Hunde Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von Joe69

~~~ B Ä L L Y ~~~

Pro:

Nachruf an Bälly

Kontra:

der Tod hat Dich genommen

Empfehlung:

Ja

Es war vor etwa 3 Jahren. Wie üblich verbrachte ich meinen gesamten Jahresurlaub wieder in meiner Wahlheimat Sri Lanka.
An Tagen, an denen es etwas bewölkt ist, gehe ich auch sehr gerne in den späten Nachmittagsstunden im Ort spazieren, denn immer nur Strand ist langweilig.

Zusammen mit meinem einheimischen Freund stand ich vor einem Straßenshop und bewunderte die Auslage. Ich glaube, es waren Holzschnitzereien, aber andererseits tut dies auch nichts zur Sache.

Plötzlich kitzelte es an meinem Unterschenkel. Ich dachte mir eigentlich nichts dabei, denn ständig fliegen Mücken und Moskitos herum und setzen sich am Körper nieder oder verfangen sich im Körperhaar. Es kitzelte wieder und ich hatte plötzlich das Gefühl, ein kleines Zünglein würde an meinem Unterschenkel schlecken.

Ich schaute nieder – und traute meinen Augen nicht: da stand, zitternd, ein kleines Hündchen, vielleicht 2 – 3 Monate alt, dunkelbraunes Fell und schaute mich mit großen Augen an. Ganz zaghaft schleckte es erneut an meinem Unterschenkel.

Normalerweise sollte man herrenlose Hunde in den Urlaubsgebieten nicht streicheln, denn sie könnten Krankheiten an sich haben.
Ja, normalerweise...

Daran dachte ich in diesem Augenblick nicht. Ich bückte mich und streichelte und kraulte das niedliche kleine Geschöpf. Es zitterte noch mehr, sein Herzchen ging ganz schnell, ich sah es an seinem Puls. Es stemmte seinen dürren Hundekörper an mich bzw. meine Beine.

Mein Freund meinte nach ein paar Minuten, wir sollten nun weitergehen. Ich erhob mich und entfernte mich von der Stelle. Hündchen trottelte hinter uns her. Wir liefen schneller – Hündchen lief auch schneller. Egal wohin wir liefen, Hündchen folgte uns auf Schritt und Tritt.

Irgendwann war die Zeit gekommen, daß wir wieder ins Hotel zurückmussten. Was machen mit Hündchen? Offiziell dürfen keine Hunde in das Hotel, schon gar keine herrenlose.
Neben dem Hotel (Hotel Coral Sands, in einem anderen Bericht von mir ausführlich vorgestellt) verläuft ein Pfad, der den öffentlichen Strand mit der Straße verbindet.
Nun, diesen Pfad benutze ich, um dann über den Strand ins Hotel zu gelangen.

Ich kam mir schon wie ein Verbrecher vor: schauend, daß ja kein Security mich beachtete, ging ich über den Strandeingang in den Hotelgarten und von dort in mein Zimmer. Ich habe immer das gleiche Zimmer, ebenerdig, mit Ausgang zur Poolseite bzw. in wenigen Schritten am Strand.

Zuerst gab ich Hündchen was zu trinken. Es war niedlich, wie es seine Zunge gierig ins Gefäß streckte um dann das halbe Gefäß zu leeren.

Mein Freund und ich setzten uns auf die Terasse, ich nahm Hündchen auf den Schoß und mein Freund und ich beratschlagten, wie es weitergehen sollte.

Zuerst taufte ich Hündchen auf den Namen „Bälly“. Bälly ist singhalesisch und heißt zu deutsch Hündin. Und Hündchen war eine Hündin.

Dann bestellte ich beim roomservice chicken-Sandwich. Der roomboy starrte mich etwas entgeistert an, als ich 3 Portionen verlangte, wo wir doch nur zu zweit waren. Als die Sandwiches dann kamen, aß mein Freund seine Portion, ich die meine und Bälly bekam die 3 Portion. Selbst das gebackene Sandwich blieb nicht übrig, obwohl ich damit rechnete, daß Bälly nur das chicken mochte.

Wer weiß, wie lange bzw. wieviel Tage kam nichts in den kleinen Hundemagen...

Bälly wich nicht mehr von mir, egal wohin ich ging. Selbst auf die Toilette wollte sie mit, was ich aber nicht erlaubte.

Die Zeit verging. Mußte Bälly pipi, verließ sie mein Zimmer und trottete zum Strand. War sie fertig mit ihrem Geschäft, kam sie über den Hintereingang wieder in die Hotelanlage und schnurstracks in mein Zimmer.

Bevor ich ins Bett ging, öffnete ich die Terrassentür und lies sie angelehnt, in der Hoffnung, Bälly würde nachts weiterziehen. Erst mal schaute sie mich wieder mit ihren großen Hundeaugen an, weil sie nicht mit mir ins Bett durfte. Irgendwie verstand sie es, denn sie machte sich dann vor meinem Bett zu einem Knäuel und schlief dann ein.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war Bälly verschwunden. Dachte ich.
Doch Bälly lag auf der Terrasse in der Sonne und kam mir freudenwedelnd entgegen. Ich glaubte es kaum, wie stark sie sich an mich drückte, wie ich das weiche Fell an meinen Beinen spürte. Das Zittern hatte sie inzwischen abgelegt, drohte von mir doch in keinster Weise eine Gefahr.

Wir gingen zum Frühstück. Eindringlich sprach ich auf Bälly ein, mir ja nicht zu folgen. Na, irgendwie verstand sie mein deutsch...sie blieb auf der Terrasse zurück.

Während des Frühstücks bekamen wir Besuch. Vom Hotelmanager persönlich. Es hatte sich bereits in dem kleinen Hotel herumgesprochen, daß ich einen Straßenhund beherberge.

Nun, wir sind – auch damals bereits – in dem Hotel Stammgäste, und irgendwie schaffte ich es, daß Bälly „Asyl“ gewährt wurde. Dank dem Hotelmanager bekam Bälly fortan auch kleinere Küchenreste, was ihr genauso schmeckte wie weitere Sandwiches. Dachte ich am ersten Tag, nur der Hunger hat das eigentliche Sandwich runtergeschlungen, so wurde ich jetzt eines besseren belehrt: Bälly mochte alles, was auch ich gegessen habe.

Gingen wir an den Strand, war Bälly bei uns. Spielten wir Ball, wollte Bälly immer den Ball schnappen, der ja fast genauso groß wie sie selbst war. Gingen wir schwimmen, schwamm Bälly mit. Sagte ich zu ihr, sie möge am Strand auf uns warten, blieb wie brav sitzen, lies uns aber keine Sekunde aus den Augen.

Die Tage vergingen. Bälly war inzwischen fester Bestandteil unseres Urlaubs am Meer geworden. Mein Freund verprach mir, Bälly bei der Abreise zu sich nach Hause (Kandy) zu nehmen; nach ein paar Tagen der Trauer an mich hätte sie sicherlich das neue Zuhause akzeptiert.

Am vorletzten Tag gingen wir spätnachmittags noch einmal aus, letzte Besorgungen zu machen. Bälly sollte auf der Terrasse auf uns warten. Wie immer eigentlich, wenn wir das Hotel verließen.

Einige Stunden später kamen wir zurück. Es war keine Bälly da. Wir fragten den Security und anderes Hotelpersonal, doch alle meinten, sie hätten Bälly zuletzt auf meiner Terrasse liegen gesehen.

Unruhe beschlich mich. Als es Nacht wurde und noch immer weit und breit keine Spur von Bälly zu sehen war, machte ich mich auf den Weg, sie zu suchen.

Etwa 80 m vom Hotel weg fand ich sie: die Beinchen ausgestreckt, lag sie im Gras. Das aus den Ohren und Augen herausgesickerte Blut war schon etwas verkrustet, die Augen schauten gebrochen gen Himmel.
Ich konnte es nicht fassen und ging schluchzend zum Hotel zurück. Mein Freund vergrub sie, ich konnte es nicht. Ich war nur noch am Weinen.

BÄLLY !! Die Liebe zu mir war stärker als mein Befehl, auf der Terrasse zu warten. Sie wollte mich suchen und beachtete vermutlich den Straßenverkehr nicht.

BÄLLY !! Nie werde ich Dich vergessen. Ich hoffe, Du bist nun im Hundehimmel und bekommst dort die Liebe, die Dir auf Erden den Tod gebracht hat.


BÄLLY – NIE WERDE ICH DICH VERGESSEN !



© Joe69 01/2004


Ich poste auch bei www.ciao.com unter gleichem nick.

37 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Zuckermaus29

    20.04.2006, 14:18 Uhr von Zuckermaus29
    Bewertung: sehr hilfreich

    "sh" von mir für Dich! <br/>Liebe Grüße <br/>Jeanny