Harry Potter und der Gefangene von Askaban (DVD) Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Action:  viel
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend

Erfahrungsbericht von linnie

Ein frischer Wind in Hogwarts?!

4
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  wenig anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  humorvoll
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Altersgruppe:  ab 12 Jahren
  • Meinung bezieht sich auf:  Kino-Version

Pro:

die Kinderschauspieler sind älter und reifer geworden, Emma Thompson kann für einige Lacher sorgen, der Soundtrack untermalt den Film recht hübsch, Kulissen und Kostüme sind wirklich gut gelungen

Kontra:

Cuarón weicht stärker vom Buch ab, es wird keine düstere Atmosphäre erzeugt und auch kaum Spannung aufgebaut, Gambon ist kein würdiger Nachfolger für Harris, auch Oldman passt nicht so recht, teils schlechte Effekte

Empfehlung:

Ja

Gestern war nun endlich der große und langersehnte Tag: Harry Potter und der Gefangene von Azkaban lief nach eineinhalb Jahren Wartezeit in den deutschen Kinos an. Selbstverständlich waren meine Vorfreude und die Erwartungen groß, wie mir der Film nun schlussendlich gefallen hat, könnt ihr hier nachlesen.

** Die Vorgeschichte
Bei Harry Potter und dem Gefangenen von Azkaban handelt es sich um den nunmehr dritten Film der Harry Potter-Reihe und auch wenn ich der Meinung bin, dass man sich diesen Film nur angucken sollte, wenn man die Bücher oder zumindest die beiden ersten Filme kennt, möchte ich die Vorgeschichte kurz zusammenfassen. Im ersten Teil der Harry Potter Reihe erfährt Harry an seinem elften Geburtstag, dass seine Eltern Lily und James Potter berühmte Zauberer waren, die vom großen Lord Voldemort ermordet worden sind. Nach dem Tod seiner Eltern wurde Harry bei seiner Tante Petunia und seinem Onkel Vernon untergebracht, die sich widerwilig um ihn gekümmert haben. Doch im Alter von 11 Jahren darf Harry nun auf die berühmte Zauberschule Hogwarts gehen, um dort das Schuljahr zu verbringen und Zauberei zu lernen. In Hogwarts findet Harry schnell ein neues zu Hause, wo er endlich geliebt wird und Freunde findet, nämlich Ron und Hermione, die ebenfalls in ihrem ersten Jahr auf Hogwarts sind. Doch schnell wird die Bedrohnung klar, die immer noch von Lord Voldemort ausgeht, denn er möchte den „Philosopher\'s stone“ stehlen, um damit wieder zu seinen alten Kräften zurückzufinden. Es kommt schließlich zum Showdown zwischen Harry und Voldemorts Diener, den Harry gewinnen und somit Voldemort erneut besiegen kann.

Nach dem ersten Schuljahr muss Harry zunächst zurück zu seinen verhassten Verwandten, doch kurz vor Beginn des zweiten Schuljahres wird er von Ron und zwei seiner Brüder mit einem fliegenden Auto abgeholt. Mit diesem gelangen Ron und Harry dann schließlich auch nach Hogwarts, denn Dobby, ein Hauself, hat dafür gesorgt, dass die beiden den Zug nach Hogwarts nicht erwischen, weil Dobby verhindern möchte, dass Harry auf die Zauberschule zurückgeht. Dort wurde nämlich die Kammer des Schreckens geöffnet und ein böses Wesen schleicht durch die Schule und versteinert nach und nach die Zauberschüler. Schließlich kann Harry herausfinden, wie er in die Kammer des Schreckens gelangen kann, wo er gegen einen Basilisken kämpfen muss.

** Inhalt
Auch der dritte Film beginnt zunächst im Haus von Petunia und Vernon im Privet Drive, die Harry für die Sommerferien wieder bei sich aufgenommen haben. Doch nun steht Besuch an, denn Vernons nervige Schwester Marge steht mit ihrem alles-fressenden Hund vor der Tür. Marge kann Harry nicht ausstehen und macht den bösen Fehler, dessen Eltern zu beleidigen, was Harry so verletzt, dass er Marge in einen Ballon verwandelt, sodass diese schwebend das Haus verlassen muss. Nun flieht auch Harry, denn er macht sich Sorgen um seine Zukunft in Hogwarts, da es jungen Zauberern nicht erlaubt ist, zu Hause zu zaubern. Harry befürchtet, dass er von der Zauberschule fliegt und nun nicht mehr seine Freunde wiedertreffen wird. Auf einer Straße sieht sich Harry plötzlich einem bedrohlich wirkenden schwarzen Hund gegenüber, der Harry zu beobachten scheint. Doch in diesem Moment hält auch schon ein übergroßer Bus neben Harry und sammelt diesen ein, um ihn nach London in die Kneipe „Leaky Cauldron“ zu bringen.

Nach einer rasanten Fahrt wird Harry dort von Cornelius Fudge empfangen, dem Vorsitzenden des „Ministry of Magic“. Harry rechnet mit dem schlimmsten und macht sich darauf gefasst, von der Schule verwiesen zu werden, doch Fudge berichtet ihm nur lächelnd, dass die Sache mit Marge aus der Welt geschafft und ihre Erinnerung an diesen Vorfall ausgelöscht sei. Schnell erfährt Harry, dass aus dem schrecklichen Zaubergefängnis Azkaban erstmals ein Häftling fliehen konnte, nämlich Sirius Black, ein ehemals guter Freund von Harrys Eltern, der sich aber scheinbar auf die Seite von Voldemort geschlagen und Harry Eltern an diesen verraten hat. Nun ist Sirius offensichtlich hinter Harry her, um diesen zu töten. Schon im Zug nach Hogwarts muss Harry die Bekanntschaft mit den Wächtern von Azkaban machen, mit den Dementoren. Diese jagen ihm einen solchen Schrecken ein, dass er ohnmächtig wird und nur durch das beherzte Eingreifen des neuen Professors für die Verteidigung gegen die dunklen Künste Lupin vom Kuss der Dementoren gerettet werden kann.

Dieses Jahr ist einiges anders in Hogwarts, denn die Wächter von Azkaban befinden sich auch auf dem Schulgelände, um nach dem entflohenden Sirius Black zu suchen. Lupin ist als Nachfolger von Gilderoy Lockheart an der Schule und wird schnell zu einem Freund Harrys, der ihn bei dessen Kampf gegen die Dementoren unterstützt. Auch Hagrid darf in diesem Schuljahr unterrichten, doch seine Lehrmethoden kommen besonders bei den Schülern aus Slytherin nicht sonderlich gut an... Eine weitere neue Lehrerin ist Professor Trelawny, die den Schülern beibringen möchte, Kaffeesatz zu lesen und in die Zukunft zu blicken. Und schon in ihrer ersten Schulstunde sieht sie Harrys Tod voraus!

Die Bedrohung wird immer größer, die Dementoren mischen unerlaubterweise sogar im Quidditchspiel mit und schließlich gelangt der gefährliche Sirius Black sogar unbemerkt in die Schule. Was hat Black im Sinn? Und welches Geheimnis trägt der neue Lehrer Lupin mit sich?

** Cast & Crew
Daniel Radcliffe: Harry Potter
Richard Griffiths: Uncle Vernon
Pam Ferris: Aunt Marge
Fiona Shaw: Aunt Petunia
Gary Oldman: Sirius Black
Robert Hardy: Cornelius Fudge
Rupert Grint: Ron Weasley
Emma Watson: Herminoe Granger
David Thewlis: Prof. Lupin
Michael Gambon: Albus Dumbledore
Alan Rickman: Severus Snape
Maggie Smith: Minerva McGonagall
Robbie Coltrane: Rubeus Hagrid
Tom Felton: Draco Malfoy
Emma Thompson: Sybil Trelawney

Regie: Alfonso Cuarón
Produzenten: Michael Barnathan, Chris Carreras, Chris Columbus,...
Soundtrack: John Williams
Nach dem Roman von JK Rowling
Dauer: 141 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Offizielle Filmhomepage: http://harrypotter.warnerbros.de/home.html


** Filmkritik
Zunächst waren meine Erwartungen an den neuen Harry Potter Film selbstverständlich sehr hoch, da mir vor allem der zweite Film sehr gut gefallen hat, doch dann habe ich gehört, dass mit Alfonso Cuarón ein neuer Regisseur an Bord geholt worden ist, der sich nicht mehr ganz so stark an das Buch halten soll wie sein Vorgänger Chris Columbus, der bei den Dreharbeiten auch sehr eng mit JK Rowling zusammengearbeitet hat. Danach wuchs meine Skepsis stark und das zurecht.

Auch ohne dieses Wissen merkt man dem neuen Film deutlich an, dass ein anderer Regisseur das Sagen hatte, denn es weht in der Tat ein ganz anderer Wind durch Hogwarts. Besonders auffällig fand ich, dass der neue Potter-Film auf Humor setzen will, so gibt es zwischen einzelnen Szenen mehrmals kleine Zwischenspiele an der „Womping Willow“, einem Baum, mit dem Ron und Harry bereits im zweiten Film eine unliebsame Begegnung hatten, denn der Baum hat die unangenehme Angewohnheit, aus- und um sich zu schlagen. In den Zwischenspielen wechselt die Jahreszeit, der Baum schüttelt seine Blätter ab oder auch Schnee, um denn nach einem Vogel zu schnappen und ihn im Geäst verschwinden zu lassen. Diese Szenen riefen im Publikum kleine Lacher hervor, ich persönlich fand sie allerdings unnötig. Auch andere Figuren verkommen zu Witzfiguren, so z.B. der stattliche Hagrid, der in einer Szene mit einer quietschgelben Krawatte zu sehen ist, die einfach nur lächerlich wirkt. Gleichzeitig versucht Cuarón mit Zwischenspielen, in denen die Dementoren die Landschaft um sich herum vereisen und verdorren lassen, eine düstere Atmosphäre zu schaffen. Doch meiner Meinung nach gelingt ihm diese Gratwanderung nicht, denn die düstere Atmosphäre kann sich nicht durchsetzen. Obwohl der dritte Band der Potterbücher um einiges schreckenerregender und gefährlicher ist als seine Vorgänger, da Harry direkt von einem ehemaligen Freund seiner Eltern bedroht wird, ist von dieser Gefahr im Film nur wenig zu spüren. Immer wieder lockert Cuarón seinen Film mit Witzeinlagen auf, an denen auch Prof. Trelawney einen großen Anteil hat. Die neue Lehrerin für Weissagungen ist mit einer wuscheligen Perücke und einer übergroßen Hornbrille ausgestattet, sodass sie bereits für Lacher sorgt, ohne ein Wort gesagt zu haben. Während ich die Comedyeinlagen von Gilderoy Lockheart im zweiten Film allerdings noch angebracht fand, bin ich der Meinung, dass die Filme sich weiterentwickeln sollten, denn die Bücher werden immer düsterer und dieser Trend hätte sich für meine Begriffe auch im neuesten Film widerspiegeln sollen.

Für den Gefangenen von Azkaban musste eine Reihe von neuen Schauspielern gecastet werden, die die neuen Rollen bzw. den verstorbenen Richard Harris zu ersetzen haben. Die schwierigste Aufgabe kommt hier wohl Michael Gambon zu, der das Erbe von Richard Harris anzutreten hat. Bisher war Dumbledore der große Zauberer, der mit seiner Anwesenheit für die Sicherheit von Hogwarts bürgt. Doch Michael Gambon scheint einen ganz anderen Dumbledore verkörpern zu wollen, er ist nicht mehr der weise alte Zauberer mit der tiefen Stimme, sondern eine doch eher unscheinbare Gestalt, die die Robe des Schulleiters nicht auszufüllen mag. Von Gambon war ich insbesondere enttäuscht, auch wenn mir klar ist, welch schwierige Nachfolge er anzutreten hatte, dennoch bin ich der Meinung, dass man Dumbledore wesentlich besser hätte besetzen können.

Etwas unschlüssig bin ich in Bezug auf David Thewlis in der Rolle des Lupin, den ich mir irgendwie beim Lesen des Buches anders vorgestellt hatte, der seine Sache allerdings gut macht. Lupin wird in diesem Teil zu einem guten Freund Harry Potters, der ihm mit Rat und Tat zur Seite steht und diese aufkeimende Freundschaft wird auch in einigen Szenen sehr deutlich, in denen nämlich Lupin und Potter in einem Zwiegespräch gezeigt werden. Fast wie eine Art Vaterfigur erscheint hier Lupin mit seinen gütigen Augen und seiner freundlichen Stimme, doch sieht Thewlis dennoch ein wenig unscheinbar aus. Er verblasst neben Snape, obwohl er von seinen Fähigkeiten diesem in nichts nachstehen sollte. Lupin ist mir darüber hinaus nicht geheimnisvoll genug, denn er verbirgt ein großes Geheimnis, das ihn am Ende seinen Job in Hogwarts kosten wird. Allerdings gefiel mir Thewlis als Neuzugang neben Emma Thompson noch am besten.

Emma Thompson besetzt die Rolle der Sybil Trelawney, die statt Lockheart in diesem Film für die Lacher gut ist. Thompson überzeugt vollkommen in ihrer Rolle der verschrobenen Weissagerin, die Harry seinen baldigen Tod voraussagt. Genau so hatte ich mir diese durchgeknallte Lehrerin vorgestellt, die von ihrer Gabe überzeugt ist, aber oftmals mit ihren Vorhersagen daneben liegt.

Ein weiterer wichtiger Neuzugang ist Gary Oldman als Sirius Black. Schon im voraus war ich skeptisch in Bezug auf diesen Schauspieler, da ich mir beim Lesen des Buches ein vollkommen anderes Bild von Sirius gemacht hatte. Um nichts vorwegzunehmen, werde ich darauf nicht eingehen, doch trifft Oldman diese Vorstellung in keinster Weise. Als Schauspieler hat Oldman mich auch nur teilweise überzeugt, denn in seiner ersten richtigen Szene ist er mir einfach zu übertrieben, teilweise scheint er Captain Jack Sparrow aus dem Fluch der Karibik imitieren zu wollen, was überhaupt nicht zu der Rolle des Sirius Black passt. Seine Gestik ist mir hier zu hektisch und überdreht und steht vollkommen im Gegensatz zu Thewlis, der in dieser Szene überraschend ruhig und gelassen, ja fast schon gelangweilt, bleibt. Überhaupt hatte ich mir von der Szene, in der Harry das erste Mal auf Sirius trifft, um einiges mehr versprochen. Im Buch ist dies eine wahrlich schreckliche Szene, denn Harry rechnet mit seinem baldigen Tod und steht dem verhassten Sirius gegenüber, von dem er glaubt, dass dieser seine Eltern an Voldemort verraten hat. Die Dramatik dieser Szene kommt fast gar nicht beim Publikum an.

Den Kinderschauspielern sieht man deutlich an, dass sie älter und reifer geworden sind, auch wenn Daniel Radcliffe die große Rolle des Harry Potter noch nicht vollständig ausfüllen kann. Seine Trauer wirkt nicht echt, es sind keine Tränen zu sehen und auch seine Wut nimmt man ihm nicht ab, doch zeigt Radcliffe schon merklich mehr Mimik als beispielsweise im ersten Potter-Film. Rupert Grint als Ron steht leider nur noch eine sehr kleine Rolle zu, die er wieder sehr nett zu spielen weiß. Emma Watson ist dagegen diejenige, die sich am meisten gewandelt hat, nicht nur optisch, sondern auch schauspielerisch. Immerhin ist sie diejenige, die Harry beim Showdown zur Seite stehen wird.

Der Soundtrack stammt ein weiteres Mal aus der Feder von John Williams. So sind auch dieses Mal wieder die bekannten mysteriösen Klänge zu hören, die die beiden ersten Filme durchsetzt haben und auch den Trailer untermalen. Doch hat auch die Filmmusik eine große Wandlung mitgemacht, so beginnt das Schuljahr in Hogwarts mit einem großartigen Chorgesang, der perfekt in die Stimmung des Filmes passt. Später allerdings dominieren oftmals folkloreartige Klänge und auch Klarinette das musikalische Geschehen, was mich nicht überzeugen konnte. Insgesamt ist Williams sicherlich kein Meisterwerk gelungen, für das er einen Oscar erwarten kann, doch kann man die Filmmusik als solide Leistung ansehen, die die Stimmung des Filmes hervorzuheben und das Geschehen oft unauffällig zu untermalen weiß.

Sehr hübsch gelungen ist in jedem Fall die Kulisse, die bis in kleinste Details zu überzeugen weiß. Hogwarts ist wieder einmal das große alles überragende Schloss mit seinen hohen Türmen, die wahrlich zauberhaft aussehen. Auch die Klassenräume sind liebevoll und farbenfroh ausgestattet und passen doch immer zum jeweiligen Fach. So ist der Klassenraum der Trelawney bunt und überladen mit Kleinigkeiten wie Glaskugeln, die für diese Art von Unterricht benötigt werden. Fast ist der Raum angeordnet wie eine kleine Arena, denn auf den kleinen treppenartigen Absätzen stehen Tische und Sessel für die Schüler bereit, wo sie ihre Aufgaben erledigen können. Ganz anders sieht doch der Raum aus, in dem Severus Snape sein Unwesen treibt, dunkle Bänke, die in Reih und Glied angeordnet sind, sorgen für eine strikte Ordnung im Klassenraum, die deutlich machen, dass Snape es nicht duldet, wenn jemand aus der Reihe tanzt. Auch die Kostüme gefielen mir sehr gut, auch wenn die Zauberschüler immer häufiger in Jeans und T-Shirt zu sehen sind, was meiner Meinung nach nicht in den Film passt, der nunmal in einer Zauberschule spielt.

Schon im voraus hatte ich gelesen, dass der neue Regisseur Cuarón kein großer Freund von Spezialeffekten ist. So hatte ich mich schon länger gefragt, wie er ein fantastisches Werk wie Harry Potter in Szene setzen will und ich muss nun sagen, dass ihm das teilweise nicht gelungen ist. Nicht nur, dass der nächtliche Abendhimmel mit Vollmond und unbeweglichen Wolken ausgestattet ist, was wie aufgemalt wirkt, auch die Verwandlung eines Menschen in einen Werwolf ist meiner Meinung nach gar nicht überzeugend. Der Werwolf sieht später aus wie ein hässlicher Windhund, nicht jedoch wie ein gefährlicher Werwolf und auch andere Tiere, wie der große schwarze Hund sehen eher aus wie Stofftiere denn wie echte Tiere. Da jedoch keiner der Menschen darauf hinweist, dass die Tiere unecht aussehen, hätte ich mir doch gewünscht, dass dies auch so dargestellt wird. Noch ein Beispiel ist die Verwandlung eines Tieres in einen Menschen. Das Tier trägt selbstverständlich keine Kleidung, der verwandelte Mensch jedoch ist vollständig bekleidet, wenn er auch noch die Wesenszüge des Tieres trägt, doch als sich genau dieser Mensch wieder in das Tier zurückverwandelt, bleiben die Klamotten am Boden liegen?! Ja, warum das denn, die hätten bei der Verwandlung doch wohl auch verschwinden müssen, oder nicht? So fallen zwischendurch immer wieder kleinere Logikfehler auf, die das Filmvergnügen schmälern, warum z.B. flüchtet Harry ohne seine geliebte Eule Hedwig aus dem Privet Drive? Bei seiner Flucht im zweiten Teil denkt er noch an den Käfig, dieses Mal jedoch nicht.

Die Inszenierung des Filmes ist meiner Meinung nach wirklich nur mäßig gelungen, denn Cuarón schafft es nich, seinem Film Atmosphäre zu verleihen, die Gefahr der Situation wird nicht deutlich, außerdem nimmt sich Cuarón doch einige Freiheiten heraus, die Columbus offensichtlich nicht hatte. So wurde an allen Ecken und Enden gekürzt und wichtige Dinge, die das Geschehen wesentlich besser hätten erklären können, wurden einfach weggelassen. In diesem Fall war das für mich schon mehr als nur künstlerische Freiheit, ich fand es unverständlich und hätte vieles sicherlich nicht verstanden, wenn ich nicht das Buch gelesen hätte. Für Kinogänger, die das Buch nicht gelesen haben und bei denen nun einige Fragen offengeblieben sind, möchte ich nun ein paar Details aus dem Buch schildern, die im Film nicht vorkommen.

** Vorsicht Spoiler! Nur lesen bei Kenntnis von Buch und/oder Film.
Im Film wurden viele Kleinigkeiten weggelassen, die zwar für die Faszination des Buches sorgen, aber die Geschichte nicht wesentlich voranbringen. So hört der Quidditch-Cup bereits nach dem ersten Spiel auf, in welchem Harry von seinem Besen fällt und dieser durch den gewalttätigen Baum zerstört wird. Im Buch bekommt Harry anschließend einen neuen Zauberbesen zugeschickt, den er aber nicht benutzen darf, weil die Lehrer Angst davor haben, dass der Besen verzaubert sein könne und Harry schaden wolle. Am Ende wird klar, dass Sirius ihm den Besen geschenkt hat.

Allerdings wurden auch wichtige Zusammenhänge nicht wirklich deutlich, denn nie wird geklärt, warum Lupin die „Marauder\'s Map“ zu lesen weiß, Snape jedoch nicht, auch wird nicht erklärt, wer eigentlich Moony, Wormtail, Padfoot und Prongs sind, deren Namen die Karte zieren. Diese vier Namen stehen nämlich für vier Zauberer, die zum Freundeskreis von Harrys Vater gehörten. Moony steht für Prof. Lupin, Wormtail für Peter Pettigrew, Padfoot für Sirius Black und Prongs für James Potter. Die vier Zauberer waren zu ihrer Zeit in Hogwarts gute Freunde. Schließlich begann Lupin sich in einen Werwolf zu verwandeln und wurde zur Zeit des Vollmondes unter die „Womping Willow“ in eine Art Verschlag verbannt. Um ihrem besten Freund weiterhin beistehen zu können, lernen die drei anderen Zauberer, Animagi zu werden, also Zauberer, die sich in ein Tier verwandeln können. Von diesen vier Freunden stammt auch die Karte, die anzeigt, wo sich die Personen in Hogwarts bewegen. Sirius scheint James Potters bester Freund gewesen zu sein, denn er ist Harry Patenonkel und er ist auch derjenige, der der Geheimnisträger werden soll, um James und Lily Potter vor Voldemort zu beschützen. Doch James entscheidet sich schließlich für Peter Pettigrew, der immer der schwächste der vier Freunde gewesen ist und der schließlich das Geheimnis um James und Lily Potter an Voldemort verkauft. Dennoch wird Sirius beschuldigt, weil alle Welt glaubt, dass er das Geheimnis hüten sollte.


Spoiler Ende!

** Abschließendes Fazit
Nach diesem überlangen Bericht möchte ich nochmal kurz die wichtigsten Punkte zusammenfassen: Man merkt dem neuen Harry Potter-Film überdeutlich an, dass ein neuer Regisseur am Werke war, denn Cuarón schafft es eindeutig nicht, seinem Film eine düstere Atmosphäre zu verleihen, stattdessen möchte er das Publikum zum Lachen bringen, was ich in Anbetracht der spannenden Geschichte völlig unangebracht finde. So wird im Film auch kaum Spannung aufgebaut, da über große Strecken nicht viel passiert. Von der Inszenierung war ich dementsprechend recht enttäuscht, da einige Effekte, wie die Werwolfverwandlung einfach nur schlecht waren. In Sachen Kulisse und Kostümen weiß „Harry Potter und der Gefangene von Azkaban“ dagegen zu überzeugen, denn der Film ist liebevoll und bis ins letzte Detail passend ausgestattet, sodass der Film wirklich etwas fürs Auge ist. Aber auch der Soundtrack ist solide und stimmig, wenn er auch keine großen Höhepunkte setzen kann. Die Neuzugänge der Darstellerriege sind leider nur teilweise positiv hervorzuheben, besonders von Gambon und Oldman war ich hier enttäuscht.

Insgesamt möchte ich dennoch eine Empfehlung aussprechen und mit etwas Augen zudrücken 4 Sterne vergeben, da Harry Potter trotz schlechter Inszenierung sehenswert bleibt.

43 Bewertungen, 3 Kommentare

  • lene0910

    06.06.2004, 19:50 Uhr von lene0910
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich war auch schon im Film und war ein bisschen enttäuscht, dar ich mir so vieles einfach anders vorgestellt habe. Ich finde sie hätten sich mehr an das Buch als Vorlage halten sollen, besonders bei so einfachen Sachen, wie z.B. Lupin aussieht un

  • laure15

    06.06.2004, 02:00 Uhr von laure15
    Bewertung: sehr hilfreich

    Echt super Bericht! Werde mir den Film auch ansehen und mir meine eigene Meinung bilden ;-) Hab allerdings gehört, dass J.K. Rowling nichts dagegen hat, wenn die Handlung stark gekürzt wird!?!? Ich finde das nicht so gut. Dann sollen sie lieber

  • Wuschel_F

    05.06.2004, 22:01 Uhr von Wuschel_F
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...gleich doppelt so lang aus als bei ciao ;-)