann der wohl größten Werbekampagne, die die Vereinigten Staaten je erlebt haben.

Der Wahlkampf von Lake startet spät, ist aber mit der Unterstützung und Cleverness des CIA ein Erfolgsgarant. Mit seinen markigen Sprüchen sammelt er Punkte bei der zahlungskräftigen und spendenwilligen Rüstungsindustrie, die unter ihm als Präsidenten saftige Gewinne erwarten darf.

Mit dem Geld wird weiter multimedial geworben und eine riesige Geldbeschaffungsmaschinerie aufgebaut, die das Millionengrab der Werbung ständig wieder aufs Neue ebnet. Tatsächlich erringt er so in den ersten Bundesstaaten einigen Aufruf, nicht zuletzt deswegen, weil er in düsteren Spots den Krieg vorhersagt und darauf hinweist, wie schlecht amerikanische Soldaten seien – man könne sich nicht mehr verteidigen.

So nebulös und gespenstig er auftaucht, wird er plötzlich ernst genommen, als eine Bombe im fernen Ägypten in der dortigen amerikanischen Botschaft explodiert und Landsleute sterben. Seine Vision ist ernst geworden und der vermeintlich terroristische Akt verschafft ihm Glaubwürdigkeit. Weitere Millionen fließen, noch düstere Spots überschwemmen das Land, bis er schlussendlich triumphieren wird...

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist weniger erfolgsversprechend, aber ebenso kriminell und fragwürdig. In Trumble, eine Gefängnis in Florida, sitzen die bestbetuchten und minder straffälligen Verbrecher Amerikas unter Verschluss. Der Begriff ist im Grunde falsch gewählt, können sie sich doch sehr geringer Kontrolle, freiem Ausgang auf dem Gelände und umfangreichen Sport- und Entspannungsmöglichkeiten hingeben. Trumble ist ein Geheimtipp für Strafgänger, ist doch ein leichtes Leben so leicht möglich.



Die Ordnung im Knast wird von der sogenannten „Bruderschaft“ gesichert, die in Absprache mit dem Gefängnisdirektor allwöchentliche Gerichtstermine veranstaltet. Die drei ehemaligen Richter, erhalten so den internen Frieden, klären Betrügereien oder kleine Streitigkeiten, indem sie stets 2:1 werten und allgemein vertretbare „Urteile“ fällen.

Niemand ahnt, dass sie einem grausamen Hobby frönen und sich ihr späteres Leben nach dem Knast verdienen. Sie haben ein geschicktes System entwickelt, homosexuelle Männer zu erpressen. Ihr Augenmerk liegt dabei auf Männern Mitte 50 und älter, die sich auf Anzeigen in einschlägigen Blättern melden. Indem sie Briefe vermeintlicher, junger und unheimlich hilfsbedürftiger Häftlinge fingieren, schnappt nicht selten die Falle zu. Die Opfer in Form der schwulen Männer, verraten zu viel über sich und ihre Herkunft und die Bruderschaft schnappt zu.

Unverhohlen kündigen sie an, die meist sehr gut etablierten Männer zu enttarnen und ihrer ausnahmslos stock-konservativen Umgebung als „Andersgearteten“ zu präsentieren. Man könne dies aber verhindern, indem man ihnen 100\'000 $ schicke...
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.:| John Grisham – Mein Eindruck|:.


So entfernt diese beiden Geschichten auch zunächst sind, so finden sie doch schnell ineinander (wird aber nicht verraten) und bedrohen den steilen Aufstieg des Aaron Lake. Das CIA hat Fehler gemacht und gerät an die Bruderschaft, was sich als sehr spannend herausstellt.

John Grishams sehr lesefreundlicher Stil, kommt beim Leser gut an. Die Geschichte ist geradlinig, aber nicht vorhersehbar. Sie ist schmückend, ohne überladen zu sein und sie hat Tiefgang. Mir hat besonders gefallen, wie Grisham seine E rfahrungen aus der Politik einbringt, seien sie auch in Wirklichkeit nicht so käuflich und fremdgesteuert, wie er sie im Buch darstellt.

Die Vorkommnisse innerhalb der CIA, innerhalb des Gefängnisses und rund um den Wahlkämpfer Aaron Lake sind für sich schon hochinteressant, bergen in ihrer gemeinsamen Vermischung weitere Brisanz. Klasse, wie Grisham die Geschichte verknotet, dichtet und zu einem Ganzen zusammenführt. Wie selbstverständlich passen die Puzzle-Stücke ineinander.

Verwundert es da noch, dass Grisham auch seine Moral wieder mit eingeflochten hat? Was kann man aus der Geschichte mitnehmen? Nun, Politiker sind käuflich, Knastbrüder reich und mitunter am Ende die Glücklichen, das CIA hinterlistig und durchtrieben – vielleicht auch weitsichtig und vorausdenkend. Ich weiß es nicht, auf jeden Fall regt es zum Nachdenken an und auf jeden Fall ist dieser Grisham wieder so richtig lesenswert!

John Grishams „Die Bruderschaft“ ist ein weiterer Top-Titel des Autors. Er verabschiedet sich ein wenig von einem Anwalts-Genre und konzentriert sich auf neue, interessante Felder. Die Politik scheint gar noch spannender zu sein, als seine bisherigen Gerichtsthriller. Grisham gefällt mir hierin besonders gut – er ist vielseitiger und facettenreicher, vielsagender und doch nicht so eindeutig, wie oftmals. „Die Bruderschaft“ ist sicherlich noch „leichte Kost“ und keine Weltliteratur, aber als solche unbedingt zu empfehlen – dieses Mal auch denen, die Gerichtsromane nicht als packend ansehen...

23 Bewertungen, 3 Kommentare

  • Annabell234

    15.04.2006, 10:13 Uhr von Annabell234
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr gut LG und auf wiederlesen :-)

  • modschegibbchen

    14.03.2005, 00:51 Uhr von modschegibbchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    danke für den bericht, jetzt hab ich mit entschieden, welches der 4 ungelesenen grishams ich zu erst lese. und was heißt schon käuflich? hat nicht jeder seinen preis :o) lg heike

  • wirnhier

    12.03.2005, 22:09 Uhr von wirnhier
    Bewertung: sehr hilfreich

    ab wann fängt das an...? Ist es nicht schon so, dass unter Kindern der eine oder andere, der sich ins Abseits gedrängt fühlt anfängt mit Süßigkeiten sich seine Freundschaften zu erkaufen...? Schlimm aber wahr. Das nur so zu d