Drachenläufer (Taschenbuch) / Khaled Hosseini Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Handlung:  sehr spannend
  • Niveau:  sehr anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von margy

der drachenläufer

  • Niveau:  sehr anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  sehr gering
  • Spannung:  sehr gering
  • Humor:  kein Humor
  • Stil:  sehr ausschmückend
  • Zielgruppe:  Männer

Pro:

alles

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Khaled Hosseini wurde 1965 in Kabul, Afghanistan, geboren. Sein Vater war Diplomat, seine Mutter unterrichtete Persisch und Geschichte. 1976 emigrierte die Familie in die USA. Hosseini studierte Medizin in San Diego und arbeitete anschließend als Internist. Heute lebt er mit seiner Familie und seinen 2 Kindern in Kalifornien. Drachenläufer ist sein erster Roman.

Das Buch erschien 2001, die 17. Auflage unter dem Titel "The Kite Runner" bei Riverhead, New York. Im Anhang ist eine Karte und ein kurzer Abriss der afghanischen Geschichte. Verantwortlich für die Übersetzung der englischsprachigen Gesetze im Anhang ist Nina Wöstmann, Berlin.

ISBN: 978-3-8333-0149-0

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Angelika Naujokat und Michael Windgassen.

10,50 €
376 Seiten und Anhang

Buchdeckel:

Lediglich in 2 Schattierungen steht ein dunkelhäutiger Junge vor einer Hausmauer mit geöffnetem Eingang. Mit dem Rücken zum Leser berührt er mit offener linker Hand die Hausmauer und späht in den Eingang. Er trägt eine dunkle kurze Hose und ein geringeltes Shirt.

Textausschnitt:

Kaum hatten wir die Grenze passiert, zeigten sich allenthalben Bilder der Armut. Die kleinen Ortschaften entlang der Straße waren in erbärmlichen Zustand, Lehmhäuser verfielen, und manche Hütten bestanden lediglich aus 4 Holzpfosten und zerfetzten Tüchern, die als Dach herhalten mussten. Vor den Hütten jagten Kinder, in Lumpen gekleidet, einem Fußball hinterher. Ein paar Kilometer weiter sah ich eine Hand voll Männer auf der Ruine eines alten sowjetischen Panzers hocken, mit Umhängen, deren Saum im Wind flatterte. Hinter ihnen trug eine Frau in brauner Burkha einen schweren Tonkrug auf der Schulter und ging auf holprigem Pfad eine Reihe erbärmlicher Lehmhütten entgegen.

Inhalt:

Zwei Jungs im Alter von 12 Jahren, wachsen in Afghanistan auf, spielen viel miteinander, lassen gemeinsam zu einem Wettbewerb Drachen steigen. Der eine, Hassan, wächst mit Gewalt auf, wird oft vom Vater geschlagen und gedemütigt, der andere wächst in liebevollen Verhältnissen auf. Durch Intrigen trennten sich ihre Wege, bis sie sich eines Tages wiedersehen.

Schreibstil:

Khaled Hosseini lässt Amir, einen der beiden Jungen, in der Ich-Form erzählen. Aus seiner Sicht erzählt er von den verschiedenen Personen, lässt Afghanistaaaaan vor unseren Augen erstehen und schildert lebendig und mitreißend von Gewalt, der Lebensumstände, den Verwüstungen der Taliban eindringlich, spannend, atemberaubend, dramatisch, brutal, Gänsehaut erzeugend und es fällt leicht, mit den Figuren, vor allem mit Amir, zu fiebern und seinen Weg zu verfolgen.

Meinung:

Mit Absicht habe ich den Buchausschnitt genommen, um zu demonstrieren, wie genau der Autor schreibt und wie er sein Heimatland sieht. Nach eigenen Angaben im Anhang des Buches beschreibt er seinen eigenen Wohnort aus der Kindheit und gibt Menschen, die er von Afghanistan kannte, andere Namen für diesen Roman.

Die Landschaft seiner Heimat, die Rivalitäten, Feindschaften und Kriege, unterschiedliche Persönlichkeiten und ihre Schichten werden hochdramatisch, realistisch, zuweilen sehr brutal dargestellt. Der Rahmen dafür bildet die Geschichte der beiden Knaben und deren Väter und Bekannte. Die Gewalt, die an Kindern durch Kinder und Erwachsene, aber auch an Frauen ausgeübt wird, lässt sich besser nicht beschreiben. Wie ein Horrorszenarium spielt sich ein Film vor den Augen des Lesers ab, der mitten dabei steht. Ich drückte Amir die Daumen auf seinem Irrweg durchs Leben über 26 Jahre, von 1975 - 2001.

Nachdem er Hassan wie eine heiße Kartoffel fallen ließ, wollte er Jahre später das wieder gut machen, was er durch Intrigen und Ränkespiele bei seinem Freund aus Kindheitstagen versäumte. Die Erinnerung an Hassan begleitet sein Leben.

Wodurch Feindschaften entstehen und wie Rivalitäten ausarten, ist eindringlich, glaubwürdig, grausam beschrieben, erzählt aber das wahre Leben im afghanischen Alltag. Es gibt Inszenierungen, in denen es mich gruselte, mir Gänsehaut entstand und mir Schauer durch den Kopf und über den Rücken iefen, mir schummrig wurde.

Khaled Hosseini schreibt: Dieses Buch widme ich Farah und Haris, meinen beiden Augensternen und den Kindern von Afghanistan. Der Autor beschreibt Schicksale von Kindern, die hervorgerufen werden durch Gewalt und Hinterlist, Rufmord, Gemunkel oder Angriffen von Personen auf offener Straße, Fahrlässigkeit und Gedankenlosigkeit erwachsener Menschen.

Amir hat sehr zu büßen für das, was er Hassan in seiner Kindheit antat, nämlich, ihn im Stich zu lassen. Der Roman ist eine Mahnung und Ermahnung an Menschen, sich gerade intensiver um die Außenseiter der Gesellschaft zu kümmern. Jeder einzelne Mensch dieser Welt ist dafür verantwortlich, sich um die Würde des Menschen zu kümmern und ihm damit das Leben leichter und angenehmer zu machen. Wie es ist, ausgestoßen zu sein, beschreibt dieses Buch in allen Facetten. Die Szenen finde ich atemberaubend, entsetzlich, erschütternd, schockierend.

Khaled Hosseini kämpft mit seinen Worten für mehr Menschlichkeit in dieser Welt und dass wir mehr auf das Wohlergehen unserer Kinder achten. Was mich persönlich fasziniert, ist, dass der Schriftsteller, selbst gebürtiger Afghane, sein Land so drastisch darstellt. Er sieht es heute aus der Entfernung, vergleicht es mit dem Leben in den USA, holt seine Erinnerung aus der Kindheit wieder hervor, sieht es bei seinen Reisen nach Afghanistan, zurück in sein Heimatland, mit dem er sich trotz aller Widrigkeiten verbunden fühlt und in dem er 11 Jahre aufwuchs.

Hosseinis Land ist in allen Details lupenrein, klar und distanziert beschrieben. Drumherum eine erfundene Geschichte, die es in sich hat, der beiden Kinder, deren Leben unterschiedlich in einer grausamen Zone dieser Welt und Erde, auf der wir alle leben, verlief.

Ständig gibt es Drahtzieher, die Menschen beeinflussen. Niemand in Afghanistan kann sein Leben frei nach eigenem Denken und Willen gestalten außer den Mächtigen. Die restliche Bevölkerung funktioniert wie Marionetten, Menschen, die an Fäden gezogen werden.

Die krassen Gegensätze aus der Zeit der Freundschaft, des Miteinanderspielens, der Zusammengehörigkeit, des gemeinsam gestalteten Alltags und der Ausgelassenheit früherer Tage und die Zeit des Bruchs, des Auseinandergerissenwerdens, an dem die Welt für Hassan zusammenbrach wie ein Kartenhaus, sind dutlich spürbar. Die Makel Hassans durch seine Geburt, die Außenwelt, seiner Erziehung, den Verlust der Mutter und durch Gewalt bedingt, stellt Hosseini als Warnung und oberstes Gebot heraus. Hier haben Menschen, die problembeladen sind und sich nicht abgrenzen können, die Möglichkeit, in der Psychiatrie Hilfe anzunehmen. Viele schämen sich dafür, weil die Außenwelt sie für verrückt erklärt. Die Denkweisen der Außenstehenden muss sich grundlegend ändern.

Hassan war ein 12jähriger Junge, der glücklich war, einen Freund zu haben, der mit ihm spielte. Er fand in den Stunden Freude am Leben, konnte Blödsinn machen, er selbst sein. Durch die fanatische und unterdrückende Art seines Vaters Ali wurde Hassan geprägt. Er war nicht in der age, etwas abzulehnen, seine eigene Meinung zu äußern, Strafen von sich abzuwenden, was ihm zum Verhängnis wurde. Wünsche und Bedürfnisse wurden mit Prügeln beglichen. Gepeinigt von der Außenwelt lebte der Junge in ständiger Angst und Verzweiflung, er litt seelische Qualen.

Von keiner Seite erhielt er ehrliche Unterstützung. Keine Hand streckte sich ihm entgegen. Einige Details der Schicksale decken sich auf dramatische Weise, was auch deren Leben beeinflusst. Auch Ali, Hassans Vater, wurde auf offener Straße verspottet. Sein Gesicht sowie seine Angst ließen auf sein Leben schließen. Viele hatten Angst vor ihm. Lächen konnte er nicht. Die Gefühlswelt der Figuren wird dem Leser zugänglich gemacht, Handlungs- und Denkweisen vermittelt.

Die Beziehung der Jungen zu ihren Vätern ist klar und einleuchtend. Amir ist stolz, achtet Baba und liebt ihn. Hassan hat Angst, er und sein Vater sind "Versager" für die Augen der Gesellschaft. Beide hätten sie Hilfe gebraucht. Die Not, Angst und Verzweiflung beider spürte niemand. Darüber sprechen konnten sie nicht, vieleicht auch wegen Spott und Hohn, das Nicht-Angenommen-Sein und das Nicht-Ernst-Genommen-WErden.

Hosseini versteht sein Handwerk des Schreibens, seine Geschichte und sein Land in Szene zu setzen. Er appelliert an unser Mitgefühl für solche Menschen, die auch Teil der Gesellschaft sein wollen. Wir müssen auf sie zugehen und ihnen die Hand reichen. Ansonsten sind wir die wirklichen Versager.

46 Bewertungen, 17 Kommentare

  • tk7722

    21.07.2009, 04:59 Uhr von tk7722
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr schöner Bericht, liebe Grüße

  • EddieSpaghetti

    21.07.2009, 01:21 Uhr von EddieSpaghetti
    Bewertung: sehr hilfreich

    Top Bericht! Gegenlesung sind immer willkommen.LG EddieSpaghetti

  • catmum68

    20.07.2009, 20:35 Uhr von catmum68
    Bewertung: sehr hilfreich

    informativer Bericht LG

  • werder

    20.07.2009, 19:39 Uhr von werder
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH & LG aus Hannover! Freu mich immer über Gegenlesung!

  • Elfenfrau

    20.07.2009, 19:34 Uhr von Elfenfrau
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gute Informationen. Lg Elf

  • morla

    20.07.2009, 18:21 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    wünsche dir einen guten wochenstart lg. petra

  • sunrise67

    20.07.2009, 15:41 Uhr von sunrise67
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße und einen tollen Wochenstart!

  • lydialucia

    20.07.2009, 14:56 Uhr von lydialucia
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und liebe Grüße aus Darmstadt! :D

  • tornike

    20.07.2009, 14:23 Uhr von tornike
    Bewertung: sehr hilfreich

    guter bericht freue mich über Gegenlesung:D

  • giselamaria

    20.07.2009, 14:15 Uhr von giselamaria
    Bewertung: sehr hilfreich

    prima, ich habe das auch schon vorgestellt, dein Bericht ist wieder anders, das ist das interessante gell - LG Gisela

  • anonym

    20.07.2009, 14:15 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    guter bericht _________________________________ besucht mich mal auf meiner homepage: http://hirschtime.npage.de/ _________________________________

  • minasteini

    20.07.2009, 13:37 Uhr von minasteini
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schöne Buchvorstellung. Würde mich sehr über Gegenbesuch freuen. LG Marina

  • Gozo-Bernie

    20.07.2009, 13:24 Uhr von Gozo-Bernie
    Bewertung: besonders wertvoll

    bw - Gruss aus Catania, der Heimat von telestrada.it

  • Nina1805

    20.07.2009, 13:05 Uhr von Nina1805
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH, wünsche dir einen guten Start in die Woche! LG!

  • anonym

    20.07.2009, 12:56 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    Schöner Bericht. LG, daniela

  • willma1984

    20.07.2009, 12:47 Uhr von willma1984
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht! LG willma1984 :)

  • sigrid9979

    20.07.2009, 12:44 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Bericht..Lg Sigi