Ritus (Taschenbuch) / Markus Heitz Testbericht

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ab 10,09
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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  anspruchslos
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  ausschmückend

Erfahrungsbericht von ISchoenherr

Bestie von Gévaudan

Pro:

ungeheuer spannend

Kontra:

die parallele Erzählweise verursacht Probleme

Empfehlung:

Ja

EINFÜHRUNG
Schon lange interessiert mich die Bestie von Gévaudan, die im Jahre 1764 die französische Gegend unsicher machte und Kinder, Frauen und Männer bestialisch tötete. Bis heute ist nicht bekannt, was wirklich hinter den Morden steckte. Es gibt unzählige Theorien, von der nicht eine eindeutig bewiesen werden konnte. Deswegen interessierte ich mich auch für dieses Buch als ich zufällig im Katalog die Inhaltsangabe las und bestellte es.

INHALT
Wie bereits erwähnt, spielt das Buch in Gévaudan oder vielmehr nimmt die Geschichte da ihren Anfang, denn das Buch fährt gewissermaßen zwei Handlungen parallel ab. Wobei die Vergangenheitslinie den Hintergrund für die Gegenwartslinie darstellt.

In der Vergangenheit stehen Jean Chastel, sowie seine Söhne Antoine und Pierre im Mittelpunkt der Geschehnisse. Sie sind Wildhüter auf der Jagd nach der Bestie die sich schon relativ früh als Werwolf entpuppt. Das Geschöpf hat Jeans Söhne verletzt und beide verhalten sich seitdem seltsam, wobei zumindest Antoine auch vorher schon sonderbare Gelüste nach blutjungen Mädchen hatte und mit seinen gefährlichen Hunden im Wald haust. Ihn stören all die Toten nicht, auch wenn er wohl mehr aus Gewohnheit seinen Vater auf der Jagd begleitet. Pierre hingegen beunruhigt das Fieber das ihn regelmäßig überkommt und die Blackouts unter denen er leidet. Ihr Vater steckt in der Zwickmühle zum einen vermutet er, dass sie infiziert sind, zum anderen will er dringend ein Heilmittel für den Fall das sie es sind. Doch dazu braucht er das Blut der Kreatur, die offenbar weiblich ist. Immer besessener wird er von der Jagd, mit einem Auge auf den Söhnen und mit den anderen folgt er der Blutspur und muss zugleich fürchten, dass die zahlreichen anderen Jäger, die von der enormen Belohnung, die der König ausgesetzt hat, angelockt wurden, ihm zuvor kommen und das Blut des Wesens vergießen bevor er das Heilmittel hat. Das Verhalten der drei fällt allmählich auf und erste Verdächtigungen richten sich gegen sie. Und was weiß die Äbtissin des Klosters über die Bestie? Denn auch sie kreuzt immer wieder den Weg der Chastels und scheint ihre eigenen Nachforschungen zu betreiben. Mitten in dieses Chaos kommen auch noch Geheimermittler des Vatikans die ihr eigenes Spiel treiben.

Die Gegenwartshandlung dreht sich um Eric Kastell, einen Künstler, der sich aber hauptsächlich mit der weltweiten Jagd auf Werwesen beschäftigt. Eine Familientradition, wobei sein Hauptziel eine ganz bestimmte Kreatur ist. Als er ihre Spur endlich findet, bricht er zugleich auf und trifft dabei auf die Wolfsforscherin Lena, die zufällig einer Gruppe in die Quere gekommen ist, welche offenbar Werwesen verehrt und beschützt. Und diese Gruppierung ist nicht die einzige, die sich für diese Bestien interessiert. Dazu kommt noch seine Halbschwester Justine, die plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht ist und einen nicht unerheblichen Teil des Erbes des gemeinsamen Vaters möchte.

CHARAKTERE
Die Charaktere sind sehr detailliert und glaubhaft geschildert. Man fühlt und fiebert mit ihnen bzw. entwickelt man eine starke Abneigung gegen sie. Sehr schön war die Beziehung die sich zwischen Pierre und Florence entwickelt, geschildert. Auch die zarten Bande zwischen Jean und der Äbtissin selbst. Gestört haben mich allerdings die vielen Sexszenen, die für einen Horrorroman einfach zu viel waren und vom sich vom üblichen Schreibstil des Autors durch ihre primitive Schilderung unterschieden. Vor allem auf den Charakter Eric wirkte sich das negativ aus, bei dem es wohl passend ist, zu schildern, dass er alles bespringt was nicht bei 3 auf den Bäumen ist - alles in allem ein unsympathischer Held.

Auch einige der Nebencharaktere waren sehr gut dargestellt. Besonders erwähnenswert Malesky, ein Jäger aus Moldawien, der genau weiß was hinter den Morden steckt. Der Junge Jacques, dessen Schwester von der Bestie angefallen worden war und nun begierig ist sie zu töten. Das Mündel der Äbtissin Florence mit ihrer Liebenswürdigkeit und in ihrer Unschuld. Und die kleine Marie Denty, der Jean immer Tiere schnitzt und sie wie eine Tochter betrachtet.

EINDRUCK
Also erst einmal muss ich loswerden, dass Ritus ungemein spannend und fesselnd geschrieben ist. Man wagt es kaum das Buch aus der Hand zu legen. Wobei mich aber mehr die Vergangenheitslinie in den Bann geschlagen hat. Hier wurden viele der historischen Persönlichkeiten, die an der Jagd beteiligt gewesen sein sollen aufgegriffen, ebenso die zahlreichen Opfer der Bestie. Alles schön verpackt in eine überzeugende Rahmenhandlung und den besonderen von Misstrauen und Furcht geprägten Flair der damaligen Lebensumstände.

Die Gegenwartshandlung verwirrt allerdings durch die plötzlich auftauchenden Gruppen, die alle durcheinander purzeln und bei denen man kaum mitbekommt, was nun eigentlich deren Ziele oder Absichten sind. Wobei diese möglicherweise ebenfalls auf die Ereignisse in Gévaudan zurückgehen, ohne das einen das wirklich weiterhilft, da bestimmte Entwicklungsstränge der Vergangenheit im Dunkeln blieben. Auch bei Eric weiß man nicht so genau, ob er nun selbst den Werwolffluch in sich trägt oder nicht. Zumindest gibt es Hinweise darauf, denn er scheint sehr ausgeprägte Sinneswahrnehmungen zu haben und kann eine Menge einstecken. Allerdings würde eine Infektion nicht zu der geschilderten Auflösung der Vorgeschichte der Familie passen und man fragt sich auch wie die Familienlinie fortgeführt werden konnte, bei dem Ende, welches die Vergangenheitsebene nimmt - wobei ich hier aber nichts weiter verraten will.

Auf jeden Fall sind hier die beiden Handlungen nicht ganz eindeutig miteinander verknüpft, da fehlt irgendetwas und man ist als Leser gezwungen sich selbst etwas zusammenzureimen. Normalerweise finde ich eine Anregung zum Mitdenken des Lesenden ja sehr schön, aber hier findet es an Stellen statt, wo es unangebracht ist, weil wichtige Informationen für das Verständnis des zweiten Handlungsstranges fehlen oder nur in Andeutungen vorhanden sind.

Ebenso ratlos, wie die logische Lücke, die zwischen den beiden zeitlich unterschiedlichen Handlungssträngen klafft, lässt mich das offene Ende sämtlicher Handlungsstränge. Als ob der Autor völlig willkürlich gedacht hätte, so hier ist erst einmal Schluss - der Rest in der Fortsetzung.

Seltsam fand ich auch den Titel "Ritus". Welcher ist da gemeint? Irgendein Ritus der eine wesentliche Rolle gespielt hätte, kam gar nicht vor. Sicher da ist die eine Gruppe, die Werwesen verehrt und in irgendeiner Zeremonie versucht selbst zu einer solchen göttlichen Kreatur zu werden, aber dies wird nur kurz erwähnt, viel zu kurz um Grund für den Titel zu sein. Und sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart taucht mehrfach eine Substanz mit merkwürdiger Wirkung auf, wenn man daran leckt - aber auch hier gibt es im ganzen Buch keine richtige Erklärung was es nun damit auf sich hat, allenfalls Andeutungen, das es vielleicht ein Heilmittel gegen Werwölfe ist. Dazu kommt noch das Zeug das Eric zu sich nimmt - was soll das nun wieder sein - ein Heilmittel, eine Droge oder was? Also auch hier muss ich sagen ich bin ratlos was es damit auf sich hat. Viel zu viele Andeutungen und Hinweise bleiben als lose Handlungsstränge unverknüpft.

Das sind insgesamt gesehen sehr viele widersprüchliche Eindrücke die in mir einen Zwiespalt hinterlassen für den Gesamteindruck. Unheimlich gekonnt aufgebaute Spannung stehen im Gegensatz zu den vielen unverknüpften Handlungssträngen, von denen ich hoffe das sich alles in dem Buch "Sanctum" klärt, der offenbar eine Fortsetzung von "Ritus" ist. Wobei es sich vielleicht als besser erwiesen hätte die Aufteilung zwischen Vergangenheit und Gegenwart anders vorzunehmen, denn so parallel wie sie jetzt ist mit dem ständigen Hin- und Herspringen zwischen den Zeiten, würde sie meines Erachtens nur für einen einbändigen Roman gehen in dem das dann auch alles aufgelöst wird. Dann bliebe man als Leser auch nicht völlig unbefriedigt mit dem ersten Buch zurück, der zumindest in meiner Ausgabe nicht einmal als Fortsetzungsroman gekennzeichnet ist. Trotzdem hat mir das Buch sehr gefallen und den zweiten Band werde ich mir demnächst zulegen.

LESEPROBE
Brutale Stürme peitschten die Flocken mit solcher Wucht umher, dass es wehtat, wenn sie ins Gesicht trafen. Die Bewohner der Region wurden in den Schutz ihrer Häuser getrieben. Die robusten Gebäude aus grauen Granitsteinen ertrugen die schwere Last und gewährten Schutz in doppeltem Sinne. Denn auch ohne Schnee hätte sich kaum einer weit aus dem Dorf gewagt. Der Tod ging um. Er schlich auf vier Pfoten durch das Gévaudan, nahm sich auf bestialische Weise Frauen und Kinder. Niemand hatte ihm bislang Einhalt bieten können. Nur die Gemeinschaft vieler oder eine stabile Tür hielten ihn auf.
Jean Chastel saß in der Nähe der Tür des kleinen Gasthofs. Vor ihm stand eine Holzschüssel mit heißer Suppe, die so dünn war, dass er an den zähen Hammelstücken vorbei auf den Grund des Gefäßes schauen konnte. Dazu trank er einen heißen Gewürzwein, um sich die Kühle aus dem Leib zu treiben, die ihm nach einem Marsch von vier stunden in den Knochen steckte. Seinen dicken Kutschermantel, den schal und den Dreispitz hatte er neben die Feuerstelle gehängt, damit sie trockneten.

AUTOR
Markus Heitz wurde 1971 geboren und lebt in Zweibrücken. Wichtige Werke waren bislang "Die Zwerge", "Der Krieg der Zwerge", "Die Rache der Zwerge" und der "Ulldart-Zyklus".

ALLGEMEIN
Meine gebundene Clubausgabe ist vom Format her dem einer normalen Hardcoverausgabe entsprechend. Das Papier ist sehr robust, allerdings mit einem leicht gelblichen Stich ausgestattet. Die Druckqualität ist sauber und deutlich. Es gab am Anfang einen Grammatikfehler im Text, ansonsten ist mir nichts aufgefallen. Die Bindung ist sauber und hält.

Am Ende des Buches befindet sich eine Karte mit eingezeichneten Angriffspunkten der Bestie von Gévaudan. Sehr interessant. Weiteres Bildmaterial findet sich nicht.

Das Cover zeigt die Schemen von Ästen im düsteren schein des Mondes. Wirkt sehr geheimnisvoll und passt zum Inhalt des Buches.

Preis: 14,95 €
Seiten: 520
derclub.de

30 Bewertungen, 9 Kommentare

  • sandieheinrich

    16.07.2008, 21:51 Uhr von sandieheinrich
    Bewertung: sehr hilfreich

    Grüßle

  • Clarinetta2

    21.02.2007, 20:13 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    ein dickes plus dazu.

  • bigmama

    01.09.2006, 00:43 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg Anett

  • Django006

    17.07.2006, 17:10 Uhr von Django006
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & *lg* Alan :>))))

  • SuicideToday

    17.07.2006, 15:57 Uhr von SuicideToday
    Bewertung: sehr hilfreich

    ~*~sehr hilfreich~*~man liest sich~*~

  • Sommergirl

    17.07.2006, 13:46 Uhr von Sommergirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    dann müsste Dir eigentlich der Film Pakt der Wölfe sehr gefallen, dann dieser handelt von dieser Bestie, kannst ja mal meinen Bericht dazu lesen

  • Tweety30

    17.07.2006, 13:02 Uhr von Tweety30
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße, Tweety30!

  • morla

    17.07.2006, 12:52 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • panico

    17.07.2006, 12:37 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg panico :-)