High Heels (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 12/2004
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Erfahrungsbericht von w.gruentjens
Schrille Mutter-Tochter-Farce
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
High Heels heißen hochhackige Schuhe, mit denen Weiber auch spitze und böse Tritte austeilen können, wenn sie zu Hyänen werden. Almodóvar zeigt hier in einer spannenden, schrillen und tragischen Mutter-Tochter-Inszenierung zwei solche Damen mit High Heels, bei der man bis zum Schluss nicht weiß, welche nun die Mörderin ist; und auch zum Schluss erfährt man noch eine Reihe anderer Geheimnisse …
INHALT
In der Vergangenheit, vor 15 Jahren, hat die Mutter Becky (Marisa Paredes) die Tochter Rebeca (Rocio Munoz) verlassen.
Rückblende:
Becky ist eine große Dame im Show-Business, aber sie will noch höher hinaus und sucht deshalb neue Karrierewege in Amerika. Ihren Mann hat sie zwar verlassen, ist aber mit zwei Liebhabern (Manuel und Alberto) recht gut ausgelastet. Alberto will sie mit Gewalt hindern, nach Amerika zu gehen. Man sieht dann die kleine Rebeca, wie sie sich an Tabletten im Bad zu schaffen macht. Kurz darauf verunglückt Alberto mit dem Auto, und die Mutter kann ungehindert abfahren. Die Abwesenheit dauert aber dann doch viel länger als geplant, nämlich 15 Jahre.
In der Gegenwart
erleben wir nun die Rückkehr der Mutter, die von der Eröffnung, dass Rebeca (nunmehr gespielt von Victoria Abril) Mutters anderen früheren Liebhaber Manuel geheiratet hat, nicht erbaut ist. Die beiden wollen sich aber scheiden lassen.
Alle besuchen zusammen ein Cabaret, in dem auch der Transvestit Letal (Miguel Bosé) auftritt, der Becky kopiert. Toll, wirklich. In der Pause dann nimmt er Rebeca, die er liebt, mit in die Garderobe und schläft mit ihr. Aber Letal hat noch ein anderes Geheimnis …
Schließlich wird Manuel, Rebecas Mann, der aber ein Verhältnis mit Rebecas Kollegin hat und auch schon mal mit ihrer Mutter schläft, ermordet aufgefunden, und Rebeca, die ja auch Nachrichtensprecherin in Manuels Sender ist, bezichtigt sich selbst in den Nachrichten, ihren Mann umgebracht zu haben.
Im Gefängnis schließlich singen und tanzen die Gefängnisinsassinnen ein Ballett, und spätestens damit sagt Almodóvar, dass man das Ganze nicht ernst, sondern als Farce nehmen soll.
Immer lächerlicher wird das „Drama“ nun noch, wenn der Untersuchungsrichter auftritt. Der hat nämlich auch so seine kleinen Geheimnisse. Und auch sein Spitzel bringt erhebliche Verwirrung.
Wenn dann am Ende die Frage nach der Mörderin Manuels beantwortet wird, kommt die Mutter-Tochter-Beziehung voll zum Tragen. Erst am Ende, kurz vor dem Tod der Mutter, kommen die beiden zu einer Einigung, zu einer Nähe, zu einem Manöver, das den Richter, der Rebeca mittlerweile näher gekommen ist, in seiner Sucht und Suche nach Beweisen für Schuld und Unschuld zufrieden stellt.
QUALITÄT
Ich mag ja künstlerische Filme, ich mag schwarzen Humor, ich mag auch satirische Komödien; aber dieser Film hier ist alles drei. Er ist schrill, übertrieben, satirisch, gesellschaftskritisch und nimmt auch das Genre „Melodram“ auf die Schippe, wie mir scheint. Man kann den Film – wie Posdole es tut – als Melodram empfinden; für mich ist er eine Veräppelung eines Melodrams; aber bilde jeder sich selbst sein eigenes Urteil. Denn gesehen haben sollte man den Film schon einmal; er kommt regelmäßig bei arte.
Die Mutter, die bisher als Mutter versagt hatte, opfert sich nun am Ende des Lebens und rettet damit ihre Tochter. Die Tochter, die schon früh lernte, Geschicke anderer in ihrem eigenen Interesse zu beeinflussen, verlangt das Opfer des Lebens und die Funktion als Sündenbock. Ist das etwas, das unser Herz bewegt, oder ist es so übertrieben, dass wir über gezückte Taschentücher schmunzeln können? Ich bin mir nicht sicher; ich weiß nur, dass dies auf mich eher satirisch wirkte.
Dieser Film ist aber nicht nur eine gute Mischung aus Kunst, schwarzem Humor und Satire; er ist auch spannend. Die schrillen Figuren, der sonderbare Richter, der eigenartige Transvestit, die kalte Tochter und die egoistische Mutter geben zusammen mit Todesfällen, Gefängnis und geheimnisvollen Ermittlungen dem Film auch etwas von einer Kriminalkomödie.
Die Musik ist zauberhaft, natürlich spanisch. Wer spanische Musik mag, wollte schon deshalb den Film einmal anschauen. Störende Musik mitten in Dialogen gibt es fast nicht in diesem Film.
Marisa Paredes spielt die schrille Mutter mit Karrieresucht und mehreren Liebhabern so überdeutlich, aber nicht übertrieben deutlich, dass man diese schrille Person als markante Hauptperson im Film anerkennen muss.
Die Tochter dagegen ist fast unscheinbar, nicht einmal hübsch. Victoria Abril spielt diese kühle Person, die schon als Kind lernen musste, ihre Interessen zu wahren und notfalls auch durchzusetzen, mit angemessener Distanz und sehr glaubhaft.
FAZIT
Wer sich für Filmkunst interessiert, sollte diesen Film von Aldomóvar einmal ansehen. Wer Unterhaltung sucht, ist hier aber auch nicht verkehrt, denn der Film ist mit seinem schwarzen Humor unterhaltsamer als mancher Unterhaltungsfilm.
INHALT
In der Vergangenheit, vor 15 Jahren, hat die Mutter Becky (Marisa Paredes) die Tochter Rebeca (Rocio Munoz) verlassen.
Rückblende:
Becky ist eine große Dame im Show-Business, aber sie will noch höher hinaus und sucht deshalb neue Karrierewege in Amerika. Ihren Mann hat sie zwar verlassen, ist aber mit zwei Liebhabern (Manuel und Alberto) recht gut ausgelastet. Alberto will sie mit Gewalt hindern, nach Amerika zu gehen. Man sieht dann die kleine Rebeca, wie sie sich an Tabletten im Bad zu schaffen macht. Kurz darauf verunglückt Alberto mit dem Auto, und die Mutter kann ungehindert abfahren. Die Abwesenheit dauert aber dann doch viel länger als geplant, nämlich 15 Jahre.
In der Gegenwart
erleben wir nun die Rückkehr der Mutter, die von der Eröffnung, dass Rebeca (nunmehr gespielt von Victoria Abril) Mutters anderen früheren Liebhaber Manuel geheiratet hat, nicht erbaut ist. Die beiden wollen sich aber scheiden lassen.
Alle besuchen zusammen ein Cabaret, in dem auch der Transvestit Letal (Miguel Bosé) auftritt, der Becky kopiert. Toll, wirklich. In der Pause dann nimmt er Rebeca, die er liebt, mit in die Garderobe und schläft mit ihr. Aber Letal hat noch ein anderes Geheimnis …
Schließlich wird Manuel, Rebecas Mann, der aber ein Verhältnis mit Rebecas Kollegin hat und auch schon mal mit ihrer Mutter schläft, ermordet aufgefunden, und Rebeca, die ja auch Nachrichtensprecherin in Manuels Sender ist, bezichtigt sich selbst in den Nachrichten, ihren Mann umgebracht zu haben.
Im Gefängnis schließlich singen und tanzen die Gefängnisinsassinnen ein Ballett, und spätestens damit sagt Almodóvar, dass man das Ganze nicht ernst, sondern als Farce nehmen soll.
Immer lächerlicher wird das „Drama“ nun noch, wenn der Untersuchungsrichter auftritt. Der hat nämlich auch so seine kleinen Geheimnisse. Und auch sein Spitzel bringt erhebliche Verwirrung.
Wenn dann am Ende die Frage nach der Mörderin Manuels beantwortet wird, kommt die Mutter-Tochter-Beziehung voll zum Tragen. Erst am Ende, kurz vor dem Tod der Mutter, kommen die beiden zu einer Einigung, zu einer Nähe, zu einem Manöver, das den Richter, der Rebeca mittlerweile näher gekommen ist, in seiner Sucht und Suche nach Beweisen für Schuld und Unschuld zufrieden stellt.
QUALITÄT
Ich mag ja künstlerische Filme, ich mag schwarzen Humor, ich mag auch satirische Komödien; aber dieser Film hier ist alles drei. Er ist schrill, übertrieben, satirisch, gesellschaftskritisch und nimmt auch das Genre „Melodram“ auf die Schippe, wie mir scheint. Man kann den Film – wie Posdole es tut – als Melodram empfinden; für mich ist er eine Veräppelung eines Melodrams; aber bilde jeder sich selbst sein eigenes Urteil. Denn gesehen haben sollte man den Film schon einmal; er kommt regelmäßig bei arte.
Die Mutter, die bisher als Mutter versagt hatte, opfert sich nun am Ende des Lebens und rettet damit ihre Tochter. Die Tochter, die schon früh lernte, Geschicke anderer in ihrem eigenen Interesse zu beeinflussen, verlangt das Opfer des Lebens und die Funktion als Sündenbock. Ist das etwas, das unser Herz bewegt, oder ist es so übertrieben, dass wir über gezückte Taschentücher schmunzeln können? Ich bin mir nicht sicher; ich weiß nur, dass dies auf mich eher satirisch wirkte.
Dieser Film ist aber nicht nur eine gute Mischung aus Kunst, schwarzem Humor und Satire; er ist auch spannend. Die schrillen Figuren, der sonderbare Richter, der eigenartige Transvestit, die kalte Tochter und die egoistische Mutter geben zusammen mit Todesfällen, Gefängnis und geheimnisvollen Ermittlungen dem Film auch etwas von einer Kriminalkomödie.
Die Musik ist zauberhaft, natürlich spanisch. Wer spanische Musik mag, wollte schon deshalb den Film einmal anschauen. Störende Musik mitten in Dialogen gibt es fast nicht in diesem Film.
Marisa Paredes spielt die schrille Mutter mit Karrieresucht und mehreren Liebhabern so überdeutlich, aber nicht übertrieben deutlich, dass man diese schrille Person als markante Hauptperson im Film anerkennen muss.
Die Tochter dagegen ist fast unscheinbar, nicht einmal hübsch. Victoria Abril spielt diese kühle Person, die schon als Kind lernen musste, ihre Interessen zu wahren und notfalls auch durchzusetzen, mit angemessener Distanz und sehr glaubhaft.
FAZIT
Wer sich für Filmkunst interessiert, sollte diesen Film von Aldomóvar einmal ansehen. Wer Unterhaltung sucht, ist hier aber auch nicht verkehrt, denn der Film ist mit seinem schwarzen Humor unterhaltsamer als mancher Unterhaltungsfilm.
37 Bewertungen, 3 Kommentare
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28.05.2004, 18:26 Uhr von olgafrei
Bewertung: sehr hilfreichsehr schöner bericht über einen klasse film einer meiner lieblingsregisseure. bin schon gespannt auf sein neustes werk! lg, anja
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15.05.2004, 22:42 Uhr von Ritzilein
Bewertung: sehr hilfreichIch denke, das wäre ein Film für mich. Mal schauen... Liebe Grüße, Bianca
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15.05.2004, 22:33 Uhr von retilein
Bewertung: sehr hilfreichscheint interessanter film zu sein
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