Oma (Taschenbuch) / Peter Härtling Testbericht

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Erfahrungsbericht von Miss_Piper

Plötzlich elternlos ...

Pro:

Wichtiges Thema, einfache Sprache, ungeschönt

Kontra:

Könnte Kinder ängstigen

Empfehlung:

Ja

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Produktdetails:
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\"Oma\" erschien 1979 im Beltz&Gelberg-Verlag. Das Buch umfasst 85 Seiten. Die Taschenbuchausgabe kostet 4,90 Euro.


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Der Autor:
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Peter Härtling wurde 1933 in Chemnitz geboren. Zunächst schlug er eine journalistische Laufbahn ein, ehe er als Lektor, als Geschäftsleiter des S. Fischer-Verlags und schließlich ab 1973 als freier Schriftsteller arbeitete. Zu seinem umfangreichen Schaffen zählen Romane, Gedichte, Theaterstücke und Kinderbücher. \"Oma\" wurde 1976 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgzeichnet.
Weitere bekannte Werke des Autors sind: \"Ben liebt Anna\", \"Fränze\" und \"Das Windrad\".


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Inhalt:
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Kalle ist fünf, als seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen. Seine nächste Verwandte ist seine Oma, die ihn bereitwillig bei sich aufnimmt. Für beide bedeutet dies ein neues Leben - und die Umgewöhnung fällt schwer.

Oma hat lange nichts mehr mit Kindern zu tun gehabt. Noch dazu ist sie fast siebzig, als der Junge zu ihr kommt. Ihre Gesundheit macht ihr zu schaffen, das Geld ist knapp. Immer wieder tauchen neue Fragen und Probleme auf, vor allem: Wie erzieht man einen Jungen in der heutigen Zeit?

Aber auch für Kalle ändert sich alles. Nur langsam begreift er, dass seine Eltern nicht wiederkommen. Warum macht Oma alles anders als seine Mutter? Was hat sie gegen seine Freunde? Und warum regt sie sich so leicht auf, sobald er etwas alleine macht?

Ganz allmählich lernen sich Kalle und seine Oma besser kennen und verstehen. Trotz aller Unterschiede und Konflikte entsteht mit der Zeit eine enge Bindung. Spätestens als Oma krank wird, begreift Kalle, welchen Platz in seinem Leben sie eingenommen hat ...


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Bewertung:
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Der Tod ist immer ein schweres Thema. Mit Kindern darüber zu sprechen, ist besonders heikel. Einerseits ist wichtig, sie früh genug damit zu konfrontieren, aber andererseits kann es sie leicht verängstigen. Umso hilfreicher ist es, Bücher, die sich damit beschäftigen, miteinzubeziehen:

Fünfzehn Kapitel erzählen vom Zusammenleben von Kalle und seiner Oma. Jedes Kapitel ist mehr oder weniger in sich abgeschlossen und beinhaltet meist ein konkretes Thema, das Oma und Kalle betrifft, z.B. die finanziellen Probleme durch seine Aufnahme, ein gemeinsamer Urlaub oder wie Oma auf seine Freunde reagiert.

Dabei wird jedes Kapitel aus zwei Perspektiven dargestellt: Zunächst einmal ausführlich aus neutraler Sicht mit Tendenz zu Kalles Sicht der Dinge. Anschließend folgt immer eine etwa halbseitige Schilderung aus Omas Perspektive. Dadurch zeigt sich, wie unterschiedlich Oma und Kalle bestimmte Dinge sehen und dass beide gewöhnlich alles richtig machen wollen. Ihre Konflikte entstehen nicht aus Unwillen heraus, sondern aus der Verschiedenheit der Generationen. Kalle benimmt sich so, wie er es vom Zusammenleben mit seinen Eltern gewohnt ist, während Oma noch ihre Ansichten von vor fünfzig Jahren durchsetzen will.

In vielen Alltagssituationen prallen diese Differenzen aufeinander. So hat Oma die Angewohntheit, viel aus der früheren Zeit zu erzählen. Manche Ereignisse liegen dreißig, vierzig Jahre zurück, doch für sie sind sie so präsent, als wären sie gerade erst geschehen. Kalle dagegen langweilt sich bei diesen Geschichten; er versteht nicht, warum sie Oma nach so langer Zeit noch so viel bedeuten.

Ein anderes Mal fahren sie zusammen in Urlaub. Oma hat seit Jahren keinen Urlaub mehr gemacht und ist deshalb sehr nervös. Als sie auf dem Bahnhof dem Personal immer wieder die gleichen Fragen stellt, ist Kalle genervt - von seinen Eltern kennt er solche Umständlichkeiten nicht.

Auch bei den Hausaufgaben kann Oma ihm oft nicht weiterhelfen - schließlich lernt der Junge ganz andere Sachen als sie damals.

Oma sieht es auch nicht gern, wenn Kalle mit bestimmten Kindern spielt. Einmal macht ihm ein Junge seine Hose kaputt und Kalle nimmt ihn dafür in Schutz. Für ihn ist diese Reaktion Ehrensache, seine Oma fühlt sich dagegen hintergangen, weil es nicht gerecht sei.

Aber aus jedem Konflikt lernen die beiden. Mit der Zeit gelingt es ihnen immer besser, sich miteinander zu arrangieren.

Oma begleitet Kalle beispielsweise zu einem Fußballspiel. Sie hat keine Ahnung von den Regeln und anfangs schämt sich Kalle dafür, dass sie mitgekommen ist. Doch schon bald feuert sie ihn voller Begeisterung an. Als er sich verletzt, macht sie nicht wie sonst ein großes Aufheben. Stattdessen hat sie verstanden, wie wichtig Fußballspielen für ihn ist und unterstützt sein Hobby von nun an.

*

Das Buch für für ein Lesealter ab acht Jahren ampfohlen. Die einfache und sehr nüchterne Sprache ist dem Alter angemessen. Es gibt keine langen oder komplizierten Sätze, keine schwierigen Wörter. Der Stil ist fast berichtartig, ohne jeden Schnörkel. Es entsteht eine kühle, bedrückende Atmosphäre, die ab und an durch die wenigen humorvollen Ereignisse aufgelockert werden. Eine dieser lustigen Episoden ist ein Besuch von Oma und Kalle auf dem Amt, wo Omas direkte Art den Beamten zum Lachen bringt.

Ansonsten jedoch ist der Tenor des Buches sehr ernst. In meinen Augen ist es daher ratsam, Kinder dieses Alters das Buch nicht auf eigene Faust lesen zu lassen, sondern sie dabei zu blegleiten. \"Oma\" ist an vielen Stellen traurig und möglicherweise verstörend. Es wird nichts beschönigt, es wird nichts verharmlost und es wird keine Patentlösung geboten.

Theoretisch hätte man die Geschichte um Kalle und seine Oma auch durchaus etwas positiver darstellen können: Oma könnte moderner sein und mehr Ahnung von Erziehung haben, alles könnte etwas einfacher ablaufen zwischen den beiden. Es gibt schließlich viele Großmütter, die die Mutterrolle übenehmen, wenn die Eltern berufstätig sind.

Dem Autoren kam es offenbar aber darauf an, die vorsichtige Annäherung zweier grundverschiedener Menschen und gerade die Probleme und Disharmonien zu zeigen. Dabei machen beide Seiten ihre Fehler. Kalle ist kein Musterknabe und auch Oma greift in ihren Erziehungsmethoden oft daneben. So ist es für sie völlig normal, hin und wieder eine Ohrfeige zu geben. \"Früher durfte man das, und ich darf, was ich will\" begründet sie ihre Meinung. An dieser Stelle finde ich es bedenklich, dass der Autor darüber kein weiteres Wort verliert. Kalle jedenfalls spricht Oma nicht mehr darauf an.

Und als wäre die Geschichte bis dato nicht schon deprimierend genug, wird Oma am Ende auch noch so krank, dass sie ins Krankenhaus muss. Zwei Wochen lang lebt Kalle in der Angst, sie könne ebenso sterben wie seine Eltern. Bei Omas Rückkehr umarmt er sie zum ersten Mal von alleine - wohlbemerkt fast drei Jahre, nachdem er bei ihr eingezogen ist. Oma ist wieder gesund, aber Kalle hat begriffen, dass auch sie nicht ewig für ihn da sein wird.

Bedrückend sind auch die Auseinandersetzungen über Kalles Mutter. Oma mochte ihre Schwiegertochter Zeit ihres Lebens nicht und lässt Kalle das auch spüren. Einerseits ist es zwar gut, dass sie ehrlich zu dem Jungen ist und kein Theater spielt. Aber wie kann man von einem kleinen Jungen verlangen, dass er Kritik an seiner verstorbenen Mutter versteht? - Auch deshalb rate ich, dass Eltern mit ihrem Kind über die Lektüre sprechen. Kalles Oma ist keine Mustererzieherin, auch wenn ihre Fehler nie aus böser Absicht, sondern nur Unsicherheit und Unerfahrenheit entstehen.


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Fazit:
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Das Buch ist gut geeignet, um Grundschulkinder mit dem Thema Tod zu konfrontieren, doch die Eltern sollten es vor- oder zumindest gemeinsam mit ihnen lesen, um Fragen zu beantworten. Eine ungeschönte, nachdenklich machende Schilderung einer schwierigen Situation. Peter Härtlings Werk zeigt nicht, wie eine solche Situation wünschenswerterweise ablaufen sollte, sondern er demonstriert ungünstige Umstände jenseits der Idealvorstellungen.

18 Bewertungen, 1 Kommentar

  • topfmops

    21.07.2005, 14:26 Uhr von topfmops
    Bewertung: sehr hilfreich

    hab' ich ja schon ein geburtstag-geschenk für die übernächste generation. danke für den tipp.