Herbert Grönemeyer Testbericht

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Erfahrungsbericht von dottigross_juliaa

Er "knödelt" wieder - Herbert Grönemeyer und "Mensch"

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Herbert Grönemeyer mag man oder mag man nicht. Die einen nennen in den *Allesknödler* und bringen damit ihre Abneigung zu dem etwas gepressten (knödeligen) Gesang zum Ausdruck. Die anderen sind hellauf begeistert von seinen tiefsinnigen Liedtexten. Und ich habe eine eigene Meinung zu ihm und seinem neuen Album *Mensch*... Da ich leider keine separate Kategorie zu dem neuen Album gefunden habe, verewige ich meinen Beitrag eben hier (bei dooyoo, ciao und hitwin war eine Rubrik vorhanden).


Herbert Grönemeyer
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Herbert Grönemeyer wurde am 12. April 1956 in Göttingen geboren. Seine erste Band gründete er bereits im zarten Alter von zwölf Jahren. Wie ich im Internet gelesen habe, lieferte Grönemeyer schon 1974 seine ersten Kompositionen für das Bochumer Schauspielhaus. Die Karriereleiter steigt er erst einmal als angesehener Schauspieler hinauf, doch schon 1979 tritt er als Leadsänger der Gruppe *Ocean* auf....

Sein erstes Album erschien 1979 und hieß *Ocean Orchestra* und beinhaltete durchweg englischsprachige Texte. 1979 erschien aber auch das Album * Grönemeyer*, dass schon damals einen Titel namens *Mensch – ich hau ab* beinhaltete. Erst 1984 erschien sein sechstes Album *Bochum*, dass so namhafte Titel wie *Bochum*, *Männer*, *Flugzeuge im Bauch* und *Alkohol* enthielt. Damit schuf er seinen großen Durchbruch.

Doch Grönemeyer hat es auch mit seinem neuen Album *Mensch* wieder ganz nach oben geschafft. Die gleichnamige Single erorberte die Charts. Ein Grund für mich, das Album für 14,99 EUR bei amazon.de zu bestellen. Grönemeyer ist für mich ein Künstler. Und so, wie man das Bild eines Malers – eines Künstlers – bewundert und manchmal versucht, daraus schlau zu werden, was man zu sehen bekommt, so muss man auch die Lieder Grönemeyers manchmal *interpretiert* kriegen. Er ist eben ein Künstler, dessen *Bilder* einen beschäftigen und anregen.


Mensch
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Täglich höre ich es im Radio: *Mensch* - das erste Lied auf der aktuellen CD. Es ist auch – wie ich finde – das einprägsamste Lied und die Produzenten haben gut gewählt, als sie den Titel als erstes auskoppelten. Wer die vielen Metapher richtig verstehen will, müsste einem Interview des deutschen Barden lauschen. Ich interpretiere folgende Darstellung in das Lied und hoffe, dass ich damit ungefähr richtig liege: Grönemeyer singt von einer Person, die enttäuscht worden ist. Hintergründung und mit Metaphern gespickt wird dieser Person gesagt, dass sie nicht verzagen soll, und dass das Leben eben so ist wie es ist, und die Menschen so sind wie sie sind. *Der Mensch ist wie er ist, weil er lacht und weil er lebt.* Du kannst die Menschen nicht verändern und sollst es auch nicht und das Leben nehmen und daraus das beste machen. Dieser Song erweckt in einem Menschen, der es schwer hat und Probleme zu überstehen hat, eine Art *LMAA*-Gefühl. Ist der Zuhörer aber gerade in glücklich und in guter Stimmung, kann dieses Lied ihn in eine Melancholie ziehen.

Ein weiteres Lied – Nummer 3 auf der CD – gefällt mir sehr gut. Schon die ruhigen und harmonischen Klänge deuten darauf hin, dass es sich hierbei um ein tragisches Liebeslied handeln könnte. Vielleicht ist es auch eine Hommage an einen guten Freund? *Du hast den Raum mit Sonne gefüllt – hast jeden Verdruss ins Gegenteil verkehrt* – klingt mir jedoch mehr nach einem geliebten Menschen, der, wie im Laufe des Liedes klar wird, weggegangen, ja vielleicht sogar gestorben ist. Grönemeyers Stimme wird in diesem Song hervorgehoben. Seine wellenartigen Stimmerhebungen betonen die eigentliche gleichatmige Melodie.

*Lache, wenn es nicht zum Weinen reich* ist – nagelt mich nicht fest, ich bin ein völlig unmusikalischer Mensch – ein Mambo und gefällt mir aufgrund seines Rhythmusses ausgesprochen gut. Der Song beschreibt den typischen Verlierer. *1000 Haare in der Suppe – und dein Löffel hat ein Loch – es fällt keine Sternschnuppe – deine Kerze hat keinen Docht* Na, wenn das nicht niederschmetternd klingt, oder? Wer also bis jetzt noch nicht erkannt hat, dass Grönemeyer Metapher liebt, dem wird es spätestens in diesem Lied klar. Aber hier passen sie auch her und neben *Menschen* gehört dieses Lied zu meinen Favoriten. Im weiteren Verlauf scheint Grönemeyer den Looser in diesem Lied trösten zu wollen: Kopf hoch, es geht irgendwann auch wieder aufwärts...

Nummer 6 – Unbewohnt – ist harmonisch und einer dieser Ohrwürmer, den man morgens noch auf der Autofahrt zur Arbeits vor sich her summt. Ja, ich glaube, das Lied passt auch gut zur frühen Morgenstunde. Man döst noch vor sich her, das Leben scheint einem vielleicht noch nicht so bunt und fröhlich zu erscheinen. Grönemeyer singt von einem leeren Menschen, dessen *Straße hat keine Stimme*, *keine Blumen im Fenster*, *der Fernseher ohne Bild und Ton*. Anfangs hatte ich mit diesem Lied meine Schwierigkeiten, je öfter ich es jedoch hörte, desto besser gefiel es mir. Es ist ein melancholischer Song, der zu einem stürmischen Winterabend passt, mit einer Tasse Tee in der Hand in eine Decke eingewickelt...

Lied Nummer 8 ist insgesamt 5.54 Minuten lang und somit das längste auf der CD. Es gehört zu den eigenwilligen Kompositionen Grönemeyers. Die Melodie ist monoton, die Stimme des Sängers hält sich in einer Klanglage. Der Text..., ja der Text. Ein Buch mit sieben Siegeln. Ich werde daraus nicht schlau und in solchen Momenten kommt mir der Gedanke: *Vielleicht verarscht der Typ uns nur. Der weiß doch manchmal selber nicht, was er singt.*...

Viele Lieder auf der CD sind wirklich gewöhnungsbedürftig. Dazu gehört auch *Neuland*. Mit seinen harten Basstönen und dem aggressiven Schlagzeug im Hintergrund gefällt mir dieser Song nicht sonderlich. Die Rockversion ist sehr laut und Grönemeyers grundsätzlich unverständliche Aussprache und seine *knödelige* Stimme gehen in diesem Song – meiner Meinung nach – total unter. Der Text ist kaum zu verstehen und es kommt vor, dass ich das Lied überspringe.

So, das war eine kleine Auswahl an Liedern, die ich erwähnenswert fand. Zusammenfassend möchte ich nochmals betonen, dass es sehr schwierig ist, Grönemeyer richtig zu interpretieren. Aber vielleicht ist das der Reiz an seinem Gesamtkunstwerk. Egal in welcher Gemütsstimmung der Zuhörer ist, er kann seinen Teil herausfiltern. So verhält es sich schließlich auch mit Bildern, die ein Maler seinem Publikum präsentiert.


Übersicht
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1. Mensch 4.28
2. Neuland 3.42
3. Der Weg 4.18
4. Viertel vor 4.23
5. Lache wenn es nicht zum weinen reicht 4.42
6. Unbewohnt 5.04
7. Dort und Hier 2.32
8. Blick zurück 5.54
9. Kein Pokal 4.33
10. Zum Meer 5.38
Bonus Track: Demo (Letzter Tag) 3.27




Fazit
++++

Gewöhnungsbedürftig, aber extrem hörenswert. Zum Denken anregend! - Kaufen (oder saugen) und genießen.

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