I'm With You - Avril Lavigne Testbericht

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Erfahrungsbericht von Southgirl

Und an ALLEM sind mal wieder die MÄNNER schuld!

Pro:

Handlung reflektiert das Lied. Das Lied und die Interpretin an sich. Idee passend...

Kontra:

... aber nicht sonderlich kreativ. Filmsprachliche Mittel werden nicht ausgeschöpft beziehungsweise zu plump angebracht – da wäre mehr möglich gewesen!

Empfehlung:

Ja

Hallo ihr Lieben!

Heute versuch ich mich mal auf einem neuen Gebiet. Nachdem ich schon häufiger über Kinofilme geschrieben habe, werde ich mich jetzt an einem Musikclip versuchen...
Bei dem Clip, über den ich schreibe, handelt es sich um „I´m with you“ von Avril Lavigne. Da mir sowohl die Sängerin als auch ihre Musik sympathisch sind, habe ich auch den Clip bereits mehrmals auf Viva verfolgt und soviel vorweg – meiner Meinung nach erreicht er die Qualität der Musik bei weitem nicht.

* * * Inhalt des Clips * * *

Der Clip beginnt mit einer Party, die in einem fensterlosen Raum, dem Aussehen nach wohl ehr einem Keller als einer Disco, stattfindet. Eine Privatparty scheint es jedoch auch nicht zu sein, denn für den Eintritt muss gezahlt werden und eine Lifeband spielt. Die Kamera schwenkt durch das Publikum zur Lifeband und anschließend zum Kassierer. In diesem Moment betritt Avril die Party, bezahlt.
Dann ein harter Schnitt und es ist nur noch Avril, singend in einer verlassenen dunklen Gasse zu sehen. Noch ein Schnitt und die Party wird wieder gezeigt, der restliche Kassiervorgang, dann wieder Avril in der Gasse, bevor die sichtlich gefrustete Sängerin sich in das Partygewühl stürzt, mehrmals angerempelt wird
Solcher harten Schnitte folgen weitere, in denen Avril dann aber auf einer größeren Straße, im Hintergrund eine Ampel, ist, voranschreitet, während die Kamera ihren Abstand wahrt. Kurz wird ein vermeintlicher Drummer mit sich selbst als Schlagzeug gezeigt, ein Gitarrist mit einer E-Gitarre und einer mit einer akustischen. Während des Refrains wechseln die Kameraeinstellungen zwischen Avril und den Bandmitgliedern, die Party taucht erst nach Ende des ersten Refrains wieder auf.
Die nächste Partyeinstellung zeigt Avril beim verlassen einer auffallend rot gestrichenen Toilette zu den selbstgesungenen Worten „I´m looking for a place“ und sich dann suchend zu „Is anybody here I know?“ umsehend, bevor wieder eine Straßeneinstellung kommt. Wiederrum wechseln die Einstellungen zwischen Straße und Party häufig und schnell, wobei längenmäßig die der Party überwiegen. Die Straßeneinstellungen sind nicht weiter nennenswert, da man immer nur die vorrangehende, singende – während der Party singt sie nicht - Avril sieht. Bei der Party hingegen sieht man nun, wenn Avril suchte und warum ihre Stimmung niedergeschlagen ist: Ein junger Mann, anscheinend ihr Freund, küsst ein anderes Mädchen. Wütend schubst Avril ihn weg, geht dann in einen Nebenraum und beginnt hier, wie zuvor auf der Straße, zu singen, so dass von hier aus der Schnitt zur Straße nicht mehr so stark wirkt wie zuvor.
Die Straßeneinstellungen werden nun, zum zweiten Refrain, länger und auch die Partyeinstellungen verändern sich – Avril singt nun auch im Gemenge und spricht die Kamera direkt an. Draußen zeigt sich die besungene „Damn cold night“ nun deutlicher, denn hinter der Sängerin türmt sich in einer Einstellung – nicht auf der Straße – Schnee. Ebenso verwandelt sich die niedergeschlagene Avril in eine wütende, leidenschaftliche. Mit schnelleren Schnitten wird sie nun auf der Straße, vorm Schnee und beim verlassen der Party durch eine weiße Tür – also definitiv findet sie nicht in einer Disco statt – gezeigt. Draußen liegt, wie auch in einigen der vorherigen Einstellungen, Schnee. Obwohl sie nun gänzlich die Party verlassen hat, wird sie auch dort in Rückblenden gezeigt.

Versucht man die Schnitte der doch sehr unterschiedlichen Einstellungen in eine Reihenfolge zu bringen, so wird wohl die Party zuerst stattgefunden haben und sozusagen Anlaß zu „I´m with you“ sein. Die anderen beiden Einstellungen lassen sich schwerer differenzieren. Es ist sowohl möglich, dass der Schneeberg in der Nähe des Hauses ist und sie dort ihren nächtlichen „Streifzug“ beginnt, als auch, dass sie erst über die gezeigte Straße zu dem Schneehaufen hingeht.

Kurz zusammengefasst erwischt die Sängern ihren Freund auf frischer Tat beim Fremdgehen. Der Clip zeigt vor allem ihre Gefühle, die diese Situation in ihr auslöst. Sie wirkt zunächst deprimiert, dann aggressiv und wütend.

* * * Kameraeinstellungen und -führung * * *

Wie bereits erwähnt, gibt es zahlreiche harte Schnitte und drei unterschiedliche Einstellungen. Die Kameraführung ist zügig, aber nicht auffallend schnell – ganz dem Rhythmus des Liedes angepasst. Von kurzen Ausnahmen (Beginn, Toilette) abgesehen, ist immer Avril Objekt der Kamerabeobachtungen – manchmal in der Totalen, häufig in der Halbtotalen und in Nahaufnahmen. Dabei bleibt die Kamera immer auf einer Höhe mit ihr, Vogel- und Froschperspektiven gibt es nicht.
So wirkt Avril durchgehend wie der Mittelpunkt des Geschehens, den sie wohl auch beabsichtigt darstellen soll. Leider – für meinen Geschmack zumindest – sind die Kameraeinstellungen nicht Abwechslungsreich genug. Gut erscheint mir hingegen das Tempo, da es mit dem Lied harmoniert und durch die vielen harten Schnitte nicht langweilig wird.

* * * Musik und Ton * * *

Natürlich ist die Musik des Clips das dazugehörige Lied. Teilweise sieht man Avril es direkt singen, teilweise bleiben ihre Lieben unbewegt, es gibt also kein durchgängiges Playback. Die Bandmitglieder werden sowohl auf der Party als auch in den Straßenszenen (siehe oben) eingebunden, spielen aber eine ehr nebensächliche Rolle, wobei das Spielen der Instrumente mit der Melodie zu harmonieren scheint.
Zusätzliche Off-Tongeräusche gibt es nicht.
Das Spektrum an Musik und Ton ist also denkbar gering, aber durchaus für einen Musikclip angebracht. Ich persönlich empfinde es meistens als äußerst störend, wenn in solchen Clips Gespräche als Einleitung oder Nebengeräusche eingespielt werden, da so unangenehm von der Musik und dem Clipinhalt abgelenkt wird.

* * * Licht und Farben * * *

Da die Party in einem fensterlosen Raum stattfindet und es – wie auch anders zu erwarten – Nacht ist, wirken alle Einstellungen dunkel und für die um Avril herum fröhliche Stimmung auf der Party bedrückend. Es wird wenig Licht verwandt und auch reine Farben findet man kaum, die meisten sind gebrochen. Damit stehen Lichtverhältnisse und Farben mit Avrils Stimmung in engem Zusammenhang.
Besonders ausdrucksreich und auffallend war für meinen Geschmack die rote Toilette, die Avril plötzlich verlässt und hinter sich zuschlägt. Ein intensives rot verweist auf die volkstümliche Bedeutung der Primärfarbe – die Liebe. Avril verlässt diese und beendet sie, wie sie die Toilette verlässt. Bis hierhin wurde der untreue Liebhaber noch nicht gezeigt, aber es ist bereits ein Vorgriff auf die Handlung.
Auch die Kleidung von Avril und ihrem (jetzt wohl ehemaligen) Liebhaber ist aussagekräftig – Avrils weißes Top auf der Party verdeutlicht ihre Unschuld bezüglich des Fehltrittes, während der junge Mann schuldbeladen schwarz gekleidet ist. So wird Mitgefühl mit der Sängerin beim Zuschauer erregt.
Farben und Licht werden also gezielt zum Beeinflussen der Zuschauer eingesetzt, wenn auch ein wenig zu offensichtlich. Ich denke, es ist leicht erkennbar, welche Emotionen bei selbigem hervorgerufen werden sollen.

* * * Fazit * * *

Die Handlung des Clips ist leicht zu verfolgen und kurz, was meiner Meinung nach für einen Musikclip ausreichend ist. Das Lied wird in seinem Wortlaut gut reflektiert.
Schade jedoch, dass die Filmsprachlichen Mittel nur gering ausgeschöpft wurden und diese geringe Menge auch noch recht oberflächlich, fast schon plump wirkt. Die Idee des Clips ist an sich ganz okay, wenn auch nicht ausgefallen, hätte aber bei weitem besser ausgearbeitet werden können.
Insgesamt erscheint mir der Clip nicht außergewöhnlich schlecht, aber auch nicht hervorragend gut. Einem so schönem Lied von einer so talentierten Sängerin wird der Clip nicht vollkommen gerecht, so dass ich die Wertung für ihn im Mittelfeld ansiedle, bei einer Empfehlung tendiere ich zu einem schwachen \"ja\" - einmaliger Genuss ist sicherlich empfehlenswert.

Ich hoffe, euch hat mein Bericht gefallen!
Gruß, Karin

© by Southgirl, 25. April 2003

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