Gruselkabinett Testbericht

ab 5,30
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Erfahrungsbericht von aragorn2000

Zeitgeschichte hautnah

Pro:

regt zum Nachdenken an, zentral gelegen

Kontra:

nichts für schwache Nerven

Empfehlung:

Ja

Mit auf dem Programm unseres Kurztrips nach Berlin im letzten Jahr stand auch ein Besuch des Grusel-Bunkers. Dieser befindet sich nur wenige Meter von der S-Bahnstation Anhalter Bahnhof entfernt und ist somit recht bequem zu erreichen. Der Bunker befindet sich dann etwas versteckt hinter einer Grundschule, wobei man von diversen Wegweisern hingewiesen wird. Es handelt sich bei dem Gebäude um einen ehemaligen Luftschutzbunker, welcher für die Führungsriege der Reichsbahn vorgesehen war.

Von Außen macht das aus Ziegelsteinen aufgebaute Gebäude dann einen eher schlichten Eindruck, hier könnte es sich genauso um eine alte Lagerhalle einer Fabrik handeln, welche über die Jahre hinweg etwas verfallen ist. An der Kasse muss ich dann den Eintrittspreis von 4,50€ berappen, der reguläre Preis beträgt 6€, doch durch mein Berlin-Willkommensticket der öffentlichen Verkehrsbetriebe erhalte ich etwas Nachlas.

Da sich momentan einige Gruppen in dem Kabinett befanden wurden wir gebeten, uns zunächst im Keller umzusehen und uns dann nach oben durchzuarbeiten. Über eine Treppe gelangten wir dann in das erste Untergeschoss, durch die Treppe war zu erkennen, dass sie durchaus noch weiter nach unten führt, doch der Bereich war für die Besucher gesperrt.

Im Keller angekommen machte sich dann auch gleich eine etwas beklemmende Stimmung breit, welche durch die grauen, kalten Wände und die schale, abgestandene Luft hervorgerufen wurde. Im Keller befanden sich nur wenige Personen, die von den Eindrücken wohl genauso beeinflusst waren, was an der vorherrschenden Stille zu erkennen war. So konnte es einem schon eiskalt den Rücken herunterlaufen und mir stellte sich die Frage, wie es hier wohl vor sechzig Jahren gewesen sein mag, als im Hintergrund die dumpfen Bombeneinschläge zu hören waren, vielleicht irgendwelche Sirenen, die vor dem herannahenden Angriff warnten? Wie mussten sich die Leute hier gefühlt haben, unsicher ob sie den nächsten Tag noch erleben werden, ob sie am nächsten Tag noch ein zuhause haben würden und darüber nachdachten, wann dieser sinnlose Krieg endlich vorbei sein würde?

Irgendwo war eine leise Stimme aus einem Lautsprecher zu hören, die aus einem der zahlreichen Räume zu kommen schien. Einen roten Faden gibt es in dem Keller nicht, es ist keine klare Linie zu erkennen. Es sind diverse Gegenstände ausgestellt, welche in dem Bunker gefunden wurden, alte Zeitungsausschnitte, Reisedokumente, Konservendosen. Etwas störend fand ich dann jedoch, als ein paar Kinder durch den Bunker rannten und die Stille durchbrachen, ob sie sich wohl im klaren darüber waren, was hier vor sechzig Jahren vor sich ging? Wohl kaum! Für sie war dies wohl eher eine art Spiel. Woher sollten sie denn auch etwas darüber wissen? Vom Alter her waren sie in der Schule sicher noch nicht beim zweiten Weltkrieg angekommen. Vielleicht hatten sie von ihren Großeltern schon etwas darüber erfahren? Hmm..., mir hatte meine Mutter noch etwas darüber erzählt und nun waren es plötzlich die Großeltern. Mir wurde klar, dass der zweite Weltkrieg sich immer weiter von uns entfernt und doch wird er uns durch solche Eindrücke wie in dem Bunker plötzlich wieder ganz nahe gebracht.

Besonders beeindruckend fand ich die Stelle, wo die Außenwand des Bunkers durchbrochen war. Hier konnte man erkennen, wie massiv diese über zwei Meter dicken und von fingerdicken Stahlstreben durchzogenen Wände waren. Noch immer mit gedrückter Stimmung machten wir uns dann wieder auf nach oben.

Hier wartete ein Gruselkabinett im herkömmlichen Sinne auf uns. Es werden diverse Szenen aus dem Mittelalter nachgestellt, bei denen ein leicht reizbarer Magen sich durchaus bemerkbar machen dürfte. Mit bewegten Figuren wird gezeigt, wie primitiv doch die damaligen Mittel waren, um die unterschiedlichsten Krankheiten zu kurieren. Nicht selten endete dies aus Unwissenheit mit dem Tod, doch war der Tod auch wirklich sicher? Nicht selten soll es vorgekommen sein, dass Scheintote lebendig begraben wurden. Damit dies nicht passiert wurde der patentierte Scheintodsarg entwickelt, der hier auch samt Innhalt ausgestellt wird. Recht ekelerregend fand ich dann die Szene, in der gezeigt wird, wie ein Bein amputiert wird, weil der vermeintliche Arzt da auch noch fleißig am Sägen ist. Da fehlte nur noch der Ton der Säge um einem das Blut in den Adern gefrieren zu lassen.

Wer vielleicht die London Dungeons kennt dem sei gesagt, dass ihn hier ähnliches erwartet. Allerdings finde ich die Dungeons dann doch einiges besser und überzeugender. Aber im Berliner Gruselkabinett gibt es auch etwas, was man in London nicht findet und das darf man im Obergeschoss erleben. Hierüber möchte ich jetzt allerdings nicht viel schreiben, weil sonst die Spannung verloren wäre. Nur so viel sei gesagt, dass man dieses nicht mit einem schwachen Herzen aufsuchen sollte, denn ein Schreck, der bis ins Rückenmark fährt ist einem gewiss. Alleine würde ich mich hier jedenfalls nicht aufhalten wollen.

Die stärksten Eindrücke hatte auf mich zweifellos die Ausstellung im Untergeschoss, etwas irritierend fand ich dann nur die Kombination des Ganzen. Während im Keller auf die Ereignisse hingewiesen wurde, welche ja tatsächlich in dem Bunker stattgefunden hatten wirkt die Ausstellung auf den oberen Etagen durch die Puppen dann doch etwas weit entfernt, obwohl auch dies durchaus der Realität entsprach. Im Gegensatz zum Keller dient dies ja dann doch eher zur Belustigung, auch wenn es das eine oder andere Mal durchaus zum Nachdenken anregt. Doch stellt sich mir auch die Frage, ob ich mir den Luftschutzbunker angeschaut hätte, wenn er nicht mit dem Gruselkabinett verbunden wäre? Ich glaube kaum und das wäre schade gewesen, denn wer nicht bereit ist, aus der Vergangenheit zu lernen ist dazu verdammt, die Vergangenheit nochmals zu durchleben.

Mehr Informationen, so wie die aktuellen Öffnungszeiten über den Bunker findet ihr auch im Internet unter http://www.gruselkabinett-berlin.de/

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