Heartland - Runrig Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von elch33
Gaelics Rock
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
In meinem heutigen Bericht geht es um eine der bekanntesten Bands Schottlands – Runrig. Die Gruppe gibt es mittlerweile schon seit knapp dreißig Jahren – anno 1973 begann ihre Geschichte mit einem Konzert in Glasgower Kelvin Hall.
Die Band:
Ich denke, vielen von Euch wird die Band erst einmal gar nichts sagen, daher will ich sie nun mal etwas vorstellen. Die Brüder Rory (Gitarre, Akkordeon und Baß) und Calum MacDonald ( Percussion und Schlagzeug) bilden sozusagen das Rückgrat der Gruppe. Sie sind für die allermeisten Songs der Band verantwortlich. Sie schreiben die Texte und komponieren die dazugehörige Musik dazu. Das Bemerkenswerte daran ist, das sie sich nicht nur der Englischen, sondern auch der Gälischen Sprache bedienen. Eine Landessprache, die nur noch knapp 60.000 – 80.000 Menschen in Schottland sprechen.
Für Gitarren, Flöte, Midi-Pipes, Dudelsack und ebenfalls Akkorden ist Malcolm Jones verantwortlich. Iain Bayne spielt Schlagzeug, Percussion und ist am Klavier zu finden. Richard Cherns ist für das Keyboard zuständig. Last, but not least, die Singstimme der ersten knapp 25 Runrig Jahre – Donnie Munro. Eine unverwechselbare Stimme, die mir heute zugegebenermaßen doch etwas fehlt. Die Stimme seines Nachfolgers Bruce Guthro ist zwar nicht schlecht, es gibt aber doch ein Unterschied zwischen den beiden. Vielleicht muß ich mich auch erst noch an ihn gewöhnen. „gg“
Der Begriff „Runrig“ stammt übrigens aus dem Mittelalter und bezeichnet eine verbesserte Form des Ackerbaus. Hier wird das Land von mehreren Bauern gemeinsam bestellt und bearbeitet. Das Album erschien bereits im Jahre 1984 und ist eine Stellungnahme zur schottischen Sozialgeschichte. Auf die Band selber, bin ich schon vor vielen Jahren aufmerksam geworden, lange, bevor sich mein Schottlandtick so richtig bemerkbar machte. „g“
Der Radiosender SWR 3 (damals noch SWF 3), brachte die Gruppe, zumindest im Südwesten und Westen unserer Republik groß heraus. Von Köln bis Freiburg, herrschte für lange Zeit fast ein wahres Runrig Fieber. Sobald ein neuer Song für die eigenen Radiocharts vorgestellt wurde, übernahm dieser direkt den Platz an der Sonne. Wenn mich nicht alles täuscht, war es das Lied „Alba“, was über ein Jahr lang an der Spitze der Charts stand!
Es ist wohl diese Mischung aus Folk, Pop und zeitweise auch Rock, die diese Band so einzigartig und erfolgreich machte. Runrig zeigt deutlich, daß man auch mit für Popkonzerte eher untypischen Instrumenten, eine prima Stimmung erzeugen kann. Gleichzeitig legt Runrig auch sehr viel wert auf die Tradition des Landes und des Volkes. Bei vielen Liedern ist dies ganz deutlich zu sehen und vor allem zu hören. Leider blieb es mir bisher erst einmal vergönnt, diese Gruppe live zu sehen. Es ist zwar schon sehr lange her, aber es war ein unvergeßliches Erlebnis. (1994 in Balingen)
Nach dem Ausscheiden von Sänger Donnie Munro wurde es leider auch hierzulande merklich ruhiger um die Band. Die neuen Aufnahmen sind allerdings auch nicht von schlechten Eltern und verdienen sicherlich etwas mehr Zuspruch und Aufmerksamkeit. Mehr Infos zu den Liedern, Texten, Konzertermine und vieles, vieles mehr, findet Ihr unter www.runrig.de - eine sehr gute Fanseite, die offensichtlich reichlich Zuspruch hat.
Das Cover:
Auf der Vorderseite befindet sich ganz oben der Namen des Albums. In roten Lettern auf schwarzem Grund steht dort „Heartland“ – darin integriert in gelber Schrift auf blauem Grund, der Name der Gruppe – also Runrig. Darunter befindet sich tolles schwarzweiß Foto der fast unbewohnten schottischen Landschaft. Im Hintergrund sind einige Lochs und natürlich ein paar Munros (Berge) zu sehen. Zusätzlich ist noch der Kopf eines kleinen Mädchens abgebildet. Es scheint mal wieder sehr stürmisch zu sein, denn das Haar des Mädels ist doch sehr zerzaust. Die drohenden Regenwolken im Hintergrund scheinen auf Schottland typisches Wetter hinzu deuten. „g“
Auf der Rückseite ist ein wesentlich kleinerer Ausschnitt einer anderen schottischen Gegend zu sehen. Zusätzlich ist hier ein Kopf eines Jungen abgebildet. Eingerahmt wird dieses Foto von den einzelnen Songtiteln. Bezahlt habe ich für dieses Album cirka 11 Euro, wahrlich eine lohnende Investition. „g“ Jetzt geht es allerdings ans Eingemachte – die Lieder. Vorab möchte ich mich aber schon mal entschuldigen, ich werde nicht auf jeden einzelnen Text eingehen. Das Problem ist ganz einfach die Sprache – ich kann nämlich kein Gälisch. „g“ Für mich nach wie vor eine Aneinanderreihung von Buchstaben. „g“
O Cho Meallt: 03:04
Mein “Problem” wird direkt beim ersten Song offensichtlich, denn der wird in gälisch gesungen. „g“ Das Lied beginnt ganz langsam, es ist zuerst nur die Stimme von Sänger Donnie Munro zu hören. Nach knapp 25 Sekunden setzt leichtes Gitarrenspiel ein. Weitere 25 Sekunden vergehen, bis das Schlagzeug einsetzt und das Lied langsam zum Leben erwacht. Es folgt ein kleinerer, schnellerer Teil, unterstützt vom stärkeren Einsatz von Gitarren und Keyboard. Zum Schluß wird es dann wieder etwas ruhiger und klingt schon nach knapp drei Minuten aus. Etwas kurz aber trotzdem ok.
This Darkest Winter: 04:29
Dieser Song ist schon wesentlich schneller und popiger als der Vorherige. Schauplatz ist die rauhe Inselwelt von Uist und seine langen Winterabende. Die Sehnsucht nach der verlorengeglaubten Liebe ist sehr deutlich herauszuhören. Das Schlagzeug ist im Hintergrund sehr deutlich, aber nicht zu laut zu hören. Ansonsten geben Gitarren und Keyboard den Ton an. Der Rhythmus geht teilweise schon Richtung Folk, wird aber immer wieder von härteren Tempowechseln die eigentlich in den Bereich Rock gehören, unterbrochen.
Lifeline: 04:09
Schlagzeug und Gitarre stehen am Anfang des Songs. Sie halten sich allerdings doch sehr wohlwollend im Hintergrund – hier steht meist der Gesang im Vordergrund. Im weiteren Verlauf sind allerdings immer wieder härtere Gitarrenriffs und langsamere Schlagzeugsoli zu hören. Sie dienen aber nicht dazu, das Tempo des Liedes zu erhöhen. Meiner Ansicht nach, ein sehr sparsamer und wohlwollender Einsatz der Instrumente. Dieses Lied geht wieder zurück in die Vergangenheit, es ist von Eis in den Adern, von Folter und Prozessen die Rede. „Steel on the mind, cold in the veins, torture and trials, sunrise over the limits – conquest and fire.“
Air A´ Chuan: (on the open seas) 05:09
Hierbei handelt es sich um ein sehr ruhiges, fast getragenes Lied. Nur mit Gitarre – durch vereinzelte Riffs unterstützt – und durch ganz leichten Schlagzeugeinsatz wird die Stimme des Sängers unterstützt. In Schottland ist das offene Meer nicht weit. Egal ob es regnet, die Sonne scheint, stürmt oder schneit, bei jedem Wetter geht es hinaus. Aber es überwiegt trotzdem die Sehnsucht nach der Frau, nach der Geliebten. „The wind is rushing through the wild waves, through the raging seas, and the boarding weather on the open seas.” Irgendwann steht dann das Ende der Menschheit bevor, aber die Musik und die Liebe werden als letztes gehen. „the world will come to an end, an end must come for mankind, but music and love, they’ll last forever – my love.” Im Original wurde dieser Song auf gälisch aufgenommen. Es gibt allerdings eine englische Übersetzung im Booklet. „g“ Gut für mich.
Dance Called America: 04:32
Dieser Song beginnt ganz leise, es hört sich an wie ein Herzschlag. Erst nach knapp zwölf Sekunden sind die ersten Worte zu hören. Es steigert sich weiter und nach cirka 45 Sekunden erwacht das Lied richtig zum Leben. Dieser Song ist mit Sicherheit das bekannteste Lied der Band von diesem Album. Schlagzeug, Gitarre, Keyboard und Geige (?) erzeugen einen sehr flotten Rhythmus und eignet sich natürlich damit auch zu einem flotten Tänzchen. Das Lied ist wieder eine Begegnung mit der Vergangenheit. „ The camouflage that washed your fathers, your sons and daughters time. My love, my island you’ve gone international, with all the praying men of god.”
The Everlasting Gun: 04:26
In diesem Lied wird Donnie zu Beginn lediglich von einer Gitarre begleitet, die sich zudem noch sehr dezent im Hintergrund halt. Erst im weiteren Verlauf kommen das Akkordeon und ganz leichtes Schlagzeug dazu. Dadurch kommt die Stimme des Sängers sehr stark zur Geltung. Es ist sehr trauriger Song, erzählt er doch von jungen Männern, die in die Schlacht ziehen und nie mehr nach Hause kommen werden. „Where a bleak moon leans so weary, forgotten names on faceless graves, your father’s home awaits you.”
Skye: 03:30
Dreimal dürft Ihr raten, um welche Landschaft es in diesem Song geht? Hier ist schon der Titel Programm. Ja, es geht um einen wunderbaren Flecken Erde – die Isle of Skye. Das Lied ist relativ schnell. Akkordeon, Gitarre und Schlagzeug ergeben einen sehr kraftvollen Rhythmus und stehen klar im Vordergrund. Nach cirka 2:15 Minuten gibt es einen kleineren, ziemlich ruhigen Mittelteil, anschließend wird es aber wieder schneller. Im Song geht es auch um die Zeit, die viele Wunden der Natur mit der Zeit verheilen läßt. „The wildness growing free, time wounded and scarred.” “You take your dream and make life what you feel. Appearances lead to deceive this drama so far from me.” Erinnerungen an die alten “Geister“ gibt es dort genauso wie die schwarzen und goldigen Berge. Die drei Worte „take me there“ werden zum Motto des Stückes und drücken meinen Wunsch, wieder einmal dort hin zu fahren, sehr deutlich aus. „g“ Es wird wohl hoffentlich nur noch ein paar Monate dauern. „gg“
Cnoc Na Feille: (the hill at the market stance) 04:39
Ein sehr eigentümlicher Rhythmus, der mich manchmal schon etwas an Buschtrommeln erinnert. Der Sänger Donnie singt etwas vor und der Rest der Band antwortet im Chor gemeinsam. Der Song wird wieder in Gälisch gesungen. Zu meinem Glück, gibt es allerdings wieder eine englische Übersetzung davon. „g“ Aus der werde ich allerdings auch nicht so ganz schlau. Es geht um einen Berg an einem Markstand, dies ist zumindest der englische Titel. „The light on the hill at the market stance, there were those that could see it, others liked to believe they could, those with the second sight, they had no difficulty.”
The Wire: 05:29
Dies ist ein sehr ruhiger Song. Gitarren begleiten ihn, ab und zu setzt das Schlagzeug ein. Während dem Refrain „transmitting, transmitting breaking down the wire“ hebt das Lied immer etwas an. Danach wird es allerdings wieder ruhiger. Der ideale Song um die Feuerzeuge zum Einsatz zu bringen. Hört sich live absolut genial an. Dieser Song beschäftigt sich ebenfalls zum Teil mit der Vergangenheit. Die Eiszeit und die Pikten, um die geht es am Anfang. Später wird aber auch darum gekämpft, die keltische Kultur nicht ganz aussterben zu lassen. „As we look out over the morning, an d the days of this life’s spring, and the joy of Gaelic’s lifeblood, made me sing.”
An Ataireachd Ard: (the high surge) 04:29
Bei diesem Song wird Sänger Donnie zu Beginn nur von einer akustischen Gitarre begleitet. Erst später setzen dann leichtes Schlagzeug und etwas mehr Gitarrenunterstützung ein. Zum Schluß gibt es noch ein sehr schönes Gitarrensolo. Auch dieses Lied wird wieder in gälischer Sprache gesungen. Erinnerungen an die Kindheit werden wach, an die Brandung des nahen und doch weiten Meeres.
The Ferry: 04:12
Dieses Lied gehört wieder zu den etwas schnelleren des Albums. Hierbei kommt zusätzlich zu den „normalen“ Instrumenten auch eine Mandoline und wieder das Akkordeon zum Einsatz. Der Rhythmus läßt sich allerdings etwas schwerer beschreiben, denn hier treibt im Gegensatz zu sonst eher die Gitarre, als das Schlagzeug. Dies hält sich diesmal etwas mehr im Hintergrund. Der Text ist diesmal eher kurz, es geht um einen Kapitän und sein Schiff.
Tuireadh Iain Ruaidh: 02:42
Mit einem sehr ruhigen Instrumentalsong klingt das Album aus. In der ersten Minute ist nur leichtes Gitarrenspiel zu hören. Dann steigert es sich so langsam und weitere dreißig Sekunden später, setzt noch stärkeres Gitarrenspiel und leichtes Schlagzeug ein.
Fazit:
Was soll ich lange darum herum reden? Ich habe vor über zehn Jahren zum ersten Male was von dieser Band gehört. Seit dem habe ich sie schon ein wenig in mein Herz geschlossen. „g“ Sie sind eben keine typische mainstream Rock, Pop oder Folkband, sondern eine gesunde Mischung aus allem. Mir gefällt auch die Art und Weise, wie sie die sogenannten „Traditionals“ in ihre Musik mit einbinden. Da mittlerweile auch in Schottland die gälische Sprache wieder gefördert wird, ist deren Verwendung natürlich sehr willkommen. In einer Zeit, in der leider auch hierzulande immer weniger Dialekt gesprochen wird, finde ich dies sehr gut und wichtig. Es ist eben keine Musik „von der Stange“, bzw. aus dem Computer und daher eine willkommene Abwechslung zu heute. Runrig beweisen immer wieder, daß nicht nur mit Gitarre, Schlagzeug und Keyboard Musik gemacht werden kann. Instrumente wie Dudelsack, Akkordeon, Mandoline, Geige und viele andere mehr werden ebenfalls eingesetzt.
Normalerweise schreibe ich nicht so viel über die Band selber, denn ihre Musik sollte eigentlich im Vordergrund stehen. In diesem Falle mache ich aber mal bewußt eine Ausnahme und werde in den folgenden Berichten jeweils auf den Werdegang der Gruppe hier zurückverweisen. Obwohl die Gruppe schon seit einigen Jahren zusammen spielt, ist sie hier in Deutschland noch ziemlich unbekannt. Oder etwa nicht? Sie kommen zwar eigentlich jedes Jahr nach Deutschland und haben auch hier ein sehr interessiertes Publikum gefunden, aber mal ehrlich – wer von Euch kennt diese Band? Im Jahre 1987 habe sie sogar ein Konzert in Ostberlin gegeben!
Mir gefällt diese Art von Musik sehr gut und es wird Euch wohl nicht überraschen, wenn ich Euch sage, daß bei Konzerten von Runrig kaum jemand die Füße still halten kann. Es wird gehüpft und getanzt – die Lebensfreude der Schotten ist ganz deutlich zu spüren. Die Zuhörer gehen meist durch alle Altersschichten – Runrig macht keine Musik für eine bestimmte Zielgruppe, sondern für jung und alt. Wie bei viele anderen Bands auch, kommt man bei Runrig vor allem bei Live Auftritten voll auf seine Kosten. Die Studioarbeit – alles gut und schön, live ist doch alles ganz anders. So ist es kein Wunder, daß die Band vorzugsweise Live Albums aufnimmt und veröffentlicht.
In der Vergangenheit sind sie hier in Deutschland oft zusammen mit der Darmstädter Gruppe „Paddy goes to Holyhead“ aufgetreten. Eine vom Musikstil sehr ähnliche Band, die leider nach ihrer Trennung von Sänger Harald Schmidt, auch etwas in der Versenkung verschwunden zu sein scheint. Es gibt sie zwar noch, aber es ist doch merklich ruhiger um sie geworden.
Dieses Album ist natürlich sehr empfehlenswert und bekommt natürlich auch die volle Anzahl von Punkten. Ich hoffe, ich habe Euch mit meinem Bericht einen kleinen Einblick in die schottische Musiklandschaft geben können.
Die Band:
Ich denke, vielen von Euch wird die Band erst einmal gar nichts sagen, daher will ich sie nun mal etwas vorstellen. Die Brüder Rory (Gitarre, Akkordeon und Baß) und Calum MacDonald ( Percussion und Schlagzeug) bilden sozusagen das Rückgrat der Gruppe. Sie sind für die allermeisten Songs der Band verantwortlich. Sie schreiben die Texte und komponieren die dazugehörige Musik dazu. Das Bemerkenswerte daran ist, das sie sich nicht nur der Englischen, sondern auch der Gälischen Sprache bedienen. Eine Landessprache, die nur noch knapp 60.000 – 80.000 Menschen in Schottland sprechen.
Für Gitarren, Flöte, Midi-Pipes, Dudelsack und ebenfalls Akkorden ist Malcolm Jones verantwortlich. Iain Bayne spielt Schlagzeug, Percussion und ist am Klavier zu finden. Richard Cherns ist für das Keyboard zuständig. Last, but not least, die Singstimme der ersten knapp 25 Runrig Jahre – Donnie Munro. Eine unverwechselbare Stimme, die mir heute zugegebenermaßen doch etwas fehlt. Die Stimme seines Nachfolgers Bruce Guthro ist zwar nicht schlecht, es gibt aber doch ein Unterschied zwischen den beiden. Vielleicht muß ich mich auch erst noch an ihn gewöhnen. „gg“
Der Begriff „Runrig“ stammt übrigens aus dem Mittelalter und bezeichnet eine verbesserte Form des Ackerbaus. Hier wird das Land von mehreren Bauern gemeinsam bestellt und bearbeitet. Das Album erschien bereits im Jahre 1984 und ist eine Stellungnahme zur schottischen Sozialgeschichte. Auf die Band selber, bin ich schon vor vielen Jahren aufmerksam geworden, lange, bevor sich mein Schottlandtick so richtig bemerkbar machte. „g“
Der Radiosender SWR 3 (damals noch SWF 3), brachte die Gruppe, zumindest im Südwesten und Westen unserer Republik groß heraus. Von Köln bis Freiburg, herrschte für lange Zeit fast ein wahres Runrig Fieber. Sobald ein neuer Song für die eigenen Radiocharts vorgestellt wurde, übernahm dieser direkt den Platz an der Sonne. Wenn mich nicht alles täuscht, war es das Lied „Alba“, was über ein Jahr lang an der Spitze der Charts stand!
Es ist wohl diese Mischung aus Folk, Pop und zeitweise auch Rock, die diese Band so einzigartig und erfolgreich machte. Runrig zeigt deutlich, daß man auch mit für Popkonzerte eher untypischen Instrumenten, eine prima Stimmung erzeugen kann. Gleichzeitig legt Runrig auch sehr viel wert auf die Tradition des Landes und des Volkes. Bei vielen Liedern ist dies ganz deutlich zu sehen und vor allem zu hören. Leider blieb es mir bisher erst einmal vergönnt, diese Gruppe live zu sehen. Es ist zwar schon sehr lange her, aber es war ein unvergeßliches Erlebnis. (1994 in Balingen)
Nach dem Ausscheiden von Sänger Donnie Munro wurde es leider auch hierzulande merklich ruhiger um die Band. Die neuen Aufnahmen sind allerdings auch nicht von schlechten Eltern und verdienen sicherlich etwas mehr Zuspruch und Aufmerksamkeit. Mehr Infos zu den Liedern, Texten, Konzertermine und vieles, vieles mehr, findet Ihr unter www.runrig.de - eine sehr gute Fanseite, die offensichtlich reichlich Zuspruch hat.
Das Cover:
Auf der Vorderseite befindet sich ganz oben der Namen des Albums. In roten Lettern auf schwarzem Grund steht dort „Heartland“ – darin integriert in gelber Schrift auf blauem Grund, der Name der Gruppe – also Runrig. Darunter befindet sich tolles schwarzweiß Foto der fast unbewohnten schottischen Landschaft. Im Hintergrund sind einige Lochs und natürlich ein paar Munros (Berge) zu sehen. Zusätzlich ist noch der Kopf eines kleinen Mädchens abgebildet. Es scheint mal wieder sehr stürmisch zu sein, denn das Haar des Mädels ist doch sehr zerzaust. Die drohenden Regenwolken im Hintergrund scheinen auf Schottland typisches Wetter hinzu deuten. „g“
Auf der Rückseite ist ein wesentlich kleinerer Ausschnitt einer anderen schottischen Gegend zu sehen. Zusätzlich ist hier ein Kopf eines Jungen abgebildet. Eingerahmt wird dieses Foto von den einzelnen Songtiteln. Bezahlt habe ich für dieses Album cirka 11 Euro, wahrlich eine lohnende Investition. „g“ Jetzt geht es allerdings ans Eingemachte – die Lieder. Vorab möchte ich mich aber schon mal entschuldigen, ich werde nicht auf jeden einzelnen Text eingehen. Das Problem ist ganz einfach die Sprache – ich kann nämlich kein Gälisch. „g“ Für mich nach wie vor eine Aneinanderreihung von Buchstaben. „g“
O Cho Meallt: 03:04
Mein “Problem” wird direkt beim ersten Song offensichtlich, denn der wird in gälisch gesungen. „g“ Das Lied beginnt ganz langsam, es ist zuerst nur die Stimme von Sänger Donnie Munro zu hören. Nach knapp 25 Sekunden setzt leichtes Gitarrenspiel ein. Weitere 25 Sekunden vergehen, bis das Schlagzeug einsetzt und das Lied langsam zum Leben erwacht. Es folgt ein kleinerer, schnellerer Teil, unterstützt vom stärkeren Einsatz von Gitarren und Keyboard. Zum Schluß wird es dann wieder etwas ruhiger und klingt schon nach knapp drei Minuten aus. Etwas kurz aber trotzdem ok.
This Darkest Winter: 04:29
Dieser Song ist schon wesentlich schneller und popiger als der Vorherige. Schauplatz ist die rauhe Inselwelt von Uist und seine langen Winterabende. Die Sehnsucht nach der verlorengeglaubten Liebe ist sehr deutlich herauszuhören. Das Schlagzeug ist im Hintergrund sehr deutlich, aber nicht zu laut zu hören. Ansonsten geben Gitarren und Keyboard den Ton an. Der Rhythmus geht teilweise schon Richtung Folk, wird aber immer wieder von härteren Tempowechseln die eigentlich in den Bereich Rock gehören, unterbrochen.
Lifeline: 04:09
Schlagzeug und Gitarre stehen am Anfang des Songs. Sie halten sich allerdings doch sehr wohlwollend im Hintergrund – hier steht meist der Gesang im Vordergrund. Im weiteren Verlauf sind allerdings immer wieder härtere Gitarrenriffs und langsamere Schlagzeugsoli zu hören. Sie dienen aber nicht dazu, das Tempo des Liedes zu erhöhen. Meiner Ansicht nach, ein sehr sparsamer und wohlwollender Einsatz der Instrumente. Dieses Lied geht wieder zurück in die Vergangenheit, es ist von Eis in den Adern, von Folter und Prozessen die Rede. „Steel on the mind, cold in the veins, torture and trials, sunrise over the limits – conquest and fire.“
Air A´ Chuan: (on the open seas) 05:09
Hierbei handelt es sich um ein sehr ruhiges, fast getragenes Lied. Nur mit Gitarre – durch vereinzelte Riffs unterstützt – und durch ganz leichten Schlagzeugeinsatz wird die Stimme des Sängers unterstützt. In Schottland ist das offene Meer nicht weit. Egal ob es regnet, die Sonne scheint, stürmt oder schneit, bei jedem Wetter geht es hinaus. Aber es überwiegt trotzdem die Sehnsucht nach der Frau, nach der Geliebten. „The wind is rushing through the wild waves, through the raging seas, and the boarding weather on the open seas.” Irgendwann steht dann das Ende der Menschheit bevor, aber die Musik und die Liebe werden als letztes gehen. „the world will come to an end, an end must come for mankind, but music and love, they’ll last forever – my love.” Im Original wurde dieser Song auf gälisch aufgenommen. Es gibt allerdings eine englische Übersetzung im Booklet. „g“ Gut für mich.
Dance Called America: 04:32
Dieser Song beginnt ganz leise, es hört sich an wie ein Herzschlag. Erst nach knapp zwölf Sekunden sind die ersten Worte zu hören. Es steigert sich weiter und nach cirka 45 Sekunden erwacht das Lied richtig zum Leben. Dieser Song ist mit Sicherheit das bekannteste Lied der Band von diesem Album. Schlagzeug, Gitarre, Keyboard und Geige (?) erzeugen einen sehr flotten Rhythmus und eignet sich natürlich damit auch zu einem flotten Tänzchen. Das Lied ist wieder eine Begegnung mit der Vergangenheit. „ The camouflage that washed your fathers, your sons and daughters time. My love, my island you’ve gone international, with all the praying men of god.”
The Everlasting Gun: 04:26
In diesem Lied wird Donnie zu Beginn lediglich von einer Gitarre begleitet, die sich zudem noch sehr dezent im Hintergrund halt. Erst im weiteren Verlauf kommen das Akkordeon und ganz leichtes Schlagzeug dazu. Dadurch kommt die Stimme des Sängers sehr stark zur Geltung. Es ist sehr trauriger Song, erzählt er doch von jungen Männern, die in die Schlacht ziehen und nie mehr nach Hause kommen werden. „Where a bleak moon leans so weary, forgotten names on faceless graves, your father’s home awaits you.”
Skye: 03:30
Dreimal dürft Ihr raten, um welche Landschaft es in diesem Song geht? Hier ist schon der Titel Programm. Ja, es geht um einen wunderbaren Flecken Erde – die Isle of Skye. Das Lied ist relativ schnell. Akkordeon, Gitarre und Schlagzeug ergeben einen sehr kraftvollen Rhythmus und stehen klar im Vordergrund. Nach cirka 2:15 Minuten gibt es einen kleineren, ziemlich ruhigen Mittelteil, anschließend wird es aber wieder schneller. Im Song geht es auch um die Zeit, die viele Wunden der Natur mit der Zeit verheilen läßt. „The wildness growing free, time wounded and scarred.” “You take your dream and make life what you feel. Appearances lead to deceive this drama so far from me.” Erinnerungen an die alten “Geister“ gibt es dort genauso wie die schwarzen und goldigen Berge. Die drei Worte „take me there“ werden zum Motto des Stückes und drücken meinen Wunsch, wieder einmal dort hin zu fahren, sehr deutlich aus. „g“ Es wird wohl hoffentlich nur noch ein paar Monate dauern. „gg“
Cnoc Na Feille: (the hill at the market stance) 04:39
Ein sehr eigentümlicher Rhythmus, der mich manchmal schon etwas an Buschtrommeln erinnert. Der Sänger Donnie singt etwas vor und der Rest der Band antwortet im Chor gemeinsam. Der Song wird wieder in Gälisch gesungen. Zu meinem Glück, gibt es allerdings wieder eine englische Übersetzung davon. „g“ Aus der werde ich allerdings auch nicht so ganz schlau. Es geht um einen Berg an einem Markstand, dies ist zumindest der englische Titel. „The light on the hill at the market stance, there were those that could see it, others liked to believe they could, those with the second sight, they had no difficulty.”
The Wire: 05:29
Dies ist ein sehr ruhiger Song. Gitarren begleiten ihn, ab und zu setzt das Schlagzeug ein. Während dem Refrain „transmitting, transmitting breaking down the wire“ hebt das Lied immer etwas an. Danach wird es allerdings wieder ruhiger. Der ideale Song um die Feuerzeuge zum Einsatz zu bringen. Hört sich live absolut genial an. Dieser Song beschäftigt sich ebenfalls zum Teil mit der Vergangenheit. Die Eiszeit und die Pikten, um die geht es am Anfang. Später wird aber auch darum gekämpft, die keltische Kultur nicht ganz aussterben zu lassen. „As we look out over the morning, an d the days of this life’s spring, and the joy of Gaelic’s lifeblood, made me sing.”
An Ataireachd Ard: (the high surge) 04:29
Bei diesem Song wird Sänger Donnie zu Beginn nur von einer akustischen Gitarre begleitet. Erst später setzen dann leichtes Schlagzeug und etwas mehr Gitarrenunterstützung ein. Zum Schluß gibt es noch ein sehr schönes Gitarrensolo. Auch dieses Lied wird wieder in gälischer Sprache gesungen. Erinnerungen an die Kindheit werden wach, an die Brandung des nahen und doch weiten Meeres.
The Ferry: 04:12
Dieses Lied gehört wieder zu den etwas schnelleren des Albums. Hierbei kommt zusätzlich zu den „normalen“ Instrumenten auch eine Mandoline und wieder das Akkordeon zum Einsatz. Der Rhythmus läßt sich allerdings etwas schwerer beschreiben, denn hier treibt im Gegensatz zu sonst eher die Gitarre, als das Schlagzeug. Dies hält sich diesmal etwas mehr im Hintergrund. Der Text ist diesmal eher kurz, es geht um einen Kapitän und sein Schiff.
Tuireadh Iain Ruaidh: 02:42
Mit einem sehr ruhigen Instrumentalsong klingt das Album aus. In der ersten Minute ist nur leichtes Gitarrenspiel zu hören. Dann steigert es sich so langsam und weitere dreißig Sekunden später, setzt noch stärkeres Gitarrenspiel und leichtes Schlagzeug ein.
Fazit:
Was soll ich lange darum herum reden? Ich habe vor über zehn Jahren zum ersten Male was von dieser Band gehört. Seit dem habe ich sie schon ein wenig in mein Herz geschlossen. „g“ Sie sind eben keine typische mainstream Rock, Pop oder Folkband, sondern eine gesunde Mischung aus allem. Mir gefällt auch die Art und Weise, wie sie die sogenannten „Traditionals“ in ihre Musik mit einbinden. Da mittlerweile auch in Schottland die gälische Sprache wieder gefördert wird, ist deren Verwendung natürlich sehr willkommen. In einer Zeit, in der leider auch hierzulande immer weniger Dialekt gesprochen wird, finde ich dies sehr gut und wichtig. Es ist eben keine Musik „von der Stange“, bzw. aus dem Computer und daher eine willkommene Abwechslung zu heute. Runrig beweisen immer wieder, daß nicht nur mit Gitarre, Schlagzeug und Keyboard Musik gemacht werden kann. Instrumente wie Dudelsack, Akkordeon, Mandoline, Geige und viele andere mehr werden ebenfalls eingesetzt.
Normalerweise schreibe ich nicht so viel über die Band selber, denn ihre Musik sollte eigentlich im Vordergrund stehen. In diesem Falle mache ich aber mal bewußt eine Ausnahme und werde in den folgenden Berichten jeweils auf den Werdegang der Gruppe hier zurückverweisen. Obwohl die Gruppe schon seit einigen Jahren zusammen spielt, ist sie hier in Deutschland noch ziemlich unbekannt. Oder etwa nicht? Sie kommen zwar eigentlich jedes Jahr nach Deutschland und haben auch hier ein sehr interessiertes Publikum gefunden, aber mal ehrlich – wer von Euch kennt diese Band? Im Jahre 1987 habe sie sogar ein Konzert in Ostberlin gegeben!
Mir gefällt diese Art von Musik sehr gut und es wird Euch wohl nicht überraschen, wenn ich Euch sage, daß bei Konzerten von Runrig kaum jemand die Füße still halten kann. Es wird gehüpft und getanzt – die Lebensfreude der Schotten ist ganz deutlich zu spüren. Die Zuhörer gehen meist durch alle Altersschichten – Runrig macht keine Musik für eine bestimmte Zielgruppe, sondern für jung und alt. Wie bei viele anderen Bands auch, kommt man bei Runrig vor allem bei Live Auftritten voll auf seine Kosten. Die Studioarbeit – alles gut und schön, live ist doch alles ganz anders. So ist es kein Wunder, daß die Band vorzugsweise Live Albums aufnimmt und veröffentlicht.
In der Vergangenheit sind sie hier in Deutschland oft zusammen mit der Darmstädter Gruppe „Paddy goes to Holyhead“ aufgetreten. Eine vom Musikstil sehr ähnliche Band, die leider nach ihrer Trennung von Sänger Harald Schmidt, auch etwas in der Versenkung verschwunden zu sein scheint. Es gibt sie zwar noch, aber es ist doch merklich ruhiger um sie geworden.
Dieses Album ist natürlich sehr empfehlenswert und bekommt natürlich auch die volle Anzahl von Punkten. Ich hoffe, ich habe Euch mit meinem Bericht einen kleinen Einblick in die schottische Musiklandschaft geben können.
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