Highland Park 12 Jahre Testbericht
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- Geschmack:
- Geruch:
- Wirkungsgrad:
- Nachwirkungen:
Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
"'tween highlands and islands": ein Gentleman, der Brücken baut
Pro:
- siehe Text -
Kontra:
nix
Empfehlung:
Ja
Jüngst war es mal wieder soweit: Ich habe mich an diversen Whiskysorten delektiert. Man könnte wohl auch sagen: ich habe mir einen klitzekleinen Schwips angetrunken.
Man könnte allerdings auch sagen, dass der obige Absatz eine Aneinanderreihung von Untertreibungen ist, und damit hätte man verdammt recht. In Wirklichkeit war der kleine Schwips ein ausgewachsener Rausch, und neben Whiskys verschiedener Provenienzen waren außerdem noch verschiedene Biere im Spiel. Aber schön von Anfang an und der Reihe nach. Im Anfang war das Wort, und das lautete im nämlichen Fall „Guinness“. Guinness ist bekanntlich ein Bier, und zwar nicht nur eines, dessen Name auf Getränkekarten rund um die Welt rekordverdächtig oft in falscher Schreibweise auftaucht, sondern ganz nebenbei auch mein liebstes Bier.
O u v e r t ü r e
Seitdem Herr Trittin der heimischen Industrie das Dosenpfand spendiert hat, macht sich Guinness in Dosen hier zu Lande leider ziemlich rar; und seitdem unsereiner in der Kneipe sein Bier mit dem Euro bezahlt, ist Guinness vom Fass, so lautet jedenfalls meine Erfahrung, auch in kleinen Dosen teils empfindlich teuer. Bei aller Liebe: Bei Preisen von 5 Euro für 0,4 Liter Guinness vergeht auch mir der Durst. Aber wie heißt es so schön? Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Dann und wann gilt das zum Glück auch bei akuter Gefahr für den Geldbeutel, und so nahte Rettung in Form einer Palette mit unbepfandeten Dosen. Die hatten nette Menschen für mich aus den Niederlanden importiert, und einen Preis von 2,79 € für 0,5 Liter Draught Guinness hatte ich für durchaus ok befunden. Moment – aus der Dose? Jawoll, aus der Dose. Sehe ich da etwa gerümpfte Nasen … ? Meine Ansicht ist ganz einfach: Lieber ein vergleichsweise günstiges Draught Guinness aus der Dose als ein vergleichsweise teures, schlecht gezapftes Guinness vom Fass. Wie bitte? Ob es Guinness denn nicht auch gut gezapft gibt? Doch, gibt es; hier zu Lande scheint mir das aber ein echter Glücksfall zu sein – und noch dazu einer, den ich in den letzten Jahren immer seltener erlebt habe.
Wie dem auch sei: Von meiner Guinness-Palette waren am 31. April noch Restbestände übrig, und die konnte ich mir in der schönen Gewissheit den Schlund hinuntergießen, dass der 1. Mai ein arbeitsfreier Werktag sein würde.
1. A k t
Für gewöhnlich bin ich kein Mensch, der findet, dass zu jedem Bier zwangsläufig auch ein „Kurzer“ gehört. Da sprichwörtliche Ausnahme bildet bei mir das Herrengedeck irischer Herkunft: Zu einem Guinness gehört für mich ein Bushmills Malt. Nicht immer, auch nicht immer öfter, aber wenigstens so dann und wann. Beim Guinness-Restetrinken wurde aus einem Busmills zweie („Auf einem Bein kann man nicht stehen“), und auf die folgte dann auch noch ein dritter („Aller guten Dinge sind drei.“) Dann war das Guinness futsch und guter Rat teuer. Da ich mich inzwischen dem Zustand heiterer Gelassenheit näherte, machte es mir aber nichts aus, von Stout zu Pils zu wechseln. Ein Krombacher („So jung wie heute kommen wir nicht mehr zusammen“) so dann und wann bekommt mir auch ganz gut, und irgendwie bin ich der Kombination aus vergorener und destillierter Gerste dann treu geblieben („Mit Traditionen soll man nicht brechen“); allerdings bin ich von Whiskey auf Whisky umgestiegen, will sagen: von irischem Destillat auf schottisches. Der Gastgeber (Jawoll, das Rest-Guinness hatte ich beigesteuert, die restlichen Getränke des Abends entstammten dann nicht mehr meinem Kabinett/Kühlschrank) ließ es sich nicht nehmen, zur Feier des Tages eine vor nicht allzu langer Zeit erstandene Flasche Glenfarclas zu entkorken – nicht irgendeine Abfüllung, sondern eine „Family Reserve“, destilliert im Jahre 1985, auf Flaschen gezogen 2003. Mit anderen Worten: ein Tröpfchen, das nicht nur die handelsüblichen sechs oder 12 Jahre im Fass geschlummert hatte, sondern sogar 18 Jahre. Sechs Jahre länger also als, zum Beispiel, der Highland Park (Aha!), um den es hier geht.
Tja.
Und das hier ist dann auch der Punkt, an dem der Tonfall des Textes vom Komischen ins Tragische kippt, und daran trägt der “Highland Park“ eine gewisse Mitschuld. Allerdings hat er Komplizen, und die heißen Guinness und Krombacher.
2. A k t
Genießer wissen natürlich, wie so ein Whisky Tasting unter zivilisierten Menschenkindern auszusehen hat. Die trinken immer nur schlöckchenweise, und natürlich gibt’s nie mehr als zwei, drei Sorten Whisky, und zwischen denen wird natürlich auch kein Bier geschluckt, sondern allenfalls mal ein Gläschen Wasser zum Neutralisieren. Und natürlich erkundigt sich bei einem Whisky Sampling unter gesitteten Leuten auch niemand mit schwerer Zunge nach Käsewürfeln, sondern bittet allenfalls um ein Bröckchen Weißbrot.
Trunkenbolde, die humpenweise Bier in sich hineinschütten und dabei noch geistigen Getränken zusprechen, scheren sich wenig um solche Feinheiten. Die würfeln pfundweise Pikantje in sich hinein, werfen zwischendurch die eine oder andere Erdnuss hinterher und traktieren ihre Zunge also mit einer Vielzahl verschiedener Geschmäcker. Und das Züngelein? Ist irgendwann verwirrt. Und was macht es, wenn man es mit einem 18 Jahre alten Glenfarclas begießt? Es kommt durcheinander und meldet erst dem Whiskyzentrum im Hirn einen falschen Eindruck, um danach im Verbund mit Lippen, Zähnen und Gaumen einen Satz wie den folgenden in die Welt hinauszuformulieren: „Schmeckt ... irgendwie seifig.“
Erfahrene Trunkenbolde wie ich wehren deshalb frühzeitig ab: Jetzt bloß keine besondere Abfüllung mehr öffnen – das ist wie die sprichwörtlichen Perlen, die vor die Säue geworfen werden!
Allerdings hört auf mich ja eh keiner.
Was mich am Glenfarclas erstaunt hat: Irgendwie schmeckte der auch viel weniger sherrybetont, als ich erwartet hatte. Selbst der zweite schmeckte irgendwie viel weniger nach Sherry, als ich erwartet hatte. Zum Vergleich und um uns der Satisfaktionsfähigkeit unserer Zungen zu versichern, haben wir dann noch schnell ein, zwei Aberlour verkostet. Der hatte, wie gehabt, deutliche Anklänge von Sherry. So verwirrt war das Zünglein dann wohl doch nicht.
3. A k t : H i g h l a n d _ P a r k
Ja, und dann – dann haben wir zur Sicherheit noch einen Highland Park getrunken. Oder besser gesagt: Wir sind dann für den Rest des Abends beim Highland Park geblieben und haben dessen Vorzüge über den grünen Klee gelobt (nein, das ist natürlich kein Seitenhieb gegen die Iren. Oder vielleicht doch? Na, vielleicht in ganz, ganz kleiner.)
Der Highland Park stammt von den Orkney-Inseln und ist, wie alle Insel-Whiskys, ein vergleichsweise robuster Typ. Das gilt für den so genannten Gaumen, aber das gilt auch für die Nase. Mit anderen Worten: für Geschmack und auch Geruch. Unter anderem heißt das, dass der Highland Park ein vergleichsweise torfiger Whisky ist. Wer dieser bestimmten Note nichts abgewinnen kann, der wird wahrscheinlich auch einen Highland Park nicht zu einem seiner Lieblingswhiskys küren. Anders gesagt: Wer bekennender Fan der irischen Whiskys mit ihren Noten von Karamell und Heidekraut oder Freund von Whiskys mit ausgeprägter Sherrynote wie zum Beispiel dem Aberlour ist, der wird den Highland Park als deutlichen geschmacklichen Kontrapunkt empfinden – wenn auch vielleicht nicht als einen so deutlichen wie etwa im Falle eines Laphroaig von der Insel Islay oder eines Talisker von der Isle of Skye. Letztere sind mit Sicherheit um einiges wuchtiger und ggf. entsprechend gewöhnungsbedürftiger; gerade der Talisker ist in der Gesamtanmutung zudem noch merklich salzig. Wer uralten Gouda und Salmiaklakritz mag, müsste allemal für einen Talisker zu gewinnen sein.
Der Highland Park ist, bei aller Robustheit, eleganter – am ehesten würde ich ihn, um bei den Insel-Malts zu bleiben, wohl mit einem Bunnahàbhain oder einem Bruichladdich vergleichen.
R e p r i s e
Mit deutlichen Spuren von Torf in Nase und am Gaumen ist der “Highland Park“ ein typischer Vertreter der schottischen Insel-Whiskys. Im Gegensatz zu den jodhaltigeren, salzigeren Islay Whiskys wie zum Beispiel “Laphroaig“ und “Lagavulin“ oder auch zum “Talisker“ von der Isle of Skye bietet der “Highland Park“ aber auch viel malzige Süße. Hierin ähnelt er den Islay Malts Bruichladdich und Bunnahàbhain; wer einen Zugang zu den Insel-Malts sucht, der findet im “Highland Park“ einen der Gentlemen unter den Insel-Whiskys: ein Whisky voller Wärme und milder Glut, der nicht nur im Namen eine Brücke zwischen den schottischen Highlands und Inseln schlägt.
33 Bewertungen, 15 Kommentare
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26.07.2007, 21:34 Uhr von Dr_Ed
Bewertung: sehr hilfreichDer Highland-Park ist in der Tat ein vorzügliches Tröpfchen, aber den Talisker würde trotzdem immer wieder vorziehen!
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03.01.2007, 18:27 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichsh & lg Sarah
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11.05.2006, 22:35 Uhr von Lotosblüte
Bewertung: sehr hilfreichIch hoffe, nicht alle Kärntner sind Tschecheranten... <br/>
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11.05.2006, 00:53 Uhr von Django006
Bewertung: sehr hilfreichsh & *lg* Alan :>))))
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11.05.2006, 00:40 Uhr von _knuddelmonster88_
Bewertung: sehr hilfreich>>>sehr hilfreich <<< <br/>Und viele liebe Grüße von Sara
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10.05.2006, 23:59 Uhr von NancyNoack
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht! <br/>~SH~
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10.05.2006, 23:46 Uhr von sindimindi
Bewertung: sehr hilfreichSchon wieder Whisky, dazu noch so ein guter - Du machst mich noch zum Whiskytrinker - "Whisky voller Wärme und milder Glut" - ich kenne nicht eine einzige Frau, die gerne Whisky oder auch Whiskey trinkt...ein sonderbares Wesen, das Gemeinwesen...
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10.05.2006, 23:31 Uhr von bodspy
Bewertung: sehr hilfreich<b>erstklassiger Bericht... <br/>* * * SEHR HILFREICH * * * <br/>sonnige Grüße... RenÖ ;o </b>
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10.05.2006, 23:26 Uhr von waltraud.d
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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10.05.2006, 23:22 Uhr von schnekuesschen
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht....LG Sandy :-))
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10.05.2006, 23:15 Uhr von blackangel63
Bewertung: sehr hilfreich....(´`-´´-/´).___..--´´´`-._ <br/>..... `6_.6. ...`-...(.... .`-.__.`) <br/>.....(_Y_ ´..._.. ..`._.`..``-..-´ <br/>..._..`--´_..-_/../--´_.´.,´ <br/>..(il), -´´..(li),´..((!.- LG Anja
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10.05.2006, 23:02 Uhr von Estha
Bewertung: sehr hilfreichtoller bericht - lässt sich gut lesen :-) ... lg susi
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10.05.2006, 23:02 Uhr von HiRD1
Bewertung: sehr hilfreich...ich liebe Scotch...
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10.05.2006, 23:01 Uhr von MichiStephan
Bewertung: sehr hilfreichsh + lg
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10.05.2006, 23:00 Uhr von schnecke10
Bewertung: sehr hilfreichLg Claudia
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