Gummersbach Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Summe aller Bewertungen
- Preis-Leistungs-Verhältnis:
- Empfehlenswert:
Erfahrungsbericht von Gimmick404
Eine Provinzstadt voll...
Pro:
viel Natur; rel. gute Einkaufsmöglichkeiten
Kontra:
Verlust von Arbeitsplätzen; Nachtleben kaum vorhanden; Stadtplanung
Empfehlung:
Ja
...voll was eigentlich? Häufig hört man ja den Begriff "voll Leben", wenn man so anfängt. Nun ja, lassen wir das erst mal so stehen. Neulich suchte ich über die interne Suchmaschine von Yopi, ob es denn zu dieser Stadt, immerhin fast meine Heimatstadt, 3 Jahre fehlen ihr, um diesen Titel tragen zu können, eine Kategorie gibt. Nein, es gab sie nicht. Na, dachte ich mir, das wollen wir doch mal ändern. Dann fragte ich mich, was kann man eigentlich zu dieser Stadt schon groß sagen? Aber dann fiel mir doch ne ganze Menge ein, ob es sich allerdings lohnt, hier seinen Jahresurlaub zu verbringen, das muss dann wohl doch jeder mit sich selbst, eventuell noch mit seinem Kontostand, ausmachen.
Wo bin ich denn hier?
Das ist wohl das erste, was sich die meisten grade fragen. Gummersbach liegt im Süden von Nordrhein Westfalen. Wenn man der Autobahn A4 Richtung Olpe folgt, also in östlicher Richtung, landet man irgendwann an einer Autobahnausfahrt, die früher Gummersbach/Wiehl hieß, doch heute gehört sie Gummersbach alleine. Das wäre ja auch noch schöner, Kreisstadt und nicht mal eine eigene Ausfahrt. Diesen Irrtum hat man so zu Beginn der 90er Jahre erkannt. Ungefähr 50-60 Kilometer, so weit ist die große Welt mit Köln nur entfernt, je nach Verkehr schafft man das in 30 bis 40 Minuten. Viele sagen nicht ganz zu Unrecht: was ist das beste an Gummersbach? Die Autobahn nach Köln. Aber ich will jetzt nicht zu unfair werden, so schlimm ist es hier nun auch wieder nicht.
Fast 55,000 Menschen wohnen mittlerweile hier, man kann sogar schon von einem Mittelzentrum reden, und Kreisstadt ist es auch vom gar nicht mal so kleinen Oberbergischen Kreis, der immerhin knapp 300,000 Menschenseelen beherbergt. Das bedeutet, wir haben sogar ein eigenes Autokennzeichen, alles mit GM gehört uns - jedenfalls in Deutschland. Um sich in etwa eine Vorstellung zu machen: Der Kreis fängt an in der Höhe von Wuppertal im Norden und endet an der Landesgrenze zu Rheinland- Pfalz, Höhe Siegen in etwa, im Süden.
Die Innenstadt
Vor einigen Jahren wurde die komplette Verkehrsfürung in der Innenstadt geändert, sprich die Hauptverkehrsader wurde mehr oder weniger stillgelegt. Die Kaiserstraße, die im weiteren Verlauf den Namen Hindenburgstraße trägt, wurde komplett zur Fußgängerzone gemacht. Diese erscheint zwar etwas überdimensioniert, da sie ziemlich breit ist, aber was hätte man machen sollen? Die Häuser verrücken war ja schlecht möglich. Vielleicht hätte man es einfach beim alten belassen sollen, das ist sicher Geschmacksache. Nicht so besonders toll ist, dass es jetzt praktisch nur noch einen einzigen Weg durch die Stadt gibt. Folge ist logischerweise zu Stoßzeiten ein Verkehrschaos, und nicht unerwähnt soll auch bleiben, dass es an einer Stelle verdammt eng wird, ein Denkmalgeschützes Haus macht eine Passage extrem eng, zwei LKWs dürften hier nur mit Mühe nebeneinander durchpassen. Dieses Problem hat man einfach in Kauf genommen, vielleicht auch gehofft, dass man es doch abreißen kann. Überhaupt sind hier viele Bausünden in der Vergangenheit begangen worden, so dass die Stadt zumindest nicht mit Sehenswürdigkeiten irgendeiner Art aufwarten kann. Dieses denkmalgeschützte Haus ist jedenfalls nicht sonderlich sehenswert, mir wäre es gar nicht in den Sinn gekommen, dass das ein Denkmal sein soll ;-). Sei es, wie es sei, ich will die Fußgängerzone ja nicht nur schlecht reden, es ist natürlich auch eine feine Sache, wenn man beim Einkaufen keine Autoabgase abbekommt.
Wo wir auch schon direkt bei den Einkaufsmöglichkeiten sind. Hier hat sich in den letzten Jahren wirklich einiges getan. So gibt es heute neben Karstadt, dass schon seit langen Jahren einen Standort hier hat, mittlerweile auch Fillialen von Saturn und C&A sowie diverse andere kleinere Geschäfte, die im wesentlichen jeden Wunsch zufriedenstellen können, auch wenn man in Köln sicherlich das eine oder andere größere Schnäppchen schlagen kann, aber das dürfte wohl auch niemanden weiter verwundern.
Sport & Kultur
Zum kulturellen Angbot kann ich leider nicht gar soviel sagen, aber zu erwähnen ist natürlich, dass es hier ein Theater gibt, und auch die Volkshochschule bietet einiges an. Und dann gibt es natürlich noch den Handball. Die Bundesligamannschaft des VfL Gummersbach, meines Wissens immer noch deutscher Rekordmeister und früher mal erfolgreichste Vereinsmannschaft der Welt, ob sie sich immer noch so nennen darf, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Zuletzt war das Team 1991 erster gesamtdeutscher Meister. Danach ging es allerdings beständig bergab, Ende der 90er war das Team nur noch eine Durchschnittsmannschaft, welche fast jede Saison ums finanzielle Überleben kämpft. Doch seit zwei Jahren geht es wieder nach oben - sicherlich begünstigt durch einen teilweisen Umzug in die Köln-Arena für 6 - 7 Heimspiele pro Saison. Offenbar konnten so neue Sponsoren gewonnen werden.
Wirtschaftliches und Politisches
Wo wir auch schon beim nächsten Tiefschlag sind, der die Stadt im letzten und auch diesem Jahr getroffen hat und dessen Auswirkungen auf lange Sicht noch gar nicht absehbar sind. Der größe Arbeitgeber der Stadt, die Firma Steinmüller, wurde vor einigen Jahren von der Oberhausener Firma Babcock Borsig mehr oder weniger übernommen. Steinmüller ging es finanziell recht gut, das Oberhausener Unternehmen dagegen steckte und steckt in einer Krise. Da die Westdeutsche Landesbank, an deren Tätigkeiten die Landesregierung, die von der SPD gestellt wird, beteiligt ist, ein Interesse daran hatte, die Firma in Oberhausen am Leben zu erhalten, wurden die beiden Unternehmen, an denen die WLB beteiligt war, zusammengelegt. Letztlich lief es darauf hinaus, dass es die Firma Steinmüller in Gummersbach praktisch nicht mehr geben wird. Lediglich 100 von einst über 2000 Arbeitsplätzen werden in einer Art Entwicklungsabteilung übrig bleiben. Man muss sich nur einmal eine Luftaufnahme von Gummersbach anschauen, unschwer erkennt man, dass ein riesiger Teil des Innenstadtgebietes dieser Firma gehört. Was hier einmal entstehen wird, ist bisher unklar. Spekulationen zufolge ein Einkaufszentrum, Gewerbegebiete, oder ein Kino, denn das, was Gummersbach bis heute als Kino hat, ist einer Kreisstadt im Grunde nicht würdig. Irgendwie wird an dieser Entwicklung mal wieder deutlich, dass der SPD der Ballunsgraum Ruhrgebiet in NRW über alles geht, der ländliche Raum wird gerne vernachlässigt und in diesem Fall regelrecht platt gemacht. Was der Verlust von 2000 Arbeitsplätzen in einer doch eher kleineren Stadt für Folgen haben kann, zumal er im Grunde unnötig war, darüber nachzudenken haben die Herren (und Damen, falls an diesem Prozeß eine beteiligt war) in Düsseldorf wohl nicht nötig. Und um jetzt das Disaster komplett zu machen, musste Babcock im Juli 2002 Insolvenz anmelden, die noch verbliebenen Arbeitsplätze stehen jetzt auch auf der Kippe.
Natur
Aber es gibt dann doch auch schöne Seiten in Gummersbach. Man muss vielleicht erwähnen, dass die Stadt auf einem Berg gelegen ist und selbst nur um die 10,000 Einwohner hat, der Rest verteilt sich auf die zahlreichen Vorstädte. Insgesamt ist das Stadtgebiet von vielen Waldflächen gekennzeichnet, und es gibt auch eine zwei Talsperren, die zumindest teilweise auf dem Stadtgebiet liegen, die Aggertalsperre komplett und die Genkel zum Teil. Auf ersterer kann man auch mit Booten paddeln oder segeln, letztere ist für die Trinkwasserversorgung angelegt worden. Viel grün und Wasser steht also auch für die Kreisstadt, viele Städter aus dem Ruhrgebiet oder dem Rheinland machen schon mal Tagesausflüge in die Natur des Bergischen Landes.
Das Nachtleben
Dann gibt es da noch ein Thema, was leider in dieser Stadt keines zu sein scheint. Was ist hier abends los? Nichts. Einfach nichts. Nach Geschäftsschluß ist die Stadt wie ausgestorben. Es gibt ein paar Läden, die ganz ok sind, wo man auch mal hingehen kann, doch irgendwie ist da nicht viel anziehendes. Eine klitzekleine Ausnahme möchte ich machen, die aber eher nur auf den Sommer zutrifft. Gegenüber von Karstadt sind drei Kneipen nebeneinander, hier kann man auch recht gut draussen sitzen, jedenfalls im Sommer bei geeigneten Temperaturen. Leider gibt es auch hier ein leider, denn das Oberbergische ist als Regenloch bekannt, die durchschnittliche Niederschlagemenge liegt mit an der Spitze im Bundesgebiet, aber wenn es mal schön ist, dann ist hier doch ganz gut was los. Außerdem soll demnächst eine Art Privatbrauerei mitten in der Stadt ein Lokal eröffnen, dies könnte durchaus für Belebung sorgen. Ansonsten kann man nur sagen: lieber woanders hinfahren, wenn man einen ganzen Abend verbringen will. Doch halt, könnte man einwenden: natürlich kommt es darauf an, mit wem man unterwegs ist, doch dies kann man wohl kaum auf die Örtlichkeiten zurückführen, hier ist Gummersbach einfach sehr unattraktiv.
Die Mentalität
Kommen wir mal zur Mentalität der Bewohner. Dies ist sicherlich eine der schwierigsten Einschätzungen, zumal es in der heutigen Zeit ja so ist, dass die Menschen mobiler werden. Das heißt, man findet nicht mehr nur Einheimische, es ist einfach durchmischter, was eigentlich auch gut so ist. Sicherlich abe rist es so, dass das Oberbergische eher konservativ ist, dies gilt im übrigen auch für die ortsansässige SPD, die die 90er Jahre das Stadtgeschehen gelenkt hatte, ansonsten war vorher und ist jetzt wieder die CDU die Partei, die den Bürgermeister stellt und seit der letzten Kommunalwahl die absolute Mehrheit im Stadtrat hat. Letztlich kann ich aber in der Auswirkung kaum einen Unterschied feststellen, ob nun der Bürgermeister von der SPD oder der CDU gestellt wurde. Irgendwie ist es egal, die Person ist da wichtiger, und ohne dem jetzigen zu nahe treten zu wollen, sein Vorgänger war besser *g*. Ich möchte da jetzt gar nicht mehr so sehr drauf eingehen, wie der Menschenschlag denn nun ist, Gummersbach und das Oberbergische grenzen an Westfalen, vielleicht ist die Bevölkerung etwas sturer als es im liberaleren Köln ist, aber das ist sicherlich kein Phänomen, das nur hier anzutreffen ist, sondern wohl generell für ländliche Gebiete eher gilt als für Großstädte. Ich denke aber, es gibt intolerantere Gegenden.
Sonstiges
Ansonsten wäre noch zu erwähnen, dass Gummersbach auch über eine Fachhochschule verfügt, die einen recht guten Ruf genießt. Hier kann man unter anderem Wirtschaftsinformatik und Maschinenbau studieren. Die FH ist an die FH Köln angegliedert. Selbstverständlich finden sich hier auch die üblichen Verwaltungen, die es wohl in jeder Kreisstadt gibt, als da wären Kreishaus, Finanzamt, Straßenverkehrsamt etc. Sogar einen Bahnhof gibt es, und jede Stunde ist hier mächtig was los. Da fährt nämlich dann ein Zug entweder Richtung Köln oder kommt von dort und braucht auch in etwa eine Stunde.
Es gibt zwei Tageszeitungen, beide kommen jedoch aus demselben Verlagshaus in Köln. Einmal ist es die im Oberbergischen domnierende Oberbergische Rundschau, die Regionalausgabe der Kölnischen Rundschau, sowie der Oberbergischen Anzeiger, die örtliche Ausgabe des Kölner Stadtanzeigers. Bemerkenswert ist, dass im gesamten Verbreitungsgebiet dieser beiden Kölner Zeitungen lediglich im Oberbergischen die Rundschau vor dem Stadtanzeiger liegt. Dies hat historische Gründe, die Rundschau hatte irgendwann nach dem zweiten Weltkrieg die örtliche Tageszeitung übernommen, der Stadtanzeiger kam erst später mit einer eigenen Ausgabe hinzu.
Fazit
Wie bewerte ich nun die Stadt? Schwierige Frage. Volle Punktzahl kann es nicht geben, dafür überwiegt doch die teilweise verfehlte Stadtplanung, immerhin gibt es aber genügend Parkmöglichkeiten, diesbezüglich habe ich jedenfalls keine Probleme. Gar so schlecht ist es aber auch nicht, so daß ich mich für eine mittlere Bewertung entscheide. Eine Empfehlung kann ich derart aussprechen, dass man vielleicht nicht unbedingt einen Riesenumweg für deise Stadt machen muss, doch wenn es auf dem Weg liegt, kann man zumindest mal einen kurzen Abstecher wagen... und nach mehr als zwei Jahren gibt es auch wieder eine Aufwertung: Seit Ende 2002 bin ich nur noch selten in Gummersbach. Vielleicht braucht man den räumlichen Abstand, um die Heimat mit verklärten Augen zu sehen.
Weitere Informationen gibt es hier: www.gummersbach.de
Wo bin ich denn hier?
Das ist wohl das erste, was sich die meisten grade fragen. Gummersbach liegt im Süden von Nordrhein Westfalen. Wenn man der Autobahn A4 Richtung Olpe folgt, also in östlicher Richtung, landet man irgendwann an einer Autobahnausfahrt, die früher Gummersbach/Wiehl hieß, doch heute gehört sie Gummersbach alleine. Das wäre ja auch noch schöner, Kreisstadt und nicht mal eine eigene Ausfahrt. Diesen Irrtum hat man so zu Beginn der 90er Jahre erkannt. Ungefähr 50-60 Kilometer, so weit ist die große Welt mit Köln nur entfernt, je nach Verkehr schafft man das in 30 bis 40 Minuten. Viele sagen nicht ganz zu Unrecht: was ist das beste an Gummersbach? Die Autobahn nach Köln. Aber ich will jetzt nicht zu unfair werden, so schlimm ist es hier nun auch wieder nicht.
Fast 55,000 Menschen wohnen mittlerweile hier, man kann sogar schon von einem Mittelzentrum reden, und Kreisstadt ist es auch vom gar nicht mal so kleinen Oberbergischen Kreis, der immerhin knapp 300,000 Menschenseelen beherbergt. Das bedeutet, wir haben sogar ein eigenes Autokennzeichen, alles mit GM gehört uns - jedenfalls in Deutschland. Um sich in etwa eine Vorstellung zu machen: Der Kreis fängt an in der Höhe von Wuppertal im Norden und endet an der Landesgrenze zu Rheinland- Pfalz, Höhe Siegen in etwa, im Süden.
Die Innenstadt
Vor einigen Jahren wurde die komplette Verkehrsfürung in der Innenstadt geändert, sprich die Hauptverkehrsader wurde mehr oder weniger stillgelegt. Die Kaiserstraße, die im weiteren Verlauf den Namen Hindenburgstraße trägt, wurde komplett zur Fußgängerzone gemacht. Diese erscheint zwar etwas überdimensioniert, da sie ziemlich breit ist, aber was hätte man machen sollen? Die Häuser verrücken war ja schlecht möglich. Vielleicht hätte man es einfach beim alten belassen sollen, das ist sicher Geschmacksache. Nicht so besonders toll ist, dass es jetzt praktisch nur noch einen einzigen Weg durch die Stadt gibt. Folge ist logischerweise zu Stoßzeiten ein Verkehrschaos, und nicht unerwähnt soll auch bleiben, dass es an einer Stelle verdammt eng wird, ein Denkmalgeschützes Haus macht eine Passage extrem eng, zwei LKWs dürften hier nur mit Mühe nebeneinander durchpassen. Dieses Problem hat man einfach in Kauf genommen, vielleicht auch gehofft, dass man es doch abreißen kann. Überhaupt sind hier viele Bausünden in der Vergangenheit begangen worden, so dass die Stadt zumindest nicht mit Sehenswürdigkeiten irgendeiner Art aufwarten kann. Dieses denkmalgeschützte Haus ist jedenfalls nicht sonderlich sehenswert, mir wäre es gar nicht in den Sinn gekommen, dass das ein Denkmal sein soll ;-). Sei es, wie es sei, ich will die Fußgängerzone ja nicht nur schlecht reden, es ist natürlich auch eine feine Sache, wenn man beim Einkaufen keine Autoabgase abbekommt.
Wo wir auch schon direkt bei den Einkaufsmöglichkeiten sind. Hier hat sich in den letzten Jahren wirklich einiges getan. So gibt es heute neben Karstadt, dass schon seit langen Jahren einen Standort hier hat, mittlerweile auch Fillialen von Saturn und C&A sowie diverse andere kleinere Geschäfte, die im wesentlichen jeden Wunsch zufriedenstellen können, auch wenn man in Köln sicherlich das eine oder andere größere Schnäppchen schlagen kann, aber das dürfte wohl auch niemanden weiter verwundern.
Sport & Kultur
Zum kulturellen Angbot kann ich leider nicht gar soviel sagen, aber zu erwähnen ist natürlich, dass es hier ein Theater gibt, und auch die Volkshochschule bietet einiges an. Und dann gibt es natürlich noch den Handball. Die Bundesligamannschaft des VfL Gummersbach, meines Wissens immer noch deutscher Rekordmeister und früher mal erfolgreichste Vereinsmannschaft der Welt, ob sie sich immer noch so nennen darf, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Zuletzt war das Team 1991 erster gesamtdeutscher Meister. Danach ging es allerdings beständig bergab, Ende der 90er war das Team nur noch eine Durchschnittsmannschaft, welche fast jede Saison ums finanzielle Überleben kämpft. Doch seit zwei Jahren geht es wieder nach oben - sicherlich begünstigt durch einen teilweisen Umzug in die Köln-Arena für 6 - 7 Heimspiele pro Saison. Offenbar konnten so neue Sponsoren gewonnen werden.
Wirtschaftliches und Politisches
Wo wir auch schon beim nächsten Tiefschlag sind, der die Stadt im letzten und auch diesem Jahr getroffen hat und dessen Auswirkungen auf lange Sicht noch gar nicht absehbar sind. Der größe Arbeitgeber der Stadt, die Firma Steinmüller, wurde vor einigen Jahren von der Oberhausener Firma Babcock Borsig mehr oder weniger übernommen. Steinmüller ging es finanziell recht gut, das Oberhausener Unternehmen dagegen steckte und steckt in einer Krise. Da die Westdeutsche Landesbank, an deren Tätigkeiten die Landesregierung, die von der SPD gestellt wird, beteiligt ist, ein Interesse daran hatte, die Firma in Oberhausen am Leben zu erhalten, wurden die beiden Unternehmen, an denen die WLB beteiligt war, zusammengelegt. Letztlich lief es darauf hinaus, dass es die Firma Steinmüller in Gummersbach praktisch nicht mehr geben wird. Lediglich 100 von einst über 2000 Arbeitsplätzen werden in einer Art Entwicklungsabteilung übrig bleiben. Man muss sich nur einmal eine Luftaufnahme von Gummersbach anschauen, unschwer erkennt man, dass ein riesiger Teil des Innenstadtgebietes dieser Firma gehört. Was hier einmal entstehen wird, ist bisher unklar. Spekulationen zufolge ein Einkaufszentrum, Gewerbegebiete, oder ein Kino, denn das, was Gummersbach bis heute als Kino hat, ist einer Kreisstadt im Grunde nicht würdig. Irgendwie wird an dieser Entwicklung mal wieder deutlich, dass der SPD der Ballunsgraum Ruhrgebiet in NRW über alles geht, der ländliche Raum wird gerne vernachlässigt und in diesem Fall regelrecht platt gemacht. Was der Verlust von 2000 Arbeitsplätzen in einer doch eher kleineren Stadt für Folgen haben kann, zumal er im Grunde unnötig war, darüber nachzudenken haben die Herren (und Damen, falls an diesem Prozeß eine beteiligt war) in Düsseldorf wohl nicht nötig. Und um jetzt das Disaster komplett zu machen, musste Babcock im Juli 2002 Insolvenz anmelden, die noch verbliebenen Arbeitsplätze stehen jetzt auch auf der Kippe.
Natur
Aber es gibt dann doch auch schöne Seiten in Gummersbach. Man muss vielleicht erwähnen, dass die Stadt auf einem Berg gelegen ist und selbst nur um die 10,000 Einwohner hat, der Rest verteilt sich auf die zahlreichen Vorstädte. Insgesamt ist das Stadtgebiet von vielen Waldflächen gekennzeichnet, und es gibt auch eine zwei Talsperren, die zumindest teilweise auf dem Stadtgebiet liegen, die Aggertalsperre komplett und die Genkel zum Teil. Auf ersterer kann man auch mit Booten paddeln oder segeln, letztere ist für die Trinkwasserversorgung angelegt worden. Viel grün und Wasser steht also auch für die Kreisstadt, viele Städter aus dem Ruhrgebiet oder dem Rheinland machen schon mal Tagesausflüge in die Natur des Bergischen Landes.
Das Nachtleben
Dann gibt es da noch ein Thema, was leider in dieser Stadt keines zu sein scheint. Was ist hier abends los? Nichts. Einfach nichts. Nach Geschäftsschluß ist die Stadt wie ausgestorben. Es gibt ein paar Läden, die ganz ok sind, wo man auch mal hingehen kann, doch irgendwie ist da nicht viel anziehendes. Eine klitzekleine Ausnahme möchte ich machen, die aber eher nur auf den Sommer zutrifft. Gegenüber von Karstadt sind drei Kneipen nebeneinander, hier kann man auch recht gut draussen sitzen, jedenfalls im Sommer bei geeigneten Temperaturen. Leider gibt es auch hier ein leider, denn das Oberbergische ist als Regenloch bekannt, die durchschnittliche Niederschlagemenge liegt mit an der Spitze im Bundesgebiet, aber wenn es mal schön ist, dann ist hier doch ganz gut was los. Außerdem soll demnächst eine Art Privatbrauerei mitten in der Stadt ein Lokal eröffnen, dies könnte durchaus für Belebung sorgen. Ansonsten kann man nur sagen: lieber woanders hinfahren, wenn man einen ganzen Abend verbringen will. Doch halt, könnte man einwenden: natürlich kommt es darauf an, mit wem man unterwegs ist, doch dies kann man wohl kaum auf die Örtlichkeiten zurückführen, hier ist Gummersbach einfach sehr unattraktiv.
Die Mentalität
Kommen wir mal zur Mentalität der Bewohner. Dies ist sicherlich eine der schwierigsten Einschätzungen, zumal es in der heutigen Zeit ja so ist, dass die Menschen mobiler werden. Das heißt, man findet nicht mehr nur Einheimische, es ist einfach durchmischter, was eigentlich auch gut so ist. Sicherlich abe rist es so, dass das Oberbergische eher konservativ ist, dies gilt im übrigen auch für die ortsansässige SPD, die die 90er Jahre das Stadtgeschehen gelenkt hatte, ansonsten war vorher und ist jetzt wieder die CDU die Partei, die den Bürgermeister stellt und seit der letzten Kommunalwahl die absolute Mehrheit im Stadtrat hat. Letztlich kann ich aber in der Auswirkung kaum einen Unterschied feststellen, ob nun der Bürgermeister von der SPD oder der CDU gestellt wurde. Irgendwie ist es egal, die Person ist da wichtiger, und ohne dem jetzigen zu nahe treten zu wollen, sein Vorgänger war besser *g*. Ich möchte da jetzt gar nicht mehr so sehr drauf eingehen, wie der Menschenschlag denn nun ist, Gummersbach und das Oberbergische grenzen an Westfalen, vielleicht ist die Bevölkerung etwas sturer als es im liberaleren Köln ist, aber das ist sicherlich kein Phänomen, das nur hier anzutreffen ist, sondern wohl generell für ländliche Gebiete eher gilt als für Großstädte. Ich denke aber, es gibt intolerantere Gegenden.
Sonstiges
Ansonsten wäre noch zu erwähnen, dass Gummersbach auch über eine Fachhochschule verfügt, die einen recht guten Ruf genießt. Hier kann man unter anderem Wirtschaftsinformatik und Maschinenbau studieren. Die FH ist an die FH Köln angegliedert. Selbstverständlich finden sich hier auch die üblichen Verwaltungen, die es wohl in jeder Kreisstadt gibt, als da wären Kreishaus, Finanzamt, Straßenverkehrsamt etc. Sogar einen Bahnhof gibt es, und jede Stunde ist hier mächtig was los. Da fährt nämlich dann ein Zug entweder Richtung Köln oder kommt von dort und braucht auch in etwa eine Stunde.
Es gibt zwei Tageszeitungen, beide kommen jedoch aus demselben Verlagshaus in Köln. Einmal ist es die im Oberbergischen domnierende Oberbergische Rundschau, die Regionalausgabe der Kölnischen Rundschau, sowie der Oberbergischen Anzeiger, die örtliche Ausgabe des Kölner Stadtanzeigers. Bemerkenswert ist, dass im gesamten Verbreitungsgebiet dieser beiden Kölner Zeitungen lediglich im Oberbergischen die Rundschau vor dem Stadtanzeiger liegt. Dies hat historische Gründe, die Rundschau hatte irgendwann nach dem zweiten Weltkrieg die örtliche Tageszeitung übernommen, der Stadtanzeiger kam erst später mit einer eigenen Ausgabe hinzu.
Fazit
Wie bewerte ich nun die Stadt? Schwierige Frage. Volle Punktzahl kann es nicht geben, dafür überwiegt doch die teilweise verfehlte Stadtplanung, immerhin gibt es aber genügend Parkmöglichkeiten, diesbezüglich habe ich jedenfalls keine Probleme. Gar so schlecht ist es aber auch nicht, so daß ich mich für eine mittlere Bewertung entscheide. Eine Empfehlung kann ich derart aussprechen, dass man vielleicht nicht unbedingt einen Riesenumweg für deise Stadt machen muss, doch wenn es auf dem Weg liegt, kann man zumindest mal einen kurzen Abstecher wagen... und nach mehr als zwei Jahren gibt es auch wieder eine Aufwertung: Seit Ende 2002 bin ich nur noch selten in Gummersbach. Vielleicht braucht man den räumlichen Abstand, um die Heimat mit verklärten Augen zu sehen.
Weitere Informationen gibt es hier: www.gummersbach.de
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