Haus der 1000 Leichen (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von ZordanBodiak

..blutiger Psycho-TERROR als High-Speed-LSD-Trip..

Pro:

Krank! Pervers! Verstörend! Zeitweise verdammt faszinierend! Eine Visualisierung, die einem schlechten Trip gleicht! Experimentelles Gruselfest für Genre-Freunde!

Kontra:

Krank! Pervers! Verstörend! Es wird keine Kettensäge eingesetzt! Die Visualisierung strapaziert den Magen aufs Gröbste! M A S S E N U N T A U G L I C H ! ! !

Empfehlung:

Ja

Welch passenderen Namen kann ein Horror-Regisseurdebütant haben als Rob Zombie? Eigentlich müsste dieser doch schon Garant dafür sein, dass man im abgedunkelten Kinosaal einen Horrortrip der Sonderklasse vorgesetzt bekommen. Und wenn man zudem noch in seinem eingerosteten Musikwissen herumkramt, wird man sich vermutlich noch daran erinnern, dass besagter Regieneuling bis Mitte der Neunziger das Rock-Business gehörig mit seiner Band White Zombie durchgewühlt hat und einen wegweisenden Aggressiv-Metall, der in keine Schublade passt, auf Vinyl bannte – und heute noch auf erfolgreichen Solopfaden seinen Psychoshow abzieht. Schon die Artgestaltung der Cover und Songbooks, lässt in ihrer Absurdität vorsichtig darauf schließen, dass man Zombies filmisches Werk ebenso nicht in eine Schublade pressen werden kann.

Doch trotz jeglicher Berühmtheit rankten sich um sein Regiedebütwerk schon nach der Fertigstellung im Jahre 2000 große Gerüchte. Der eigentliche Vertreiber Universal weigerte sich „house of 1000 corpses“ [zu deutsch: „Haus der 1000 Leichen“] zu veröffentlichen, stufte selbigen als zu brutal und sadistisch ein, rechnete sich für die verqueren Welten des Regisseurs keine Gewinnchancen aus. Und so sollte es der Film erst mit dreijährigem Verzug auf die amerikanischen Leinwände schaffen. Der kleine Lions Gate Films-Verleih wagte es und ließ die achtundachtzigminütige Terrortour auf die Zuschauer los. Mit beachtlichem Erfolg – 11 Millionen Dollar spülte der Film in die Kassen. Für einen derartigen Nischenfilm ein beachtlicher Erfolg, der sogar schon die (nahezu abgeschlossene) Planung einer Fortsetzung nach sich zog.

Ob sich dieser Erfolg aber auch in Deutschland wiederholen wird, erscheint äußerst fraglich. Einen derartigen Bekanntheitsgrad dürfte wohl der scheinbar frischausgegrabene Oberzombie Rob nicht genießen und wenn man auf die ersten Reaktionen bei verschiedenen Sneak Previews blickt, darf man sich schon jetzt sicher sein: „House of 1000 corpses“ ist ein Film, der die Masse spalten wird, wie eine frischgeschliffene Axt den Schädel...


Der Inhalt – Who will survive?

Das Jahr 1977: Vier Jugendliche reisen am Abend vor Halloween durch das amerikanischen Hinterland und rasten an einer Tankstelle. Ein Ort, der wegweisend für ihr Schicksal werden wird: Sind sie zunächst noch von der tankstellenintegrierten Freakshow „Captain Spaulding´s Museum of Monsters and Madness“ begeistert und lassen sich von dem clownskostümierten Betreiber in die Legenden der psychopathischen Massenmörder einführen, hätten sie spätestens bei den Gerüchten um Doctor Satan, der zufälligerweise in der direkten Umgebung sein Unwesen getrieben haben soll, weghören sollen. Aber man ist schließlich neugierig und lässt sich den Weg zum Baum, an dem Satans Leib letztlich erhängt worden ist, beschreiben.

Eine fatale Entscheidung – die noch dadurch unterstützt wird, dass man auf der Weiterfahrt eine hübsche Anhalterin aufgabelt und sich auf deren „ungewöhnliche“ Wegbeschreibung zum „Satans-Baum“ verlässt. Dem Unwetter und einer „zufälligen“ Reifenpanne sei Dank, dass die vier Jugendlichen letztlich nicht zur makabren „Touristenattraktion“ kommen – sondern in das Familienhaus der Anhalterin. Und selbiges verwandelt sich nach einem Prä-Halloween-Festmahl zu einem wahren Horrorhaus. Denn jeder der Bewohner scheint seine Zurechnungsfähigkeit schon vor Jahren verloren zu haben und so wird das kommende Fest der Geister für die vier Jugendlichen wahrlich zu einem verstörenden Terrortrip, den nicht alle in einem Stück verlassen werden...


Die Inszenierung – And what will be left of them?

Aus visueller Sicht ist „house of 1000 corpses“ eine Meisterleistung, die man nur schwerlich würdigen kann. Denn war schon die Bebilderung von Oliver Stones kontroverser Medien-Satire „natural born killers“ eine Angelegenheit, die dem menschlichen Auge große Schwierigkeiten bereitete, so wurde den verfremdeten Bildern der „natural born killers“ von den Kameraverantwortlichen Alex Poppas und Tom Richmond noch ein Vielfaches an Abgedrehtheit und Ungewohnheit beigemischt. Wild wird hin- und hergeschnitten zwischen Split-Screens, Negativaufnahmen und verfremdeten Bildern. Ruhe wird dem Auge keine gegönnt. Immerzu sorgt der Schnitt für Hektik und die zeitweise Wackelkamera lässt sogar die Jagd nach der „Blair Witch“ zu einer ruhigen Angelegenheit mutieren.

Diese „Kameraspielereien“ sind jedoch nicht der einzige visuelle Hochpunkt – auch die nach den „kranken“ Vorstellungen Rob Zombies entworfene Kulisse ist ein wahrer Augenschmaus der morbiden Art und Weise. Kunstvoll werden Gänge mit Knochenteilen verziert. Die anfängliche Freakshow ist herrlich abgedreht und die Spielwiese der Fireflys (die Psychopathen) ist eine bizarre und teilweise abstoßend-faszinierende Horrorwelt, die wahrlich an Hieronymus Bosch zu erinnern weiß.

Der absurde Charakter des Filmes wird letztlich dadurch unterstützt, dass in den Anfangsminuten Relikte des Schwarz-Weiß-Horrorfilmes in „house of 1000 corpses“ hineingeschnitten werden. Wie beim Zappen durch das TV-Programm werden Fragmente alter Filme neuverwendet. Besonders brillant wird dieser schwarz-weiß Effekt jedoch erst bei der Vorstellung der Serienmörder durch Captain Spaulding abgewandelt. Im Split-Screen-Verfahren werden die Taten von Ed Gein, der scheinbar ein beliebter Eckpfeiler für jegliche Horrorfilme ist, und eben von Doktor Satan wahrlich verstörend, gotisch-atmosphärisch und sogleich berauschend nachgestellt. Eine seltsame Melange, die durch die abgedrehten Erzählungen Captain Spauldings noch verrückter wird.


Betrachtet man hingegen die Geschichte merkt man bereits, dass Multitalent Rob Zombie beim Schreiben seines Drehbuchs gehörig bei anderen Genre-Werken abgeguckt hat. Das Grundgerüst weist frappierende Ähnlichkeiten mit dem „Texas chain saw massacre“ auf, ein Friedhof erinnert an das Wes Craven Frühwerk „Last house on the left“ und einer der Jugendlichen darf in einer „evil dead“-Pose aus dem Erdreich hervorbrechen. Das Rob Zombie jedoch nicht nur vom Splatter-Genre beeinflusst worden ist, beweist letztlich die Namensgebung zahlreicher Charaktere: Äußerst interessant, dass genau diese Namen auch schon von Groucho Marx getragen worden sind...

Aber weg von den zahlreichen Referenzen, zurück zur Inszenierung der platten Geschichte. Denn hier offenbart Zombie teilweise ungeahnte Genialitäten. Schon der Beginn seines Filmes will so rein gar nicht in die Schublade des Splatter-Filmes passen. Alles erscheint überzeugen, wenn ein Clown von zwei Maskierten überfallen wird und sich mit diesen schimpfwort-geprägte Wortduelle liefert. Und diese (pech-)schwarzhumorige Darstellung setzt sich während des gesamten Filmes fort. Ernstnehmen kann man das Treiben nicht – und soll man es wohl auch nicht. Fast fühlt man sich schon an eine blutigere „Scary Movie“-Variante der grotesken Art erinnnert.

Dass unter dieser mangelnden Ernsthaftigkeit die Spannung leidet, kann man zum größten Teil jedoch nicht behaupten. Zwar erscheint der Anfang überwiegend wie ein Terroranschlag auf die Gemüter der „ordentlich denkenden“ Mitmenschen – aber spätestens im Finale wird dieser „terroristische“ Trieb mit einer gehörigen Spannungskurve verknüpft. [SPOILER] Und dass dann zu guter Letzt nochmals die schwarzseherische Seite hervorgekramt wird und die einzige Überlebende nach scheinbar geglückter Flucht doch noch in die Klauen von Doctor Satan gerät, beweist zudem die Unangepasstheit des Filmes. Aber wieso sollte man sich bei der finalen Schlusswendung als „wissender“ Filmliebhaber wundern? Eigentlich wird nur ein weiteres Mal das „Texas chain saw massacre“ zitiert. Und seit diesem Klassiker sollte man doch spätestens wissen, dass Tankstellenwärter immer mit den Psychopathen verwandt oder befreundet sind. [SPOILER-ENDE]

Dass Zombie zudem noch weiß, wie man grandiose Spannungsmomente inszeniert, verhilft dem gemütskranken „house of 1000 corpses“ zu weiteren Pluspunkten. Besonders hervorhebungswürdig wirkt hierbei die Hinrichtung eines Polizisten durch einen der Fireflys: Mit der Pistole am Knopf wartet dieser auf den erlösenden Schuss. Die Kamera zoomt langsam weg. Sekunden vergehen. Die Hinrichtungsszene wird immer kleiner. Totenstille. Und dann der Schuss. Eine Erlösung für den Polizisten –den Betrachter wirft der Schuss aber wieder zurück in die kranken Spiele der Psychopathen.

Einziger Wermutstropfen bei der Gesamtbetrachtung der Geschichte ist letztlich die starke Abhängigkeit von Zufällen. Irgendwie passt jede Einzelheit zusammen. Die Handlungen der Firefly-Familie passen immerzu aufeinander, ergänzen sich perfekt und müssten dabei vor der Ankunft der Jugendlichen im Terrorhaus gänzlich zufällig sein. Sicher, im Horror-Genre sollte man sich nicht auf die Suche nach Logik begeben – aber Tobe Hoopers „Texas chain saw massacre“ hat bereits bewiesen, dass man durchaus ein Storygerüst zusammenflicken kann, das in sich stimmig ist und wenigstens der Genrelogik zu folgen weiß.


Auf Seiten der Schauspieler darf man überraschenderweise einige B-Movie-Glanzlichter erwarten, die den psychopathischen Touch des „Leichenhauses“ unterstützen. Sid Haig als Pseudo-Clown ist herrlich schräg, die mehrfach ausgezeichnete Karen Black (1971 Oscar-nominiert und Golden Globe-honoriert für „Five easy pieces“; vier Jahre später ein weiterer Golden Globe für „The great Gatsby“) ist eine wahre Südstaaten-Mörderin der „älteren“ Generation, ihre Filmtochter Sheri Moon ist eine perfekte tödliche blonde Versuchung und Bill Moseley kann als pervers-gestörter Otis eine zusätzlich verstörende Duftmarke hinterlassen.

Sicher, ihre Figuren sind festgefahren in den üblichen Klischees und erfordern überwiegend nur zahnschwitzend-psychopathische Gesichtsausdrücke – aber gerade diese vier „Hauptdarsteller“ beweisen, dass man auch aus seltendämlichen Rollenvoraussetzungen eine äußerst erfreuliche Leistung hervorbringen kann.

Im Vergleich hierzu fallen die jugendlichen Opfer etwas ab – können nur in wenigen Fällen über den Status eines zerhackbereiten Opfers hinauskommen. Lustigerweise griff man hierbei erneut auf Darsteller zurück die schon etwas betagter sind als ihre eigentlichen filmischen Figuren, aber das sollte nicht wirklich stören. Viel interessanter ist natürlich ihre Fähigkeit überzeugend ein Opfer zu geben – und diese ist zumindest bei Erin Daniels äußerst gut ausgeprägt. Zwar sind ihre Schreie nicht derartig markerschütternd wie die von Jamie Lee Curtis (u.a. „Halloween“) und Marilyn Burns („Texas Chain Saw Massacre“), ihren Zweck erfüllen sie aber dennoch! Die restlichen drei können leider nur als nettes Beiwerk betrachtet werden – Beiwerk, das aber immerhin äußerst gut zum filmischen Verstümmeln geeignet ist.


Fazit - The movie some never wanted you to see.

Wenn man zuvor noch nicht das Erlebnis machen konnte mit zweihundert Sachen gegen eine Betonmauer zu fahren, wird man spätestens nach dem Filmgenuss des „house of 1000 corpses“ wissen, wie in etwa sich solch ein Total-Crash anfühlen muss. Die Bebilderung könnte glatt einem üblen LSD-Trip entsprungen sein – und die gestörten Psychopathen tun noch ihr Übriges dazu, um „house of 1000 corpses“ in die Region eines extravaganten Höllentrips zu rücken. Eine Voraussetzung, die sicherlich einige Genre-Freunde in wahre Begeisterungsstürme versetzt – und zugegeben: Diese Begeisterungsstürme hat Rob Zombies Debütwerk auch zu großen Teilen verdient! Eine Visualisierung, die zeitweise einem üblen Drogentrip gleicht. Eine musikalische Untermalung, die an die „gewöhnlichen“ aggressiv-düsteren Rob Zombie Kompositionen erinnert. Und eine Story, die in Bezug auf die psychopathische Komponente fast das „Texas chain saw massacre“ in den Schatten stellen kann. Was darf ein Genrefreund mehr erwarten?

Aber schon die Vergleiche mit dem Terror-Krösus „Texas chain saw massacre“ sollten eindeutig belegen, dass „house of 1000 corpses“ kein Film für die breite Masse ist. Er ist verstörend, bizarr, pervers, krank und absolut nicht massentauglich. Daher sollten vor dem Betreten des Kinos die genreüblichen Grundvoraussetzungen (starker Magen und starke Nerven) dringend eingehalten werden. Jegliche „normaldenkenden“ Zuschauer werden garantiert nach wenigen Minuten fluchtartig das Kino verlassen...

Wertung: (starke) 8 satanisch-psychopathische Punkte auf meiner 10er-Skala
Internet: http://www.houseof1000corpses.com/


Wer sich nun auf die Suche nach einer gänzlich ungeschnittenen Fassung machen will, wird wohl vor ein großes Problem gestellt. Denn schon in den USA wurde „house of 1000 corpses“ siebzehn Minuten kürzer als ursprünglich gefilmt veröffentlicht. Wie es heißt existieren die „sagenumwobenen“ Szenen irgendwo – den Weg auf die DVD haben sie allerdings nicht gefunden. Überhaupt ist es schwierig die richtige deutsche DVD zu finden. Während die Kaufversion im chicken Digipack von der FSK "keine Jugendfreigabe" erhalten hat [und dafür um eine Minute gekürzt worden ist], prangert auf der ungeschnittenen Verleih-version [ausgestattet mit einer sehr feinen Menüführung] eine "strafrechtlich unbedenklich"-Auszeichnung.
Ob es letztlich noch einmal zu einer Veröffentlichung der legendären Szenen [besonders "making of Fishboy" dürfte interessant sein], ist bisher nicht auszumachen. Zombie dementierte zeitweise, dass diese Szenen überhaupt existieren würden - versprach aber auch sogleich diese Szenen in naher Zukunft nachzudrehen. Was letztenendes also passieren wird? Wir müssen uns wohl oder übel überraschen lassen und können davor bereits die Fortsetzung "the devil's rejects" genießen...

22 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Tom_Araya

    24.01.2005, 09:43 Uhr von Tom_Araya
    Bewertung: sehr hilfreich

    na aber hallo, den muss ich ja sowas von unbedingt sehen ;)

  • klukklukkluk

    22.01.2005, 22:38 Uhr von klukklukkluk
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich habe neulich die uncut DVD von Sunfilm bekommen und kann mich deinem Pro sowie Contra nur anschliessen ;-)