Ausgeliebt (Taschenbuch) / Dora Heldt Testbericht

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ab 6,87
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Summe aller Bewertungen
  • Handlung:  sehr spannend
  • Niveau:  sehr anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  sehr hoch
  • Spannung:  sehr hoch
  • Humor:  durchschnittlich
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von LilithIbi

Weil ich es musste, nie, weil ich es wollte.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Da sich das Jahr dem Ende zuneigt, kam ich nicht länger drumrum, endlich mal die Filiale „Der Club“ zu betreten und meine zwei „Zwangskäufe“ zu absolvieren. Vor Monaten schon hatte ich mir meine gewünschten Bücher auserkoren und war regelrecht stolz auf mich, dass ich es tatsächlich schaffte, diese auch zielstrebig zur Kasse zu schleppen.
Schwach wurde ich erst dann, als die nette Frau Ramsteiner (ich schwöre, der Name tat sein übriges dazu) mir vorrechnete, wie viel ich sparen könnte, da ich doch immerhin zwei Treueartikel ausgesucht hätte. Bei einem weiteren Buch bekäme ich somit beide Bücher 25 % billiger.
Dass ich damit aber im Grunde nicht wirklich was gespart, sondern eben doch mehr ausgegeben hatte als geplant, raffte ich erst, als sie tatsächlich 36 EUR von mir haben wollte. Aber für 4 Bücher ist das irgendwie doch ein guter Preis. Zumal

==Ausgeliebt==
von Dora Heldt im Doppelpack daherkam und ich somit für 14,95 EUR auch den ebenso knapp mehr als 220 Seiten umfassenden Roman „Unzertrennlich“ erwarb. Mit einem patzig-gedachten „lies doch mal was fröhliches höhö“ gab ich mich dann gestrig ans Erstgenannte Büchlein ~ immer in der Erwartungshaltung, hier einen ähnlichen Lesestoff erwarten zu dürfen wie in „Urlaub mit Papa“. Selbst, wo die doch eher ernst klingende _Story mir anders hätte offenbaren können.
Im Grunde geht es hier lediglich um die Hauptprotagonistin wie Ich-Erzählerin Christine, die von ihrem Ehemann nach zehn Jahren Ehe am Telefon abserviert wird. Feige oder auch nur praktisch veranlagt wie manche Kerle nunmal sind, wartet dieser mit seiner Offenbarung auf den Zeitpunkt, als Christine bei ihren Freundinnen zu Besuch ist. Immerhin bleibt ihm so eine Szene erspart, und Christine kann sich direkt von ihren girlies trösten lassen. Bernd hat auch bei ihrer Heimkehr keine große Lust, über seine Entscheidung zu reden ~ und nach und nach offenbart sich ein völlig anderes Ehebild, als das, welches das Paar selbst gesehen haben mag.

Der tiefe Seelenfall wird dank Christines Familie, Kolleginnen sowie Freundinnen ausgebremst; der Umzug ist ebenso wenig erschreckend, und überhaupt ist jedes Ende doch irgendwie auch ein Neuanfang....

==Die Umsetzung==

wurde hier als „hurmorvoller Roman“ beschrieben.
Eine Beschreibung, der ich nicht wirklich zustimmen mag. Zwar ist hier und dort ein flotter Spruch seitens diverser Kolleginnen zu lesen, doch so richtig zum schmunzeln konnte ich hier nichts vorfinden.
Dora Held beschränkt sich vielmehr darauf, die eigentlich doch arg bewegende Geschichte rund um zerbrochene Träume nicht allzu schwermütig vorzutragen. Der Leser wird zwar durchaus in die Szenerie, dass große dramatische Drumherum verfrachtet, leidet (je nach persönlichem Erfahrungswert mal mehr, mal weniger intensiv) mit:

„Jeden Morgen nahm ich mir was vor. Aber jeder Handgriff war mühsam und lustlos. Ich richtete mich im Schneckentempo weiter ein. Weil ich es musste, nie, weil ich es wollte. (….) Jeder Gang war eine Anstrengung. In Gedanken an Ines schrieb ich einen Wochenplan. Montag: Postfach einrichten. Dienstag: zum Supermarkt fahren. Mittwoch: Gardinen für mein Büro kaufen. Donnerstag: zum Friseur gehen. Freitag: Blumen und Balkonkästen kaufen. Ich erledigte nicht eine einzige Sache, alles war mir zu anstrengend. Ich musste mich zwingen, jeden Tag zu duschen und mir die Haare zu waschen.“
(vgl. S. 37/38)

Doch im großen und ganzen verläuft „Ausgeliebt“ ohne jedwege Höhe und Tiefe.
Christine ist gezwungen, ihre Katzen im Haus ihres Mannes zurückzulassen, verlässt die Wohngegend, die sie sehr geliebt hat; jeder Besuch in der Stadt droht ihr das Herz zu brechen. Doch irgendwie litt nichtmal ich richtig mit ~ ich, die Anfang des Jahres bitter geheult hat, als ich mit meinen Sitting-Hund mich in mein altes Dorf zurück begab und an „meine Hunde“ denken musste, an die Ehe, die ich verloren habe.

Zweifelsohne konnte ich mich sehr gut in die Geschichte, in die geschilderten Gefühle und Empfindungen hinein versetzen, doch so wirklich überzeugt bin ich von der Lektüre nun nicht. Insgesamt wirkt der Roman eher wie eine Art „Aufmunterungsgeschenk“ für alle frisch Getrennten, ein „es wird alles wieder gut“ auf 219 Seiten.
Erfreulicherweise hat die Autorin auf zu großen Kitsch verzichtet, am Ende des Buch findet sich kein abgeschmacktes Happy end; vielmehr mutiert Christine selbst zu „so einer“, fängt eine Affäre mit einem verheirateten Mann an und hat den Segen ihrer Freundinnen intus.
Was ich von dieser Entwicklung bzw. diesem Abschluss halte... nunja. Nicht viel, um es vorsichtig auszudrücken.
Es wirkt fast wie ein versteckter Hinweis, dass ohnehin alle Beziehungen und insbesondere Ehen scheiße sind, man somit überhaupt keine Rücksicht auf wen-auch-immer nehmen braucht und gleichzeitig bloß nichts erwarten darf. Liebe, Glaube Hoffnung? Alles voll für'n Arsch; wenn man diesem Buch glauben mag.

Trotzdessen ist es nicht abzustreiten, dass „Ausgeliebt“ irgendwo Mut macht; während wirklich alles zusammenzubrechen schien, sollte Marlen Recht behalten: nach einer Weile ist alles vorbei; obendrein eröffnen sich vollkommen andere Möglichkeiten.
Meiner Ansicht nach wurde hier und dort allerdings doch etwas zu dick aufgetragen, was fast schon „Zwang“ war, eben weil im großen und ganzen ja auch nicht viel passiert. Nicht, dass das Buch langweilig gewesen wäre; das nun auch wieder nicht ~ vielmehr eignet es sich in der Tat wunderbar für zwischendurch, für jene Momente, an denen man sich einfach mal so richtig schön beduseln lassen will. Qualitätsmäßig ist „Ausgeliebt“ sicherlich mit diversen ZDF-Filmchen vergleichbar; erinnert literarisch betrachtet an die fast schon grauenhafte TV (Richtig: ZDF) Umsetzung von „Urlaub mit Papa“. Das Buch war beinahe top, der Film... au hur. Vielleicht sollte die Autorin ihre Charaktere auch einfach mal nicht Christine nennen. Selbst dann nicht, wo man diesen vornamen so richtig schön über den Strand kreischen (wie in „Urlaub mit Papa“) oder durchs Möbelhaus plärren kann (wie eben in diesem Buch).

„Ausgeliebt“ hingegen würde mich als Verfilmung fast schon wieder reizen ~ einfach nur um zu sehen, wie grottenschlecht ein lockeres Buch in Bildern aussieht.

Denn „locker“ ist hier wirklich alles. Man muss an keiner Stelle wirklich mitdenken, um die Entwicklungen und / oder Hintergründen folgen zu können ~ obendrein liegt einiges auf der Hand und ist so absehbar wie mein Frühlingsgewicht, wenn meine Fresserei nicht bald mal aufhört.
Very unglaubwürdig ist allerdings der Umstand, dass auf einmal alle Kolleginnen mit Christine befreundet sein wollten. Und obendrein selbst eine ähnliche Story wie sie erlebt haben. Und sie damit aufmuntern, dass sie sie bewundern, wie gut sie alles gemeistert hat.


==Summa summarum==

würde ich den Roman eigentlich nicht empfehlen.

Das Gedankengut sowie die geschilderte Gefühlslage ist zwar mehr als gut und eindrucksvoll gelungen, doch tröstet die nicht über mancherlei Schnitzer hinweg.

Ich persönlich frage mich zum einen, WARUM sie ihre Katzen eigentlich nicht hat mitnehmen können. Oder woher Bernd auf einmal das Geld für die Ablöse für das Haus hat. Und warum eigentlich überhaupt alles so glatt lief. ZU glatt, wenn man mich fragt.

Selbstverständlich muss nicht jede Scheidung sich über Jahre hinweg ziehen, kann ein Umzug wirklich glatt laufen... doch die Art, wie rasch und gut sich hier alles fügt... und das sich nach Jahren Richard meldet, zu dem die Hauptprotagonistin einen sooo guten Bezug hatte urplötzlich.... ne, mich überzeugt das dann mal nicht.
Wie gesagt, „Ausgeliebt“ ist eine nette Lektüre für zwischendurch; doch wenn ich mal drüber nachdenke, hätte ich lieber doch gewartet, bis das Büchlein mal auf dem Grabbeltisch für 3,33 EUR aufgetaucht wäre.
Aber das kommt wohl davon, wenn man selbst in Namensschildern der Verkäuferinnen etwas mystisches zu sehen glaubt ~ das einzig mystische an diesem Erlebnis war wohl, wie rasch das gesamte Monatsbudget mal wieder schwinden kann.

21 Bewertungen, 5 Kommentare

  • Mondlicht1957

    04.12.2009, 22:03 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüsse

  • Bunny84

    04.12.2009, 20:41 Uhr von Bunny84
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht. Wünsche dir einen angenehmen Start ins Wochenende. Liebe Grüße BUNNY84 PS: Freue mich über Gegenlesungen

  • DMaster89

    04.12.2009, 17:53 Uhr von DMaster89
    Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Bericht! Viele Grüße

  • sigrid9979

    04.12.2009, 17:04 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wünsche ein schönes Wochenende..Lg Sigi

  • melliCLP

    04.12.2009, 15:20 Uhr von melliCLP
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich freue mich auf deine Gegenlesungen!Wenn du Lust auf eine Leserunde hast , meld dich doch einfach bei mir im Gästebuch!Liebe Grüße, Melli