Erfahrungsbericht von nosianai
Nosianai packt aus: Überlebenstaktiken für die nächste Indienreise
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Diesen Bericht hatte ich bereits im August letzten Jahres verfasst, als ich noch auf dem Subkontinent verweilte und mir die Sonne auf den Bauch scheinen ließ. Und weil sich der gute Touri ja auch immer fein an die Gewohnheiten des besuchten Landes gewöhnt und ein paar Dinge als Souvenir mit nach Hause nimmt, habe ich auch eine besonders ausgefeilte, gewählte Sprache, die mir doch bitte verziehen werden sollte.
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Nach den ersten zweieinhalb Monaten tun sich mir neue Welten auf und ich bin mit einigen Erfahrungen geschlagen… Manchmal tat‘s weh, manchmal war der Schock recht gross, aber alles in allem bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich mich mitteilen muss, um anderen Indienreisenden das Leben leichter zu machen und die Vorfreude zu steigern.
Also, aufmerksam lesen und Notizen machen:
Erstensmal hat sich der Reisende von überflüssigen Nebensächlichkeiten des täglichen Lebens zu verabschieden. Schliesslich sind wir auf Reisen und da muss man schon mal auf diversen Klimbim verzichten…. So zum Beispiel das Klopapier…..
Kein Mensch realisiert doch, wie sehr man daran hängt, an diesem weichen Krepp, was einem dann doch glatt am A**** vorbei geht….
Aber in Indien dreht sich die Welt in die andere Richtung, und wenn man nicht gerade in einem Staubzucker-von-vorn-und-hinten-für-unsere-Gäste-für-„viel“DM-Hotel absteigt, dann findet man eben dieses Utensil nicht.
Im Restaurant? Hahahaha! Auf öffentlichen Toiletten? Nicht wirklich….
Also, mental auf diesen Verlust vorbereiten.
Zum Essen?
Ich halte mich zur Zeit in Südindien auf. Es gibt hier einige interessante Restaurants, die Blechwerkzeug wie Besteck rigoros ablehnen, und manchmal wird Reis und dergleichen gar auf Bananenblättern serviert, was dem Reisenden ein Gefühl von Exotik vermittelt und so lange angenehm ist, bis man einige der Einheimischen der Nahrungsaufnahme beobachtet.
Dass, wenn kein Besteck verfügbar ist, mit den Fingern gegessen wird, ist schon klar und auch üblich, und dementsprechend weit verbreitet. Allerdings schmanden und manschen einige Leute dermassen auf ihrem Blechtablett herum und schmieren den Reis durch die Gegend, stopfen sich die ganze Hand in den Mund und krümeln und kleckern, als ob sie einen Preis für die größte Sauerei gewinnen könnten, dass einem das Essen wirklich und wahrhaftig vergeht.
Weiterhin muss man sich von der Idee verabschieden, dass das Essen aus einer Nahrungsumverteilung zwischen Teller und Mund besteht, denn wo immer man hingeht, in ein Restaurant oder zu einer Familie – spiel keine Rolle: Nach der Mahlzeit sieht der Tisch aus wie ein Schlachtfeld.
Ich habe das jetzt mit mehreren Begleitpersonen ausprobiert, an den unterschiedlichsten Plätzen, und es funktioniert wirklich IMMER!
Es scheint auch keinen zu interessieren und von Schamgefühl ist auch keine Spur. Der hypersensible Europäer bekommt ja gewöhnlich schon einen Schreikrampf, wenn man ein Krümel neben dem Teller landet, also sollte man sich auf alle Fälle Blutdrucksenkende Medikamente ins Reisegepäck packen…..
Selbstverständlich gibt es trotzdem so etwas wie Geschirr in Restaurants, die die Notwendigkeit erkannt haben, dass manche Touristen sich nicht wirklich mit dem Verlust desselben anfreunden können… Manchmal greift man allerdings doch auf recht spartanische Mittel zurück, und wir landen – in kleinen, abgelegenen Restaurants zum Beispiel – beim Thema: Essen aus dem Blechnapf…
Alles, ich wiederhole dies noch einmal für meine langsamen Leser: ALLES aus Belch. Tabeltt, die mit den diversen Gängen gefüllten Näpfe…..
Aber daran gewöhnt man sich auch mit der Zeit…
Aber kommen wir doch mal weg vom Essen… Es gibt noch mehr Dinge, die es zu erwähnen lohnt:
So zum Beispiel ein paar indische Angewohnheiten…
Erst war ich belustigt, als ich ein Schild in einem Bus las:
„Do not spit!“ (Nicht spucken)
Es leuchtet einem der Gedanke im Hirn auf, wer denn um Himmels Willen im Bus spucken würde? Aber solcherlei Ideen werden sofort wieder verworfen, wenn man mit offenen Augen durch das Land geht: Nach einer gewissen Weile fragt man sich schon viel eher, wer denn NICHT spuckt…
Wo man geht und steht: Es wird gespuckt und – tschuldigung – gerotzt und geasselt, was die Schleimhäute hergeben…
Läuft man ahnungslos durch die Einkaufspassage, klingt es recht spanisch im Hintergrund… Nicht wundern, da befreit sich nur einer von überflüssigem Schleim…
Oder auf‘m Fahrrad: Mal kurz die Geschwindigkeit drosseln und sich von der Spucke befreien – schon kann‘s weitergehen…
(Ich sage das nicht einfach nur so: Meine Aussagen beruhen auf Augenzeugenberichten… MEINEN Augen!)
Auch geht dies nicht so schnell von statten, wie man annehemen sollte. Erst wird genug im Hals gesammelt, da geht‘s „Grrrrrrrrrrrrr“, „schniiiiiiiieeeeeeeef“ und so weiter und so fort… Und erst dann wird geasselt!
Nur nicht unauffällig sein!
Na, schliessen wir dieses leidige Kapitel… Kommen wir zu etwas viel besseren…
An einer Friedhofsmauer las ich „Do not urinate“ und ich fragte mich sogleich: Wieso sollte jemand in aller Öffentlichkeit an eine Wand pissen wollen? Da war kein Busch, kein Baum, kein Schutz vor anderen neugierigen Augen…
Ca. 5m später erhielt ich die Antwort: Es interessiert nämlich überhaupt keinen, ob er gesehen werden kann…
Vom Streuner zum Straßenhändler bis hin zum besseren Angestellten: Wenn‘s dir in der Hose juckt, dann schiff an eine beliebige Wand.
Im Park, neben der Hauptstrasse… Wo dir‘s am besten gefällt.
Die Inder sind wie Hunde, die ihr Territorium markieren…
Und wie sieht‘s mit‘m Popeln aus? Wer überall schiffen und rotzen kann, dem dürfte es doch auch nicht stören, wenn er mal den Drang verspürt, seine Nase reinigen zu wollen.
Volle Punktzahl, denn genau so ist es auch!
Erst neulich sah ich in meinem Lieblingsrestaurant (Restaurantliste) den Kellner, der unsere Bestellung aufnahm, mal eben popeln… Ei der Dauss! Das hätt ich echt nicht erwartet!
Aber, um dieses Thema nun wirklich mal zum Abschluss zu bringen: Hier eine letzte Begebenheit, die sich ereignete, als wir auf dem Moped über eine Kreuzung fuhren…
Während der Rotphase kann es einem schon mal langweilig werden (zumindest, wenn man schon in der ersten Reihe steht und sich nicht mehr vorarbeiten muss… Dazu einfach meinen „Fünf Monate Kühe über den Haufen fahren“-Text lesen) ….
Und um der Langeweile zu entgehen, bleiben einem nicht viele Optionen offen…
Einer allerdings schoss den Vogel ab und hat sich mit Hilfe seines Spiegels auf dem Moped erst mal vergewissert, dass er auch nichts zwischen den Zähnen hat… Und als er doch was fand… Na was glaubt ihr? Er hat natürlich nicht gezögert sich davon zu befreien…
Aber da fallen mir, wo wir beim Verkehr sind, ja noch ein paar Sachen ein, die ich als Tipps loswerden muss:
Wenn einem ein Fahrradfahrer auf der Strasse begegnet, und das ist nicht selten, dann muss man diesen als seinen größten Feind im Kampf um den vordersten Platz zum Beispiel an einer Ampel betrachten.
Diese Fahrradstrampler sind nämlich die schlimmsten von allen, und sie geben keinen Deut um irgendwas…
Letzens passierte folgendes:
Wir steckten im Stau fest… Jawolll, auch mit dem Moped kann‘s mal schief gehen und man kommt nicht mehr voran… Da kam neben uns ein Fahrradfahrer angesaust, und als er bemerkte, dass es kein Entkommen gab, dass es weder vor- noch rückwärts ging, hob er sein Fahrrad über die Mittelleitplanke und fuhr auf der Gegenfahrbahn weiter…
Ist das der Dank?
Auch sollte man aufpassen, wenn man in Indien unterwegs ist und irgendwo ist eine Seitenstrasse oder Kreuzung…
Die Fahrradfahrer kommen aus derselben geschossen wie eine Rakete.
Neulich sah ich einen besonders mutigen, der fuhr einfach weiter und musste auf der Strassenmitte aufgeben, weil der Gegenverkehr zu schnell war und partout nicht anhalten wollte.. Also sprang er ab und fuchtelte wie wild mit den Armen, um sich bemerkbar zu machen und sein Leben zu retten…
Solche Aufkleber wie im heimatlichen Deutschland:
„Ich bremse auch für Tiere“ würde sich in Indien schliesslich keiner auf‘s Gefährt kleben… Hier wäre schon „Ich bremse auch für Menschen“ eine absolute Ausnahme…
Nun, an dieser Stelle schliesse ich meine Tipp-Sammlung und wünsche viel Spaß auf Reisen!
2001 (c) Nosianai
[Da ich diesen Bericht im Word-Programm verfasst habe und Yopi vor einiger Zeit damit ja bei der Umsetzung Probleme hatte (hinsichtlich der Sonderzeichen), kann ich nur hoffen, dass der Text jetzt nicht vor Unleserlichkeiten à la &%$ strotzt... sonst werde ich das umgehend beheben.]
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-18 20:40:03 mit dem Titel Die Sonnenverätzung meines Lebens
Mein erster Ausflug während meines fünfmonatigen Aufenthalts in Indien sollte mich an einen alten Tempelort führen, eine ehemals reiche, hoch entwickelte Stadt im Norden des Bundeslandes Karnataka.
Obwohl leicht kränkelnd, ließ ich mich auf das Abenteuer ein ... Das besonders zweischneidige Schwert fordert nun seinen Tribut:
Hampi erreicht man am besten mit dem Zug nach Hospet, und schnappt sich von dort ein Taxi direkt in die alte Tempelstadt, was sich über 20min hinzieht. Doch in dieser Zeit wird man von einer berauschenden Kulisse verwöhnt:
Palmenhaine und Reisfelder umgeben die Felsformationen, die durch die Witterung ausgewaschen und zu kleinen und monumentalen Kunstwerken geformt worden sind.
Während man also verzweifelt versucht, alles mit der Kamera festzuhalten, obwohl das Taxi in atemberaubendem Tempo über die Holperstraßen stauben wird, sollte man sich gut am Sitz festkrallen, denn nicht alle Taxen haben Türen!
Die Ruinen von Vijayanagar in der Nähe des Dorfes Hampi stellen eine der beliebtesten und bekanntesten Ziele für In- und Auslandstouristen dar.
Zu den Tempelruinen gibt es zwei Eingänge: Zum einen Hampi Bazaar und das kleine Dorf Kamalapuram im Süden.
Die Taxen und Busse von Hospet steuern jedoch Hampi Bazaar an, ein von Touristen, Reiseführern und Verkaufsständen angefülltes Örtchen, das direkt zu einem Tempelkomplex führt: Der Virupaksha Tempel ist eine der frühesten Strukturen des Ortes und wurde 1442 gebaut. Der Shrine ist Virupaksha gewidmet, einer Form des Gottes Shiva.
Fotografieren ist innerhalb dieses Tempels nicht erlaubt, aber es sieht ja keiner. Das haben sich vor allem diejenigen gedacht, die unsere kleine Reisegruppe für sich posieren ließen. Das spricht für unsere sagenumwobene Schönheit, nehme ich doch mal an. ;-)
Da dies zwar das erste aber bei weitem nicht letzte Mal war, dass uns jemand in Indien um Fotos bat, sollte man sich auf sowas einfach einstellen und nicht zickig davon rennen. Was soll's...
Um Hampi Bazaar zu überblicken, kann man den kurzen Weg zum Hemakuta Hill hinaufkraxeln. Dieser liegt am Ende der Hauptstrasse, welche das gesamte Leben Hampis ausmacht, direkt gegenüber des Virupaksha Tempels am anderen Ende der Strasse.
Verlässt man Hampi Bazaar gen Nordwesten, um den Vittala Tempel zu sehen, offenbart sich einem die bezaubernde Flusslandschaft, geschmückt mit den schon erwähnten Felsbrocken. Dies lädt nicht nur zu einem Foto ein.
Unterwegs passiert man The King's Balance, ein recht interessanter Torbogen, der mitten in der Botanik herumsteht. (um es mal mit Touristenworten auszudrücken)
Der Vittala Tempel selbst, den man nur zu Fuss erreichen kann, liegt 2km vom Hampi Bazaar entfernt und man folgt den steinigen [(c)nosianai] Wegen bis dort hin, nur um festzustellen, dass man ausländische Toursten mit US$ 10 abzockt, damit sie in den Tempel dürfen. Da interessiert es recht wenig, ob dieser Tempel zum World Heritage gehört oder nicht, oder ob er in einem guten Zustand ist.
Meine Meinung zu dieser Touristenmelkerei ist eindeutig:
Ich find\'s Scheiße! Indien ist voller Tempel, und da muss man ganz bestimmt keine 10Euro für ausgeben. Der Urlauber mag das Geld ja locker sitzen haben, aber man sollte auch bedenken, dass dieser Eintrittspreis das 50fache (!!!) des Eintrittspreises für indische Staatsbürger ausmacht, und da hört für mich der Spaß auf. Ich habe genug Tempel gesehen, um auf diesen Vittala Tempel verzichten zu können, und es finden sich auch jede Menge frei zugängliche Tempel und weitere Ruinen in dieser Landschaft.
Den Touristen sei also geraten, einfach mal in irgendeiner Stadt anzuhalten um auf Gut Glück Tempelluft zu schnuppern. Zwar wird in Reiseführern häufig erwähnt, diese seien nur für Hindus zugänglich, aber wenn man anständig, möglichst indisch, gekleidet ist, wird sich keiner beschweren, wenn man das Heiligtum dennoch betritt.
(In Kanyakumari (Südspitze Indiens, Tamil Nadu) wurde ich sogar ins Herz des Tempels vorgelassen. Die kurze Segnung und der Rundgang durch den tausende Jahre alten Tempel kostete 20 Rupien, und es hat keinen interessiert, woher ich kam und wohin ich ging. Aber dazu in einem gesonderten Bericht mehr.)
Man muss nur die Umgebung auskundschaften, um weitere Denkmäler zu finden...
Dazu empfehle ich allerdings unbedingt sich ein Fahrrad zu mieten. Leider waren wir nicht clever genug für diesen geistreichen Schachzug und wanderten herum. Das kann ganz schnell in eine bezaubernde Odyssee ausarten, denn die Felsformationen lassen einen nicht los. Auch findet man sich plötzlich - wenn man die Touristentrampelpfade verlässt - neben Bananenwäldern wieder und kraxelt über Steine hinweg oder überquert Ministröme.
Alles in allem eine tolle Erfahrung, wenn da nur die Sonne nicht wäre! Wer sagte gleich noch mal, man soll sich der Sonne zu wenden und sie wird für einen scheinen?
Ich tat so... und sie gehorchte ebenfalls.
So trug ich den schlimmsten Sonnenbrand davon, den ich je hatte. Meinen Reisebegleitern ging es nicht besser, und von allen, die bisher dort waren, höre ich nichts anderes. Ohne Sonnenhut-Brille-Creme und -Schutzanzug sollte man sich nicht in diese Gefilde begeben. - Ausrufezeichen -
Auch Wasser darf nicht im Rucksack fehlen, denn die Getränkestände halten sich in Grenzen und es werden auch nur Freshlime-Soda oder warme Cold-Drinks verhökert. Aber es ist immer besser, auf eine fast kochende Cola zurückzugreifen anstatt auf das Wasser, was dort angeboten wird (wir reden nur von den kleinen Wanderständen), denn die Siegel, die dort auf den Flaschen sind, sehen nicht wirklich authentisch aus. Will heißen: Könnte genauso gut abgefülltes Flusswasser sein! Man sollte sich als Tourist nicht für das Maß aller Dinge halten und lieber für einen pingeligen Fuzzi gehalten werden anstatt sich eine Vergiftung einzuhandeln.
Das Royal Centre.
Ganz bestimmt ein brillanter Platz, beherbergt dieses königliche Zentrum doch das Lotus Mahal, Elephant Stables, den Underground Virupaksha Tempel und das grossartige Queen's Bath. Der Tempel wiederum war durch den US$ 10-Eintritt blockiert....
Des weiteren bietet das Archäologische Museum in Kamalapuram täglich von 10 bis 17 Uhr (außer Freitags) seine Skulpturen und ein Model der Vijayanagar Ruins für's interessierte Auge an.
Von Sonne und ein paar Wanderstrapazen IN der Sonne einmal abgesehen ist Hampi in jedem Fall einen Besuch wert. Besonders wenn man 2 bis 3 Tage [(c)nosianai] einplant, um sich die Gegend in Ruhe anzugucken und nicht wie von der Tarantel gestochen durch die Botanik jagt, wie ich das gemacht habe.
Von Bangalore aus kann man Hampi in 8 1/2 Stunden mit dem Zug erreichen.
Für sleeper class bezahlt man dabei rund RS.300 (return-ticket).
Bilder aus Hampi bzw. Hospet unter
http://www.geocities.com/jagaree/foto1.html und
http://www.geocities.com/jagaree/hospet1.html
- Um noch einmal kurz auf die Überschrift zurück zu kommen: Ich spaße nicht. Ich habe meine Arme (puderrot) tagelang in Wassereimer gehalten, um das Brennen zu lindern. Wenig später konnte ich mir die Haut fetzenweise abziehen. Der Grundstein für einen ordentlichen Hautkrebs ist gelegt. Man sollte die Sonne Indiens nie unterschätzen. _
Schönen Urlaub.
Nosianai
05-09-2002
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-06 12:43:36 mit dem Titel Alles Auf Einmal - Nosianai erlebt 5 Monate Indien
1. Indien allgemein
2. Bangalore
(a) Restaurants
(b) Pubs
(c) Shopping-Möglichkeiten
(d) Stadtbild
3. Kurz notiert
4. Hindi-Filme
1. INDIEN ALLGEMEIN
Diesen Abschnitt werde ich recht kurz halten, denn ich schreibe hier keinen Reiseführer sondern einen -bericht.
Zum Wetter sage ich nur so viel: Zur Regenzeit [Mai-August/September] ist Bombay unerträglich schwülwarm, dass es Schweissbäche auf dem Rücken gibt.
Um das zu erfahren, hat mir schon der mitternächtliche Kurzaufenthalt auf dem Flughafen gereicht. Wer also vorhat, [(c)nosianai] sich zu dieser Jahreszeit in den Schmelzofen zu begeben, sollte die Yopi-Kategorien nach einem leistungsstarken Deo durchforsten.
In Bangalore allerdings, Südindien und im Landesinneren, kommt außer ein paar Regenbächen nicht viel zustande, was natürlich erfreulich ist, denn so bleiben die Temperaturen angenehm kühl bei 25 bis 35Grad.
Allgemein bekannt dürften wohl die Standards sein, über die man sich informiert, wenn man ein Land bereist. Ich schneide darum nur noch die Landeswährung (Rupees und Paisa) - Kurs 1:47 - an.
Sowie die Kleidung. Es bedarf wohl keiner Erklärung, dass Indien trotz allem noch recht konservativ eingestellt ist, und mit Ausnahme der Grosstädte sollte man sich besonders als Frau zurückhalten, was die luftig-leichten Einblick-Oberteile und kurzen ich-verdecke-nur-spärlich-den-Po-Röcke anbelangt.
Impfungen und weitere Vorsichtsmassnahmen schenk’ ich mir an dieser Stelle.
VORSICHT:
Wer Zeit hat, wer nach Indien fliegen möchte, um das Land kennenzulernen und wer kein Pauschal-2-Wochen-Rundfahrt-durch-halb-Indien-Urlauber ist (sorry, aber bei Indien ist so eine Reise wirklich große Sch....), der soll sich ja um das richtige Visa kümmern.
Es gibt Touristenvisa für 14 Tage sowie für 6 Monate... Und für ein Jahr, auch wenn viele Leute gern was anderes erzählen.
Einmal in Indien mit einem 6Monats-Visa ist alles zu spät. Kein Mensch wird euch das Visa verlängern, aber einen Antrag stellen könnt ihr ja trotzdem... wem\'s Spaß macht.
14tägige visas hingegen kann man verlängern, auch wenn das eine schwierige, kostenspielige, langwierige Prozedur ist.
2. BANGALORE
ERSTE IMPRESSIONEN
So bezeichne ich einfach mal die erste Fahrt durch Bangalore vom Flughafen bis zu meiner Unterkunft.
Indien ist nie das, was man sich vorher vorgestellt hatte, und da mir dies von mehreren Personen immer wieder gesagt worden war, hatte ich ohne besondere Erwartungen sein wollen, doch selbst dann ist der Schock erst mal groß.
An jeder Ecke gibt es etwas, was man SO nicht gedacht hätte. Die Farben und Gerüche sind genau so, wie sie in sämtlichen Reiseberichten geschildert werden: Reich, prall und prächtig.
Das größte Erlebnis war zunächst einmal der Straßenverkehr, dem ich mich ausführlich in einem anderen Bericht hingegeben habe, da dieser Bericht sonst gar keine Ende finden würde.
RESTAURANTS
Das indische Essen ist selbstverfreilich Geschmackssache, wenn man denn nach den scharfen Gewürzen überhaupt noch was schmecken kann.
Davon einmal abgesehen gibt es jede Menge Restaurants, wobei man natürlich immer darauf achten sollte, dass man nicht überall das Wasser trinken kann, welches generell auf dem Platz landet. Es ist nicht gesagt, dass ein chices Restaurant gefilteres Wasser anbietet, dafür kann man in \"weniger gutem Ambiente\" hingegen gefiltertes Wasser kriegen. Am besten, man bestellt gleich Wasser in versiegelten Flaschen, um böse Überraschungen zu vermeiden.
Nicht mit den Fingern zu essen ist meist unmöglich, reicht man doch zum Hühnchen .... oder Gemüse\"brei\" immer ein Fladenbrot, welches sehr wohl mit den Fingern zu essen ist.
... Die Speisekarten sind unerschöpflich, und so spare ich es mir, hier irgendwelche Auszüge daraus aufzuzählen.
Eine Liste empfehlenswerter Restaurants in Bangalore gibt es unter
http://www.geocities.com/jagaree/restliste.html
[Jawohl, das ist Schleichwerbung für meine Homepage. Aber die Liste ist lang und würde hier den Rahmen sprengen.]
Die Preise bewegen sich in einem unvorstellbar niedrigen Level.
In einem weniger chicen Restaurant kann man für DM 7,- proppevoll werden, oder man lässt sich im Edelrestaurant bewirten und berappt für ein komplettes Menu mit allem drum und dran für zwei Personen DM 30,-
PUBS
....findet man in großer Anzahl beinahe überall, und es ist nicht wirklich sinnvoll, hier eine Litanei an Kneipen aufzuzählen.
Um allerdings böse Überraschungen zu vermeiden, sollte man, bevor man sich einen Cocktail bestellt, lieber nachfragen, mit welcher Größe man zu rechnen hat, denn mein \"Sex under Stars\" kam in einem Reagenzglas daher (böse Erinnerungen an Chemiestunden werden wach) und war preismäßig der glatte Wucher.
Passiert im:
Purple Haze
(17/1 Residency Road)
- einem chicen Pub, laut und dunkel und sehr angenehm.
SHOPPING-MÖGLICHKEITEN
...sind selbstverständlich jede Menge gegeben. Man wird nicht nur auf den Strassen von Händlern verfolgt, sondern kann in den Geschäften alles finden, was man braucht oder auch nicht. Die populärsten Shopping-Meilen:
Brigade Road und M.G. Road
Commercial Street
Jayanagar - 4th Block
Auch kann man noch um 22Uhr in den Geschäften herumschlawenzeln, ohne von \"Wir machen jetzt dicht\"-Angestellten verfolgt zu werden.
Die meisten Läden bieten außerdem an, die Taschen anzunehmen, während man einkaufen geht. Service und Freundlichkeit lassen keine Wünsche offen.
Besonders empfehlenswert sind sicherlich die Basarähnlichen Einkaufslabyrinthe, in denen es nach Gewürzen und Blumen duftet und alles dichtgedrängt ist. Nach Indien kommt man ja schließlich nicht, um sich vor solchen Eindrücken zu verstecken.
Außerdem sollte man unbedingt einen Abstecher in einen der Sari-Shops machen. Die Auswahl ist betörend ... Ich habe jede Menge Kurtas, Saris und dergleichen erstanden. Von diesen farbenprächtigen Sachen in allerfeinster Qualität kann man eigentlich nicht genug haben - mein Koffer beinhaltet jetzt bald mehr indische Kleidung als meine üblichen Sachen... Und das ist es wirklich wert!
STADTBILD
Da Bangalore keine \"so\" große Stadt ist wie vergleichsweise Mumbai oder Delhi (gerade mal 6 Mio. Einwohner), trifft man auch nicht auf solcherlei Ausmaße an Armut und Elend. Dennoch kann man die Augen vor auf der Strasse lebenden Menschen nicht verschließen, auch sind kleine Bretterbuden und andere Notbehausungen sowohl in den outskirts als auch in der Innenstadt mitten im Tumult anzutreffen.
Die Fabeln von Kühen, die am Straßenrand auf schönes Wetter warten, sind ebenso wahr wie die der Unmengen an Straßenhunden, die durch die Gegend streunen.
Das ist eine Seite Bangalores, genauso gut kann man sich aber an die \"prächtigen\" Seiten der Gartenstadt halten und ausgebaute Strassen, Parkanlagen und dergleichen bewundern.
Empfehlenswert sind daher der Botanische Garten, oder (außerhalb der Stadt): der Bannerghatta National Park mit der Möglichkeit zur Safari, wobei die Landschaft dabei faszinierender ist als die Löwen und Tiger.
Bemerkenswert dabei ist die Abzocke für Touristen, die Rs.200 blechen dürfen (umgerechnet DM10,-), was mehr als das vierfache des Eintrittspreises für Landsleute ausmacht.
Dennoch ein Erlebnis wert.
Ebenso kann die Stadt mit einer Reihe von Museen und ähnlichen öffentlichen Einrichtungen aufwarten, und wer in die Verlegenheit kommt, in das Visvesvaraya Industrial & Technological Museum eingeladen zu werden (Kasturba Road), sollte sich das schon mal antun, denn ...
Fall 1.
Man im Unterricht anno dazumal immer erfolgreich weggehört, wenn die Lehrer ihr bestes gegeben haben, Langeweile zu verbreiten, dann kann man wenigstens jetzt noch was lernen.
Fall 2.
Man hat nicht weggehört, ist ein Technik-Genie und hat trotzdem seinen Spaß, weil man zwar nix neues lernt, aber dafür an allen möglichen Erfindungen herumschrauben kann, was ich für belustigend befunden habe und darum weiterempfehle.
Eintrittspreis: Rs.20 (DM1,-)
Wie schon eingangs erwähnt: Ja, ich mache Schleichwerbung für meine Homepage, und nein, ihr seid nicht verpflichtet, meine Besucherzahlen in die Höhe schnellen zu lassen. Aber ein bisschen Bildmaterial (abgesehen von diesen computerbearbeiteten Reiseführer - und -Magazinbildern) sollte schon verfügbar sein. - Meine Meinung.
Kurz und schmerzlos:
http://www.geocities.com/jagaree/bang1.html
3. KURZ NOTIERT
Zu den Eindrücken, die man auf alle Fälle mitbekommt, zählt die außerordentliche Freundlichkeit der Inder, die mir bisher zuteil geworden ist. Es soll auch Örtlichkeiten geben, wo dies nicht der Fall ist, da denke ich nur mal an meinen Italienausflug letztes Jahr zurück, wo ich mich nicht wirklich willkommen gefühlt habe. Dies ist hier zu keinem Zeitpunkt der Fall gewesen.
Dann gibt es allerdings noch ein paar Kuriositäten.
Zum Beispiel so alltägliche Dinge wie das gute alte Klopapier. Dieses welches ist nicht wirklich überall vorhanden. In Restaurants zum Beispiel - keine Chance. Es ist mir bisher nur ein einziges Mal passiert, dass mir eine Rolle dieses Notfallpapiers entgegengrinste, und das auch noch, als ich mich vorsorglich mit Servietten eingedeckt hatte.
Das war nicht wirklich peinlich.
*grins*
Im Übrigen allerdings findet man einen extra Wasserhahn in Kniekehlenhöhe vor und einen Eimer, was dann wohl Handarbeit bedeutet. Ich persönlich kann mich da nicht wirklich dran gewöhnen, aber was soll\'s.
Mehr \"Andersartigkeiten\"? Gern:
\"Don\'t spit\" macht schon einen sonderbaren Eindruck. Aber den Inder kümmert es wenig, spuckt er doch, wo er geht und steht.
Auch die Schilder, die deutlich davor warnen, an diverse Wände in der Stadt zu urinieren, werden frei übersehen, und wohin man sieht, kann man die gelben Strahlen gegen die Wände gerichtet beobachten.
Auch ist es im ländlichen Indien keinesfalls unüblich, dass man zur Morgenstunde die Menschen auf dem Felde hocken ihr Geschäft verrichten sehen kann. Besonders während meiner letzten Zugfahrt durch die \"Prärie\" bin ich in diesen visuellen Genuss gekommen.
Dabei kann ich Zugfahrten nur empfehlen. Nirgends sonst bekommt man gleichzeitig in und außerhalb so viel geboten. Zum einen kann man die Menschen im Zug beobachten, was nie langweilig wird, und zum anderen bekommt man draußen eine zumeist atemberaubende Landschaft geboten.
***
Zugfahren ist auch eines der indischen Hobbies, und so kommt es schnell vor, dass man keine Tickets mehr bekommt, wenn man eine längere Reise plant.
Am schönsten (?!) ist die Fahrt in der Sleeper Class. Kaum Komfort auf den Pseudo-weich Brettern mit Plastikbezug, aber dafür reist dort der Durchschnittsinder mit, und Leute beobachten machte Nosianai ja schon immer Spaß.
Merke: Reisen in Indien niemals mit dem Bus oder Flugzeug machen. Ist rausgehauenes Geld und man verpasst das wirkliche Leben.
Meiner Meinung kann man in Indien sowieso nicht in der Touristen-Schaumstoff-Welt leben.
***
Essen von Bananenblättern:
In Andhra-Style-Restaurants wird das Essen auf Bananenblättern serviert. Besteck gibt\'s auch keins. Dafür kann man sich ein vegetarisches Menu bestellen und bekommt dann für einen Preis, der je Restaurant zwischen einer und drei Mark liegt, unbegrenzt Reis und die verschiedenen \"Gemüsebreis\". Dann kann man richtig schön mit den Fingern im Essen herumschmanden, obwohl Mutti und Vati das gar nicht gern sehen!
***
Armut:
Man darf sie nicht unter den Tisch kehren, aber genauso wenig sollte man jemanden Geld in die Hand drücken, wenn man sich an Orten befindet, wo viele Bettler herumlaufen, denn die kommen dann plötzlich alle zu einem und man lernt die Definition von Hartnäckigkeit kennen.
Bewegt man sich nicht in Touristenhochburgen und es kommt jemand auf einen zu, so ist es kein Beinbruch, mal ein oder zwei Rupees zu geben.
Doch auch da gibt es feine Unterschiede.
Manche Leute haben gar nicht die Intention, ihren Lebensunterhalt auf diese bedauernswerte Art und Weise zu verdienen, aber wenn sie Touristen sehen, laufen sie plötzlich gebückt und kommen angelatscht.
Auch diejenigen, die den ganzen Tag irgendwo zu sitzen scheinen und ihre Kinder mit in den Smog nehmen sind mir persönlich zwielichtig und wir geben denen nie was.
Wie gesagt, alte Menschen sind die einzige Ausnahme.
Wenn man so lange wie ich in Indien ist, kriegt man den Dreh irgendwie raus. Auch ist es nicht verkehrt, die Leute, die einen an die Klamotten gehen wegzuschubsen. Wo kommen wir denn da hin?
Kommen wir aber zu etwas erfreulicherem, denn letztlich wird man an der Situation in Indien eh nicht viel ändern können.
4. HINDI-FILME
Wer in Indien landet, sollte sich auf alle Fälle einen Film aus der indischen Filmfabrik Bollywood ansehen. Denn auch ohne Hindi kann man ja genügend Eindrücke sammeln.
Selber gesehen habe ich jede Menge Hindi-Filme, ob bloß ansatzweise oder ganz oder mehrmals, sei mal dahingestellt. An den Titel erinnern kann ich mich noch bei:
(1) Satya
(2) Gadar (war mein erster...)
(3) Dil Chahta Hai (Popcorn-Kino)
(4) Lagaan (war als ausländischer Film bei der diesjährigen Oscar-Verleihung dabei gewesen, wenn sich noch jemand daran erinnern sollte)
(5) Ashoka
...und noch jede Menge andere. Ich kann sie alle weiterempfehlen. Und die Kinos sind auch viel bequemer, auch wenn sie nicht so aussehen. Man kann mit den Kinosesseln in jede beliebige Position rutschen. Nach dem Motto: Vor, zurück, zur Seite, ran.
Und hey, wer in den Genuß meines „Kino Zum Kotzen“-Beitrages gekommen ist: Alle dort angesprochenen Widrigkeiten gibt es in indischen Kinos NICHT!
Wer also die Gelegenheit hat, sollte sich auf alle Fälle einen Film ansehen. Ich selbst verstehe ja auch nicht wirklich was, aber Spaß macht\'s trotzdem.
Der Kinoeintritt sollte mit Rs. 70 (z.Z. 3,50DM) für Balkonsitze wohl erschwinglich sein, und in beinahe jedem Örtchen gibt es ein Kino, wo es doch des Inders liebstes öffentliches Plätzchen zu sein scheint.
Auch auf VideoCD (NEIN, keine DVD!!!) kann man sich die Filme ansehen. Die \"Videotheken\" finden sich an jeder Ecke. (Raubkopien, direkt von der Kinoleinwand per Camcorder kopierte Filme)
Nur eines: gesundes Sitzfleisch und was warmes Anzuziehen mitbringen, denn zum einen sind die Filme uuuuuunwahrscheinlich lang. (In Indien scheint es keine Überlänge, höchstens Unterlänge zu geben) Zudem ist es in den Kinos oftmals sehr kühl, da die A/Cs laufen und dazu noch Ventilatoren.
In der obligatorischen Pause, die jeden Film für 10min in zwei Hälften zerschnippelt, kann man sich aber mit Kaffee auftanken....
**************
Noch mal was zum Schluss:
Um den Bericht dann doch nicht ins Unendliche ausarten zu lassen, habe ich noch weitere Berichte vor:
1. Hampi - Die Sonnenverätzung meines Lebens
2. Pondicherry, Mahabalipuram und Chennai - Über knausrige Gaststätten, die Ashram-Sekte und das Ozean-Klo
3. Kerala - God\'s Own Country im Nosianai-Test
4. Goa – Fischstrände, wunderschöne Eisenbahnfahrten und verschwitzte Axelhöhlen im Bus
5. Delhi - Smog & Verkehr
6. Straßenverkehr in Indien (das Thema ist weitaus lustiger, als es hier klingen mag)
7. Ausflug auf’s Land – Meine Verfolgungsjagd
8. Mysore und Ooty – Die höllische Taxifahrer und ein ausgedorrter Magen, keine funktionierende Klospühlung aber ein riesiges Mückengeschwader...
In diesem Sinne,
Nosianai
06-09-02
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-28 11:25:53 mit dem Titel Freilicht-Klos mit Salzwasserspülung und die Ashram-Sekte
Es begann mit Kakerlaken, die unter einer ernsten Sehschwäche litten, und wie bekloppt gegen die Wände im *Reisebüro* flogen. Weiter gings dann mit einem bequemen Bus und sieben Stunden Fahrt nach Pondicherry.
Samstagmorgen. 6:30Uhr. Nosianai schon wach? Rekord!
___Lektion Eins: Zähneputzen schwer gemacht___
Hüpfe in ein Restaurant deiner Wahl. Diese welche Wahl wird auf Grund der unmenschlichen Uhrzeit sehr stark eingeschränkt sein. Lächle, und sei froh, denn gleich kommts noch viel schlimmer.
Essen fassen. Sich durch die brodelnd heiße Küche des Restaurants eine alte Treppe hoch zur *Toilette* hangeln und dann die braune Brühe in Klosett bemerken. Hm, woher kommt die braune Farbe? Betätige Klospülung. Nix besser. Waschbecken irgendwo? Wasserhahn ... tropf... gurgel... würg... Kein Wasser.
Merke: Gehe in einem Restaurant niemals nicht hinter die Kulissen. Es könnte dir allllles verderben. Siehst du ein Waschbecken im Restaurant drin, dann benutze es. Glaube (außer in einem Edelladen) nie daran, dass es irgendwo noch ein besseres geben könnte.
___Lektion Zwei: Wozu gab der liebe Gott dir zwei Füße?___
Damit du die Pedale des Rollers betätigen kannst, welchen du dir ausleihst, um Pondicherry zu erkunden. Die Sonne brennt schon morgens um acht. Vor deinem geistigen Auge schwimmen braune Bröckchen in Kloschüsseln. Vor deinem anderen Auge liegt der Ozean, glitzert das Wasser, liegt der Sandstrand, stehen Palmenhaine... wunder, wunderschön.
Lust zu baden? Dann geh ins Hotelzimmer, denn der Strand wird von vorn bis hinten zugemüllt sein, wie weit du auch fährst mit deinem für 100 Rupien (und 500 Kaution) geliehenen Blechroller.
(Wir fuhren sehr lange, vielleicht eine halbe Stunde nördlich von Pondicherry, fanden dann ein Stück Strand, welches nur leicht zugemüllt war. Ich tauchte nur kurz die Füße ins Wasser und war gleich von oben bis unten patschnass. Merke: Kein Badestrand. Die Wellen sind wahrlich hinreißend...)
___Lektion Drei: Die Ashram-Sekte___
Wo auch immer du in Pondicherry hingehst. The Mother und Sri Aurobindo werden dich verfolgen. Ihnen gehört der Ashram, das Hotel, in dem wir für 400 Rupien ein sexy Zimmer bekamen (während meiner 5 Monate Indien übrigens das beste). Ihnen gehört die sehr sehr sehenswerte Papierfabrik, der Fresstempel (den ich nicht empfehle, da man da SCHWEIGEN muss, auch wenns Essen für 20 Rupien gibt) ... Und was ihnen nicht gehört, das wird von ihren Bildern verziert...
Am ersten Tag wars noch lustig. Am zweiten Tag musste ich frühstücken mit The Mother und ihrem grimmig-bösen Guck-auf-deinen-Teller-und-iss-und-halt-den-Mund-und-nachher wird-gespendet!-Blick... Es gruselt mich noch heute! Ihre *Bibel* war auszugsweise auf das Platzdeckchen gedruckt, hing als Gesamtwerk von der Wand. ... Ehrlich gesagt.. ich hatte Angst...
(Na ja, Spaß beiseite. Da ich ein dummer Tourist bin, habe ich inzwischen vergessen, was hinter den zwei Leutels steckt, aber sie waren wohl Antialkoholiker und strikt gegens Rauchen, denn beides ist überall verpönt.
Man sollte aber in Pondicherry darauf gefasst sein, mit dem Flair einer Sekte konfrontiert zu werden. Prädikat: Gewöhnungsgedürftig.)
___Lektion Vier: Was lange währt, muss noch lange nicht fertig sein___
Ausflug nach Auroville
Der Weg ist lang und staubig. Mein Verlobter fährt schnell. Zu schnell, um eine zu rauchen (ich probierte es trotzdem... jetzt hab ich Staublunge...)
Auroville, diese unüberschaubare Sekte, ist ruhig, abgelegen, groß und ... na ja, schön. Man kann auf dem Gebiet herumschlawenzeln, in die Boutique gehen, sich Vorlesungen anhören, bei Gebeten und Meditationen dabei sein... oder sich der/die/das Matrimandir anschauen. Außen Gold. Innen seit mind. 20 Jahren Baustelle. (darum: Lektion vier) Was da drin ist, verrate ich nicht. Von wegen Spannung und so...
Schön wars allemal, obwohl alles SCHWEIGEND vonstatten gingen musste. Und Nosianai musste mit ihren zarten Füßen Barfuss auf dem Schotter laufen.. Aua!
Merke: In Pondicherry ist alles schön. Ruhige Stadt. Golf von Bengalen. Lecker Essen. Papierfabrik, wo aus Stoff, Reis, Abfall etc. Papier gemacht wird. Der Ashram (SCHWEIG!). Tempel en mass.... und man merkt den französischen Einfluss sehhhr stark. Es ist ruhiger, mediterraner, Straßen sind enger. Ich sah die erste Frau auf einem Fahrrad in ganz Indien. Leise. Vergnüglich. Pondicherry ist anders als der Rest von Indien.
(Mein persönliches Highlight war ein internationales Abendessen in Pondicherry. Unsere Studentengruppe: Deutsch. Irisch. Spanisch. Indisch. Französisch. So viel Spaß kann man nicht buchen. Schade, ich kanns nur jedem empfehlen, besonders wenn die Französin dem Inder erklärt, dass das, was sie da auf dem Teller hat, nicht richtig gemacht ist....)
___Lektion Fünf: Stirb langsam. Im Bus durch Indien.___
Nosianai, schlimmer wie ein kleines Kind, muss alles mal sehen und ausprobieren. Fahrradrickshawfahren zum Beispiel. MITfahren! Später tat es mir in der Seele weh, wie sich der arme Kerl da vor mir auf dem Rad einen abstrampelte, während ich faul auf der Pritsche saß und mir wild Luft zufächelte, weil es schon in der Morgenstunde so unmenschlich warm war...
Merke: Hochleistungsdeo nicht vergessen!
Später im Bus saßen wir auf dem besten Platz: nämlich in der ersten Reihe. Freier Blick auf den Gegenverkehr, der uns entgegen bretterte. Freier Blick auf die im Weg herumschlendernden Kühe, für die eine Notbremse fällig war. Freier Blick leider auch auf die armen herumstreunenden Hunde, für die hingegen keiner bremste.
Nach endlos langer Zeit, gut geschüttelt, traumatisiert von an der Windschutzscheibe zerschellenden Tierknochen, aufblitzendem Gegenverkehr und stark verängstigt durch die Wettrennen des Busfahrers, krochen wir dann in Mahabalipuram aus dem Blechvehikel.
Dass wir das überleben durften!
Pferdeäpfel am Strand. Betteln für Servietten. Sowie Die Rettung durch Jasmin folgt in einem gesonderten Bericht über
Mahabalipuram und Chennai
___Noch ein paar Kurzlektionen___
Pondicherry ist super geeignet für einen Kurztrip, das heißt also, wenn man es sich schon andernorts in Indien bequem gemacht hat und plötzlich denkt: hey, könnt mir ja auch mal noch was anderes angucken.
Pondicherry, das kleine Frankreich in Indien, ist klein, relativ sauber, gut organisiert, kennt zwei Ampelkreuzungen (Stand: Herbst 2001) und wird von einem frommen Völkchen besiedelt, welches seit Jahren seinen Idolen The Mother und Sri Aurobindo huldigt und den geneigten Gast gern in deren Leben einführt.
Selbst ohne Reiseführer ist man in Pondicherry bestens bedient, denn alles ist übersichtlich und ruhig. Nirgendwo in Indien sieht man so viele Käsegesichter herumspringen wie dort (die arbeiten bzw. leben in Auroville). Nirgendwo sonst wäre es ratsam, mal selbst aktiv am indischen Straßenverkehr teilzunehmen.
Einkaufsmöglichkeiten sind super. Mit den Gaststätten haben sies allerdings nicht so, da muss man für die Suche schon mal etwas mehr Zeit einplanen.
Hotel: Park Guest House mit Blick auf den Golf von Bengalen. 400Rupien pro Zimmer. Prima Service. Bisschen streng (abends um zehn wird das Haupttor geschlossen, da gehts dann weder ein noch raus).
Badesachen kann man zu Hause lassen. Sonnencreme, Hut und Entdeckerlust mitbringen.
Pondicherry? Immer wieder!
2001/2002 © Nosianai
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Nach den ersten zweieinhalb Monaten tun sich mir neue Welten auf und ich bin mit einigen Erfahrungen geschlagen… Manchmal tat‘s weh, manchmal war der Schock recht gross, aber alles in allem bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich mich mitteilen muss, um anderen Indienreisenden das Leben leichter zu machen und die Vorfreude zu steigern.
Also, aufmerksam lesen und Notizen machen:
Erstensmal hat sich der Reisende von überflüssigen Nebensächlichkeiten des täglichen Lebens zu verabschieden. Schliesslich sind wir auf Reisen und da muss man schon mal auf diversen Klimbim verzichten…. So zum Beispiel das Klopapier…..
Kein Mensch realisiert doch, wie sehr man daran hängt, an diesem weichen Krepp, was einem dann doch glatt am A**** vorbei geht….
Aber in Indien dreht sich die Welt in die andere Richtung, und wenn man nicht gerade in einem Staubzucker-von-vorn-und-hinten-für-unsere-Gäste-für-„viel“DM-Hotel absteigt, dann findet man eben dieses Utensil nicht.
Im Restaurant? Hahahaha! Auf öffentlichen Toiletten? Nicht wirklich….
Also, mental auf diesen Verlust vorbereiten.
Zum Essen?
Ich halte mich zur Zeit in Südindien auf. Es gibt hier einige interessante Restaurants, die Blechwerkzeug wie Besteck rigoros ablehnen, und manchmal wird Reis und dergleichen gar auf Bananenblättern serviert, was dem Reisenden ein Gefühl von Exotik vermittelt und so lange angenehm ist, bis man einige der Einheimischen der Nahrungsaufnahme beobachtet.
Dass, wenn kein Besteck verfügbar ist, mit den Fingern gegessen wird, ist schon klar und auch üblich, und dementsprechend weit verbreitet. Allerdings schmanden und manschen einige Leute dermassen auf ihrem Blechtablett herum und schmieren den Reis durch die Gegend, stopfen sich die ganze Hand in den Mund und krümeln und kleckern, als ob sie einen Preis für die größte Sauerei gewinnen könnten, dass einem das Essen wirklich und wahrhaftig vergeht.
Weiterhin muss man sich von der Idee verabschieden, dass das Essen aus einer Nahrungsumverteilung zwischen Teller und Mund besteht, denn wo immer man hingeht, in ein Restaurant oder zu einer Familie – spiel keine Rolle: Nach der Mahlzeit sieht der Tisch aus wie ein Schlachtfeld.
Ich habe das jetzt mit mehreren Begleitpersonen ausprobiert, an den unterschiedlichsten Plätzen, und es funktioniert wirklich IMMER!
Es scheint auch keinen zu interessieren und von Schamgefühl ist auch keine Spur. Der hypersensible Europäer bekommt ja gewöhnlich schon einen Schreikrampf, wenn man ein Krümel neben dem Teller landet, also sollte man sich auf alle Fälle Blutdrucksenkende Medikamente ins Reisegepäck packen…..
Selbstverständlich gibt es trotzdem so etwas wie Geschirr in Restaurants, die die Notwendigkeit erkannt haben, dass manche Touristen sich nicht wirklich mit dem Verlust desselben anfreunden können… Manchmal greift man allerdings doch auf recht spartanische Mittel zurück, und wir landen – in kleinen, abgelegenen Restaurants zum Beispiel – beim Thema: Essen aus dem Blechnapf…
Alles, ich wiederhole dies noch einmal für meine langsamen Leser: ALLES aus Belch. Tabeltt, die mit den diversen Gängen gefüllten Näpfe…..
Aber daran gewöhnt man sich auch mit der Zeit…
Aber kommen wir doch mal weg vom Essen… Es gibt noch mehr Dinge, die es zu erwähnen lohnt:
So zum Beispiel ein paar indische Angewohnheiten…
Erst war ich belustigt, als ich ein Schild in einem Bus las:
„Do not spit!“ (Nicht spucken)
Es leuchtet einem der Gedanke im Hirn auf, wer denn um Himmels Willen im Bus spucken würde? Aber solcherlei Ideen werden sofort wieder verworfen, wenn man mit offenen Augen durch das Land geht: Nach einer gewissen Weile fragt man sich schon viel eher, wer denn NICHT spuckt…
Wo man geht und steht: Es wird gespuckt und – tschuldigung – gerotzt und geasselt, was die Schleimhäute hergeben…
Läuft man ahnungslos durch die Einkaufspassage, klingt es recht spanisch im Hintergrund… Nicht wundern, da befreit sich nur einer von überflüssigem Schleim…
Oder auf‘m Fahrrad: Mal kurz die Geschwindigkeit drosseln und sich von der Spucke befreien – schon kann‘s weitergehen…
(Ich sage das nicht einfach nur so: Meine Aussagen beruhen auf Augenzeugenberichten… MEINEN Augen!)
Auch geht dies nicht so schnell von statten, wie man annehemen sollte. Erst wird genug im Hals gesammelt, da geht‘s „Grrrrrrrrrrrrr“, „schniiiiiiiieeeeeeeef“ und so weiter und so fort… Und erst dann wird geasselt!
Nur nicht unauffällig sein!
Na, schliessen wir dieses leidige Kapitel… Kommen wir zu etwas viel besseren…
An einer Friedhofsmauer las ich „Do not urinate“ und ich fragte mich sogleich: Wieso sollte jemand in aller Öffentlichkeit an eine Wand pissen wollen? Da war kein Busch, kein Baum, kein Schutz vor anderen neugierigen Augen…
Ca. 5m später erhielt ich die Antwort: Es interessiert nämlich überhaupt keinen, ob er gesehen werden kann…
Vom Streuner zum Straßenhändler bis hin zum besseren Angestellten: Wenn‘s dir in der Hose juckt, dann schiff an eine beliebige Wand.
Im Park, neben der Hauptstrasse… Wo dir‘s am besten gefällt.
Die Inder sind wie Hunde, die ihr Territorium markieren…
Und wie sieht‘s mit‘m Popeln aus? Wer überall schiffen und rotzen kann, dem dürfte es doch auch nicht stören, wenn er mal den Drang verspürt, seine Nase reinigen zu wollen.
Volle Punktzahl, denn genau so ist es auch!
Erst neulich sah ich in meinem Lieblingsrestaurant (Restaurantliste) den Kellner, der unsere Bestellung aufnahm, mal eben popeln… Ei der Dauss! Das hätt ich echt nicht erwartet!
Aber, um dieses Thema nun wirklich mal zum Abschluss zu bringen: Hier eine letzte Begebenheit, die sich ereignete, als wir auf dem Moped über eine Kreuzung fuhren…
Während der Rotphase kann es einem schon mal langweilig werden (zumindest, wenn man schon in der ersten Reihe steht und sich nicht mehr vorarbeiten muss… Dazu einfach meinen „Fünf Monate Kühe über den Haufen fahren“-Text lesen) ….
Und um der Langeweile zu entgehen, bleiben einem nicht viele Optionen offen…
Einer allerdings schoss den Vogel ab und hat sich mit Hilfe seines Spiegels auf dem Moped erst mal vergewissert, dass er auch nichts zwischen den Zähnen hat… Und als er doch was fand… Na was glaubt ihr? Er hat natürlich nicht gezögert sich davon zu befreien…
Aber da fallen mir, wo wir beim Verkehr sind, ja noch ein paar Sachen ein, die ich als Tipps loswerden muss:
Wenn einem ein Fahrradfahrer auf der Strasse begegnet, und das ist nicht selten, dann muss man diesen als seinen größten Feind im Kampf um den vordersten Platz zum Beispiel an einer Ampel betrachten.
Diese Fahrradstrampler sind nämlich die schlimmsten von allen, und sie geben keinen Deut um irgendwas…
Letzens passierte folgendes:
Wir steckten im Stau fest… Jawolll, auch mit dem Moped kann‘s mal schief gehen und man kommt nicht mehr voran… Da kam neben uns ein Fahrradfahrer angesaust, und als er bemerkte, dass es kein Entkommen gab, dass es weder vor- noch rückwärts ging, hob er sein Fahrrad über die Mittelleitplanke und fuhr auf der Gegenfahrbahn weiter…
Ist das der Dank?
Auch sollte man aufpassen, wenn man in Indien unterwegs ist und irgendwo ist eine Seitenstrasse oder Kreuzung…
Die Fahrradfahrer kommen aus derselben geschossen wie eine Rakete.
Neulich sah ich einen besonders mutigen, der fuhr einfach weiter und musste auf der Strassenmitte aufgeben, weil der Gegenverkehr zu schnell war und partout nicht anhalten wollte.. Also sprang er ab und fuchtelte wie wild mit den Armen, um sich bemerkbar zu machen und sein Leben zu retten…
Solche Aufkleber wie im heimatlichen Deutschland:
„Ich bremse auch für Tiere“ würde sich in Indien schliesslich keiner auf‘s Gefährt kleben… Hier wäre schon „Ich bremse auch für Menschen“ eine absolute Ausnahme…
Nun, an dieser Stelle schliesse ich meine Tipp-Sammlung und wünsche viel Spaß auf Reisen!
2001 (c) Nosianai
[Da ich diesen Bericht im Word-Programm verfasst habe und Yopi vor einiger Zeit damit ja bei der Umsetzung Probleme hatte (hinsichtlich der Sonderzeichen), kann ich nur hoffen, dass der Text jetzt nicht vor Unleserlichkeiten à la &%$ strotzt... sonst werde ich das umgehend beheben.]
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-18 20:40:03 mit dem Titel Die Sonnenverätzung meines Lebens
Mein erster Ausflug während meines fünfmonatigen Aufenthalts in Indien sollte mich an einen alten Tempelort führen, eine ehemals reiche, hoch entwickelte Stadt im Norden des Bundeslandes Karnataka.
Obwohl leicht kränkelnd, ließ ich mich auf das Abenteuer ein ... Das besonders zweischneidige Schwert fordert nun seinen Tribut:
Hampi erreicht man am besten mit dem Zug nach Hospet, und schnappt sich von dort ein Taxi direkt in die alte Tempelstadt, was sich über 20min hinzieht. Doch in dieser Zeit wird man von einer berauschenden Kulisse verwöhnt:
Palmenhaine und Reisfelder umgeben die Felsformationen, die durch die Witterung ausgewaschen und zu kleinen und monumentalen Kunstwerken geformt worden sind.
Während man also verzweifelt versucht, alles mit der Kamera festzuhalten, obwohl das Taxi in atemberaubendem Tempo über die Holperstraßen stauben wird, sollte man sich gut am Sitz festkrallen, denn nicht alle Taxen haben Türen!
Die Ruinen von Vijayanagar in der Nähe des Dorfes Hampi stellen eine der beliebtesten und bekanntesten Ziele für In- und Auslandstouristen dar.
Zu den Tempelruinen gibt es zwei Eingänge: Zum einen Hampi Bazaar und das kleine Dorf Kamalapuram im Süden.
Die Taxen und Busse von Hospet steuern jedoch Hampi Bazaar an, ein von Touristen, Reiseführern und Verkaufsständen angefülltes Örtchen, das direkt zu einem Tempelkomplex führt: Der Virupaksha Tempel ist eine der frühesten Strukturen des Ortes und wurde 1442 gebaut. Der Shrine ist Virupaksha gewidmet, einer Form des Gottes Shiva.
Fotografieren ist innerhalb dieses Tempels nicht erlaubt, aber es sieht ja keiner. Das haben sich vor allem diejenigen gedacht, die unsere kleine Reisegruppe für sich posieren ließen. Das spricht für unsere sagenumwobene Schönheit, nehme ich doch mal an. ;-)
Da dies zwar das erste aber bei weitem nicht letzte Mal war, dass uns jemand in Indien um Fotos bat, sollte man sich auf sowas einfach einstellen und nicht zickig davon rennen. Was soll's...
Um Hampi Bazaar zu überblicken, kann man den kurzen Weg zum Hemakuta Hill hinaufkraxeln. Dieser liegt am Ende der Hauptstrasse, welche das gesamte Leben Hampis ausmacht, direkt gegenüber des Virupaksha Tempels am anderen Ende der Strasse.
Verlässt man Hampi Bazaar gen Nordwesten, um den Vittala Tempel zu sehen, offenbart sich einem die bezaubernde Flusslandschaft, geschmückt mit den schon erwähnten Felsbrocken. Dies lädt nicht nur zu einem Foto ein.
Unterwegs passiert man The King's Balance, ein recht interessanter Torbogen, der mitten in der Botanik herumsteht. (um es mal mit Touristenworten auszudrücken)
Der Vittala Tempel selbst, den man nur zu Fuss erreichen kann, liegt 2km vom Hampi Bazaar entfernt und man folgt den steinigen [(c)nosianai] Wegen bis dort hin, nur um festzustellen, dass man ausländische Toursten mit US$ 10 abzockt, damit sie in den Tempel dürfen. Da interessiert es recht wenig, ob dieser Tempel zum World Heritage gehört oder nicht, oder ob er in einem guten Zustand ist.
Meine Meinung zu dieser Touristenmelkerei ist eindeutig:
Ich find\'s Scheiße! Indien ist voller Tempel, und da muss man ganz bestimmt keine 10Euro für ausgeben. Der Urlauber mag das Geld ja locker sitzen haben, aber man sollte auch bedenken, dass dieser Eintrittspreis das 50fache (!!!) des Eintrittspreises für indische Staatsbürger ausmacht, und da hört für mich der Spaß auf. Ich habe genug Tempel gesehen, um auf diesen Vittala Tempel verzichten zu können, und es finden sich auch jede Menge frei zugängliche Tempel und weitere Ruinen in dieser Landschaft.
Den Touristen sei also geraten, einfach mal in irgendeiner Stadt anzuhalten um auf Gut Glück Tempelluft zu schnuppern. Zwar wird in Reiseführern häufig erwähnt, diese seien nur für Hindus zugänglich, aber wenn man anständig, möglichst indisch, gekleidet ist, wird sich keiner beschweren, wenn man das Heiligtum dennoch betritt.
(In Kanyakumari (Südspitze Indiens, Tamil Nadu) wurde ich sogar ins Herz des Tempels vorgelassen. Die kurze Segnung und der Rundgang durch den tausende Jahre alten Tempel kostete 20 Rupien, und es hat keinen interessiert, woher ich kam und wohin ich ging. Aber dazu in einem gesonderten Bericht mehr.)
Man muss nur die Umgebung auskundschaften, um weitere Denkmäler zu finden...
Dazu empfehle ich allerdings unbedingt sich ein Fahrrad zu mieten. Leider waren wir nicht clever genug für diesen geistreichen Schachzug und wanderten herum. Das kann ganz schnell in eine bezaubernde Odyssee ausarten, denn die Felsformationen lassen einen nicht los. Auch findet man sich plötzlich - wenn man die Touristentrampelpfade verlässt - neben Bananenwäldern wieder und kraxelt über Steine hinweg oder überquert Ministröme.
Alles in allem eine tolle Erfahrung, wenn da nur die Sonne nicht wäre! Wer sagte gleich noch mal, man soll sich der Sonne zu wenden und sie wird für einen scheinen?
Ich tat so... und sie gehorchte ebenfalls.
So trug ich den schlimmsten Sonnenbrand davon, den ich je hatte. Meinen Reisebegleitern ging es nicht besser, und von allen, die bisher dort waren, höre ich nichts anderes. Ohne Sonnenhut-Brille-Creme und -Schutzanzug sollte man sich nicht in diese Gefilde begeben. - Ausrufezeichen -
Auch Wasser darf nicht im Rucksack fehlen, denn die Getränkestände halten sich in Grenzen und es werden auch nur Freshlime-Soda oder warme Cold-Drinks verhökert. Aber es ist immer besser, auf eine fast kochende Cola zurückzugreifen anstatt auf das Wasser, was dort angeboten wird (wir reden nur von den kleinen Wanderständen), denn die Siegel, die dort auf den Flaschen sind, sehen nicht wirklich authentisch aus. Will heißen: Könnte genauso gut abgefülltes Flusswasser sein! Man sollte sich als Tourist nicht für das Maß aller Dinge halten und lieber für einen pingeligen Fuzzi gehalten werden anstatt sich eine Vergiftung einzuhandeln.
Das Royal Centre.
Ganz bestimmt ein brillanter Platz, beherbergt dieses königliche Zentrum doch das Lotus Mahal, Elephant Stables, den Underground Virupaksha Tempel und das grossartige Queen's Bath. Der Tempel wiederum war durch den US$ 10-Eintritt blockiert....
Des weiteren bietet das Archäologische Museum in Kamalapuram täglich von 10 bis 17 Uhr (außer Freitags) seine Skulpturen und ein Model der Vijayanagar Ruins für's interessierte Auge an.
Von Sonne und ein paar Wanderstrapazen IN der Sonne einmal abgesehen ist Hampi in jedem Fall einen Besuch wert. Besonders wenn man 2 bis 3 Tage [(c)nosianai] einplant, um sich die Gegend in Ruhe anzugucken und nicht wie von der Tarantel gestochen durch die Botanik jagt, wie ich das gemacht habe.
Von Bangalore aus kann man Hampi in 8 1/2 Stunden mit dem Zug erreichen.
Für sleeper class bezahlt man dabei rund RS.300 (return-ticket).
Bilder aus Hampi bzw. Hospet unter
http://www.geocities.com/jagaree/foto1.html und
http://www.geocities.com/jagaree/hospet1.html
- Um noch einmal kurz auf die Überschrift zurück zu kommen: Ich spaße nicht. Ich habe meine Arme (puderrot) tagelang in Wassereimer gehalten, um das Brennen zu lindern. Wenig später konnte ich mir die Haut fetzenweise abziehen. Der Grundstein für einen ordentlichen Hautkrebs ist gelegt. Man sollte die Sonne Indiens nie unterschätzen. _
Schönen Urlaub.
Nosianai
05-09-2002
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-06 12:43:36 mit dem Titel Alles Auf Einmal - Nosianai erlebt 5 Monate Indien
1. Indien allgemein
2. Bangalore
(a) Restaurants
(b) Pubs
(c) Shopping-Möglichkeiten
(d) Stadtbild
3. Kurz notiert
4. Hindi-Filme
1. INDIEN ALLGEMEIN
Diesen Abschnitt werde ich recht kurz halten, denn ich schreibe hier keinen Reiseführer sondern einen -bericht.
Zum Wetter sage ich nur so viel: Zur Regenzeit [Mai-August/September] ist Bombay unerträglich schwülwarm, dass es Schweissbäche auf dem Rücken gibt.
Um das zu erfahren, hat mir schon der mitternächtliche Kurzaufenthalt auf dem Flughafen gereicht. Wer also vorhat, [(c)nosianai] sich zu dieser Jahreszeit in den Schmelzofen zu begeben, sollte die Yopi-Kategorien nach einem leistungsstarken Deo durchforsten.
In Bangalore allerdings, Südindien und im Landesinneren, kommt außer ein paar Regenbächen nicht viel zustande, was natürlich erfreulich ist, denn so bleiben die Temperaturen angenehm kühl bei 25 bis 35Grad.
Allgemein bekannt dürften wohl die Standards sein, über die man sich informiert, wenn man ein Land bereist. Ich schneide darum nur noch die Landeswährung (Rupees und Paisa) - Kurs 1:47 - an.
Sowie die Kleidung. Es bedarf wohl keiner Erklärung, dass Indien trotz allem noch recht konservativ eingestellt ist, und mit Ausnahme der Grosstädte sollte man sich besonders als Frau zurückhalten, was die luftig-leichten Einblick-Oberteile und kurzen ich-verdecke-nur-spärlich-den-Po-Röcke anbelangt.
Impfungen und weitere Vorsichtsmassnahmen schenk’ ich mir an dieser Stelle.
VORSICHT:
Wer Zeit hat, wer nach Indien fliegen möchte, um das Land kennenzulernen und wer kein Pauschal-2-Wochen-Rundfahrt-durch-halb-Indien-Urlauber ist (sorry, aber bei Indien ist so eine Reise wirklich große Sch....), der soll sich ja um das richtige Visa kümmern.
Es gibt Touristenvisa für 14 Tage sowie für 6 Monate... Und für ein Jahr, auch wenn viele Leute gern was anderes erzählen.
Einmal in Indien mit einem 6Monats-Visa ist alles zu spät. Kein Mensch wird euch das Visa verlängern, aber einen Antrag stellen könnt ihr ja trotzdem... wem\'s Spaß macht.
14tägige visas hingegen kann man verlängern, auch wenn das eine schwierige, kostenspielige, langwierige Prozedur ist.
2. BANGALORE
ERSTE IMPRESSIONEN
So bezeichne ich einfach mal die erste Fahrt durch Bangalore vom Flughafen bis zu meiner Unterkunft.
Indien ist nie das, was man sich vorher vorgestellt hatte, und da mir dies von mehreren Personen immer wieder gesagt worden war, hatte ich ohne besondere Erwartungen sein wollen, doch selbst dann ist der Schock erst mal groß.
An jeder Ecke gibt es etwas, was man SO nicht gedacht hätte. Die Farben und Gerüche sind genau so, wie sie in sämtlichen Reiseberichten geschildert werden: Reich, prall und prächtig.
Das größte Erlebnis war zunächst einmal der Straßenverkehr, dem ich mich ausführlich in einem anderen Bericht hingegeben habe, da dieser Bericht sonst gar keine Ende finden würde.
RESTAURANTS
Das indische Essen ist selbstverfreilich Geschmackssache, wenn man denn nach den scharfen Gewürzen überhaupt noch was schmecken kann.
Davon einmal abgesehen gibt es jede Menge Restaurants, wobei man natürlich immer darauf achten sollte, dass man nicht überall das Wasser trinken kann, welches generell auf dem Platz landet. Es ist nicht gesagt, dass ein chices Restaurant gefilteres Wasser anbietet, dafür kann man in \"weniger gutem Ambiente\" hingegen gefiltertes Wasser kriegen. Am besten, man bestellt gleich Wasser in versiegelten Flaschen, um böse Überraschungen zu vermeiden.
Nicht mit den Fingern zu essen ist meist unmöglich, reicht man doch zum Hühnchen .... oder Gemüse\"brei\" immer ein Fladenbrot, welches sehr wohl mit den Fingern zu essen ist.
... Die Speisekarten sind unerschöpflich, und so spare ich es mir, hier irgendwelche Auszüge daraus aufzuzählen.
Eine Liste empfehlenswerter Restaurants in Bangalore gibt es unter
http://www.geocities.com/jagaree/restliste.html
[Jawohl, das ist Schleichwerbung für meine Homepage. Aber die Liste ist lang und würde hier den Rahmen sprengen.]
Die Preise bewegen sich in einem unvorstellbar niedrigen Level.
In einem weniger chicen Restaurant kann man für DM 7,- proppevoll werden, oder man lässt sich im Edelrestaurant bewirten und berappt für ein komplettes Menu mit allem drum und dran für zwei Personen DM 30,-
PUBS
....findet man in großer Anzahl beinahe überall, und es ist nicht wirklich sinnvoll, hier eine Litanei an Kneipen aufzuzählen.
Um allerdings böse Überraschungen zu vermeiden, sollte man, bevor man sich einen Cocktail bestellt, lieber nachfragen, mit welcher Größe man zu rechnen hat, denn mein \"Sex under Stars\" kam in einem Reagenzglas daher (böse Erinnerungen an Chemiestunden werden wach) und war preismäßig der glatte Wucher.
Passiert im:
Purple Haze
(17/1 Residency Road)
- einem chicen Pub, laut und dunkel und sehr angenehm.
SHOPPING-MÖGLICHKEITEN
...sind selbstverständlich jede Menge gegeben. Man wird nicht nur auf den Strassen von Händlern verfolgt, sondern kann in den Geschäften alles finden, was man braucht oder auch nicht. Die populärsten Shopping-Meilen:
Brigade Road und M.G. Road
Commercial Street
Jayanagar - 4th Block
Auch kann man noch um 22Uhr in den Geschäften herumschlawenzeln, ohne von \"Wir machen jetzt dicht\"-Angestellten verfolgt zu werden.
Die meisten Läden bieten außerdem an, die Taschen anzunehmen, während man einkaufen geht. Service und Freundlichkeit lassen keine Wünsche offen.
Besonders empfehlenswert sind sicherlich die Basarähnlichen Einkaufslabyrinthe, in denen es nach Gewürzen und Blumen duftet und alles dichtgedrängt ist. Nach Indien kommt man ja schließlich nicht, um sich vor solchen Eindrücken zu verstecken.
Außerdem sollte man unbedingt einen Abstecher in einen der Sari-Shops machen. Die Auswahl ist betörend ... Ich habe jede Menge Kurtas, Saris und dergleichen erstanden. Von diesen farbenprächtigen Sachen in allerfeinster Qualität kann man eigentlich nicht genug haben - mein Koffer beinhaltet jetzt bald mehr indische Kleidung als meine üblichen Sachen... Und das ist es wirklich wert!
STADTBILD
Da Bangalore keine \"so\" große Stadt ist wie vergleichsweise Mumbai oder Delhi (gerade mal 6 Mio. Einwohner), trifft man auch nicht auf solcherlei Ausmaße an Armut und Elend. Dennoch kann man die Augen vor auf der Strasse lebenden Menschen nicht verschließen, auch sind kleine Bretterbuden und andere Notbehausungen sowohl in den outskirts als auch in der Innenstadt mitten im Tumult anzutreffen.
Die Fabeln von Kühen, die am Straßenrand auf schönes Wetter warten, sind ebenso wahr wie die der Unmengen an Straßenhunden, die durch die Gegend streunen.
Das ist eine Seite Bangalores, genauso gut kann man sich aber an die \"prächtigen\" Seiten der Gartenstadt halten und ausgebaute Strassen, Parkanlagen und dergleichen bewundern.
Empfehlenswert sind daher der Botanische Garten, oder (außerhalb der Stadt): der Bannerghatta National Park mit der Möglichkeit zur Safari, wobei die Landschaft dabei faszinierender ist als die Löwen und Tiger.
Bemerkenswert dabei ist die Abzocke für Touristen, die Rs.200 blechen dürfen (umgerechnet DM10,-), was mehr als das vierfache des Eintrittspreises für Landsleute ausmacht.
Dennoch ein Erlebnis wert.
Ebenso kann die Stadt mit einer Reihe von Museen und ähnlichen öffentlichen Einrichtungen aufwarten, und wer in die Verlegenheit kommt, in das Visvesvaraya Industrial & Technological Museum eingeladen zu werden (Kasturba Road), sollte sich das schon mal antun, denn ...
Fall 1.
Man im Unterricht anno dazumal immer erfolgreich weggehört, wenn die Lehrer ihr bestes gegeben haben, Langeweile zu verbreiten, dann kann man wenigstens jetzt noch was lernen.
Fall 2.
Man hat nicht weggehört, ist ein Technik-Genie und hat trotzdem seinen Spaß, weil man zwar nix neues lernt, aber dafür an allen möglichen Erfindungen herumschrauben kann, was ich für belustigend befunden habe und darum weiterempfehle.
Eintrittspreis: Rs.20 (DM1,-)
Wie schon eingangs erwähnt: Ja, ich mache Schleichwerbung für meine Homepage, und nein, ihr seid nicht verpflichtet, meine Besucherzahlen in die Höhe schnellen zu lassen. Aber ein bisschen Bildmaterial (abgesehen von diesen computerbearbeiteten Reiseführer - und -Magazinbildern) sollte schon verfügbar sein. - Meine Meinung.
Kurz und schmerzlos:
http://www.geocities.com/jagaree/bang1.html
3. KURZ NOTIERT
Zu den Eindrücken, die man auf alle Fälle mitbekommt, zählt die außerordentliche Freundlichkeit der Inder, die mir bisher zuteil geworden ist. Es soll auch Örtlichkeiten geben, wo dies nicht der Fall ist, da denke ich nur mal an meinen Italienausflug letztes Jahr zurück, wo ich mich nicht wirklich willkommen gefühlt habe. Dies ist hier zu keinem Zeitpunkt der Fall gewesen.
Dann gibt es allerdings noch ein paar Kuriositäten.
Zum Beispiel so alltägliche Dinge wie das gute alte Klopapier. Dieses welches ist nicht wirklich überall vorhanden. In Restaurants zum Beispiel - keine Chance. Es ist mir bisher nur ein einziges Mal passiert, dass mir eine Rolle dieses Notfallpapiers entgegengrinste, und das auch noch, als ich mich vorsorglich mit Servietten eingedeckt hatte.
Das war nicht wirklich peinlich.
*grins*
Im Übrigen allerdings findet man einen extra Wasserhahn in Kniekehlenhöhe vor und einen Eimer, was dann wohl Handarbeit bedeutet. Ich persönlich kann mich da nicht wirklich dran gewöhnen, aber was soll\'s.
Mehr \"Andersartigkeiten\"? Gern:
\"Don\'t spit\" macht schon einen sonderbaren Eindruck. Aber den Inder kümmert es wenig, spuckt er doch, wo er geht und steht.
Auch die Schilder, die deutlich davor warnen, an diverse Wände in der Stadt zu urinieren, werden frei übersehen, und wohin man sieht, kann man die gelben Strahlen gegen die Wände gerichtet beobachten.
Auch ist es im ländlichen Indien keinesfalls unüblich, dass man zur Morgenstunde die Menschen auf dem Felde hocken ihr Geschäft verrichten sehen kann. Besonders während meiner letzten Zugfahrt durch die \"Prärie\" bin ich in diesen visuellen Genuss gekommen.
Dabei kann ich Zugfahrten nur empfehlen. Nirgends sonst bekommt man gleichzeitig in und außerhalb so viel geboten. Zum einen kann man die Menschen im Zug beobachten, was nie langweilig wird, und zum anderen bekommt man draußen eine zumeist atemberaubende Landschaft geboten.
***
Zugfahren ist auch eines der indischen Hobbies, und so kommt es schnell vor, dass man keine Tickets mehr bekommt, wenn man eine längere Reise plant.
Am schönsten (?!) ist die Fahrt in der Sleeper Class. Kaum Komfort auf den Pseudo-weich Brettern mit Plastikbezug, aber dafür reist dort der Durchschnittsinder mit, und Leute beobachten machte Nosianai ja schon immer Spaß.
Merke: Reisen in Indien niemals mit dem Bus oder Flugzeug machen. Ist rausgehauenes Geld und man verpasst das wirkliche Leben.
Meiner Meinung kann man in Indien sowieso nicht in der Touristen-Schaumstoff-Welt leben.
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Essen von Bananenblättern:
In Andhra-Style-Restaurants wird das Essen auf Bananenblättern serviert. Besteck gibt\'s auch keins. Dafür kann man sich ein vegetarisches Menu bestellen und bekommt dann für einen Preis, der je Restaurant zwischen einer und drei Mark liegt, unbegrenzt Reis und die verschiedenen \"Gemüsebreis\". Dann kann man richtig schön mit den Fingern im Essen herumschmanden, obwohl Mutti und Vati das gar nicht gern sehen!
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Armut:
Man darf sie nicht unter den Tisch kehren, aber genauso wenig sollte man jemanden Geld in die Hand drücken, wenn man sich an Orten befindet, wo viele Bettler herumlaufen, denn die kommen dann plötzlich alle zu einem und man lernt die Definition von Hartnäckigkeit kennen.
Bewegt man sich nicht in Touristenhochburgen und es kommt jemand auf einen zu, so ist es kein Beinbruch, mal ein oder zwei Rupees zu geben.
Doch auch da gibt es feine Unterschiede.
Manche Leute haben gar nicht die Intention, ihren Lebensunterhalt auf diese bedauernswerte Art und Weise zu verdienen, aber wenn sie Touristen sehen, laufen sie plötzlich gebückt und kommen angelatscht.
Auch diejenigen, die den ganzen Tag irgendwo zu sitzen scheinen und ihre Kinder mit in den Smog nehmen sind mir persönlich zwielichtig und wir geben denen nie was.
Wie gesagt, alte Menschen sind die einzige Ausnahme.
Wenn man so lange wie ich in Indien ist, kriegt man den Dreh irgendwie raus. Auch ist es nicht verkehrt, die Leute, die einen an die Klamotten gehen wegzuschubsen. Wo kommen wir denn da hin?
Kommen wir aber zu etwas erfreulicherem, denn letztlich wird man an der Situation in Indien eh nicht viel ändern können.
4. HINDI-FILME
Wer in Indien landet, sollte sich auf alle Fälle einen Film aus der indischen Filmfabrik Bollywood ansehen. Denn auch ohne Hindi kann man ja genügend Eindrücke sammeln.
Selber gesehen habe ich jede Menge Hindi-Filme, ob bloß ansatzweise oder ganz oder mehrmals, sei mal dahingestellt. An den Titel erinnern kann ich mich noch bei:
(1) Satya
(2) Gadar (war mein erster...)
(3) Dil Chahta Hai (Popcorn-Kino)
(4) Lagaan (war als ausländischer Film bei der diesjährigen Oscar-Verleihung dabei gewesen, wenn sich noch jemand daran erinnern sollte)
(5) Ashoka
...und noch jede Menge andere. Ich kann sie alle weiterempfehlen. Und die Kinos sind auch viel bequemer, auch wenn sie nicht so aussehen. Man kann mit den Kinosesseln in jede beliebige Position rutschen. Nach dem Motto: Vor, zurück, zur Seite, ran.
Und hey, wer in den Genuß meines „Kino Zum Kotzen“-Beitrages gekommen ist: Alle dort angesprochenen Widrigkeiten gibt es in indischen Kinos NICHT!
Wer also die Gelegenheit hat, sollte sich auf alle Fälle einen Film ansehen. Ich selbst verstehe ja auch nicht wirklich was, aber Spaß macht\'s trotzdem.
Der Kinoeintritt sollte mit Rs. 70 (z.Z. 3,50DM) für Balkonsitze wohl erschwinglich sein, und in beinahe jedem Örtchen gibt es ein Kino, wo es doch des Inders liebstes öffentliches Plätzchen zu sein scheint.
Auch auf VideoCD (NEIN, keine DVD!!!) kann man sich die Filme ansehen. Die \"Videotheken\" finden sich an jeder Ecke. (Raubkopien, direkt von der Kinoleinwand per Camcorder kopierte Filme)
Nur eines: gesundes Sitzfleisch und was warmes Anzuziehen mitbringen, denn zum einen sind die Filme uuuuuunwahrscheinlich lang. (In Indien scheint es keine Überlänge, höchstens Unterlänge zu geben) Zudem ist es in den Kinos oftmals sehr kühl, da die A/Cs laufen und dazu noch Ventilatoren.
In der obligatorischen Pause, die jeden Film für 10min in zwei Hälften zerschnippelt, kann man sich aber mit Kaffee auftanken....
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Noch mal was zum Schluss:
Um den Bericht dann doch nicht ins Unendliche ausarten zu lassen, habe ich noch weitere Berichte vor:
1. Hampi - Die Sonnenverätzung meines Lebens
2. Pondicherry, Mahabalipuram und Chennai - Über knausrige Gaststätten, die Ashram-Sekte und das Ozean-Klo
3. Kerala - God\'s Own Country im Nosianai-Test
4. Goa – Fischstrände, wunderschöne Eisenbahnfahrten und verschwitzte Axelhöhlen im Bus
5. Delhi - Smog & Verkehr
6. Straßenverkehr in Indien (das Thema ist weitaus lustiger, als es hier klingen mag)
7. Ausflug auf’s Land – Meine Verfolgungsjagd
8. Mysore und Ooty – Die höllische Taxifahrer und ein ausgedorrter Magen, keine funktionierende Klospühlung aber ein riesiges Mückengeschwader...
In diesem Sinne,
Nosianai
06-09-02
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-28 11:25:53 mit dem Titel Freilicht-Klos mit Salzwasserspülung und die Ashram-Sekte
Es begann mit Kakerlaken, die unter einer ernsten Sehschwäche litten, und wie bekloppt gegen die Wände im *Reisebüro* flogen. Weiter gings dann mit einem bequemen Bus und sieben Stunden Fahrt nach Pondicherry.
Samstagmorgen. 6:30Uhr. Nosianai schon wach? Rekord!
___Lektion Eins: Zähneputzen schwer gemacht___
Hüpfe in ein Restaurant deiner Wahl. Diese welche Wahl wird auf Grund der unmenschlichen Uhrzeit sehr stark eingeschränkt sein. Lächle, und sei froh, denn gleich kommts noch viel schlimmer.
Essen fassen. Sich durch die brodelnd heiße Küche des Restaurants eine alte Treppe hoch zur *Toilette* hangeln und dann die braune Brühe in Klosett bemerken. Hm, woher kommt die braune Farbe? Betätige Klospülung. Nix besser. Waschbecken irgendwo? Wasserhahn ... tropf... gurgel... würg... Kein Wasser.
Merke: Gehe in einem Restaurant niemals nicht hinter die Kulissen. Es könnte dir allllles verderben. Siehst du ein Waschbecken im Restaurant drin, dann benutze es. Glaube (außer in einem Edelladen) nie daran, dass es irgendwo noch ein besseres geben könnte.
___Lektion Zwei: Wozu gab der liebe Gott dir zwei Füße?___
Damit du die Pedale des Rollers betätigen kannst, welchen du dir ausleihst, um Pondicherry zu erkunden. Die Sonne brennt schon morgens um acht. Vor deinem geistigen Auge schwimmen braune Bröckchen in Kloschüsseln. Vor deinem anderen Auge liegt der Ozean, glitzert das Wasser, liegt der Sandstrand, stehen Palmenhaine... wunder, wunderschön.
Lust zu baden? Dann geh ins Hotelzimmer, denn der Strand wird von vorn bis hinten zugemüllt sein, wie weit du auch fährst mit deinem für 100 Rupien (und 500 Kaution) geliehenen Blechroller.
(Wir fuhren sehr lange, vielleicht eine halbe Stunde nördlich von Pondicherry, fanden dann ein Stück Strand, welches nur leicht zugemüllt war. Ich tauchte nur kurz die Füße ins Wasser und war gleich von oben bis unten patschnass. Merke: Kein Badestrand. Die Wellen sind wahrlich hinreißend...)
___Lektion Drei: Die Ashram-Sekte___
Wo auch immer du in Pondicherry hingehst. The Mother und Sri Aurobindo werden dich verfolgen. Ihnen gehört der Ashram, das Hotel, in dem wir für 400 Rupien ein sexy Zimmer bekamen (während meiner 5 Monate Indien übrigens das beste). Ihnen gehört die sehr sehr sehenswerte Papierfabrik, der Fresstempel (den ich nicht empfehle, da man da SCHWEIGEN muss, auch wenns Essen für 20 Rupien gibt) ... Und was ihnen nicht gehört, das wird von ihren Bildern verziert...
Am ersten Tag wars noch lustig. Am zweiten Tag musste ich frühstücken mit The Mother und ihrem grimmig-bösen Guck-auf-deinen-Teller-und-iss-und-halt-den-Mund-und-nachher wird-gespendet!-Blick... Es gruselt mich noch heute! Ihre *Bibel* war auszugsweise auf das Platzdeckchen gedruckt, hing als Gesamtwerk von der Wand. ... Ehrlich gesagt.. ich hatte Angst...
(Na ja, Spaß beiseite. Da ich ein dummer Tourist bin, habe ich inzwischen vergessen, was hinter den zwei Leutels steckt, aber sie waren wohl Antialkoholiker und strikt gegens Rauchen, denn beides ist überall verpönt.
Man sollte aber in Pondicherry darauf gefasst sein, mit dem Flair einer Sekte konfrontiert zu werden. Prädikat: Gewöhnungsgedürftig.)
___Lektion Vier: Was lange währt, muss noch lange nicht fertig sein___
Ausflug nach Auroville
Der Weg ist lang und staubig. Mein Verlobter fährt schnell. Zu schnell, um eine zu rauchen (ich probierte es trotzdem... jetzt hab ich Staublunge...)
Auroville, diese unüberschaubare Sekte, ist ruhig, abgelegen, groß und ... na ja, schön. Man kann auf dem Gebiet herumschlawenzeln, in die Boutique gehen, sich Vorlesungen anhören, bei Gebeten und Meditationen dabei sein... oder sich der/die/das Matrimandir anschauen. Außen Gold. Innen seit mind. 20 Jahren Baustelle. (darum: Lektion vier) Was da drin ist, verrate ich nicht. Von wegen Spannung und so...
Schön wars allemal, obwohl alles SCHWEIGEND vonstatten gingen musste. Und Nosianai musste mit ihren zarten Füßen Barfuss auf dem Schotter laufen.. Aua!
Merke: In Pondicherry ist alles schön. Ruhige Stadt. Golf von Bengalen. Lecker Essen. Papierfabrik, wo aus Stoff, Reis, Abfall etc. Papier gemacht wird. Der Ashram (SCHWEIG!). Tempel en mass.... und man merkt den französischen Einfluss sehhhr stark. Es ist ruhiger, mediterraner, Straßen sind enger. Ich sah die erste Frau auf einem Fahrrad in ganz Indien. Leise. Vergnüglich. Pondicherry ist anders als der Rest von Indien.
(Mein persönliches Highlight war ein internationales Abendessen in Pondicherry. Unsere Studentengruppe: Deutsch. Irisch. Spanisch. Indisch. Französisch. So viel Spaß kann man nicht buchen. Schade, ich kanns nur jedem empfehlen, besonders wenn die Französin dem Inder erklärt, dass das, was sie da auf dem Teller hat, nicht richtig gemacht ist....)
___Lektion Fünf: Stirb langsam. Im Bus durch Indien.___
Nosianai, schlimmer wie ein kleines Kind, muss alles mal sehen und ausprobieren. Fahrradrickshawfahren zum Beispiel. MITfahren! Später tat es mir in der Seele weh, wie sich der arme Kerl da vor mir auf dem Rad einen abstrampelte, während ich faul auf der Pritsche saß und mir wild Luft zufächelte, weil es schon in der Morgenstunde so unmenschlich warm war...
Merke: Hochleistungsdeo nicht vergessen!
Später im Bus saßen wir auf dem besten Platz: nämlich in der ersten Reihe. Freier Blick auf den Gegenverkehr, der uns entgegen bretterte. Freier Blick auf die im Weg herumschlendernden Kühe, für die eine Notbremse fällig war. Freier Blick leider auch auf die armen herumstreunenden Hunde, für die hingegen keiner bremste.
Nach endlos langer Zeit, gut geschüttelt, traumatisiert von an der Windschutzscheibe zerschellenden Tierknochen, aufblitzendem Gegenverkehr und stark verängstigt durch die Wettrennen des Busfahrers, krochen wir dann in Mahabalipuram aus dem Blechvehikel.
Dass wir das überleben durften!
Pferdeäpfel am Strand. Betteln für Servietten. Sowie Die Rettung durch Jasmin folgt in einem gesonderten Bericht über
Mahabalipuram und Chennai
___Noch ein paar Kurzlektionen___
Pondicherry ist super geeignet für einen Kurztrip, das heißt also, wenn man es sich schon andernorts in Indien bequem gemacht hat und plötzlich denkt: hey, könnt mir ja auch mal noch was anderes angucken.
Pondicherry, das kleine Frankreich in Indien, ist klein, relativ sauber, gut organisiert, kennt zwei Ampelkreuzungen (Stand: Herbst 2001) und wird von einem frommen Völkchen besiedelt, welches seit Jahren seinen Idolen The Mother und Sri Aurobindo huldigt und den geneigten Gast gern in deren Leben einführt.
Selbst ohne Reiseführer ist man in Pondicherry bestens bedient, denn alles ist übersichtlich und ruhig. Nirgendwo in Indien sieht man so viele Käsegesichter herumspringen wie dort (die arbeiten bzw. leben in Auroville). Nirgendwo sonst wäre es ratsam, mal selbst aktiv am indischen Straßenverkehr teilzunehmen.
Einkaufsmöglichkeiten sind super. Mit den Gaststätten haben sies allerdings nicht so, da muss man für die Suche schon mal etwas mehr Zeit einplanen.
Hotel: Park Guest House mit Blick auf den Golf von Bengalen. 400Rupien pro Zimmer. Prima Service. Bisschen streng (abends um zehn wird das Haupttor geschlossen, da gehts dann weder ein noch raus).
Badesachen kann man zu Hause lassen. Sonnencreme, Hut und Entdeckerlust mitbringen.
Pondicherry? Immer wieder!
2001/2002 © Nosianai
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