Heuriger Grüner Veltliner Testbericht

Gruener-veltliner
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Erfahrungsbericht von MONETIX

Wer kann da Neutral sein?

Pro:

s. Bericht

Kontra:

s.Bericht

Empfehlung:

Ja

Heute geht es, um einen österreichischen Wein –den GRÜNEN VELTINER.
Bevor ich jetzt speziell dazu etwas schreibe will ich erst einmal auf die Arten der „neutralen Weissweine“ eingehen.

Neutral als Beschreibung für einen Wein klingt nach Parteilosigkeit, vergleichbar mit der sprichwörtlichen Neutralität der Schweiz und einiger anderer Staaten, deren Aussenpolitik farin besteht, etwaigen Konflikten erfolgreich auszuweichen.

Eigentlich wird der Begriff für all jene Weine verwandt, die keine starken Aromen, das heisst keinen ausgeprägten Charakter besitzen und dadurch auch wenig Konfliktstoff zwischen Verkäufer und Konsumenten bieten.
In extremen Fällen, wie zum Beispiel beim Schweizer Fendant, bedeutet dies, dass die Weine oft wirklich beinahe nach nichts riechen und schmecken.

Die Schweiz mag einen hervorragenden Ruf als Herstellerin von Qualitätsprodukten haben, aber der meiste Fendant ist furchtbar fade und langweilig, einer der wirklichen Nuller in der Weinwelt.
Ich muss jedoch zugeben, Fendant bei mehreren Gelegenheiten mit wirklichem Vergnügen getrunken zu haben.
Sitzt man vor einem Cafe mit Blick auf eine der beeindruckenden Gebirgslandschaften, die jahrhunderte lang militärische Invasoren abgeschreckt und den Schweizer Schokoladenabsatz gefördert haben, ist ein Glas Fendant angenehm erfrischend.
Vielleicht ist dies auch der Grund, warum mich die Gutedelweine aus dem Markgräflerland in Baden nicht so sehr begeistern. Sie stammen zwar aus derselben Rebsorte und schmecken, wenn überhaupt, frischer als der Fendant, aber die Landschaft hier ist bloss hübsch –richtige Berge sind das nicht.

Andere angeblich neutrale Weine sind weit weniger auf die Umgebung angwiesen, in der sie konsumiert werden (mal abgesehen davon, dass mir, auch wenn mich jetzt viele für sexistisch halten werden, jeder Wein besser schmeckt mit einer schönen Frau am Tisch, vorzugsweise meine eigene).
Vielleicht sind diese Weine also gar nicht so neutral, wie die Beschreibung glauben machen möchte.

Kommen wir nun zum österreichische GRÜNEN VELTINER .
Österreichs Neutralität, auf politischem wie auf vinologischem Gebiet, ist etwas ganz anderes als die schweizerische –hier handelt es sich um Entwicklung der neuen Zeit.

Die einfache, oft sogar langweilige und wenig anregende Art billiger Grüner Veltinger hat ihre Ursache in der übermässigen kommerziellen Ausbeutung dieser Rebsorte.

Vor etwas mehr als einer Generation noch war er einer unter wenigen bedeutenden Rebsorten in Österreich, doch als neue erfolgreiche Klone angebaut wurden, dehnte sich die mit Veltiner Reben bepflanzte Fläche auf volle drei achtel der österreichischen Rebfläche aus.

Der für die Sorte angeblich typische, an Pfeffer erinnernde Duft blieb durch die Massenproduktion oft auf der Strecke.
Einziges Ziel war ein trockener Weisswein, der allen gefallen, das heisst bei niemandem anecken würde (siehe das Wort Neutralität am Anfang des Berichtes).

Wahrer Grüner Veltiner ist nicht billig, doch verglichen mit den Preisen anderer hochwertiger trockener Weissweine weltweit keinesfalls teuer zu nennen.
Er ist vielleicht nicht extravertiert oder smart, dafür kräftig und ausdrucksstark –je länger man ihn im Mund hat oder im Glas schwenkt, desto mehr spricht für ihn.

Wie jeder gute Silvaner (zu Silvaner gibt es auch noch einen Bericht) fängt er erst richtig an zu leuchten, wenn er neben einem Teller mit gutem Essen steht.
Ob dies nun ein Wiener Schnitzel oder eine raffinierte Kreation eines Spitzenkoches –wie beispielsweise mir (nein, ich bin nicht bescheiden) ist: In dieser Umgebung wird aus ihm ein richtiger Unterhaltungskünstler.

Wenn es sich bei dem Grünen Veltiner im Glas nicht gerade um den letzten Jahrgang handelt –so, wie die meisten Österreicher ihre eigenen Weissweine trinken- und von einem der besten Erzeuger der Wachau, dem Krems- oder Kamptal kommt, dann kann man leicht dem Irrtum erliegen, ein grosser weisser Burgunder sei versehentlich ausgeschenkt worden.

Die Trumpfkarte des Grünen Veltiners ist die Verwandlung, die er während einiger Jahre Flaschenreife durchmacht. Er wird dann zu einem geschmeidigen, dichten Wein mit nussigen Anklängen, die ebenso faszinierend sind wie die Pfefferigkeit jüngerer Weine.

Es war eines der bestgehüteten Geheimnisse der Weinwelt:
Vor einigen Jahren veranstaltete eine der bedeutetsten Gastro-Zeitschriften Deutschlands eine grosse Blindprobe von weissen Burgundern, bei der die aus reiner Neugier als Undercover-Agents eingeschmuggelten Grünen Veltiner die Jury am meisten begeisterten.

Die Zeitschrift befürchtete beleidigte Reaktionen französischer Winzer und liess die Ergebnisse in einer tiefen Schublade verschwinden.

Doch warum sollte jemand Angst vor der Wahrheit haben?

Hiermit ist das Geheimnis gelüftet –auch wenn ich meine Quelle hier nicht verrate, wer weiss wofür man sie nocheinmal braucht.

In diesem Sinne, vielen Dank fürs lesen, bewerten und kommentieren, Günter –der auch mal was positives von Österreich berichtet.

©Bei YOPI=Monetix
©Bei CIAO=Knetix

40 Bewertungen, 1 Kommentar

  • indra

    30.01.2007, 15:30 Uhr von indra
    Bewertung: sehr hilfreich

    °°°Sh°°° Liebe Grüße, Indra