Die Bruderschaft (gebundene Ausgabe) / John Grisham Testbericht
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Erfahrungsbericht von Volker111
Grishams gelungene Einblicke in die US-Politik
Pro:
relativ spannend, Einblicke in die US-Justiz und Demokratie
Kontra:
Schluss mag mich nicht ganz zu überzeugen
Empfehlung:
Nein
Die Bruderschaft John Grisham
•••Vorbemerkungen•••
Von allen bisherigen Grisham Romanen las sich dieser für mich am schnellsten und leichtesten. Innerhalb eines Tages hatte ich die 447 Seiten, große Schrift, geringe Seitenbreite, durch.
Für J. Grisham ungewöhnlich einfach, ohne doppelte Böden in der Geschichte, knappe Sätze, läuft die im Grunde einfache Handlung ab. Die eingebundene Ausgabe kostet 23, die Taschenbuchausgabe 9,95 Euro, gebunden gebraucht ab 12 Euro, zur Taschenbuchausgabe liegen bei amazon.de keine Gebrauchtstücke vor.
••• Inhaltsanriss •••
Zwei Handlungsstränge laufen zunächst unabhängig voneinander, um sich dann in einer Art Wettlauf, einem Kräftemessen zu begegnen.
Drei ehemalige zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilte Richter starten aus ihrem \"weichen\" Bundesgefängnis in Trumble eine psychologisch gut durchdachte Erpressungskampagne. Eine Kontaktanzeige lockt ältere (ab 50 Jahren) Homosexuelle an, eine Brieffreundschaft mit dem von ihnen samt perfekten Photo erfundenen Ricky zu beginnen, in der Hoffnung auf Vertiefung nach dessen kurz bevorstehender Entlassung aus einer ebenfalls fiktiven Heilanstalt.
Erfolgreiche, zahlungskräftige Opfer, die bei Bekanntmachung ihrer Neigungen gegenüber ihrer Lebenspartnerin, Familie oder in der Öffentlichkeit am meisten zu verlieren haben, werden für die Erpressung herausgefiltert.
Im zweiten Handlungsstrang filtert sich der Chef des CIA seinen Wunschkandidaten für die nächste Präsidentschaftswahl heraus. Der schließlich Auserwählte, eigentlich ein politischer Nobody, aber von seiner Lebenslauflegende ohne erkennbare Schwach- oder Angriffspunkte, muss für das unerwartete Angebot nur eine Gegenleistung bringen: Der Rüstungsetat soll nicht nur ungekürzt bleiben, sondern verdoppelt werden.
Wahlkampf, passende Ereignisse, Medienpräsenz organisiert und vor allem aber für unbegrenzte finanzielle Mittel sorgt der CIA Chef.
Selbst Katastrophen/Terrorakte mit zahlreichen amerikanischen Todesopfern werden skrupellos optimal zeitlich in den Wahlkampf passend gesteuert. Parallelen zur gegenwärtigen Politik sind natürlich rein zufällig, auch wenn unter Bush der Rüstungsetat verdoppelt wurde und zur Zeit es den Amerikanern im Irak nicht mehr um UN-Inspekteure sondern um einen Krieg zur \"Befreiung des Volkes\" von Saddam Hussein geht.
Doch der CIA-Chef hat eines übersehen. Auch der nach seinem Drehbuch tatsächlich immer erfolgreichere Präsidentschaftskandidat gehört zu den Opferkandidaten der drei ehemaligen Richter, der Bruderschaft.
Ob nun die drei Richter sich das falsche Opfer ausgesucht haben und dafür bitter bezahlen müssen, oder ob es ihnen gelingt, heil und erfolgreich gegen ihren skrupellosen Gegner vom CIA zu bestehen, das sei hier noch nicht verraten, dazu muss eben der Roman gelesen werden.
••• Meine Wertung, mein Eindruck •••
Vier Fünftel des Romans vermeidet J. Grisham seine sonst zuweilen vorhandenen langatmigen Beschreibungen oder Schilderungen, sondern er schreibt prägnant, anschaulich und wirklich spannend. Im letzten Teil, sozusagen der Auflösung, wirkt er auf mich nicht mehr so überzeugend.
Unabhängig von der gut erzählten Geschichte liefert er Einblicke, wie weit realistisch oder nicht kann ich nicht beurteilen, in die Funktionsweise der amerikanischen Kapital- und Mediendemokratur.
Im Roman (nur im Roman?) hat amerikanischer Wahlkampf nichts zu tun mit der Überzeugung von Wählern für die programmatischen Aussagen der Partei oder des Kandidaten. Wahlkampf stellt sich als schlichte, aber sehr effektive Wählermanipulation durch Events, gesteuerte Krisenereignisse, auch Korruption mit Hilfe vieler Gelder von der Seite späterer Nutznießer dar. Im Roman sind dies vor allem die Beteiligten der US-Rüstungsindustrie bzw. Staaten, die von einem Konfrontationskurs profitieren.
Auch wenn der Roman fiktiv ist, so muss man wohl davon ausgehen, dass J. Grisham im Wesentlichen die Abläufe der Geld-Demokratur Amerikas so sieht oder erfahren hat.
Meine eigenen Erfahrungen im kommunalpolitischen Bereich lassen mir seine Schilderungen als durchaus realistische Möglichkeit erscheinen, denn warum soll das, was im Kleinen in Deutschland geschieht, sich nicht anderswo im Großen ähnlich vollziehen können?
Stoibers und vor allem der FDPs Hang, deutsche Wahlkämpfe nach US-Vorbild zu führen, lässt auch für Deutschland und Europa bei erfolgreicher Umsetzung dieses Zieles nichts Gutes erahnen, egal ob einem Dolly Busters dümmliche FDP-Wahlreklame (als Gast bei Stefan Raab) gefällt oder nicht. Eine überüppige Oberweite ist halt leichter darzustellen als Argumente überzeugend zu vertreten sind.
Obwohl von John Grisham Prozessverläufe und ermüdende juristische Einzelheiten diesmal recht kurz abgehandelt werden, lassen die im Roman geschilderten Beispiele amerikanischer Rechtssprechung wenig Vertrauen in die US-Justiz zurück.
Der Roman ist leicht und schnell zu lesen, spannend und enthält so nebenbei einige nachdenkenswerte Problemfelder zu den Themen Demokratie und Rechtssprechung.
Ich würde ihn daher Lesern ab etwa 14 Jahren empfehlen, wobei es nie genaue Altersgrenzen geben kann. In einer 10 Punkte Skala würde ich dem Roman 7 Punkte geben, denn, wie gesagt, er ist doch recht einfach konstruiert und sein Schluss überzeugt mich von der Logik her nicht.
Ich freue mich auf jeden konstruktiv kritischen Kommentar.
•••Vorbemerkungen•••
Von allen bisherigen Grisham Romanen las sich dieser für mich am schnellsten und leichtesten. Innerhalb eines Tages hatte ich die 447 Seiten, große Schrift, geringe Seitenbreite, durch.
Für J. Grisham ungewöhnlich einfach, ohne doppelte Böden in der Geschichte, knappe Sätze, läuft die im Grunde einfache Handlung ab. Die eingebundene Ausgabe kostet 23, die Taschenbuchausgabe 9,95 Euro, gebunden gebraucht ab 12 Euro, zur Taschenbuchausgabe liegen bei amazon.de keine Gebrauchtstücke vor.
••• Inhaltsanriss •••
Zwei Handlungsstränge laufen zunächst unabhängig voneinander, um sich dann in einer Art Wettlauf, einem Kräftemessen zu begegnen.
Drei ehemalige zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilte Richter starten aus ihrem \"weichen\" Bundesgefängnis in Trumble eine psychologisch gut durchdachte Erpressungskampagne. Eine Kontaktanzeige lockt ältere (ab 50 Jahren) Homosexuelle an, eine Brieffreundschaft mit dem von ihnen samt perfekten Photo erfundenen Ricky zu beginnen, in der Hoffnung auf Vertiefung nach dessen kurz bevorstehender Entlassung aus einer ebenfalls fiktiven Heilanstalt.
Erfolgreiche, zahlungskräftige Opfer, die bei Bekanntmachung ihrer Neigungen gegenüber ihrer Lebenspartnerin, Familie oder in der Öffentlichkeit am meisten zu verlieren haben, werden für die Erpressung herausgefiltert.
Im zweiten Handlungsstrang filtert sich der Chef des CIA seinen Wunschkandidaten für die nächste Präsidentschaftswahl heraus. Der schließlich Auserwählte, eigentlich ein politischer Nobody, aber von seiner Lebenslauflegende ohne erkennbare Schwach- oder Angriffspunkte, muss für das unerwartete Angebot nur eine Gegenleistung bringen: Der Rüstungsetat soll nicht nur ungekürzt bleiben, sondern verdoppelt werden.
Wahlkampf, passende Ereignisse, Medienpräsenz organisiert und vor allem aber für unbegrenzte finanzielle Mittel sorgt der CIA Chef.
Selbst Katastrophen/Terrorakte mit zahlreichen amerikanischen Todesopfern werden skrupellos optimal zeitlich in den Wahlkampf passend gesteuert. Parallelen zur gegenwärtigen Politik sind natürlich rein zufällig, auch wenn unter Bush der Rüstungsetat verdoppelt wurde und zur Zeit es den Amerikanern im Irak nicht mehr um UN-Inspekteure sondern um einen Krieg zur \"Befreiung des Volkes\" von Saddam Hussein geht.
Doch der CIA-Chef hat eines übersehen. Auch der nach seinem Drehbuch tatsächlich immer erfolgreichere Präsidentschaftskandidat gehört zu den Opferkandidaten der drei ehemaligen Richter, der Bruderschaft.
Ob nun die drei Richter sich das falsche Opfer ausgesucht haben und dafür bitter bezahlen müssen, oder ob es ihnen gelingt, heil und erfolgreich gegen ihren skrupellosen Gegner vom CIA zu bestehen, das sei hier noch nicht verraten, dazu muss eben der Roman gelesen werden.
••• Meine Wertung, mein Eindruck •••
Vier Fünftel des Romans vermeidet J. Grisham seine sonst zuweilen vorhandenen langatmigen Beschreibungen oder Schilderungen, sondern er schreibt prägnant, anschaulich und wirklich spannend. Im letzten Teil, sozusagen der Auflösung, wirkt er auf mich nicht mehr so überzeugend.
Unabhängig von der gut erzählten Geschichte liefert er Einblicke, wie weit realistisch oder nicht kann ich nicht beurteilen, in die Funktionsweise der amerikanischen Kapital- und Mediendemokratur.
Im Roman (nur im Roman?) hat amerikanischer Wahlkampf nichts zu tun mit der Überzeugung von Wählern für die programmatischen Aussagen der Partei oder des Kandidaten. Wahlkampf stellt sich als schlichte, aber sehr effektive Wählermanipulation durch Events, gesteuerte Krisenereignisse, auch Korruption mit Hilfe vieler Gelder von der Seite späterer Nutznießer dar. Im Roman sind dies vor allem die Beteiligten der US-Rüstungsindustrie bzw. Staaten, die von einem Konfrontationskurs profitieren.
Auch wenn der Roman fiktiv ist, so muss man wohl davon ausgehen, dass J. Grisham im Wesentlichen die Abläufe der Geld-Demokratur Amerikas so sieht oder erfahren hat.
Meine eigenen Erfahrungen im kommunalpolitischen Bereich lassen mir seine Schilderungen als durchaus realistische Möglichkeit erscheinen, denn warum soll das, was im Kleinen in Deutschland geschieht, sich nicht anderswo im Großen ähnlich vollziehen können?
Stoibers und vor allem der FDPs Hang, deutsche Wahlkämpfe nach US-Vorbild zu führen, lässt auch für Deutschland und Europa bei erfolgreicher Umsetzung dieses Zieles nichts Gutes erahnen, egal ob einem Dolly Busters dümmliche FDP-Wahlreklame (als Gast bei Stefan Raab) gefällt oder nicht. Eine überüppige Oberweite ist halt leichter darzustellen als Argumente überzeugend zu vertreten sind.
Obwohl von John Grisham Prozessverläufe und ermüdende juristische Einzelheiten diesmal recht kurz abgehandelt werden, lassen die im Roman geschilderten Beispiele amerikanischer Rechtssprechung wenig Vertrauen in die US-Justiz zurück.
Der Roman ist leicht und schnell zu lesen, spannend und enthält so nebenbei einige nachdenkenswerte Problemfelder zu den Themen Demokratie und Rechtssprechung.
Ich würde ihn daher Lesern ab etwa 14 Jahren empfehlen, wobei es nie genaue Altersgrenzen geben kann. In einer 10 Punkte Skala würde ich dem Roman 7 Punkte geben, denn, wie gesagt, er ist doch recht einfach konstruiert und sein Schluss überzeugt mich von der Logik her nicht.
Ich freue mich auf jeden konstruktiv kritischen Kommentar.
37 Bewertungen, 4 Kommentare
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27.08.2008, 22:28 Uhr von blackangel63
Bewertung: sehr hilfreichScHoEnEn AbEnD...gRuSs AnJa
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02.08.2008, 09:15 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
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12.05.2007, 15:37 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichSh & lg Sarah
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14.09.2006, 11:34 Uhr von Tweety30
Bewertung: sehr hilfreich► sh. Es grüßt Tweety30! ◄
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