High Tension (DVD) Testbericht

ab 14,32
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Erfahrungsbericht von ZordanBodiak

...wofür man Kreissägen nicht verwenden sollte...

Pro:

Blutig-spannender Beginn, der ohne jegliche Kompromisse den Zuschauer gefangen nimmt...

Kontra:

...und von einem selten dämlichen Plot-Twist ins tiefen Tal der Unlogik getragen wird! Zudem bietet die Leih-DVD von McOne nur eine leicht geschnittene Fassung des Filmes!

Empfehlung:

Nein

Der französisch Horrorschocker „haute tension“ hätte vieles werden können. Ein kleiner fieser Genre-Klassiker, der mit blutigen Details nicht geizt und die Nerven des Zuschauers auf einem unausstehlichen Maß strapaziert. Eine Slasher-Granate, die die genrebekannte Geschichte auf ihre Grundpfeiler reduziert und dennoch den Figuren intelligente und glaubhafte Charakterzüge zuspricht. „Haute tension“ hätte einfach der Horrorfilm der Saison werden müssen. Doch das, was Alexandre Aja dem Zuschauer nun auftischt, ist gesamtbetrachtet eine mittelgroße Katastrophe. Fast bis zum Finale gelingt alles – doch dann kommt er: Der Plot-Twist, der alles versaut und das gesamte Schlammesel der Lächerlichkeit preisgibt.


Dennoch. Der Anfang ist wahrlich genial. Schnell werden die beiden weiblichen Hauptfiguren eingeführt. Schnell darf der verrückte Killer auf den Plan treten und sein blutiges Handwerk beginnen. Und dabei wollten Alex und Marie nur vor der Stadt fliehen und im abgelegenen Bauernhause Alex’ Familie für die anstehenden Prüfung lernen. Doch bereits in der ersten Nacht klopft der Unbekannte an die Haustür und metzelt Alex Familie nieder. Marie kann dem Fiesling entgehen, Alex hingegen wird gefesselt und geknebelt in den rostigen Lieferwagen des Verrückten gesperrt. Einen kühlen Kopf bewahrend versucht Marie ihre Freundin aus dem Laderaum zu befreien – jedoch ohne Erfolg. Denn plötzlich werden die schweren Türen von außen geschlossen. Nun sind beide gefangen. Die Lage scheint aussichtslos...


Aja geht wirklich keine Kompromisse ein. Seine Geschichte ist fies. Schon der erste Auftritt des Killers ist an nicht sichtbarer Perversität nicht zu überbieten. Laut stöhnend in seinem Lieferwagen sitzend drückt er eine Frau in seinen Schoß, lässt sich von ihr oral befriedigen. Unter orgastischem Stöhnen startet er den Motor – und wirft während des Losfahrens einen abgetrennten Frauenkopf aus dem Fahrerfenster. Eine Szene, die es wirklich in sich hat. Und während hier noch alles hinter „verschlossenen Türen“ geschieht, wird der Amoklauf im Bauernhaus um einiges drastischer visualisiert. Vor Tieren wird kein Halt gemacht. Kleine Kinder müssen ebenso ihr Leben lassen. Und der Herr des Hauses wird äußerst sehenswert um einen Kopf kürzer gemacht. Dass bei manchen Tötungsszenen der Pfad der Logik verlassen wird, mag zwar sauer aufstoßen – allerdings ist die Effekt-Arbeit derartig überzeugend, dass man getrost die „Tötungslogik“ außer acht lassen kann.

Jedoch sollte man „haute tension“ nicht auf seine Blutrünstigkeiten minimieren. Der Film wirkt vor allem als spannender Schocker, bei dem durch die grandiose Verschmelzung von Bild und Ton eine dichte Atmosphäre geschaffen wird, die die Nerven des Zuschauers bis zum Zerbersten anspannt. Lange Kamerafahrten [von Maxime Alexandre ], die die vorsichtig schleichende Marie verfolgen. Verstörend verfremdete Hintergrundgeräusche, die den Zuschauer jederzeit auf einen neuen Schockmomente vorbereiten wollen. Und perfekt sitzende Schnitte [von Baxter], die den Szenen einen äußerst dynamischen Charakter verleihen.

„Haute tension“ ist somit ein Hochglanz-Horrorfilm, dessen brillante Verschmelzung von Bild und Ton vor allem bei einer Autoverfolgungsjagd hervortritt. Nachdem Marie bei einer Tankestelle aus dem Laderaum flüchten konnte, fährt der rostige Laster ohne sie weiter. Nach verzweifelten und erfolglosen Anrufen bei der Polizei nimmt die nervlich überstrapazierte Marie die Verfolgung in einem Sportwagen auf. In den folgenden Szenen wird immerzu in verwegenen Kameraeinstellungen zwischen den Spielorten hin- und hergeschnitten. Alex zusammengekauert und heulend im Laderaum. Der Psychopath alkoholtrinkend im Führerhaus, sein Opfer durch perverse Spielchen quälend. Und Marie im Sportwagen auf der Verfolgung. Untermalt wird die Szene mit Muses „new born“. Langsam beginnend steigert sich der Song zu einem leichten Gitarrensturm und mit ihm die Schnittwirkung des Filmes – eine atemberaubende Szenenfolge.


SPOILER-WARNUNG
So gut jedoch der Anfang des Filmes war, die letzten zehn Minuten zerstören jegliche Pluspunkte, die dem Film wohl einen Platz im Genre-Himmel beschert hätten. Während Marie endlich dem durchgeknallten Psychopathen den Garaus machen konnte, sieht man in einer dazwischengeschnittenen Szenen, dass zwei Polizisten bei der Tankstelle angekommen sind und den Tatort inspizieren. Dabei fällt den Gesetzeshütern das Videoüberwachungsband in die Hände – und was sieht man auf selbigem? Nicht ein alternder, dicklicher Kerl hat den Tankwärter mit einer Axt malträtiert, sondern eine durchgeknallte Marie. Welch grandiose Wendung. Erneut eine zweigespaltene Persönlichkeit, die das Publikum mit offenem Mund zurücklassen soll.

Dass durch diese Wendung dem Film jedoch jegliche Logik abhanden kommt, haben die Drehbuchautoren wohl nicht beachtet. Marie muss sich zugleich an zwei verschiedenen Plätzen befinden (sowohl am Steuer als auch im Laderaum des Lasters), auf den Videoüberwachungsbändern wird zunächst deutlich der männliche Psychopath aufgezeichnet. Diese logischen Aussetzer ließen sich beliebig fortsetzen – was aber nur zu einer noch großen Minderung des Filmgenusses führen würde.

Zwar könnte man zur Rettung „haute tensions“ argumentieren, dass sich die Geschehnisse derartig in Maries Phantasiewelt abgespielt haben – dies würde aber dennoch nicht erklären, wieso Marie bereits vor ihrer ersten Ankunft den Bauernhof Alex’ Eltern kennt und woher der rostige Laster, der scheinbar schon für andere Schandtaten missbraucht worden ist, kommt. Aber auch ansonsten wäre dies nur eine billige Erklärung ohne Halt innerhalb der Inszenierung (als positiven Vergleich hierzu, könnte man „identity“ anführen), deren einziges Nutzen es wäre das komplette Logikgerüst nicht gänzlich in sich zusammenstürzen zu lassen.

Und so muss man als Betrachter leider feststellen, dass die Drehbuchautoren (Aja erhielt von Grégory Levasseur Unterstützung) wohl ein paar Mal zu oft David Finchers Geniestreich „Fight club“ gesehen haben und hofften mit einer vergleichbaren Drehbuchwendung, ihrem Werk eine „eigene“ Würze zu geben.
SPOILER-ENDE


Um jedoch nicht „haute tension“ gänzlich in einem negativen Licht erscheinen zu lassen , muss man dem Film zugestehen, dass er trotz aller Minimalisierung der Storyelemente glaubwürdige Charaktere bietet – was gerade im Slasher-Genre keine Selbstverständlichkeit ist. Vor allem Marie wirkt durch einige durchdachte und nachvollziehbare Taten äußerst überzeugend. Unterstützt wird diese dreidimensionale Figur durch die äußerst gelungene Darstellung Cécile de Frances [u.a. „L’ auberge espagnole“und „around the world in 80 days“]. Aber auch Maïwenn le Besco [Alex; u.a. „the fifth element / das fünfte Element“] leistet vorzügliche Arbeit. Zwar liegt ihr Charakter die überwiegende Spielzeit gefesselt und geknebelt im Laster – jedoch erscheint ihr Gewimmer und Geflehe beängstigend real und verstörend auf den Zuschauer.

Wirklich fies wird es aber erst wenn man sich Philippe Nahons [u.a. der Schlachter in den Gaspar Noé Filmen („carne“, „seul contre tous / Menschenfeind“ und „irréversible“)] Auftreten als namenloser Psychopath genauer betrachtet. Das Drehbuch bietet ihm wenige Möglichkeiten zu glänzen, fordert ihn eigentlich viel zu wenig. Mit tief in das Gesicht gezogener Kappe stapft er schnaubende durch seine Szenen, steht mit seinem kompromisslosen Auftreten bestens in der Tradition der unbesiegbaren Genre-Bösewichter. Doch bereits die wenigen Chancen nutzt Nahon perfekt, um dem Zuschauer einen wohligen Schauer über den Rücken laufen zu lassen. Er „genießt“ seine Tötungen mit einem eiskalt stoischen Gesichtsausdruck. Äußerst mundfaul wechselt er einzig mit dem Tankwart [Franck Khalfoun nutzt seinen Fünfminutenauftritt blendend!] einige Sätze – und spielt während dieses Dialoges herrlich seine Mimik aus. Unterkühlt verzieht er die Mundwinkel zu einem Lächeln. Versucht den Tankwart trotz seines blutverschmierten Aussehens in Sicherheit zu wägen. Eine fiese Vorstellung – ganz im Stile eines verrückten Killers!



Die DVD

Grundlage für diese Rezension ist die Leih-DVD!

Eines bereits vorweg. Trotz einer fehlenden Jugendfreigabe („strafrechtlich unbedenklich“) ist die längste in Deutschland erhältliche DVD [Leih-Medium] von McOne gekürzt. An zwei Szenen wurden einige blutige Details entfernt, so dass im Vergleich zur Fassung, die auf dem FantasyFilmFest 2004 gezeigt worden ist, 67 Sekunden fehlen. Aber auch in diesem beschnittenen Zustand ist „haute tension“ immer noch äußerst brutal und blutrünstig. Gerade die Szenen, die im Vorfeld als wahrscheinlichste Kürzungsopfer bezeichnet worden sind, sind noch in ihrer vollen Pracht zu genießen. Ob es für den deutschen Markt noch eine Veröffentlichung ohne jegliche Schnitte geben wird, ist äußerst unwahrscheinlich. Bisher wurde nur für den österreichischen / schweizerischen Markt eine Uncut-DVD angekündigt.


Ungeachtet des gekürzten Filmes bietet die Leih-DVD leider nicht allzu viel. Das MENÜ wird mit sphärisch-träumerischem Sound unterlegt, der immer wieder für wenige Sekunden von wahren „Gewitter-Attacken“ unterbrochen wird. Eigentlich eine gute Einstimmung auf den Film – zumal bereits im Hintergrund verfremdete Ausschnitte gezeigt werden, die einen auf die blutigen Szenen vorbereiten.

EXTRAS sind hingegen auf der Leih-DVD absolute Mangelwahre. Die Biographie-Bildtafeln der Hauptdarsteller und des Regisseurs sind zwar ausführlich und durchaus interessant zu lesen, aber abgesehen von dem Film-Trailer [in deutsch und französisch] soll es das mit den filmbezogenen Extras gewesen sein. Einzig mit einem riesigen Untermenü mit weiteren Trailern zu McOne-Veröffentlichungen, welche man jedoch größtenteils von den anderen Scheiben des Anbieters bereits kennt, wartet die DVD noch auf.

Die Kauf-Fassung des Filmes hingegen wird ein Zwei-Disc-Set sein, bei dem die zweite DVD zusätzlich mit einem Making-of und Interviews der Beteiligten aufwartet. Großer Nachteil dieser Version ist jedoch, dass der Film zusätzlich Federn lassen musste und grob geschätzt 2 Minuten kürzer als der Original-Cut ist.


Gänzlich überzeugenden ist glücklicherweise die technische Seite des Silberlings. Das BILD [Format: 2.35:1] ist gestochen scharf, leistet sich keine Kontrastlosigkeit in den dunklen Szenen und bietet gesamtbetrachtet ein exzellentes Sehvergnügen. Ebenso überzeugend ist der TON. Schön kräftig und dynamisch donnert der 5.1 Sound [vorhanden in Deutsch, Englisch und Französisch – Deutsch wird zusätzlich in „headphone-surround“ geboten] aus den Boxen. Perfekt verteilt auf die einzelnen Surround-Boxen wird der Gänsehautfaktor durch die saftigen Sounds sicherlich noch einmal um eine „kleine“ Stufe erhöht.

Zusätzlich bietet die Leih-DVD zwei deutsche Untertitelspuren [„normal“ und „für Hörgeschädigte“], die das überzeugende technische Gesamtbild äußerst gelungen abrunden.


Fazit – Noch spannender wäre tödlich

Seinem Titel alle Ehre machend ist „haute tension“ ein fieser Slasher, der nichts für schwache Nerven ist. Jedoch schneidet sich Alexandre Aja mit einem haarsträubenden, finalen Plot-Twist ins eigene Fleisch und verheizt ein gelungenes Genre-Werk zu einem unlogischen Klappergerüst, das in der finalen Abrechnung einige Federn lassen muss. Trotz der überzeugenden Darstellerriege und den schockierenden Gore-Szenen verbleibt somit nur ein Filmchen, das man zehn Minuten vor dem eigentlichen Abspann ausschalten sollte – obgleich man dann eine fast schon legendäre Zweckentfremdung einer Kreissäge verpasst.

Die deutsche Leih-DVD von McOne bietet auf der technischen Seite sehr gute Leistungen. Die spärlichen Extras hingegen sind bereits ein erster Grund zum Ärgern. Wirklich unverständlich ist aber, dass der Film trotz einer mangelnden Jugendfreigabe immer noch in zwei Szenen um insgesamt 67 Sekunden gekürzt worden ist. Sicherlich, der Film ist brutal – wenn man aber die ungekürzten Mordszenen mit Kreissäge und Axt anschaut, muss man sich notgedrungen fragen, ob nicht unter Umständen an den falschen Enden gekürzt worden ist.

Für die Freunde des ungekürzten Horror-Spaßes ist somit ein Rückgriff auf ausländische DVDs unvermeidlich. Denn die bisher einzige ungeschnittene DVD-Ausgabe in Deutschland ist die Presse-DVD von McOne – und an selbige dürfte man nur unter erschwerten Umständen herankommen.

Film-Wertung: 4 kreissägende Punkte auf meiner 10er-Skala
DVD-Wertung: 4 rasierende Punkte auf meiner 10er-Skala [leichte Abzüge in der B-Note für die erträglichen Kürzungen]

28 Bewertungen, 5 Kommentare

  • DarthLuda

    27.07.2005, 03:34 Uhr von DarthLuda
    Bewertung: sehr hilfreich

    natürlich kann marie nicht gleichzeitig hinten im wagen und am steuer sitzen. ihre "gute" rolle stellt sie sich nur vor, um ihre kranke fantasie zu perfektionieren

  • anonym

    03.07.2005, 19:51 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Der Schluss war echt saudoof..

  • maso101

    16.02.2005, 19:10 Uhr von maso101
    Bewertung: sehr hilfreich

    das mit der gespaltenen persönlichkeit kommt mir bekannt vor. (das geheime fenster - da ist aber glaub ich alles soweit ganz logisch aufgebaut +g+) aber so filme find ich eh blöd! (= +senf dazu geben muss+ (: schöner bericht.

  • klukklukkluk

    14.02.2005, 22:26 Uhr von klukklukkluk
    Bewertung: sehr hilfreich

    na ja... die geschmäcker... vielleicht hat er mir auch nur besser gefallen, da ich die presse-dvd habe ;-)

  • anonym

    14.02.2005, 22:00 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    kann man sich sparen. Danke.