Der Plan von der Abschaffung des Dunkels (Taschenbuch) / Peter Hoeg Testbericht
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Erfahrungsbericht von princesse
Zeit und Dunkelheit
Pro:
sehr anspruchsvoll, anders
Kontra:
schwer verdaulich, eher schwer lesbar
Empfehlung:
Ja
Peter Hoeg machte sich einen Namen mit seinem Bestseller "Fräulein Smilla und ihr Gespür für Schnee". Meine Begeisterung für diesen anderen Roman lies mich das vorliegende Buch kaufen. Aber dieses hier war ganz anders als das vorangegangene.
In "Der Plan von der Abschaffung des Dunkels",was an sich für einen Roman schon ein schwer verdaulicher Titel ist, wird das Schicksal dreier Waisenkinder beschrieben.
Peter, Katharina und der noch kleine August treffen sich in einem der Waisenhäuser, eigentlich ja eine Privatschule, Peter ist der Ich-Erzähler einer unglaublichen, tragischen und absurden Geschichte.
Die drei Kinder geraten in ein von den Erwachsenen geschaffenes System, welches den Zweck verfolgt die Kinder zu verbessern, zu "veredeln".
Peter hat schon einige Waisenhäuser hinter sich als er in Biels Privatschule auf Katharina und den kleinen August trifft. Sie alle gelten als schwierig, unangepasst, zum Teil minderbegabt und das Projekt oder nennen wir es Experiment soll aus diesen Kindern später vollwertige Mitglieder der Gesellschaft werden lassen. Die Kinder werden ständig überwacht, sie haben keine Freizeit und es ist ihnen untersagt Kontakte zueinander zu knüpfen. Dennoch beginnt Peter der zwei Jahre älteren Katarina heimlich Zettelchen zuzustecken und sie fangen an sich unbemerkt zu treffen, Katarina , Peter und der kleine August, für den sowieso schon alles zu spät war. Ein völlig verstörtes Kind welches nach grausamen Misshandlungen seine Eltern erschossen hatte. Nun richten sich die Agressionen des Kindes gegen sich selber.
Die drei Kinder, allen voran Peter versuchen den Überwachungsapparat der Schule auszutricksen und gleichzeitig strebt Peter danach hinter das System zu kommen. Er versucht das Schema mit der Zeit zu durchschauen.
Die Zeit spielt eine tragende Rolle in Hoegs Roman, die Zeit wird kontrolliert, manipuliert und überwacht.
(S105/106) < [....]Katarina hatte mir davon geschrieben.
"Binet-Simon ?"
Es war ihr erster Brief. Das war alles, was da stand. Sie gab ihn mir zwischen Parterre und erstem Stock, nachdem es geläutet hatte und wir die Treppe hinaufgingen. Es war der einzige mögliche Ort.
Das ist wahr. Es war der einzige Ort. Die dreissig Sekunden nachdem wir den Hof verlassen hatten und in den ersten Stock hinaufsteigen würden, das war unsere einzige Chance in Raum und Zeit. [....] >
(S154) < [....] An der königlichen Erziehungschule war es verboten gewesen, die Schüler von aussen anzurufen, es sei denn, jemand sei umgekommen oder dergleichen. Sie wollten nicht dass die Widerstandskraft die die Schule aufzubauen versuchte, geschwächt wurde.
Also wurden die Leute nur dann ans Telefon gerufen, wenn es in ihren Familien ein ernstes Problem gab. Oder wenn die Sozialverwaltung oder die Polizei mit ihnen reden wollte, was schlimmer war.
Man hatte sich deshalb daran gewöhnt, dass das Telefon zur Beaufsichtigung der Schüler gehörte. [....] >
Das System war menschenverachtend und Hoeg hat seinen Roman in einer erschreckend nüchternen lakonischen Sprache geschrieben, die das Unfassbare der Geschichte unterstreicht. Unfassbar ist die Situation in welche Kinder geraten und in denen sie immer wieder alleine gelassen werden, Situationen wo sich Schutz zur Bedrohung manifestiert. Schon im Smilla-Buch war ein kleiner Junge das Opfer, alleingelassen und misshandelt, hier in dieser Privatschule ist es wieder ein Junge der versuchen muss in einer kalten und bedrückenden Welt zurecht zu kommen, zu überleben. Peter überlebt, August hat keine Chance, zu gross waren seine Verletzungen vorher schon.
Das Lesen des Romans machte mich wütend, ich fühlte mich hilflos und verwirrt, nicht zuletzt auch durch den schwer verdaulichen Schreibstil Hoegs der mir so gar nicht vertraut vorkam obwohl ich sein anderes Buch verschlungen hatte. Dieses Mal wird der Leser nicht in die Geschichte hineingezogen, es gibt keine Identifikation, mit keiner der Figuren. So steht man denn da und betrachtet eine Geschichte von der man eigentlich weiss dass sie nie passiert sein konnte, weil zu absurd, zu unrealistisch, betrachtet sie wie durch ein Panzerglas, mit gewissem Abstand, in Sicherheit und doch nah genug dass es einen bis ins Mark erschreckt. Und eben wütend macht.
Hoegs Roman ist mit Sicherheit eine Bereicherung für jeden Bücherschrank und sollte selbstverständlich nicht ungelesen dort stehen, anderseits mag ich persönlich das Buch nicht, vielleicht später einmal, vielleicht werd ich es später nochmal lesen.
Peter Hoeg, 1957 in Kopenhagen geboren, schrieb bislang mit grossem internationalem Erfolg drei Romane und einen Band mit Erzählungen. In deutscher Übersetzung liegen ausserdem der Roman "Vorstellung vom 20. Jahrhundert" und der Roman "Fräulein Smilla's Gespür für Schnee" vor.
Mir persönlich hat der Smilla-Roman um einiges besser gefallen, aber wie gesagt, es gibt ausser dem kleinen Jungen auch kaum Gemeinsamkeiten.
Im übrigen heisst es, Hoeg habe in beide Bücher, aber vorallem in dem vorliegenden Roman, autobiografisches einfliessen lassen. Peter ist Peter?
Auszug aus einer Rezension: Amazon.de: < [...] Im Roman Der Plan von der Abschaffung des Dunkels spielt Hoeg einmal mehr perfekt auf der Klaviatur der Dunkelheit, einer Dunkelheit, die auf radikale Weise als Ergebnis einer sogenannten Unterordnung unter eine subjektiv gesetzte Norm verstanden wird, die Bösartigkeit als fehlende Kongruenz mit dieser Norm versteht, und damit als das entlarvt wird, was es eigentlich bekämpfen wollte. --Christoph Steven >
und noch als Letztes, was meine Meinung am ehesten unterstreicht:
< Der Spiegel (04.09.95 Nr. 36)
In den Fängen des Sadisten
Dieser Roman ist eine Qual. Für seinen Autor, für seine Helden, für seine Leser. Manche Torturen freilich lassen sich nicht vermeiden, sie müssen durchlitten werden. Peter Höeg hat sich seinen ganzen Haß auf seine trostlose Kindheit in einer dänischen Heimschule von der Seele geschrieben, eine Art Selbsttherapie, kaum weniger schmerzlich als das Leben damals im Heim. [....] >
Taschenbuch - 318 Seiten
- Rowohlt TB-V., Rnb.
Erscheinungsdatum: 1998
ISBN: 3499137909
EUR 8,64
Gebundene Ausgabe - 290 Seiten
- Carl Hanser
Erscheinungsdatum: 1995
ISBN: 3446178201
EUR 20,35
44 Bewertungen, 24 Kommentare
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24.08.2011, 17:57 Uhr von Textorka45
Bewertung: sehr hilfreichGuten Tag, dies ist ein ausgesprochen hilfreicher Bericht. Alles erdenklich Gute und viel Erfolg beim Weiterschreiben. Liebe Grüße Textorka45
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03.08.2007, 16:36 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichOh, das Buch klingt ja nicht so gut, aber der Bericht ist sehr hilfreich.
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22.07.2007, 00:20 Uhr von frankensteins
Bewertung: sehr hilfreichsuper beschrieben lg
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04.07.2007, 15:21 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichtoller Bericht
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16.04.2006, 02:05 Uhr von doeter
Bewertung: sehr hilfreichEindringliche Rezension. --- So wie mich "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" bisher erfolgreich von einem Leseversuch des so betitelten Buches abgehalten hat, das hier irgendwo im Haus (nicht von mir angeschafft) herum liegt, so reizt mich der T
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13.04.2006, 12:51 Uhr von schnekuesschen
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht...LG Sandy :-)))
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13.04.2006, 12:39 Uhr von schnitzel
Bewertung: sehr hilfreich*daumen hoch*
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13.04.2006, 12:33 Uhr von Zuckermaus29
Bewertung: sehr hilfreich"sh" von mir für Dich :o) <br/>Liebe Grüße <br/>Jeanny
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13.04.2006, 11:34 Uhr von SuicideToday
Bewertung: sehr hilfreichsh und lg <br/> <br/>würde mich über FRückbewertung freuen
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27.03.2006, 13:00 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichKlingt interessant... <br/>LG Kira
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27.03.2006, 02:49 Uhr von sindimindi
Bewertung: sehr hilfreichBoah! - ich finde die Geschichte auch absurd und als Entspannungslektüre wahrlich ungeeignet... <br/>RS
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27.03.2006, 01:19 Uhr von mami_online
Bewertung: sehr hilfreichsh und LG, Nicole
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26.03.2006, 18:56 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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26.03.2006, 17:35 Uhr von antjeeule
Bewertung: sehr hilfreichDas ist aber so gar kein Buch zum Abschalten! ;-) Im Ernst: Man braucht vermutlich einfach viel Zeit, sich damit hinzusetzen. Eine interessante Rezension. Aber das kenne ich ja von dir! LG, Antje
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26.03.2006, 17:33 Uhr von topfmops
Bewertung: sehr hilfreicher Bericht; vieles dickes Dankeschön für diese Empfehlung!!! Du weißt das: Wer andere zum Lesen animiert, verdient es nicht anders: ein so etwas von bollenfettes 'SH' wie es hier steht.
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26.03.2006, 14:45 Uhr von dottigross_juliaa
Bewertung: sehr hilfreichVon mir ein "sh". Gruß Dotti
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26.03.2006, 14:22 Uhr von star87
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreicher Bericht... Würde mich freuen wenn du auch bei mir lesen würdest!! <br/>Suche noch Leser für all meine Berichte. Ich lese dann natürlich zurück :) LG Jenny
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26.03.2006, 14:17 Uhr von Lotosblüte
Bewertung: sehr hilfreichSuper Buch - wie auch "Die Frau und der Affe". <br/>lg
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26.03.2006, 14:09 Uhr von angeltearz82
Bewertung: sehr hilfreichsh und liebe Grüße, Angel
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26.03.2006, 14:07 Uhr von HiRD1
Bewertung: sehr hilfreichSH. Gruß, Ralf
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26.03.2006, 14:06 Uhr von moniseiki
Bewertung: sehr hilfreich************************************* <br/>************************************* <br/>*****Ich lese gerne zurück********* <br/>************************************* <br/>*****Liebe grüße moniseiki******* <br/>************************************* <br/>***
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26.03.2006, 14:05 Uhr von PublicEnemy
Bewertung: sehr hilfreichSH! Gruß, PublicEnemy
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26.03.2006, 14:05 Uhr von Mieze83
Bewertung: sehr hilfreichfreu mich auf gegenlesungen ***lg***
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26.03.2006, 14:05 Uhr von jarolimi79
Bewertung: sehr hilfreichLieben Gruß, Jaro
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