Josephine (Taschenbuch) / Gulland Sandra Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
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Erfahrungsbericht von catmother
Eine Prophezeiung, Völkermord und ein kleiner Korse
Pro:
eindrucksvoll, leicht zu lesen, bewegendes Stück Geschichte
Kontra:
Tagebuch-Stil ist nicht jedermanns Sache
Empfehlung:
Ja
... der einmal ganz groß wird. Jeder kennt wohl den Mythos über Napoléon Bonaparte und seine Frau Joséphine. Aber eben nur in Ansätzen und nur die eher leicht verklärten Geschichten über die Liebe zwischen dem zeitweilig mächtigsten Mann Europas und einer Kreolin.
Ebenso ging es mir, bevor ich mich vorgestern nachmittag an diesen Roman wagte, weil ich was lesen wollte, wofür ich nicht erst drei Monate auf die Genehmigung eines Produktvorschlags von ciao warten muß. Also setzte ich mich gegen 16 Uhr in den Garten, in die Sonne, mit dem Buch in der Hand und hörte erst um 23 Uhr wieder auf. Nie hätte ich vermutet, daß mich dieser Historienschinken so fesseln würde.
** Zum Inhalt **
Marie-Joseph-Rose Tascher de la Pagerie wird 1763 als älteste Tochter eines verarmten Plantagenbesitzers in Trois-Ilets auf Martinique geboren. Ein großer Hurricane zerstört ihr Elternhaus, weshalb die Familie in die Rohrbrennerei umzieht und sich von diesem Ereignis finanziell nicht wieder erholt.
Ihre Amme, die Sklavin Mimi, nimmt Rose kurz nach ihrem 14. Geburtstag heimlich zu einer alten Voodoo-Wahrsagerin mit, die ihr nahezu Unglaubliches voraussagt: „Du wirst unglücklich verheiratet sein. Du wirst Witwe sein. Du wirst eine Kaiserin sein.“ Gerade letzteres ist äußerst lächerlich, denn Rose befindet sich einen Ozean getrennt von jenem Kontinent, auf dem es überhaupt noch Monarchen gibt.
Kurz darauf erreicht die Familie ein Brief aus Paris, in dem ihre Tante Désirée Tascher eine Heirat mit Roses jüngerer Schwester Cathérine und einem Vicomte vereinbart hat. Leider ist Cathérine gerade an Gelbfieber gestorben. Zunächst soll Manette, die letzte Tochter als Ersatz herhalten, doch die ist erst elf und die Mutter weigert sich, ihr jüngstes Kind herzugeben.
So geht schließlich Rose mit ihrer Amme Mimi nach Paris und wird mit Alexandre-Francois, Chevalier de Beauharnais verheiratet. Der Offizier ist allerdings selten zu Hause und erst nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes Eugène erfährt Rose endgültig, warum: ihr Mann hat eine Dauergeliebte und bereits einen unehelichen Sohn.
Nach der Geburt der Tochter Hortense strengt Rose letztendlich auch aus finanziellen Nöten ein gerichtliches Verfahren gegen ihren Mann an und gewinnt. Allerdings muß sie für mehr finanzielle Sicherheit ihren Sohn Eugène im Alter von fünf Jahren in die Vormundschaft von Alexandre übergeben.
Mittlerweile ist Rose jedoch (dank Alexandres Tante Fanny) so gut in die adligen Kreise der Pariser Gesellschaft eingeführt, daß sie nach der Trennung von ihrem Gatten trotzdem gut lebt, bis auf die ständigen finanziellen Engpässe.
1788 geht Rose mit ihrer Tochter nach Martinique und versucht, die Finanzen der heruntergewirtschafteten Plantage wieder auf Vordermann zu bringen. Zuerst hindert ein Orkan sie daran, nach Frankreich zurückzukehren, dann sind es die Unruhen auf Martinique zwischen Weißen und Sklaven. So bleibt Rose ganze zwei Jahre auf der Insel, ehe sie ihren Sohn wiedersieht und ihren Mann, der im revolutionären Frankreich seinem Stand entsagte und später sogar zum Präsidenten der Generalversammlung gewählt wurde. Doch das nützt ihm und seiner Familie am Ende wenig, denn Adel bleibt Adel, und im Laufe der Geschichte der französischen Revolution ist niemand vor niemandem sicher.
Ehe sich die alte Prophezeiung für Rose erfüllt, muß sie noch viele furchtbare Erlebnisse durchmachen.
** Positives zum Buch **
Der Roman ist durchgängig im Tagebuchstil geschrieben, dabei sehr chronologisch. Ich persönlich mag sonst Tagebücher nicht so ausgesprochen gern, aber ich muß sagen, daß dieser hier dadurch supereinfach zu lesen war. Die zeitlichen Abschnitte sind kurz, oft sogar kurzweilig und dadurch überhaupt nicht anstrengend.
Von der Sprache her entspricht der Text dem Stil, wie man einen Eintrag in sein Tagebuch machen würde – kurze Sätze, alles in der Ich-Form, sehr private Semantik und auf die wesentlichen Dinge konzentriert.
Neben den persönlichen Betrachtungen von Joséphine findet man in dem Text auch Briefe ihrer Familie und Verwandten, aber die umfassen (seltsamerweise) höchstens eine halbe Seite. Entweder man schrieb sich damals nicht gerade blumig, oder man wollte dem Leser nicht zuviel zumuten.
In dieser Deutlichkeit überraschend und erschütternd waren für mich aber die Einzelheiten über den Verlauf und die Grausamkeiten der französischen Revolution. Im Geschichtsunterricht erfährt man ja immer nur vom Volk, von Freiheit und bla,bla,bla – aus Sicht der Menschen, die zufällig auf der anderen, wenn auch sicher besseren Seite geboren waren, wurde dieser Abschnitt der Historie eher selten so drastisch dargestellt.
Am Ende des Romans stand für mich fest: Völkermord haben nicht erst die Nazis erfunden! Was da ablief, war die Hölle, der man nicht einmal durch völlig konformes Verhalten entkommen konnte. Joséphine selbst entging nur knapp der Guillotine, als Frau, als Mutter... Nur wegen ihrer Heirat mit einem Adligen.
Komisch, daß darüber keiner mehr spricht. Die Kirche muß sich für die Inquisition entschuldigen, die Nazis für den zweiten Weltkrieg (natürlich zu Recht), aber die Franzosen nicht.
** Negatives **
Da gibt es nur einen Punkt. Nämlich, daß die Verfasserin davon ausgeht, daß man die politischen und historischen Verhältnisse oder Personen dieser Zeit als Leser wohl kennen sollte. Es werden manchmal Dinge erwähnt und Fakten beschrieben, die für einen Laien der französischen Geschichte und Politik unverständlich sind, wie z.B. Marat, Robbespierre, von denen ich schon mal gehört habe, aber eben nicht genug, um das einordnen zu können.
** Meine Meinung **
Für alle Geschichtsinteressierten, Liebhaber von Biographien oder Fans von Frankreich ist das Buch sicher ein Muß. Es verbindet geschickt das Format des Tagebuchs mit dem Genre Historienroman. Wie gesagt, ich war nach kurzer Zeit so gefesselt, daß ich es in einem Ritt durchgelesen habe.
Und wer davon nicht genug bekommt, kann sich dann noch die beiden anderen Teile der Trilogie über diese eindrucksvolle Frau antun (Joséphine und Napoléon, Kaiserin Joséphine ).
Sehr zu empfehlen.
** Daten **
Verlag Krüger
gebunden 567 Seiten
Preis: 19,90 € (auch als Taschenbuch)
ISBN 3-8105-0871-3
Ebenso ging es mir, bevor ich mich vorgestern nachmittag an diesen Roman wagte, weil ich was lesen wollte, wofür ich nicht erst drei Monate auf die Genehmigung eines Produktvorschlags von ciao warten muß. Also setzte ich mich gegen 16 Uhr in den Garten, in die Sonne, mit dem Buch in der Hand und hörte erst um 23 Uhr wieder auf. Nie hätte ich vermutet, daß mich dieser Historienschinken so fesseln würde.
** Zum Inhalt **
Marie-Joseph-Rose Tascher de la Pagerie wird 1763 als älteste Tochter eines verarmten Plantagenbesitzers in Trois-Ilets auf Martinique geboren. Ein großer Hurricane zerstört ihr Elternhaus, weshalb die Familie in die Rohrbrennerei umzieht und sich von diesem Ereignis finanziell nicht wieder erholt.
Ihre Amme, die Sklavin Mimi, nimmt Rose kurz nach ihrem 14. Geburtstag heimlich zu einer alten Voodoo-Wahrsagerin mit, die ihr nahezu Unglaubliches voraussagt: „Du wirst unglücklich verheiratet sein. Du wirst Witwe sein. Du wirst eine Kaiserin sein.“ Gerade letzteres ist äußerst lächerlich, denn Rose befindet sich einen Ozean getrennt von jenem Kontinent, auf dem es überhaupt noch Monarchen gibt.
Kurz darauf erreicht die Familie ein Brief aus Paris, in dem ihre Tante Désirée Tascher eine Heirat mit Roses jüngerer Schwester Cathérine und einem Vicomte vereinbart hat. Leider ist Cathérine gerade an Gelbfieber gestorben. Zunächst soll Manette, die letzte Tochter als Ersatz herhalten, doch die ist erst elf und die Mutter weigert sich, ihr jüngstes Kind herzugeben.
So geht schließlich Rose mit ihrer Amme Mimi nach Paris und wird mit Alexandre-Francois, Chevalier de Beauharnais verheiratet. Der Offizier ist allerdings selten zu Hause und erst nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes Eugène erfährt Rose endgültig, warum: ihr Mann hat eine Dauergeliebte und bereits einen unehelichen Sohn.
Nach der Geburt der Tochter Hortense strengt Rose letztendlich auch aus finanziellen Nöten ein gerichtliches Verfahren gegen ihren Mann an und gewinnt. Allerdings muß sie für mehr finanzielle Sicherheit ihren Sohn Eugène im Alter von fünf Jahren in die Vormundschaft von Alexandre übergeben.
Mittlerweile ist Rose jedoch (dank Alexandres Tante Fanny) so gut in die adligen Kreise der Pariser Gesellschaft eingeführt, daß sie nach der Trennung von ihrem Gatten trotzdem gut lebt, bis auf die ständigen finanziellen Engpässe.
1788 geht Rose mit ihrer Tochter nach Martinique und versucht, die Finanzen der heruntergewirtschafteten Plantage wieder auf Vordermann zu bringen. Zuerst hindert ein Orkan sie daran, nach Frankreich zurückzukehren, dann sind es die Unruhen auf Martinique zwischen Weißen und Sklaven. So bleibt Rose ganze zwei Jahre auf der Insel, ehe sie ihren Sohn wiedersieht und ihren Mann, der im revolutionären Frankreich seinem Stand entsagte und später sogar zum Präsidenten der Generalversammlung gewählt wurde. Doch das nützt ihm und seiner Familie am Ende wenig, denn Adel bleibt Adel, und im Laufe der Geschichte der französischen Revolution ist niemand vor niemandem sicher.
Ehe sich die alte Prophezeiung für Rose erfüllt, muß sie noch viele furchtbare Erlebnisse durchmachen.
** Positives zum Buch **
Der Roman ist durchgängig im Tagebuchstil geschrieben, dabei sehr chronologisch. Ich persönlich mag sonst Tagebücher nicht so ausgesprochen gern, aber ich muß sagen, daß dieser hier dadurch supereinfach zu lesen war. Die zeitlichen Abschnitte sind kurz, oft sogar kurzweilig und dadurch überhaupt nicht anstrengend.
Von der Sprache her entspricht der Text dem Stil, wie man einen Eintrag in sein Tagebuch machen würde – kurze Sätze, alles in der Ich-Form, sehr private Semantik und auf die wesentlichen Dinge konzentriert.
Neben den persönlichen Betrachtungen von Joséphine findet man in dem Text auch Briefe ihrer Familie und Verwandten, aber die umfassen (seltsamerweise) höchstens eine halbe Seite. Entweder man schrieb sich damals nicht gerade blumig, oder man wollte dem Leser nicht zuviel zumuten.
In dieser Deutlichkeit überraschend und erschütternd waren für mich aber die Einzelheiten über den Verlauf und die Grausamkeiten der französischen Revolution. Im Geschichtsunterricht erfährt man ja immer nur vom Volk, von Freiheit und bla,bla,bla – aus Sicht der Menschen, die zufällig auf der anderen, wenn auch sicher besseren Seite geboren waren, wurde dieser Abschnitt der Historie eher selten so drastisch dargestellt.
Am Ende des Romans stand für mich fest: Völkermord haben nicht erst die Nazis erfunden! Was da ablief, war die Hölle, der man nicht einmal durch völlig konformes Verhalten entkommen konnte. Joséphine selbst entging nur knapp der Guillotine, als Frau, als Mutter... Nur wegen ihrer Heirat mit einem Adligen.
Komisch, daß darüber keiner mehr spricht. Die Kirche muß sich für die Inquisition entschuldigen, die Nazis für den zweiten Weltkrieg (natürlich zu Recht), aber die Franzosen nicht.
** Negatives **
Da gibt es nur einen Punkt. Nämlich, daß die Verfasserin davon ausgeht, daß man die politischen und historischen Verhältnisse oder Personen dieser Zeit als Leser wohl kennen sollte. Es werden manchmal Dinge erwähnt und Fakten beschrieben, die für einen Laien der französischen Geschichte und Politik unverständlich sind, wie z.B. Marat, Robbespierre, von denen ich schon mal gehört habe, aber eben nicht genug, um das einordnen zu können.
** Meine Meinung **
Für alle Geschichtsinteressierten, Liebhaber von Biographien oder Fans von Frankreich ist das Buch sicher ein Muß. Es verbindet geschickt das Format des Tagebuchs mit dem Genre Historienroman. Wie gesagt, ich war nach kurzer Zeit so gefesselt, daß ich es in einem Ritt durchgelesen habe.
Und wer davon nicht genug bekommt, kann sich dann noch die beiden anderen Teile der Trilogie über diese eindrucksvolle Frau antun (Joséphine und Napoléon, Kaiserin Joséphine ).
Sehr zu empfehlen.
** Daten **
Verlag Krüger
gebunden 567 Seiten
Preis: 19,90 € (auch als Taschenbuch)
ISBN 3-8105-0871-3
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