Herbert Grönemeyer Testbericht

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Erfahrungsbericht von audicla

Album "Mensch" - Upps ... bin ich jetzt Grönemeyer-Fan?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Upps ... bin ich jetzt Grönemeyer-Fan?

Ich war nie ein Fan von Herbert Grönemeyer, auch wenn ich zugegebenermaßen seiner Zeit entstamme und so natürlich unweigerlich über die vielen Jahre immer mal wieder mit seinen Hits in Berührung gekommen bin. „Bochum“, „Männer“, „Alkohol“ und wie sie alle hießen. Sicherlich, es war gelegentlich mal ein Lied dabei für das ich mich erwärmte, aber seine Stimme konnte mich so recht nie überzeugen. Da zog ich doch Liedermacher wie Klaus Hoffmann, Konstantin Wecker und zeitweilig auch Kunze vor, die mit klar akzentuierter Stimme wunderschön singen und damit mein Herz erwärmen konnten. Grönemeyers Genuschel ging mir immer ziemlich auf den Keks.

Seine letzte CD „Bleibt alles anders“ nahm mir ein Freund auf Kassette auf – schwupp hatte ich ein Lieblingslied gefunden, aber bei fast allen anderen betätigte ich sogleich die Taste Vorlauf und hörte wenig hin.

Nun, ich gebe es zu: Der ganze Rummel, der in letzter Zeit um diesen Sänger gemacht wurde, ging auch diesmal nicht an mir vorbei. Und irgendwie war das Lied „Mensch“ mir ohnehin schon so vertraut, hatte ich es doch schon ca. an die 50 Mal im Radio verfolgen können. Auch nicht ganz kalt lässt mich seine bittere persönliche Geschichte.
Als die neue CD dann auch noch zum Schnäppchen-Preis von 12,99 Euro bei Karstadt zu haben war, konnte ich als altgediente Schnäppchen-Schlägerin nicht umhin sie mir zu kaufen.

So, nun werde ich im Folgenden nicht von Titel zu Titel streifen oder gar damit beginnen sämtliche Texte wortgetreu niederzuschreiben, wie ich es bei dem einen oder der anderen gesehen habe, sondern mehr eine Art Gesamtfazit ziehen:

Die CD hat 11 Titel sowie einen Bonus track, der nach vielen vielen Minuten, nachdem die CD eigentlich schon beendet ist, irgendwann beginnt. Offiziell laut Cover und Textbuch hat die CD aber nur 10 Titel, d. h. dass auch nur von 10 Titeln die Texte abgedruckt sind. Diese leider oft so durcheinander und abweichend von seinem wirklichen Gesang, dass man schwer mitsingen kann, sofern man die Texte noch nicht auswendig beherrscht (begeisterte Mit-Sänger wie ich es bin, beherrschen die Texte gewöhnlich schnell!). Gleich vorweg bekenne ich hier mal: Mein Lieblingstitel auf dieser CD ist der 11., der wohl – wenn ich das richtig verstehe: Letzter Tag heißt! (Ich bin dein 7. Sinn usw. – für mich absolut hitverdächtig.)

Es ist ein Mix aus sehr ruhigen sentimentalen und mitunter auch melancholisch bis depressiv anklingenden Liedern und dazwischen immer wieder schnelle rockige oder auch leicht ins technische reichende Songs (diese Trichtersingerei ist dabei nicht so mein Fall). Überhaupt muss ich sagen, dass mir die ruhigeren Lieder wie z. B. Mensch (nicht umsonst ein Hit geworden – genialer Text, Musik und Gesang – und er nuschelt kaum – übrigens auch beim 11. Song nicht, den man ganz ohne Textbuch komplett und gut verstehen kann – weiter so Herberst – es geht doch!!!).

Ebenso wie die Musik zwischen diesen grundsätzlich sehr unterschiedlichen Stilrichtungen hin- und herpendelt (was man auch als abwechslungsreich positiv umschreiben kann) geht es auch mit den Texten zu. Manche sind wirklich naiv sentimental traurig (natürlich bricht einem fast das Herz, wenn man begreift, dass sie an seine verstorbene Frau gerichtet sind – und das meine ich absolut ernst), andere auch bissig, verletzt, trotzig – allesamt sind sie persönlich, womit Herbert Grönemeyer sich deutlich von vielen anderen Liedermachen abhebt, deren Lieder doch häufiger Politik und Gesellschaft streifen.

Sicherlich kann man auch einen Song wie „Mensch“ als einen gesellschaftlichen Rundumriss begreifen – aber letztlich berührt er uns, weil er sehr persönlich ist. Ein Lied, dass genialer gar nicht sein könnte, weil es irgendwie einfach jeden „Mensch“en ansprechen muss. Ein Hit vom ersten Wort an, was er niederschrieb.

Auch von schnelleren oder rockigeren Liedern sind einige dabei, die mir recht gut gefallen, wie z. B. Neuland. Jedenfalls bringen sie einen aus der melancholischen Stimmung, in die man gerade beim Lied zuvor grob versunken ist, schnell wieder ans Licht.

Insgesamt habe ich festgestellt: Je öfter ich die CD höre, desto besser gefällt sie mir, jedes Mal ist wieder ein neues Lied dabei, welches mich anspricht und dessen Thema ich plötzlich meine zu begreifen.

Ich kann es nicht anders sagen, nein ich muss es zugeben: Trotz allem Genuschel – seit ich die CD vor einer Woche gekauft habe, habe ich eigentlich keine andere mehr gehört und bin doch sehr sehr angetan davon.

Am schönsten das allerletzte Lied „Letzter Tag“ – es ist ein Liebeslied, gerichtet an die Frau, die er glaubt und hofft irgendwann zu finden. Anrührend und tröstlich die positive Sicht nach vorn. „Ich bin dein 7. Sinn, dein doppelter Boden, dein zweites Gesicht – du bist eine gute Prognose, das Prinzip Hoffnung, ein Leuchtstreifen am Horizont. Irgendwann find und lieb ich dich, irgendwann find ich dich .“ (Nun doch einmal ein kleiner Textauszug – aber nur ein ganz kleiner). Passend als Ausblick als letztes Lied auf der CD, zeigt es an, dass er nach vorn und nicht zurück schaut.

Und damit möchte ich auch diesen Bericht abschließen.

Ich hoffe ihr habt es trotz meiner gelegentlichen Ironie herauslesen können, dass ich tatsächlich ziemlich begeistert von dieser CD bin. Ich mags mir nur noch nicht so ganz eingestehen, weil ich jahrelang immer über Grönemeyer gelästert habe.

5 Sterne für diese CD (sagen wir 4 ½ - ½ Punkt abgezogen für den Trichtersong und das schlechte Text-Buch).

Erschienen bei Grönland unter Lizenz von EMI Electrola GmbH & Co.. Ich konnte sie für 12,99 Euro bei Karstadt erwerben.

Übrigens gefällt mir auch das Cover sehr gut, ist originell gemacht – allerdings sehr schwer zu beschreiben. Gesamtlänge der CD: ca. 70 Minuten.

10 Bewertungen