Narziß und Goldmund (Taschenbuch) / Hermann Hesse Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
Erfahrungsbericht von margy
narziß und goldmund
Pro:
siehe bericht
Kontra:
siehe bericht
Empfehlung:
Ja
Zum Buch:
Das 320seitige broschierte Buch erschien im Suhrkamp Verlag in der 47. Auflage am 30. September 1975. Unter der ISBN 978-3518367742 kostet es neu 9,99 €, gebraucht ab 1,87 € und als Sammlerstück 1,80 €. Die Erstausgabe erschien 1930 bei S. Fischer, Berlin. Die Abbildung des Buchumschlages ist von Tilmann Riemenschneider und stellt die trauernde Maria aus Acholshausen um 1505 dar. Es handelt sich hier um einen Ausschnitt dieser Figur.
Buchumschlag:
Der Umschlag des Buches ist hellgrau. Im unteren Teil ist der hölzerne Kopf einer Frau zu sehen.
Autor:
Hermann Hesse, geboren am 2.7.1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen, starb am 9.8.1962 in Montagnola bei Lugano. Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur, 1955 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin. Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.
Klappentext:
"In Narziß und Goldmund bekommen die zwei Grundformen des schöpferischen Menschen Gestalt: der Denker und der Träumer, der Herbe und der Blühende, der Klare und der Kindliche. Beide verwandt, obwohl in allem ihr Gegenspiel, beide vereinsamt, beide von Hesse gleich gerecht in ihren Vorzügen und Schwächen erkannt, gleich exakt wiedergegeben." Max Herrmann-Neiße"Hesses Roman "Narziß und Goldmund" setzt mit großer sprachlicher Schönheit ein und scheint in einer mittelalterlichen Zeitlosigkeit zu schweben, die dem poetischen Bedürfnis dieser rohen Aktualität widerstrebenden Geistes entspricht, ohne darum seine schmerzliche Fühlung mit den Problemen der Gegenwart zu leugnen.... ein wunderschönes Buch mit seiner Mischung aus deutsch-romantischen und modern-psychologischen, ja psychoanalytischen Elementen....eine in ihrer Reinheit und Interessantheit durchaus einzigartige Romandichtung." (Thomas Mann)
Inhalt:
1.
Goldmund und Narziss sind miteinander befreundet und leben im Kloster Mariabronn. Die Geschichte, die hier erzählt wird, spielt im Mittelalter, etwa im 15. Jahrhundert. Narziss ist ein Lehrer. Er wirkt sehr überheblich, ist noch jung und sehr talentiert. Goldmund ist ein Schüler von Narziss, muss seinen Weg noch finden und Narziss hilft ihm dabei. Er wuchs ohne Mutter auf und hatte auch keine Geschwister. Sein Vater schickte ihn in die Schule des Klosters. Goldmund verlässt das Kloster eines Tages, während Narziss dort bleibt und das Gelübde eines Mönches ablegt. Über diese Ereignisse hinaus bleiben die beiden in Verbindung und halten ihre Freundschaft bei. Nariss kommt viele Jahre später dazu, Goldmunds Leben zu retten und Goldmund dankt ihm damit, dass er seine Erfahrung in der Kunst, die er beherrscht, für das Kloster einsetzt.
2.
Narziss, der Lehrer, begibt sich auf eine Wanderschaft und er kommt auf das Gut eines Ritters. Der Ritter braucht den gelehrten Mann für seine Schreibarbeiten und erteilt Aufträge. Neben dem Ritter leben noch zwei Mädchen auf seinem Gut. Alle beide fühlen sich zu Goldmund hingezogen, wagen es jedoch nicht, sich ihm ganz hinzugeben. Die Figuren leben in einer Zeit, in der ein solches Verhalten gegen die Sitten der Gesellschaft verstößt. Also bleibt es nicht aus, dass Goldmund das Gut des Ritters verlassen muss. Goldmund trifft auf Viktor, der sich an ihm als Dieb betätigt und bringt ihn kurzerhand um. Das schlechte Gewissen über die Handlung plagt Goldmund. Alleine kommt er mit dieser Sünde und der Last nicht mehr zurecht. Also beschließt Goldmund, in der Kirche zu beichten und so Erleichterung zu finden. In dieser Kirche sieht Goldmund das Bildnis der Madonna. Goldmund tritt eine Reise an in die Stadt des Bischofs. Er bleibt hier und macht eine Ausbildung zum Bildschnitzer. Der Aufenthalt wird drei Jahre dauern. In dieser Zeit schnitzt er eine hölzerne Figur, die ihm sehr gut gelingt. Er ist so gut, dass sein Meister hingeht und Goldmund fragt, ob er nicht sein Schwiegersohn werden möchte. Das jedoch will Goldmund nicht und verlässt die Stadt. Seine Reise und die Wanderung gehen weiter.
Leseprobe aus dem 1. Kapitel:
Vor dem mit Doppelsäulchen getragenen Rundbogen des Klostereinganges von Mariabronn, dicht am Wege, stand ein Kastanienbaum, ein vereinzelter Sohn des Südens, von einem Rompilger vor Zeiten mitgebracht, eine Edelkastanie mit starkem Stamm; zärtlich hing ihre runde Krone über den Weg, atmete breitbrüstig im Winde, ließ im Frühling, wenn alles ringsum schon grün war und selbst die Klosternussbäume schon ihr rötliches Junglaub trugen, noch lange auf ihre Blätter warten, trieb dann um die Zeit der kürzesten Nächte aus den Blattbüscheln die matten, weißgrünen Strahlen ihrer fremdartigen Blüten empor, die so mahnend un beklemmend herbkräftig rochen, und ließ im Oktober, wenn Obst und Wein schon geerntet war, aus der gilbenden Krone im Herbstwind die stacheligen Früchte fallen, die nicht in jedem Jahr reif wurden, um welche die Klosterbuben sich balgten und die der aus dem Welschland stammende Subprior Gregor in seiner Stube im Kaminfeuer briet. Fremd und zärtlich ließ der schöne Baum seine Krone überm Eingang zum Kloster wehen, ein zart gesinnter und leicht fröstelnder Gast aus einer anderen Zone, verwandt in geheimer Verwandtschaft mit den schlanken sandsteinernen Doppelsäulchen des Portals und dem steinernen Schmuckwerk der Fensterbogen, Gesimse und Pfeiler, geliebt von den Welschen und Lateinern, von den Einheimischen als Fremdling begafft.
Schreibstil:
sehr lange Sätze, wunderschöne detaillierte Beschreibungen, klangvoll, musikalisch, poetisch, romantisch, interessiert, geheimnisumwoben, plastisch
Meinung:
Im Untertitel des Buches ist zu sehen und zu lesen, dass es sich bei dem Buch um eine Erzählung handelt. Das Schreiben dieses Buches begann Hermann Hesse im April 1927 und endete im März 1929. 1930 erschien es dann schließlich im Fischer Verlag in Berlin.
Narziss ist ein tiefgläubiger Mensch und sucht nach der Vollkommenheit seiner Person in Gebeten und in dem Streben nach Gott. Goldmund hingegen lässt sich in einem künstlerischen Beruf ausbilden und strebt in diesem Bereich danach, vollkommen zu werden. Goldmunds Mutter war bereits verstorben, doch zu ihren Lebzeiten ließ sie ihr Denken bei ihrem Kind zurück. Die Gedanken daran trug Goldmund immer bei sich und wollte den Auftrag der Mutter erfüllen. Er ist die Person, die sich von Gott abwendet und einen Menschen umbringt. Das bildliche Denken der Mutter, das von Gegensätzen geprägt war, von Geburt und Tod handelte, von Grausamkeiten und Brutalität geprägt, die Güte und das Leben dazu gegenüberstellte, davon war Goldmund geprägt. Während Narziss im Kloster bleibt und sesshaft ist, begibt sich Goldmund auf eine Wanderung und bleibt nie lange an einem Ort. Narziss entscheidet sich für das einfache Leben in der Einsamkeit des Klosters und für die Enthaltsamkeit, die ihm als Mönch aufgebürdet ist, die er selbst nicht als eine Last ansieht. Goldmund dagegen ist ständig mit seiner Wanderschaft auf der Suche nach den Selbsterkenntnissen für sein Leben. Er ist ruhelos, rastlos, sieht, dass das Leben eines Tages ein Ende haben wird. Er erfährt, dass es für ihn in der Kunst auch Stillstände gibt, kein Vorwärtskommen. Innerlich kämpft er mit sich und den äußeren Umständen.
Die Erzählung geht bis hin zu dem Tag, an dem Narziss im Sterben liegt. Goldmund erwähnt an dieser Stelle seine Mutter und sagt zu seinem Freund: Ohne Mutter lässt es sich nicht sterben und ohne Mutter gibt es keine Liebe und man kann selbst nicht lieben. Narziss wird nachdenklich und hinterfragt, ob der Weg, den er einst eingeschlagen hatte, der richtige war. Narziss kam nie in den Genuss, eine Frau zu lieben, er hatte keine. Goldmund dagegen hatte nie den Weg zu Gott und damit zu seiner Liebe gefunden. Trotzdem war er mit seinem Leben im Reinen. Er selbst würde seine Mutter nach dem Tod wiedersehen und zu ihrer Liebe zurückkehren und seine Ansicht ist es, dass Narziss das nicht gelingen würde.
Einer lernt das Denken und die Ansicht des anderen und sie ergänzen sich. Was eigentlich ein Mensch in sich vereint, ist hier in der Erzählung in zwei Personen erzählt. Es geht hier also um die Vereinigung von Geist und Sinn. Narziss, der Mönch des Klosters, trägt den Geist in sich, Goldmund den Sinn.
Die beiden Männer treffen sich im Kloster Maulbronn und hier beginnt die Geschichte der Erzählung. Dieses Kloster gab es wirklich und Hesse lässt hier seine Gedanken und seine Vorstellungen an das Leben mit einfließen. Die Geschichte spielt während der Reformation und das Leben im Kloster wird wohl fiktiv beschrieben sein. Das Kloster Maulbronn soll Hesse besucht und gekannt haben.
Die Sätze des Buches sind sehr lang, doch flüssig zu lesen und gut zu verstehen. Sehr einfühlsam, sich auf die Figuren einlassend, ist der Roman geschrieben, Grausames und Brutales bilden den Gegensatz dazu und finden sich in den Beschreibungen und Darstellungen wieder. Die Wege der beiden Hauptfiguren trennen sich drastisch in ihren Vorstellungen, was das Leben und die Liebe angeht, was den Beruf angeht und in allen Dingen überhaupt. Narziss und Goldmund sind hier zwei Menschen, wobei jede Person für sich gegenübergestellt wird. Das fand ich beeindruckend und bewegend, es überzeugte und bestärkte mich darin, doch beides in sich selbst zu vereinen und nicht engstirnig durch die Welt zu gehen und sein Leben zu leben. Zuerst geht es um Bruchstücke, um Teile. Es ist wie bei einem Puzzle, bei dem ein Teil an das andere gesetzt wird und daraus ein ganzes Bild entsteht. Die Geschichte um die beiden Personen sind ein Spiegelbild des Lesers, der sich mit dem Buch und seiner Erzählung befasst. Es geht um das Denken und Fühlen einer Person, die im Leben eine wichtige, die tragende Rolle spielt. Was ist der Sinn des Lebens und woraus besteht dieser Sinn? Das sollte sich jeder einmal überlegen.
14 Bewertungen, 6 Kommentare
-
12.12.2012, 16:45 Uhr von XXLALF
Bewertung: sehr hilfreich...und liebe grüße
-
12.12.2012, 14:22 Uhr von monagirl
Bewertung: sehr hilfreichGut berichtet lg Mona
-
12.12.2012, 14:01 Uhr von Nina1805
Bewertung: sehr hilfreichSH, freue mich über eine Gegenlesung!
-
12.12.2012, 13:44 Uhr von mausi1972
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht LG Marion
-
12.12.2012, 13:10 Uhr von [email protected]
Bewertung: sehr hilfreichGrüße von Annabelle
-
12.12.2012, 11:58 Uhr von Sabse0802
Bewertung: sehr hilfreich:D *** Liebe Grüße *** :D
Bewerten / Kommentar schreiben