Engel und Joe (Taschenbuch) / Kai Hermann Testbericht

Ullstein-taschenbuchvlg-engel-und-joe-taschenbuch
ab 6,93
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 06/2004

5 Sterne
(4)
4 Sterne
(1)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von Lacrima_

Liebe findet immer einen Weg ...

Pro:

Packende, lehrreiche und zugleich etwas schockierende Geschichte ...

Kontra:

... man will nicht glauben das es nach einer wahren Geschichte geschrieben ist

Empfehlung:

Ja

| Ave ihr |

... „nach einer wahren Geschichte“ ... wenn einem dies auf dem Cover erst auffällt, nachdem man das Buch bereits gelesen hat, möchte man es eigentlich gar nicht glauben. So was dürfte doch gar nicht passieren außer in Filmen oder Büchern oder so. Doch Wahrheit ist, das es in Filmen und Büchern doch meist eigentlich auch nur die Realität ist- eine ausgedachte Realität, denn glauben tut es ja eh keiner... Dieses Buch war der Grund warum ich die letzte Nacht nicht eine Minute geschlafen habe, denn ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen- und schon war es Morgen und der Wecker hat geklingelt. Es hat mich so an einen Menschen erinnert denn ich mal sehr gut kannte ...

| Der Autor |

Kai Hermann- wenn man diesem Namen hört wird sich bei den meisten wohl kaum ein „ach ja, der hat doch das und das geschrieben“ im Gesicht ausbreiten, sondern wohl mehr ein großes Fragezeichen. Also zumindest war das bei mir so. Ich möchte euch nicht mit Lebensdaten quälen auch, wenn ich erwähnen möchte das er 1938 in Hamburg geboren wurde. Viel wichtiger ist es wohl zu sagen das er neben diesem Buch auch „Christiane F.: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ geschrieben hat und Autor für Zeit und Spiegel war, sowie frei für den Stern arbeitete. Dort schrieb er die Reportage- Serie „Eine Liebe in Berlin“, auf welcher dieses Buch basiert.

| Cover |

Auch, wenn das Cover ja eigentlich unwichtig ist, möchte ich der Vollständigkeit halber auch das beschrieben. Auf dem Bild ist Engel (ein Junge mit blonden verzottelten Harren) und Joe ( ein Mädchen mit kurzen dunklen Harren) abgebildet. Das Bild ist irgendwie sehr ansprechend und der Grund warum ich dieses Buch überhaupt in der Hand hielt und dann am Ende ausgeliehen habe. Ich finde es aber nicht so gut das dort Personen abgebildet sind, da ich sie mir lieber selbst vorstellen möchte. Auf der Rückseite ist wie üblich eine kurze Zusammenfassung der Story auf dunklem Untergrund. Die Farbgebung ist sehr kalt, aber das hat blau so an sich.

| Die Hautpersonen |

Hier möchte ich nur auf zwei eingehen, obwohl andere Personen wohl genau so wichtig wären. Die zwei sind natürlich Engel und Joe ...

Engel ist ein Punk, der das behütete Leben daheim durch das harte Leben auf den Straßen von Berlin eingetauscht hat. Bekannt ist er eigentlich als Zorro und nur Joe (und manchmal er selbst) nennt ihn Engel. Der 17.- jährige gehört wohl zu der Art läuten die Probleme magisch anziehen, da er ständig welche hat- vor allem mit Rechten und der Polizei.

Joe, welche wegen Stress mit ihren Eltern von zuhause wegrennt ist ein typisches Problem Kind. Nachts besoffen Heim kommen, „schlechter Ton“ vor den Eltern, die falschen Leute ... eben alles was Mama und ihren Freund in den Wahnsinn treibt und das wo sie doch erst 15 ist.

| Story |

Es wird nicht leicht die Geschichte welche auf 239 Seiten niedergeschrieben ist in kurzer Form wieder zugeben, vor allem, weil es hier sehr viele sehr interessante Details gibt, ich werde mir aber natürlich Mühe geben ...

Die Geschichte beginnt mit einem Sonntagmorgen, an dem Joe (die eigentlich Johanna heißt) nach einer langen Nacht streit mit dem Lover ihrer Mutter hat. Nachdem diesem die Hand „ausgerutscht“ ist, packt sie ihre sieben Sachen und haut ab. Nun was tun, wenn man nicht weiß was man tun soll, noch wo man die nächste Nacht verbringt? So kommt es das Joe auf den Alex fährt und dort von einer Gruppe Rechter angemacht wird. Als diese anfangen handgreiflich zu werden tritt Engel dazwischen und rettet sie. Es ist Liebe auf den ersten Blick und er bietet ihr an erst mal bei ihm zu bleiben, bis sie was besseres gefunden hat. Auf einer Demo entfacht die Liebe zwischen den beiden, welche auch gleich auf die Probe gestellt wird. Nach einigen Tagen oder vielleicht Wochen kehrt Joe nachhause zurück und findet dort ihre Mutter mit Tabletten zugepumpt vor. So kommt es das sie, trotz versprechen an Engel, nicht auf den Alex kommen kann und Zorro denkt natürlich sie hätte ihn bereits vergessen. Ab dem Moment fängt die ganze Tragödie zwischen Drogen, Tod und Gewalt an. Doch Engel und Joe finden immer wieder zu einander ... eine schöne Liebesgeschichte mit dem Beigeschmack der harten Realität auf den Straßen von Berlin, mit einem Ende welches man wohl nicht erwarten würde ... Ich möchte nicht alles verraten, den sonst würde ich euch die ganze Spannung nehmen und das Buch wäre nicht mehr interessant.

| kleine Leseprobe |

Ich möchte euch einige kurze Abschnitte, die mir persönlich sehr gut gefallen haben vorstellen. Ich glaube das dürfte erlaubt sein und nicht gegen die Rechte des Autors verstoßen.

„ ... Joe fühlt sich echt besser. Viel besser. Nicht das sie schon drei, vier vernünftige Gedanken hintereinander ordnen kann. Sie macht gar nicht mehr den Versuch. Nachdenken ist sowieso nur sinnvoll, wenn man gut drauf ist. Sonst zeiht es immer weiter runter. Wenn gar nichts mehr geht, musst du was tun ohne nachzudenken. (...) Das Hirn nervt nicht rum mit blöden Fragen: Warum? Wohin? Und dann? Joe macht es. Eigentlich wollte sie es schon längst machen. ... „

„ ... Da fragt die Schwester, ob er überhaupt etwas gut findet . Er soll mal aufzählen was er wirklich gern hat. Dieser Holden (Figur aus Zorro’ s Lieblingsroman) stottert Seiten lang rum. Weil ihm nicht einfällt. Die Kleine macht ihren Bruder total fertig. Zorro hat immer gegrübelt, was er geantwortet hätte. Jetzt weiß er es. Deshalb liest er die Stelle noch mal. Und ist stolz. Dieser Holden war wirklich arm dran. Weil er niemanden liebte. ...“

Das waren nur ein paar kleine Zeilen um euch den Stil des Schreibers zu zeigen und auch einen kleinen Einblick in das Buch zu gewähren.

| Fazit |

Dies ist sicherlich kein Buch welches sich lediglich als Jugendlektüre eignet, denn in diesen Bereich gehört es eigentlich. Die Geschichte dieser zweier Menschen, die trotz allem nicht aufgeben stimmt einen nachdenklich, über das was in der Welt abgeht und macht einen selbst auch glücklich, das man eigentlich nur an der schönen Seite des Lebens beteiligt ist. Plötzlich erscheinen die eigenen Probleme nur noch halb so schlimm ... Das Leben besteht nicht nur aus Sonnenschein und dieses Buch berichtet von den Schatten welche durch die Sonne fallen. Es sind nicht nur schlechte Momente sondern auch sehr romantische und schöne Szenen enthalten- zwischen Drogen und Tod ... Ich empfehle jedem dieses Buch zu lesen, da es wirklich auf eine authentische und interessante Art und Weise geschrieben ist.

„Drogen kennen keinen weichen oder harten Tod. Tod ist Tod. Droge ist Droge“

Lacrima_

(für ciao! und yopi)