Indien Testbericht

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Erfahrungsbericht von x_hartleb

Indien: Zwischen Kulturschock und Hepatitis

Pro:

Indien erweitert deinen Horizont ungemein, riesiges Kulturangebot, sehr geringe Preise, hohe Gastfreundlichkeit

Kontra:

Pass auf, was du isst! Kulturschock ist garantiert.

Empfehlung:

Nein

Vor einigen Jahren bereiste ich mit einer Freundin und ihrem Vater Indien. Ich war damals 17 Jahre alt, der Vater meiner Freundin ist Inder; er wollte seine Heimat besuchen, so wurde mir angeboten, die Oster-Ferien in Indien (hauptsächlich in Bombay) bei einem ehemaligen Schulfreund des Vaters zu verbringen. Ich willigte ein, und somit begann die aufregende Reise.

Die erste halbe Woche verlebten wir in Hotels, machten wir doch in New Delhi, Agra und Jaipur Sightseeing. Mein Körper schien keinerlei Schwierigkeiten mit der Umstellung zu haben, es ging mir gut, ich konnte normal essen (bevorzugte ich doch die europäische Kost in den Hotels). Besonders faszinierend fand ich das Taj Mahal, Indiens berühmtestes Grabmal, welches hauptsächlich aus weißem Marmor besteht und von allen Seiten gleich aussieht. Jeder, der nach Indien kommt, sollte sich dies ansehen!

Als wir nach einer halben Woche nach Bombay weiterflogen, änderte sich so einiges: Jedem lege ich den Rat ans Herz, nichts, aber auch gar nichts von der Straße zu essen!!! Genau das tat ich nämlich, was mir vermutlich zum Verhängnis wurde.

In den kommenden Wochen wurde ich sehr krank - ich verlor 8 kg meines Gewichtes innerhalb von 2,5 Wochen, Haut und Augen färbten sich gelb, mir war ununterbrochen übel, hatte einmal sogar einen Kreislaufkollaps - bei über 90% Luftfäuchtigkeit und Temperaturen über 40 Grad nicht verwunderlich. Viele, denen ich diese Geschichte erzähle, meinen, toll, sie würden ebenfalls nach Indien fliegen, um abzunehmen; wie es mir dort ging, ist aber nicht lustig, damit sollte man auch nicht scherzen - vor allem das Schlimmste ist: Trotz Impfung wurde ich so krank; es bestand der Verdacht auf Hepatitis, welcher sich später in Deutschland Gott sei Dank nicht bestätigte.

Dennoch möchte ich meinen Indien-Besuch nicht missen: Er hat mir sehr viel Lebenserfahrung vermittelt. Hierzu möchte ich mein prägendstes Erlebnis vorstellen: Eines Abends flannierten meine Bekannte und ich im Bombayer Hafen über die Märkte, kamen auch am \"Taj Mahal-Hotel\" vorbei, welches als eines der weltbesten Hotels gilt. Es ist von einem marmornen Säulengang umgeben. Als wir uns dort die Stände anschauten, fiel mir eine dreiköpfige Familie auf: Kind, Frau und Mann. Sie lagen beinahe nackt und allesamt bis aufs letzte abgemagert zwischen den Säulen des Reichtums, das Kind dem Sterben nahe, alle drei zu schwach zum Betteln.... der Vater hatte offene, blutige Wunden.... im Hotel selber verkehrte ein in Anzug gekleideter Geschäftsmann mit dem nächsten.

Mit diesem Kontrast zwischen Arm und Reich wurde ich auf die Schnelle nicht fertig: 2 Stunden verbrachte ich heulend wie ein Schlosshund in der Lounge des viertbesten Hotels der Welt, trauernd über die Armut, die mich umgab.... so hilflos.

Als ich wieder in Deutschland war, bekam ich einen Streit zweier Freundinnen mit - es ging um Nichtigkeiten! In diesem Moment wünschte ich mir, dass jeder Deutsche mindestens einmal in seinem Leben dieselbe Situation erlebt, wie ich sie damals hatte, damit er realisieren kann, wie gut es ihm doch geht.

Wie blind sind wir eigentlich?

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