Unterm Rad (Taschenbuch) / Hermann Hesse Testbericht

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Erfahrungsbericht von kurtm1

Ein Schüler wird durch Lehrer unters Rad geführt

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Autor:
Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen geboren. Nachdem Hesse in seiner Kindheit einige Jahre in der Schweiz gelebt hatte, zog er mit seinen Eltern wieder zurück nach Deutschland, wo er zur Vorbereitung auf das württembergische Landexamen die Lateinschule in Göppingen 1890 besuchte.
Nach sieben Monaten in einem evangelischen Klosterseminar floh Hesse, weil er “entweder Dichter oder gar nichts werden wollte”. Hesse`s Schriften sind mittlerweile in einer Auflage von mehr als 80 Millionen Exemplaren in aller Welt vorhanden und haben ihn damit zum meist gelesenen europäischen Autor des 20. Jahrhunderts in den USA und Japan gemacht. Hermann Hesse starb am 9.August 1962 in Montagnola.

Weitere Werke des Autors:
Der Steppenwolf, Siddharta, Gertrud, Narziß und Goldmund

Inhalt:
Hauptthema: Das Schicksal eines begabten Knaben, dem der Ehrgeiz seines Vaters und der Lokalpatriotismus seines Heimatortes eine Rolle aufzwingt.
Zeit: Ende des 19. Jahrhunderts.
Land: Deutschland

Hans Giebenrath, der ein besonders begabtes Kind ist, wird als einziger der Stadt zum „Landexamen“ geschickt. Diese Prüfung würde ihn berechtigen, das Tübinger Seminar auf Staatskosten zu besuchen, und später den Beruf als Pfarrer oder Lehrer zu ergreifen. Hans bereitet sich unter dem riesigen Druck seines Vaters, und der Lehrer seiner letzten Schule, sehr genau und gründlich auf diese Prüfung vor, und besteht sie als zweiter. Endlich erlaubt ihm sein jetzt stolzer Vater wieder einem seiner größten Hobbys nachzugehen, welches er schon seit Kind an liebte, aber des Lernen wegen nicht machen durfte, nämlich dem Angeln. Hans genießt die vielen freien Tage, die er jetzt bis zu seinem einrücken ins Tübinger Seminar hatte. Doch es dauert nicht lange bis auch diese Stunden durch Lernstunden ersetzt werden, um den Lehrern und seinem Vater nach, am Seminar bestehen zu können. Dies weckt auch den Ehrgeiz Hans` und er bildet sich immer mehr ein überall der Erste, und alle bildungsmäßig hinter sich lassen zu müssen. Dann kommt der Eintritt in das Maulbronner Seminar in dem Hans in die Stube „Hellas“ geschickt wird. Dort lernt er viele neue Charaktere kennen (unter anderen auch: Emil Lucius, Hermann Heilner) will sich jedoch nicht so richtig mit jemandem anfreunden. Erst einige Monate nach Seminarbeginn schließt er mit Hermann Heilner eine Freundschaft. Dieser berichtet Hans davon wie er hier alles sieht: Wirklichkeitsfremd, den Kloster als Gefängnis, und viele Dinge die gelehrt werden als überflüssig. Dies ist sein Bild über den Kloster. Diese Freundschaft zwischen dem Leichtsinnigen und den Gewissenhaften erschöpft Hans sehr, und er lernt eine völlig neue Anschauung kennen. Nach einiger Zeit kommt es in der Stube „Hellas“ zu Unstimmigkeiten zwischen Heilner und Lucius, und eine kleine Schlägerei zwischen den beiden entsteht. Als die Lehrer von dem Vorfall, und dem Schuldigen, nämlich Heilner, berichtet bekommen, wird Hermann bestraft, und sein Ruf in der Schule sinkt bei Lehrern wie auch bei Schüler auf fast null. Keiner will mehr was mit ihm zu tun haben, auch der dickste Freund, Hans Giebenrath, hielt Abstand von seinem einstigen so wichtigen Freund. Als dann ein Mitschüler der Stube „Hellas“ verunglückt und stirbt, kommen sich die zwei nach langem ignorieren beiderseits wieder näher, und schließen erneut Freundschaft. Hermann Heilner wird von den Lehrern sehr streng behandelt, da seine Gedanken der Sinnlosigkeit dieser Ausbildung, sonst auch noch auf andere Zöglinge übergreifen konnte. Doch zu spät: Hans erkennt endlich die Sinnlosigkeit der Ausbildung, und seine Noten verschlechtern sich stark. Die Lehrer führen dass nicht auf mangelnde Lernbereitschaft, sondern auf den Umgang mit Hermann Heilner zurück, und verbieten dies auch. Am nächsten Tag verschwindet Heilner, und wird nirgends wieder gesehen. Hans probiert sich immer wieder zu motivieren, um zu lernen, um nicht weit zurückzubleiben, diese Anstrengungen bleiben jedoch erfolglos, da sich in Hans` Gedanken immer mehr Träumereien abspielen, und so beschließen die Lehrer in nach Hause zu schicken. Hier bemerkt Hans dass er den Anforderungen der Lehrer nicht folge leisten konnte, und denkt dauern nur mehr an Selbstmord, und bemerkt dass die schöne Kindeszeit vorüber ist. Um auf andere Gedanken zu kommen, beginnt Hans eine Mechanikerlehre. In der Arbeitsstätte, lernt er neuen Kollegen kennen, die ihn dann mit auf ein Fest nehmen. Jetzt versucht Hans zum Letzten mal, sich verkrampft anzupassen, und nicht er zu sein, und schüttet Massen an Alkohol in sich hinein. Am nächsten Tag wird Hans tot in einem Bach gefunden. Nur sein Kindheitsfreund Schustermeister Flaig, erkennt den wahren Grund für Hans` Tod, die Lehrer.

Interpretation:

Hermann Hesse schreibt in seinem Werk „Unterm Rad“ so etwas wie eine Anleitung zur Erziehung der Kinder, und zu was es im extremsten Fall führen kann, wenn man selbst und auch die Umwelt dabei Fehler macht. Hans wird dauernd nur von seinem Vater durchs Leben gelenkt, und kann seinen eigenen Willen nicht einmal ein bisschen ausleben. Hans, der mit Wissen vollgestopft wird, übernimmt nach nur kurzer Zeit das von seinem Vater gewünschte Denken. Er wird vom Ehrgeiz besessen, und muss immer Erster werden, sonst hat er sein Ziel nicht erreicht. Nachdem sein Vater ihn die Freizeit gestohlen hatte, begannen auch noch die Lehrer seine wohlverdiente Freizeit mit Lehrstunden voll zu stopfen, und immer mehr Leistung von ihm zu erzwingen. Auch die Umwelt, die Gesellschaft der Stadt, ist stolz ihn als einzigen der Stadt beim Examen zu sehen. Auch so wird Druck ausgeübt. Doch dann beginnt Hans endlich mal zu Denken, warum er das alles tut, und kommt zum Schluss dass er das eigentlich gar nicht möchte. Hermann Hesse bringt in das Buch viele seiner persönlichen Erfahrungen mit Lehrern ein, und die ganze Handlung des Buches, basiert auf einem Teil seines Leben. Auch er wurde aufs Landexamen geschickt, um später am Seminar teilzunehmen. Hesse begann, gleich wie Hans in seinem Buch, nachzudenken, und kam schließlich zu dem Schluss: „entweder Dichter oder gar nichts werden“. Auf diesen Gedanken hinauf floh er nach 7 Monaten aus dem Kloster in Maulbronn. Auch den Selbstmordgedanken der im Buch vorkommt, kannte Hesse aus seinem Leben, schließlich hatte er im Sommer 1892, gleich nach der Flucht aus dem Kloster, einen Selbstmordversuch überlebt. Die Hauptfigur Hans im Buch weiß eine Zeit lange nicht was für sie wichtiger ist. Entweder die Freundschaft oder das Lernen. Doch Hans erkennt bald dass er es nicht schafft, ein Gleichgewicht dieser 2 Dinge herzustellen, und entscheidet sich dann für die Freundschaft. Einzig Hermann Heilner ist bereits gedanklich so weit, dass er sieht dass alle Kloster-Schüler unfrei sind.
Markant in Hesses Buch sind die oft einige Seiten umfassende Beschreibungen der Schauplätze. Es wird jedes noch so kleine Detail beschrieben, dies erleichtert dem Leser die Erstellung eines Bildes des Schauplatzes. Das Ende des Buches, ob Hans im Bach ertrunken ist, oder ertrinken wollte, wird von Hesse bewusst offen gelassen, um zum Nachdenken anzuregen. Nur Schustermeister Flaig, erkennt den Todesgrund, und die Probleme des Knaben. Alle anderen denken noch immer das richtige, ohne irgendwelche Fehler, gemacht zu haben.

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