Harry Potter und der Gefangene von Askaban (DVD) Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Action:  viel
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend

Erfahrungsbericht von ZordanBodiak

Haben Sie diesen Magier gesehen???

4
  • Action:  viel
  • Anspruch:  durchschnittlich
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  sehr spannend
  • Altersgruppe:  ab 12 Jahren
  • Meinung bezieht sich auf:  Kino-Version

Pro:

Einfach die schönste und beste Geschichte der bisherigen \"Harry Potter\"-Reihe... Neuer / reiferer / besserer Regisseur... Die Schauspieler spielen allesamt gut... Ungewohnte Animationen... Zauberhafte Score...

Kontra:

Veränderungen zur Romanvorlage haben Überhand genommen - aber das ist aufgrund der Stimmigkeit eigentlich kein Kontra... Das Aussehen Hogwarts wurde gänzlich verändert...

Empfehlung:

Ja

Weihnachten 2002 jagte der kleine Magier Harry Potter das letzte Mal mit seinem Nimbus 2000 über die Quidditch-Spielfelder der internationalen Leinwände. Eine lange Zeit ist seitdem vergangen, die den Liebhabern der Hogwarts-Abenteuer aber mit dem Erscheinen des fünften Romans wunderschön verkürzt worden ist. Doch seit dem 03. Juni steht die Welt erneut Kopf und reiht sich in ewiglange Schlange vor den Kinokassen ein: "Der Gefangene von Azkaban" ist aus seinem magischen Gefängnis geflohen und will die Zuschauer erneut in "seinen" Bann ziehen...


Vorgeschichte - Mysteries will unfold

Wir erinnern uns: Harry ist ein kleiner Junge, der bei seinem Onkel und seiner Tante unter miserablen Bedingungen aufgewachsen ist. Als er jedoch an seinem elften Geburtstag erfährt, dass er ein Magier ist - dessen Eltern von dem abgrundtiefbösen Lord Voldemort ermordet worden sind - ändert sich sein Leben schlagartig. Er wird an der britischen Schule für Magie - Hogwarts - angenommen und lernt dort durch die strebsamen Hermione und den kumpelhaften Ron endlich wahre Freundschaft kennen. Jedoch ist Harry auch nicht in Hogwarts sicher. Voldemort - für dessen Tod Harry einst als Baby verantwortlich war - kommt langsam wieder zu Macht und versuchte sich in den ersten beiden Jahren immerzu an Harry zu rächen. Jedoch konnte dieser ihn - unterstützt von seinen Freunden - jedes Mal wieder besiegen...


Inhalt - Characters will be tested

Der Sommer ist ein weiteres Mal für den kleinen Harry Potter eine Qual. Die Dursleys behandeln ihn gewohnt schlecht, fluchen über seine verstorbenen Eltern - und treiben das Spiel während eines Besuchs der unausstehlichen Tante Marge auf die Spitze. Die Kontrolle verlierend bricht Harry seine Zelte im Haus der Dursleys ab, flüchtet ziellos in die tiefe Nacht hinaus - ohne zu wissen, dass der gefährliche Magier Sirius Black aus dem Gefängnis von Azkaban geflohen ist und nun vermutlich Jagd auf ihn macht.

Doch dank einer halsbrecherischen Fahrt im "Knight Bus" - dem schnellsten Straßenverkehrsmittel für die magische Bevölkerung - gelangt der kleine Magier ohne Blessuren zum Gasthaus "Leaky Cauldron", in dem er auf seine Freunde trifft und sich für die kommende Zugfahrt nach Hogwarts fertig macht. Diese Fahrt vom Gleise 9 ¾ birgt jedoch schon die erste Gefahr: Die Dementoren, die eigentlich Azkaban bewachen, kontrollieren den Zug und seine Fahrgäste - vermuten dort Sirius Black vorzufinden. Harrys Kontakt mit den schwarzummantelte Gestalten ist allerdings nicht sonderlich erfreulich. Völlig entkräftet und ohne Lebensfreude bricht er in sich zusammen und wacht erst wieder auf nachdem der im Abteil mitreisende Professor Lupin die Schergen vertreiben konnte.

Aber auch in Hogwarts nehmen die (schicksalhaften) Ereignisse nicht ab: Hagrid wurde zum Lehrer befördert - sehr zum Unmut der Schüler von Slytherin, denen der gutmütige Riese schon immer ein Dorn im Auge war. Professor Lupin findet trotz seines zeitweise seltsamen Auftretens schnell das Zutrauen der Schüler - und unterstützt Harry in der Bekämpfung seiner Angst vor den Dementoren. Die Wahrsagerin Trelawny sagt schon in der ersten Stunde Harrys Tod vorbei. Und dann bewachen auch noch die Dementoren Hogwarts - verständlicherweise zum Schutze der Schüler. Jedoch greifen sie urplötzlich bei einem Quidditch-Spiel ein und Harry fällt erneut bewusstlos von seinem Besen.

So viele spannende Begebenheiten - und der gefürchtete Sirius Black hat noch nicht einmal ins Geschehen eingegriffen...


Inszenierung - Secrets will be revealed

Neue Besen kehren bekanntlich gut. Und vermutlich konnten die Produzenten der "Harry Potter"-Filme keine weisere Wahl treffen als einen neuen Regisseur auf den Sessel des Drehverantwortlichen zu setzen. Chris Columbus war sicherlich keine schlechte Alternative für die ersten beiden Verfilmungen - dennoch klebten seine Verfilmungen schon fast sklavisch an den Romanvorlagen und dies wäre bei einem 500 Seiten-Schmöker wohl nicht mehr praktikabel gewesen. Wieso man sich aber für Alfonso Cuarón entschieden hat, konnte man im Vorfeld nicht wirklich verstehen. Ein mexikanischer Independent-Regisseur, der zuletzt für sein Jugend-Drama "Y tu mamá también" mit Preisen überhäuft worden ist [bei der Oscar-Verleihung 2003 hat es jedoch nur für eine Nominierung für das beste Originaldrehbuch gereicht], sollte nun eine massenkompatible Special-Effects-Orgie der Marke "Harry Potter" dirigieren. Ein Schuss der eigentlich nur nach hinten losgehen kann - und die Produzenten 130 Millionen Dollar ärmer machen würde.

Könnte man meinen. Denn Cuarón leistet vorzügliche Arbeit - und straft jede Zweifler Lügen. Äußerst passend stellt er seinen gewohnten Filmstil in den Vordergrund - wirft sein Hauptaugenmerk auf die Beziehung des "magischen Dreiecks" [Harry, Hermione und Ron] und würzt das ganze "lediglich" mit schön animierten Effekten. Einen derartigen Wandel hätte man wahrlich nicht erwartet. Künstlerische Klasse trifft auf Mainstream-Manierismen.

Aber gerade diese Neuerungen wirken sich äußerst gut auf den Film aus. Steven Kloves versucht mit seinem Drehbuch das Innere seiner Hauptfiguren näher zu beleuchten - und vor allem in den Anfangsszenen bei Harrys Verwandten gelingt dies hervorragend. Die Kamera von Michael Seresin [zuvor u.a. "the life of David Gale / Das Leben des David Gale"] klebt an den Gesichtern der Darsteller, wirkt sogar leicht körnig während der Aufnahmen im Hause der Dursleys. Aber dies passt vorzüglich zu dem Aufbäumen Harrys. Er legt sich mit seinen Verwandten an, bläst die unsägliche Tante Marge zu einem menschlichen Luftballon auf und verlässt fluchtartig und ohne Perspektive das Haus. Man merkt ihm an, dass er sich weiterentwickelt - dass er sich nicht mehr von seiner Sippe derartig abwertend behandeln lassen wird und langsam die Pubertät erreicht. Diese Hitzigkeit jedoch kann Harry zu diesem (?) Zeitpunkt nicht wirklich kontrollieren - zu emotional agierend, gerät er das ein oder andere Mal in Schwierigkeiten. Zudem sieht er sich im Verlaufe des Filmes des öfteren mit seiner Einsamkeit konfrontiert - darf als einziger Schüler an den Ausflügen in das Magierdörfchen Hogsmead nicht teilnehmen [dem wird aber dank den Weasley-Zwillingen abgeholfen!] und muss die Wahrheit über den Tod seiner Eltern erfahren.

Leider verkommen Ron und Hermione bei dieser Leinwandpräsenz Harrys etwas zu Nebenfiguren. Zwar kann man (scheinbar) erste Annäherungsversuche bei den beiden feststellen, die aber noch (?) von den gewohnten Kabbeleien überstimmt werden. Und so schlagen die beiden Figuren in der verbleibenden Zeit den gewohnten Weg ein: Ron ist der leicht ängstliche Wegbegleiter, der noch immer im Schatten seines besten Freundes steht und auf seinen großen Moment zu warten hat. Und Hermione wird trotz ihres enormen Wissens [wie trefflich sagt doch eine Figur im Film (sinngemäß) "Hermione, du bist die klügste kleine Hexe!"] nicht mehr derartig aufmüpfig und vorlaut - aber diese Entwicklung hatte sich bereits in "Harry Potter and the chamber of secrets / Harry Potter und die Kammer des Schreckens" abgezeichnet.

Darstellerisch wissen die jungen Schauspieler in ihren Rollen sicherlich zu überzeugen - auch wenn Titelheld Daniel Radcliffe das schwächste Rad am Wagen ist; zwar hat er große Szenen, wenn er seine Wut herauslassen darf [besonders bei den Dursleys!], wirkt aber in emotional fordernden Szenen etwas zu kühl, so dass man ihm seine Trauer nicht immer abnimmt. Diese kleineren Schwächen können aber gänzlich von Rupert Grint und Emma Watson ausgebügelt werden. Rupert ist ein herrlicher "Sidekick", der wundervoll versucht immer cool zu bleiben. Und die kleine Emma Watson? Die ist schlichtweg eine Wucht und ist mit ihrer Rolle gewachsen. Forsch, intelligent und durchweg überzeugend.


Jedoch haben die neuen Besen auch nicht vor der Visualisierung Hogwarts Halt gemacht. Gänzlich umgewandelt wurde die Umgebung, urplötzlich ist der Vorhof des Schlosses eine hügelige Landschaft, die von großen obeliskenartigen Steinen durchzogen ist und von einem riesengroßen See umrandet wird. Ob diese Veränderungen jedoch nötig waren, kann wohl nicht gänzlich entschieden werden. Man hatte sich eigentlich an den ausladenden Rasen vor den Toren Hogwarts gewöhnt - muss sich aber eingestehen, dass die neuen Lokalitäten äußerst passend wirken. Glücklicherweise sind aber nicht alle optischen Neuerungen derartig gewöhnungsbedürftig. Vor allem das häufigere Tragen von "Straßenkleidung" sorgt beim Betrachter für eine größeres Identifikationspotential als die "alten", schwarzen Schulumhänge.

Natürlich sind aber auch die Veränderungen in der Besetzungsliste großartig gelungen. Die schwerste Last dürfte hierbei wohl Michael Gambon gehabt haben - schließlich musste er in die großen Fußstapfen des leider verstorbenen Richard Harris treten. Aber seine Interpretation Dumbledores ist wundervoll. Eine leicht verschrobene Kreuzung zwischen Disneys Wohlfühlmagier Merlin [aus "the sword in the stone / die Hexe und der Zauberer"] und der Großvater-Mentalität Gandalfs. Zauberhaft!

Um auch einen adäquaten Ersatz für den dahingesiechten Professor Gilderoy Lockhart zu haben, gibt es im dritten Abenteuer nun die schrullige Professor Trelawney - die den kleinen Magiern das Wahrsagen beibringen soll. Zwar stieß die zweifach Oscar-gekürte Emma Thompson [beste Nebenrolle für "Howard's End / Wiedersehen in Howard's End"; beste Drehbuchadaption für "Sense and Sensibility / Sinn und Sinnlichkeit"] erst spät zu dem Ensemble, aber ihre kurzen Auftritte sind die komischen Highlights des Filmes. Gänzlich von einer Wuschelmähne und aschenbechergroßen Brillengläsern entstellt, gibt sie herrlich ihre Zukunftsweissagung ab. Prophezeit Harry nahezu in jedem Moment das Auftauchen des Grims - eines Vorboten des Todes - und wirkt einfach genial überdreht. Ob es wohl ein Zeichen für die gelungene leichtfüßige Darstellung ist, dass Thompson vor einigen Jahren mit Kenneth Branagh [der Darsteller des Gilderoy Lockharts] verheiratet war?

Die wichtigsten neuen Besetzungen sorgten jedoch für die größte Verwunderung: Gary Oldman [u.a. "the fifth element / das fünfte Element" und "Léon / Léon, der Profi"] sollte Sirius Black spielen - und wurde somit ein weiteres Mal in seine gewohnte Rolle des Bösewichts gepresst. Doch diesen Auftritt meister Oldman gewohnt gut - zwar darf er nur selten in das Geschehen eingreifen, seine Szenen wirken - unterstützt von der "dreckigen" Maske - äußerst gelungen. Er ist einfach die perfekte Besetzung für einen zahnschwitzenden Schurke, der nach zwölf Jahren im magischen Gefängnis von Askaban seine Freiheit wieder erlangt hat und nun seine Rache anstrebt.

Mindestens genauso glanzvoll ist David Thewlis Auftritt als Professor Lupin - obgleich der No-Name-Akteur [für Aufsehen sorgte seine Darbietung in Mike Leighs "naked / nackt" Mitte der Neunziger] mit seinem dünnen Oberlippenbart nicht so wirklich in das Vorstellungsbild der Leser passen will, spielt er äußerst delikat den neuen Lehrer für die Verteidigung gegen die dunklen Mächte. Genau wie es seine Rolle verlangt, wirkt er trotz seines geheimnisvollen Auftretens äußerst vertrauenswürdig auf die Schüler und den Zuschauer - entwickelt sich während des Filmverlaufes gar zu einem latenten Vaterersatz für Harry. Wenn er Harry immerzu ein Stückchen Schokolade zur Stärkung anbietet, sind dies (u.a.) die kleinen Momente, die den Film zu einem ausgereiften Gesamtwerk zusammenschweißen.


Überhaupt, im Gegensatz zu den vorhergehenden Teilen wirkt "Harry Potter and the prisoner of Azkaban" erstmalig wie ein kompaktes Ganzes, in dem jede Szene ihre Daseinsberechtigung hat. Man hat nicht versucht sich sklavisch an die Romanvorlage zu klammern und jedes Detail irgendwie anzusprechen. Vielmehr verbleibt von Joanne K. Rowlings Roman nur ein Grundgerüst, in dem nur noch die zentralen Orte angesteuert werden. Selbst das in den ersten beiden Filmen so exzessiv dargestellte Quidditch-Match, wurde in dieser Episode auf ein notwendiges - und effektives - Minimum verkürzt. Als unwissender Betrachter bekommt man so eine stimmige Geschichte vorgesetzt, die nicht mit unnötigen Kleinigkeiten vollgestopft worden ist. Zwar hätte man wohl noch einen Kurzauftritt für John Cleese als Nearly Headless Nick reservieren können - aber selbst das Fehlen eines derartig schönen Details fällt während des Betrachtens nicht einmal wirklich auf.

SPOILER
Folglich werden wohl nur die größten Pedanten sich darüber aufregen, dass Harry (u.a.) seinen neuen Firebolt erst im Finale erhält - realistisch betrachtet hätte aber eine Beibehaltung der eigentlichen Reihenfolge (im Roman erhält er den neuen Besen "direkt" nach der Zerstörung des ersten) dazu geführt, dass man weiterführende Szenen hätte umsetzen müssen, die die Filmlänge erneut in exorbitante Höhen getrieben hätte.

Einziger wirklich Wermutstropfen ist somit nur, dass zu unklare verbleibende Verhältnis zwischen Remus Lupin, Sirius Black, James Potter und Peter Pettigrew. Während im Roman deren freundschaftliche Vergangenheit und ihre Schandtaten an Hogwarts erläutert werden, fällt diese geschichtliche Ausgestaltung gänzlich der Schere zum Opfer - und dabei wäre dies gerade notwendig um das Verhalten von Professor Snape gegenüber Harry "verständnisvoller" zu machen.

Dafür werden im Gegenzug aber die Veränderungen in der Handlung konsequent dazu ausgenutzt, das Geschehen auf eine "erträgliche" Länge zu drücken. Vor allem der Marauder's Map (eine magische Karte, die alle Personen und deren Bewegungen in Hogwarts zeigt) wird hierbei eine zentrale Rolle zugesprochen - so erkennt Harry doch auf dieser erstmalig, dass der angeblich verstorbene Peter Pettigrew (es heißt, er sei auch ein Opfer Sirius Blacks) wohl noch in den Gängen Hogwarts herumgeistert. Der Zuschauer erhält so kleine rätselhafte Anhaltspunkte für den weiteren Handlungsverlauf und kann so - obgleich anderer Kürzungen - gut, schlüssig und voller Spannung die weiteren Handlungen verfolgen.

SPOILER-ENDE


Auf Seiten der Special-Effects wurde wohl ein Gang zurückgeschaltet. Nicht mehr eine Materialschlacht, die die Fähigkeiten der Animateure beweist [vor allem die Quidditch-Spiele in den vorangegangenen Episoden hatten scheinbar nur diesen Sinn], sondern überwiegend dezente und zur Erfüllung des Story-Zwecks eingesetzte Effekte. Dass die Regieführung von Cuarón hierbei auch Neuland betritt sollte nicht verwundern - besonders ein im Finale auftauchender Werwolf wirkt wohl auf viele Betrachter befremdlich - weil er nicht den gängigen Klischees entspricht, sondern wirklich eine Kreuzung zwischen Mensch und Wolf ist. Sein Kampf gegen die "Grim" ist dennoch ein gruseliges Highlight. Wie wilde Tiere stürzen sich die Kontrahenten auf einander - und verlassen so offensichtlich die "kindlichen" Fußspuren der ersten beiden Filme!

Klassischer und wesentlich imposanter fällt in diesem Falle wohl die Animation des Hippogriffs aus. Ehrfurchterregend wird die neue Kreatur - "Buckbeak" ist ein Pferd mit den Schwingen und dem Kopf eines Adlers - eingeführt. Besonders beeindruckend ist hierbei der Flug über (und um) Hogwarts gelungen. Sanft bewegen sich die Federn im Wind, behutsam streichen die Hufen über das Wasser des Sees. Schlichtweg ein zauberhafter kurzer Moment zum Zurücklehnen und Genießen.

Ganz im Gegensatz zu dieser computer-animierten Figur, wurden die Dementoren überwiegend klassisch in Szene gesetzt. Ohne großen Aufwand erscheint es als hätte man Schauspieler mit langen schwarzen Kutten bekleidet, um so ein gruseliges Aussehen zu kreieren - eine wirksame Darstellung, die zwar Ähnlichkeiten zu den Ringgeistern [aus "Lord of the rings / der Herr der Ringe"] hat, aber spätestens wenn die Dementoren über dem Quidditch-Feld schweben, vergisst man diese Ähnlichkeit ganz schnell.

Einzig bei der halsbrecherischen Fahrt des "Knight Bus'" kommt letztlich im Rahmen der Special-Effects das gewohnte Achterbahn-Gefühl der ersten beiden Teile auf. Scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste brettert der Fahrer über die britischen Straßen, lässt die Reifen bei einer haarscharfen Bremsung vor einem die Straße überquerenden Muggel quietschen - und verengt sogar die Breite des Busses um sich durch zwei eng nebeneinander fahrenden Bussen hindurchzuquetschen [im Roman springen die Häuser aus dem Weg!]. Die Action-Sequenz dauert wohl nur "wenige" Sekunden - als Betrachter wird man jedoch dank der direkten Kameraführung kräftig durchgeschüttelt. Gerade so als würde man selber neben Harry in dem lila Bus sitzen.

Überhaupt ist die Kameraarbeit bei dem Film ein wichtiges Werkzeug. Man hat sich gänzlich verabschiedet von den weichgezeichneten hochstilisierten Bildern der Columbus-Werke, versucht anstelle dessen durch ungewohnte Kamerawinkel das Geschehen für den Betrachter interessanter zu machen. Ein äußerst gelungenes Experiment. Denn die stimmige Visualisierung wirkt sich gelungen auf die dunkle Atmosphäre der Geschichte aus. Überwiegend schwach ausgeleuchtete Szenen und herbstliche Außenaufnahmen - genau so kalt hat man sich Hogwarts unter der Bedrohung Sirius Blacks vorgestellt!


Was bleibt also noch zu erwähnen? Die bisher bekannten Lehrer-Darsteller Robbie Coltrane (Hagrid), Maggie Smith (Professor McGonagall) und Alan Rickman (Professor Snape) spielen erneut hervorragend - leider verkommt aber Maggie Smith mit ihrem göttlich-strengen Blick immer mehr zu einer Randfigur. Tom Felton (Draco Malfoy) hat in den vergangenen Monaten einen großen Schuss in die Höhe getätigt und ist kaum noch wiederzuerkennen - kann aber wieder mit seiner fiesen Art den Unmut des Zuschauers auf sich ziehen; besonders befriedigend und spaßbereitend ist es bei einer derartig großkotzigen Figur natürlich immer, wenn sie entgegen des Auftretens äußerst wehleidig [und das ist Draco im "prisoner of Azkaban" besonders!] ist. Die Schadenfreude ist so gut wie vorprogrammiert!


Die Altersfreigabe - Everything will change

Nachdem die Altersfreigabe für den zweiten Teil nur noch durch die Kürzung einiger Szenen auf "ab sechs Jahre" gedrückt werden konnte, hat man sich nun erstmalig für eine neu eingeführte Freigabe-Stufe entschieden. Grundsätzlich dürfen Besucher ab 12 Jahren das Kino betreten. Sollten jedoch kleinere Potter-Fans das Spektakel auf der Leinwand verfolgen wollen, müssen sie dies in der Begleitung ihrer Eltern machen.

Ob dies jedoch ratsam ist, müssen wohl die Eltern selber entscheiden. Objektiv betrachtet dürfte man wohl davon ausgehen können, dass jüngere Zuschauer, die schon keine Probleme mit den Vorgängern [sowohl als Film als auch als Buch] hatten, bedenkenlos mit ihren Erziehungsberechtigten ins Kino gehen können. Ansonsten kann man wohl eine Grenzlinie "ab 10 Jahren" ziehen. In diesem Alter sollten die Kleinen im Allgemeinen [sicherlich ist dies immer noch eine Einzelfall-Entscheidung] schon so weitentwickelt sein, dass sie das Spektakel mit ihren Eltern gefahrenlos gucken können.

Die "schlimmsten" Szenen im Film sind sicherlich der Kampf zwischen einem Werwolf und dem "Grim" und das jeweilige Auftauchen der Dementoren. Wenn diese ihren Opfern jegliche Lebensfreude aussaugen, werden Momente geschaffen, die von einer besonders intensiven Atmosphäre geprägt sind. Jedoch muss man dem Film zugestehen, dass er zumeist [wenn man den "längeren" Showdown außer Betracht lässt] diesen nervenanspannenden Szenen milde und entspannende Momente folgen lässt, so dass genügend Raum zur Entspannung der Nerven geboten wird!

Gesamtbetrachtet muss man aber feststellen, dass "Harry Potter and the prisoner of Azkaban" von einer dauerhaft dunkleren Atmosphäre durchzogen wird. Während sich in den Vorgängerfilmen erst in den finalen Minuten die Spannung auf ein hohes Niveau eingestellt hat, ist diese beim dritten Teil konstant "hoch". Die Bedrohung durch die Dementoren und Sirius Black liegt ständig in der Luft und wird durch die Kameraarbeit zusätzlich betont. Cuarón gönnt den jungen Betrachtern jedoch immer wieder kleine Erholungsmomente - herrlich sind hierbei die Zwischenspiele mit der Whomping Willow, die zudem die voranschreitende Jahreszeiten verdeutlichen -, so dass letzten Endes die 10-Jahres-Grenze dennoch als Richtlinie herangezogen werden kann.



Fazit - Something wicked this way comes.

Gesamtbetrachtet muss man diesen Film einfach weiterempfehlen. Herrlich wird die "Harry Potter"-Magiewelt mit den Independent-Wurzeln des neuen mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuarón vermischt. Als Ergebnis erhält man letztlich den reifsten und besten "Harry Potter"-Streifen, der gekonnt zwischen spannenden und lustigen Momenten wechselnd eine unvergleichlich-bedrohliche Wohlfühl-Atmosphäre verbreitet. Zwar werden auch bei diesem Verfilmungsversuch einige Nörgler nicht stillhalten können und die zahlreichen Veränderungen zur Romanvorlage negativ ankreiden - aber bei einem derartig dicken Wälzer wie "the prisoner of Azkaban" konnte man diese Kürzungen wohl offensichtlich nicht mehr vermeiden.

Wichtig war es ein kompaktes Abenteuer des kleinen Magiers auf die Leinwand zu zaubern - und dieser Versuch gelingt dank der guten Ensemble-Leistung und der wundervollen Geschichte unzweifelhaft. Bisher ganz klar und eindeutig der Blockbuster des Kinosommers 2004 - und von den ersten Bildern her zu urteilen, dürfte wohl die einzige Konkurrenz der grüne Oger "Shrek" in seinem zweiten Kinoauftritt werden.

Wollen wir nur hoffen, dass Mike Newell mit "Harry Potter and the goblet of fire" ähnlich zu begeistern weiß, obgleich hier ähnlich drastische Kürzungen noch schwerer fallen dürften. Aber das finale Ergebnis dürfen wir dann im November 2005 beurteilen - und bis dahin können wir uns die Zeit mit erneuten Ausflügen in die schon bekannten Hogwarts-Abenteuer verkürzen...

Wertung: 9 magische Punkte auf meiner 10er-Skala
Internet: www.azkaban.com ----- www.harrypotter.de


__________
Da ich dummerweise die englischen Namen im Kopf habe, hier die "Übersetzungen" - welche sich aber größtenteils selbst erklären:

Buckbeak = Seidenschnabel
Hermione = Hermine [wie kann man ihr nur das "o" rauben??]
Knight Bus = der Fahrende Ritter
Leaky Cauldron = Zum tropfenden Kessel
Tante Marge = Tante Magda
Womping Willow = die Peitschende Weide

25 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Tethra

    20.02.2005, 18:04 Uhr von Tethra
    Bewertung: sehr hilfreich

    So sollte ein Erfahrungsbericht aussehen! Gruß Andreas