Wurzeln ( Roots) (Taschenbuch) / Alex Haley Testbericht
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Erfahrungsbericht von killermieze
Muß man gelesen haben....!
Pro:
Beeindruckend, realistisch, berührend
Kontra:
Die stilistischen Zeitsprünge können verwirrend sein
Empfehlung:
Ja
Autor Alex Haley, selbst Afro-Amerikaner, wurde einst von seiner alten Großtante dazu inspiriert, nach seinen eigenen Wurzeln zu forschen - mit nicht viel mehr Anhaltspunkten als einigen mündlich überlieferten afrikanischen Worten und dem vermeindlichen Namen des Urahnen, der einst aus seiner Heimat verschleppt und mit einem Sklavenschiff nach Amerika gebracht worden war. Mit diesen winzigkleinen Spuren forschte sich Haley durch Unmengen von Dokumenten in den verschiedensten Bibliotheken, unternahm Reisen ins ferne Afrika, dem Land seiner Vorfahren, und stellte schließlich nach 2 Jahrzehnten unglaublich detaillierter Nachforschungen diesen Roman fertig, eine Geschichte seiner eigenen Familie. Haley selbst bezeichnete den Roman als "Faction", eine Mischung aus Fakten und Fiktion also; denn wie er selber im Nachwort darlegt, können sich alle wesentlichen Ereignisse wie Heiraten, Überführungen und Käufe durch noch existente Papiere nachweisen lassen. Natürlich können emotionale Momente nur durch ein wenig Fiktion wieder zum Leben erweckt werden, doch dies schaffte Haley so fulminant, dass sein Roman im Jahre 1976 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und wenig später auch als TV-Miniserie verfilmt. Da sie auch in Deutschland lief, werden sich einige vielleicht noch daran erinnern.
Zum Inhalt
Der Roman beginnt mit der Beschreibung der Kindheit von Haley's Vorfahren Kunta Kinte, im kleinen Dorf Juffure in Gambia. Der kleine Kunta hat dort eine glückliche Kindheit, und als er die Mannbarkeitsrituale erfolgreich durchläuft und schon in jungen Jahren zu einigem Reichtum kommt, kann sein Leben eigentlich nur rosig verlaufen.
Allerdings kommen immer wieder Geschichten über die weißen Männer, von den Dorfbewohner "toubobs" genannt, an seine Ohren. Gerüchtehalber verschleppen die Toubobs Afrikaner, um sie an geheime Orte zu bringen und wer weiß was mit ihnen anzustellen - es geht sogar das Gerücht im Dorf um, die Entführten würden aufgefressen werden.
Schließlich gerät auch Kunta in die Fänge der weißen, als er allein im Wald unterwegs ist, um Holz für eine neue Trommel zu suchen. Nun beginnt eine unglaubliche Tortur. Mißhandelt, verspottet und mit glühenden Eisen gebrandmarkt. wird Kunta zusammen mit 120 anderen Sklaven auf ein Schiff verfrachtet. Die Bedingungen dort sind einfach bestialisch. Die gefangenen Männer werden mit nur wenigen Zentimetern Bewegungsfreiheit so aneinander gekettet, dass Aufstehen unmöglich ist. Ratten und Läuse plagen sie, und zumeist liegen sie in ihren eigenen Körperauscheidungen herum. Schließlich breiten sich Seuchen aus. Viele der Sklaven sterben - am Ende kommen nur etwa 40 Männer durch. Die Frauen werden zwar nicht angekettet, aber doch regelmäßig von der Schiffsbesatzung vergewaltigt. Ein von den Gefangenen geplanter Aufstand schlägt fehl und fordert weitere Opfer. Speziell dieser Teil des Buches geht ungeheuer an die Nieren, da er absolut schonungslos geschrieben ist.
Kunta Kinte überlebt die schreckliche Fahrt, und wird auf einer Slavenauktion verkauft. Voll Hass gegen die Weißen versucht er immer wieder von der Pflanzung, auf der er arbeiten soll, zu fliehen. Bei seiner letzten Flucht wird ihm, als er einen seiner Jäger angreift, der halbe Fuß abgeschlagen. Kunta hat Glück im Unglück, als der Bruder seines Besitzers, William Waller, davon erfährt und den Schwerverletzten empört kauft, um ihn zu pflegen. Kunta lernt auf dieser Farm die Köchin Bell kennen und heiratet sie später. Obwohl sein Hass gegen die Weißen nie wirklich abflaut, arrangiert er sich schließlich mit seiner Umgebung - und in seiner neuen Eigentschaft als Kutscher seines Massers erfährt er zudem allerhand über die aktuellen politischen Umwälzungen - zu jener Zeit ist nämlich gerade der Unabhängigkeitskrieg im Gange, und auch die Sklaven erhoffen sich durch diese Veränderungen und das etwas liberaler werdene Klima die baldige Freiheit. Doch bis dahin soll noch sehr viel Zeit vergehen.
Zunächst einmal wird Kunta und Bell die Tochter Kizzy geboren.
Damit sie nie vergißt, woher sie stammt, erzählt Kunta ihr eines Tages die Geschichte seiner Ankunft in Amerika und bringt ihr auch einige Wörter in Mandinka, der Sprache seines Volkes, bei. Dies wird sich im Laufe der Zeit zu einer Familientradition entwickeln, denn jedem neugeborenen Abkömmling wird die Geschichte Kuntas erzählt und somit überliefert - bis hin zu Alex Haley, der seinem Ahnen mit diesem Roman das ultimative Denkmal setzte.
Leider wird die mittlerweile recht glückliche Familie auseinander gerissen, als Kizzy einem Jungen, in den sie verliebt ist, durch einen gefälschten Passierschein zur Flucht verhilft. Als auf diese Weise herauskommt, dass sie lesen kann, wird sie sofort an den nächstbesten verkauft und landet bei Tom Lea, einem armen Bauern, der sich durch Hahnenkämpfe und Wetten ein wenig Geld erarbeitet hat. Lea hat ein Auge auf die 16jährige Kizzy geworfen, und als sie sich ihm verweigert, vergewaltigt er sie. Kizzy wird schwanger und schenkt dem kleinen George das Leben, der die Familienchronik fortsetzt...
Hier will ich meine Zusammenfassung mal beenden, denn sonst macht das Lesen ja keinen Spaß mehr. Es sei aber gesagt, dass wir damit erst am Anfang der Familiengeschichte stehen und dass im Laufe der Zeit natürlich noch viel passieren wird.
Preis etc.
Hier kann ich es relativ kurz machen; denn mein Exemplar von "Roots" stammt aus der Bibliothek und war von der Optik etwas anders als auf dem Foto oben, aber dafür leider extrem lieblos gestaltet: Lediglich Rote Schrift auf schwarzem Grund. Dafür kann man nun keine Bestnoten vergeben.
Den Preis mußte ich aus verständlichen Gründen erst mal raussuchen, er beträgt jedoch für eine Taschenbuchausgabe 9,90 €uro. Ich denke aber mal, dass das Buch auch für wesentlich weniger bei Ebay zu erwerben sein wird, da es ja schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat.
Fazit
Es gibt zwei kleine (vielleicht auch nur eventuelle) Kritikpunkte am Roman. Der erste wäre, dass er gerade zu Anfang, wo sehr detailiert über verschiedene Riten und Bräuche im afrikanischen Dorf berichtet wird, große Längen aufweißt. Bis zu Kuntas Gefangennahme vergehen mehrere Jahre, die Haley allesamt sehr ausführlich beschreibt. Man wundert sich bald, wann die Geschichte denn endlich mal in Schwung kommt.
Ab dem Zeitpunkt der Gefangennahme ist dann besonders eines zu bemerken: Von Generation zu Generation nimmt sich Haley immer weniger Zeit für seine Figuren, so dass eigentlich nur Kunta's, Kizzy's und George's Leben so richtig ausführlich beschrieben werden. Alle nachfolgenden Figuren tauchen fast nur stichwortartig auf und die schnellen Zeitsprünge (manchmal altert eine Person auf einer Seite um die 20 Jahre!) können schon mal für Verwirrung sorgen.
Das zweite was ich ansprechen möchte, ist zwar auch etwas verwirrend für den Leser, aber für mich ein recht bemerkenswerter literarischer Kunstgriff - am Anfang des Romans fehlt dem Leser nämlich, wie dem gefangenen Kunta auch, jegliche Orientierung. Nur wer sich auskennt und die kleinen Hinweise auf Ort und Zeit entschlüsselt, weiß, wo er sich befindet. Dies hat aber durchaus seinen Sinn, denn vermutlich will Haley dem Leser damit die unheure Verwirrung des Gefangenen plausibel machen. Denn am Anfang seines Sklavendaseins wird Kunta an einen ihm völlig fremden Ort gebracht, und aufgrund des wochenlangen Liegens im Dunkeln ist er total orientierungslos. Auch die Sprache versteht er zunächst ja nicht, so dass er auch keine "aktuellen" Neuigkeiten aufschnappen und dem Leser damit Anhaltspunkte geben kann, an welchem Ort und in welcher Zeit er sich denn befindet. Dies bessert sich erst mit der Zeit, als Kunta Bell kennenlernt und sich langsam eingewöhnt. Nun lernt er auch langsam die Sprache und versteht einiges von den Dingen, die sein Herr mit anderen Farmern vom politischen Klima erzählt. Somit kann der Leser die Geschehenisse in die Zeit des Unabhängigkeitskrieges einordnen.
Wenn der Roman zum Leben von Kuntas in Amerika geborenen Kindern übergeht, werden die Angaben sehr viel detaillerter, denn diese sind ja dort aufgewachsen und kennen nichts anderes. Hier gibt es dann keine "einordungsprobleme" mehr.
Ein sehr berrührender, auch erschütternder Roman, den es sich aber unbedingt zu lesen lohnt.
51 Bewertungen, 13 Kommentare
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14.03.2007, 18:38 Uhr von sandrad198
Bewertung: sehr hilfreich**sh+lg** Sandra :o)
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25.01.2007, 10:48 Uhr von Ringwraith
Bewertung: sehr hilfreichsh viele grüße ringwraith :-)
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22.01.2007, 17:49 Uhr von TheBestGirl
Bewertung: sehr hilfreichlg sarah
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21.01.2007, 20:07 Uhr von snoopy202
Bewertung: sehr hilfreichGuter Bericht. sh und lg. Udo
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21.01.2007, 19:11 Uhr von Matze1195
Bewertung: sehr hilfreich☼ Sehr hilfreich .•:*¨¨*:•. & .•:*¨¨*:•. liebe Grüße ☼
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21.01.2007, 00:09 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße Edith und Claus
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20.01.2007, 16:27 Uhr von LittleSparko
Bewertung: sehr hilfreichlg, daniela
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20.01.2007, 14:44 Uhr von weeedyboy
Bewertung: sehr hilfreichGruß weeedyboy
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20.01.2007, 11:38 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh :o)
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20.01.2007, 11:32 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht deshalb ein SH von mir.LG Bernd
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20.01.2007, 11:32 Uhr von LittleGiant
Bewertung: sehr hilfreichDas Buch wurde auch verfilmt. Den "Kunta Kinte" spielte damals LeVar Burton, der auch als Chefigenieur LaForge in der Serie "Raumschiff Enterpreise - das nächste Jahrhundet" bekannt ist.
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20.01.2007, 10:02 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichKlasse - wie immer lg Sigi
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20.01.2007, 09:48 Uhr von bodenseestern
Bewertung: sehr hilfreich**liebe Grüße Petra**
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