Hamburg Dungeon Testbericht

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Erfahrungsbericht von Locke1771

Ich habe überlebt...!

Pro:

spannend und lustig zugleich man wird in die Handlungen mit einbezogen sehr unterhaltsame und überzeugende Darstellung durch die Schauspieler

Kontra:

Gruppe war mit 30 Leuten etwas zu groß

Empfehlung:

Ja

Ich möchte euch heute von einem nicht ganz gewöhnlichen Ausflug erzählen, den ich vor kurzem zusammen mit meinen Kollegen unternommen habe. An einem Freitag Nachmittag im November 2003 bin ich durch Feuer gelaufen, bin der Folter und Todesstrafe gerade noch entkommen, habe mich mit der Pest angesteckt, schließlich gemeinsam mit den anderen versucht, den Seeräuber Klaus Störtebeker zu befreien und - als ob das noch nicht reicht, hätte ich so manches Mal tot umfallen können... vor Lachen!

Aber ich lebe noch, und der eine oder andere fragt sich jetzt wahrscheinlich, ob da gerade jemand völlig den Verstand verloren hat. Nein, ich denke nicht, denn ich spreche vom Hamburg Dungeon, das ist Stadtgeschichte mal ganz anders.

Ich bin Hamburgerin, aber was das Dungeon eigentlich ist, wusste ich bis dahin nicht. Sicher, gehört hatte ich schon davon. Dass es um bestimmte geschichtliche Ereignisse der Hansestadt geht, eine Art Ausstellung mit Showeinlagen? Wie sich herausstellen sollte, hatte ich eine vollkommen falsche Vorstellung.

Das Dungeon befindet sich in der Speicherstadt, am Kehrwieder 2 und ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. In der Nähe ist die U-Bahnhaltestelle Baumwall, wo wir uns auch trafen. von der U-Bahn bis zum Dungeon geht man ungefähr sieben Minuten.
Nachdem wir das Gebäude betreten hatten, kamen wir zunächst in einen dunklen schmalen Gang, wo schon zahlreiche Gäste auf’s Bezahlen warteten. Kaum hatten wir uns in die Schlange eingereiht, kriegten wir auch schon Besuch. Von vorne näherte sich ein Mönch. Er ging langsam an uns vorbei, schien dabei jeden genau zu begutachten und begrüßte uns schließlich mit den Worten: „Na wartet..., gleich seid ihr dran!“ Ja hallo, wo war ich denn hier gelandet?

Nachdem auch wir an der Kasse unsere 12,50 € abgeliefert hatten, konnten wir weitergehen und befanden uns nun in einer noch dunkleren Höhle, wo wir wieder warten mussten. Es vergingen aber höchstens ein paar Minuten, bis eine Tür geöffnet wurde und wir den Fahrstuhl des Grauens betreten durften. Da ich Fahrstuhl fahren im „richtigen Leben“ überhaupt nicht mag, war ich froh, ein Geländer zu finden, an dem ich mich festhalten konnte. Doch fast im selben Moment hörte ich die heisere, unfreundliche Stimme des Fahrstuhlführers: „Weg da von der Wand, hier wird nix angefasst!“ Wir mussten alle in die Mitte, schön dicht zusammen. Der Fahrstuhlführer, der nicht gerade wie jemand aussah, mit dem man sofort Freundschaft schließen möchte, betonte immer wieder, dass unsere Überlebenschance gleich Null wäre, sprach von giftigem Viehzeug, Stromschlägen und von einer Spinne, deren Lieblingsspeise Menschenfleisch ist. Seine Worte bekräftige er durch ständiges Kichern, aus dem die Schadenfreude nicht zu überhören war. Endlich setzte sich der Fahrstuhl in Bewegung und beförderte uns in die Tiefe. „unten“ angekommen sprach der Fahrstuhlführer eine Frau an, fragte sie, ob sie die Gruppe beschützen werde. Als sie verneinte ging er wortlos weiter, hielt ausgerechnet bei mir an, stellte mir die gleiche Frage. Auch ich sagte „nein“. Nun wurden wir beide „bestraft“, denn wir mussten das erste Stück des Weges vorangehen. Erst wenige Augenblicke später durften die anderen uns folgen.

Unsere nächstes Station war eine alte staubige Bibliothek. Hier verabschiedete sich der Fahrstuhlführer von uns, wünschte uns noch „schönes Verrecken“ und verschwand einfach. Da waren wir nun, allein und verlassen in dieser finsteren Bibliothek. Eine Stimme teilte uns mit, was uns noch bevorstehen würde und dass bald auch wirTeil der Vergangenheit sein würden...

Das große Feuer von Hamburg

Zunächst bekamen wir einen kurzen Film zu sehen, der uns über das große Feuer von 1842 informierte. Der Film war noch nicht ganz zu Ende, als man schon den Geruch von Qualm vernehmen und aufflackerndes Feuer erkennen konnte. Das Feuer kam immer näher, erreichte auch uns, wir mussten fliehen, durch einen Tunnel, der lichterloh brannte...

Die Inquisition

Der Raum, in dem wir uns befanden sah aus wie eine alte Kirche. Aus unseren Reihen wurden drei Leute für ihre Sünden angeklagt und verurteilt. Diesmal hat es mich nicht erwischt – Erleichterung!

Die Pest

Wir betraten einen alten Hörsaal und durften uns einen Vortrag über die Pest anhören. Ein Arzt erzählte uns in allen Einzelheiten über den Verlauf der Krankheit, von der Ansteckung, über die ersten Symptome, bis hin zum „erlösenden Tod“. Doch es blieb nicht nur bei Erklärungen...

Störtebeker

Durch einen Film erfuhren wir, wer Klaus Störtebeker war. Wir wurden nun vor die schwierige Aufgabe gestellt, Störtebeker zu befreien und folgten einem Matrosen auf ein Schiff. Das Schiff schaukelte beachtlich, denn wir fuhren durch einen Gewittersturm. Leider gelang uns die Befreiung nicht und wir mussten live miterleben, wie Klaus Störtebeker hingerichtet wurde.

Die Sturmflut

Mit jeweils 6 Leuten stiegen wir in Boote und trieben durch Hamburgs überflutete Straßen. Die Fahrt war sehr kurz, aber Achtung, nass werden ist hier durchaus möglich.
Mit dieser Fahrt hat das Ganze dann auch ein Ende.

So schnell vergehen 90 Minuten. Es waren 90 spannende Minuten, in denen oft genug auch die Lachmuskeln ordentlich strapaziert wurden. Eine Zeitreise durch die dunkelsten Kapitel der Hamburger Geschichte. Das gelungene Zusammenspiel von Technik, der Gestaltung der Räume und – nicht zu vergessen – der sehr unterhaltsamen und äußerst überzeugenden Darstellung der Schauspieler machen das Dungeon zu einem Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Das Besondere daran: Man wird als Besucher ständig in die Handlungen mit einbezogen. Da nützt es auch nichts, sich hinter seinem Nachbarn zu verstecken, irgendwann erwischt es einen sowieso.

Wenn ihr also mal unsere schöne Stadt besucht und ein bisschen Zeit übrig habt, solltet ihr das Dungeon ruhig mit einplanen, es lohnt sich wirklich. Mehr Infos bekommt ihr unter www.hamburgdungeon.com oder unter Tel. 040/36 00 55 00

Ich jedenfalls habe beschlossen, mir das Dungeon demnächst noch ein zweites Mal anzusehen. Solltet ihr an dieser Stelle länger nichts von mir hören, dann war es vielleicht mein Kopf, der in der Speicherstadt gerollt ist... :-)

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