IMAX Potsdamer Platz Testbericht

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Erfahrungsbericht von Kool_Kat

Eine genußvolle Lektion in "Staunen im Kino"

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Die Kinderschuhe der Kinematographie

Jeder kennt wohl die Geschichte vom hysterischen Publikum der Vorführung des allerallerersten \"Kinofilms\" der Geschichte: eine Eisenbahn, die sich auf die Kamera zubewegt (somit indirekt auf die Zuschauer) in schönstem Flecken-Schwarzweiß. In den ersten Vorführsälen gab es panikartige Hysterien, Ohnmächtige, usw usf.
Natürlich lacht heutzutage jeder erstmal über die Naivität dieser Leute - klar, unser Blick wird heutzutage schließlich von Anfang an mit \"bewegten\" Bildern geschult. Wer nun jedoch zum erstenmal in einem IMAX-Kino sitzt, der wird diese ersten Kinogänger ein wenig mehr verstehen können, denn dies ist kein Kino der gewöhnlichen Art! Die Leinwand misst nahezu 1000 Quadratmeter und ist kuppelförmig angelegt, was zur Folge hat, dass dort auch keine \"normalen\" Filme gezeigt werden, sondern lediglich IMAX-Filme, die ausschließlich mit speziellen, sehr schwer zu bedienenden Kameras (es gibt nur 9 auf der ganzen Welt!) herzustellen sind!


What a feeling...

Und ja: Es ist schon beeindruckend was für ein Tiefengefühl eine das gesamte Blickfeld ausfüllende Kuppel-Leinwand zu vermitteln vermag und es ist schlichtweg Wahnsinn, auf diese Art und Weise Schluchtenfahrten und ähnliches \"nachzuempfinden\". Wenn man sich ein kleines bißchen \"fallen\" lassen kann, wirkt das ganze schon befremdlich authentisch - man \"spürt\" fast schon den Fahrtwind um die Ohren, das Herz schlägt bis zum Hals und nicht selten passiert es, dass man sich dabei ertappt, wie man sich an den Armlehnen der Kinostühle fest hält.
Ein realeres Kinoerlebnis lässt sich derzeit wohl kaum vorstellen und wenn man beim Verlassen des Kinos doch ein wenig weiche Knie hat und erstmal nach dem Treppengelände greift, so überlegt man es sich in Zukunft doch zweimal ob man über die Kinogänger der Epoche Lumière nochmal so schnell lacht! Es ist doch erstaunlich wie der technische Fortschritt und seine audio-visuellen Neuerungen selbst noch den modernen, sich nur zu gern souverän gebährenden Menschen in seinen Sehgewohnheiten erschüttern kann!


Ein kleiner Blick hinter die Kulissen

Zwar ist die IMAX-Technik schon ausgereift, aber noch immer sehr umständlich zu handhaben: die Größe der riesigen Filmspulen lässt es nicht zu, am Set des Drehortes länger als 3 Minuten am Stück zu drehen. Der anschließende Spulenwechsel ist ein sehr komplizierter Vorgang und nimmt viel Zeit in Anspruch. Demzufolge ziehen sich die Dreharbeiten meist über einen größeren Zeitraum hin - eine Doku über die Taucher der Tiefsee beispielsweise nahm fast 2 Jahre Drehzeit in Anspruch. Die fertigen Rollen, die dann im Kino zur Vorführung landen, sind dementsprechend schwere Kolosse (80 Kilogramm), die nur mit einem kleinen Gabelstapler transportiert und aufgerollt werden und gerade mal 45 Minuten Spielzeit aufweisen können. Das Filmmaterial selber ist im Gegensatz zum 35 Millimeter starken Kinofilm immerhin stolze 7 Zentimeter breit und wird nicht horizontal sondern vertikal projiziert. Eine spezielle Härtung des Filmes ermöglicht ca. 1000 Vorführungen einer Rolle ohne Qualitätsverlust. Beim Vorführen muß zudem auf penibelste Sauberkeit geachtet werden - ein kleines Staubkorn reicht bereits, um einen riesigen dunklen Fleck auf der Leinwand zu erzeugen.

Und was läuft?

Aufgrund dieser technischen Voraussetzungen ist an ganze Spielfilme - Kurzfilme wurden wohl schon realisiert - natürlich noch nicht zu denken. Diese würden vermutlich jedes Budget sprengen und hätten wohl eine Produktionszeit von mehreren Jahren. Aus diesem Grunde beschränkt sich das Programm der IMAX-Kinos eher auf Natur-Dokumentationen, für deren Bildgewalten sich das Format natürlich perfekt anbietet, oder Effektspielereien, wie zum Beispiel 3D-Filme und ähnlichem.
Auch hier wieder eine interessante Parallele zu den ersten Kinogängern: damals wie heute geht man hauptsächlich wegen der atemberaubenden Technik, wegen dem \"Aha-Erlebnis\" in die Lichtspiele, nicht aber unbedingt wegen dem gezeigten Inhalt: so käme ich persönlich wohl niemals auf die Idee, mir esoterisch veranlagte Taucher im Fernsehen anzusehen - im IMAX jedoch ist der \"Inhalt\" erstmal untergeordnet: das Sehgefühl alleine zählt!


Schon jetzt das Kino von morgen sehen

Das IMAX-Kino in Berlim am Potsdamer Platz ist mit der derzeit größten Leinwand Deutschlands definitiv ein kleiner Blick in die Zukunft des Kinos. Anhand dessen, was jetzt schon möglich ist, überkommt mich - und wohl jedem Filmbegeisterten - ein kleiner Schauer, wenn er an das denkt, was vermutlich in 10 bis 20 Jahren möglich sein wird - dann vermutlich jenseits der Naturdokumentationen. Das IMAX am Potsdamer Platz lässt einen hoffen, weswegen ich dort in schöner Regelmäßigkeit meine kleine Dosis \"Futureworld\" verpasse. Eine klare Empfehlung für alle Berlin-Reisenden und Einheimischen.

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