Indien Testbericht

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Erfahrungsbericht von schraddel

Indien - Allgemeine Reisetipps

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Was soll man in wenigen Worten, wie es sich für eine Meinung hier gehört, über Indien schreiben? - Vielleicht dies:

Man kann dieses Land lieben, und man kann es abgrundtief hassen.

Nach mittlerweile vier Reisen durch den Süden Indiens gehöre ich zu denjenigen, die es lieben. Ich habe aber auch Touristen getroffen, die nach vier Tagen am liebsten wieder abgereist wären.

Wer nach Indien fliegt, darf in seinem Reisegepäck mitnehmen, was er möchte - aber europäisches Denken, Vorstellungen und Erwartungen sollte er spätestens beim Zoll abgeben. Dann kann eine solche Reise zu einem aufregenden, faszinierenden, spannenden und oft auch amüsanten Erlebnis werden.

Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte man über einige Eigenheiten indischen Verhaltens Bescheid wissen. Mimik und Gestik unterscheiden sich in kleinen, aber wichtigen Details von europäischen Gewohnheiten. So ist zum Beispiel das Nicken, um ein "ja" anzudeuten, unbekannt. Inder lassen statt dessen den Kopf leicht hin und her baumeln, was leicht mit Kopfschütteln für "nein" verwechselt werden kann. Aber ein richtiges "nein" werdet Ihr ohnehin selten zu sehen oder hören bekommen; statt dessen kann das indische "ja" auch manchmal "vielleicht" oder "ich weiß nicht genau" bedeuten. Die Unterschiede sind sehr subtil, aber nach einiger Zeit bekommt man einen Blick dafür.

Wer etwas kaufen möchte, sollte viel Zeit mitbringen und in Stimmung fürs Feilschen sein, sonst bezahlt man mit Sicherheit zu viel. Wenn Ihr gerade nicht in Handelslaune seid, vertagt den Einkauf. - Handeln ist eine Mischung aus Spiel und Ritual, und je lockerer man an die Sache herangeht, desto mehr Vergnügen kann man dabei auch haben. Händler lieben es, Touristen abzuzocken, die das Feilschen als eine Art Zweikampf betrachten. Mit Freundlichkeit und nettem Geplauder erreicht man mehr.

Eine der vielen Nationalsprachen Indiens zu lernen, lohnt kaum, denn wenn Ihr etwas vom Land sehen wollt, reist Ihr ohnehin durch verschiedene Bundesstaaten, in denen unterschiedliche Sprachen gesprochen werden. Englisch genügt völlig zur Verständigung. Selbst wenn Eure Aussprache perfekt ist, solltet Ihr das r aussprechen wie im Deutschen. Das entspricht der indischen Variante und wird oft leichter verstanden.

Entgegen der landläufigen Meinung ist Reisen in Indien nicht gefährlicher als in anderen Ländern. Wer zum ersten Mal in einen völlig überladenen Überlandbus einsteigt, auf dessen Dach sich die Gepäckstücke türmen, denkt vielleicht erst einmal anders. Hat man aber nach einigen Fahrten festgestellt, dass Reifenpannen eine willkommene Pause auf dem Rastplatz bedeuten können, und dass sich Treibstoffleitungen auch im Schein einer Petroleumlampe reparieren lassen, dann ist man davon überzeugt, dass der Überlandbus ein relativ sicheres Transportmittel ist. Leute mit weniger starken Nerven sollten allerdings die Bahn vorziehen.

Horrorgeschichten von Typhus und Malaria dienen in erster Linie der Pharmaindustrie. Spezielle Impfungen sind weder vorgeschrieben noch nötig, und auch auf Malaria-Prophylaxe kann man heutzutage guten Gewissens verzichten (außer, man reist in ein Gebiet, in dem ausdrücklich vor Malaria gewarnt wird). Wenn es einen nämlich trotz Prophylaxe erwischt, hat man sich mit Sicherheit einen resistenten Erreger eingefangen, und dann wird die Behandlung schwierig. Normalerweise passiert allerdings gar nichts, wenn man sich vor den Stechmücken nach Möglichkeit schützt. Sie tauchen erst nach Sonnenuntergang auf, dann aber pünktlich und in manchen Gegenden in Massen. Moskitonetze schützen nachts nur bedingt. In Indien ist Odomos-Salbe erhältlich, die die Tiere abschreckt; man riecht dann allerdings wie ein Zitronenbaum. Europäische Anti-Insektenmittel wie Autan sind rausgeworfenes Geld: Indische Mücken ignorieren so etwas.

Essen und Trinken an Straßenständen ist ein anderes Thema. Oft wird davor gewarnt, aber auch hier ist vieles reine Panikmache. Alles, was in heißem Öl gebraten wird, kann man ziemlich bedenkenlos verspeisen: Mehrere hundert Grad überlebt die stärkste Salmonelle nicht. Bei Eiswürfeln ist zwar eigentlich Vorsicht angesagt, aber wer kann zu frisch gepresstem, eisgekühltem Zuckerrohrsaft schon nein sagen? Es gibt ihn zwar auch in Dosen, aber das ist kein Vergleich zum Naturprodukt. Mit einer Mischung aus gesundem Misstrauen und Mut zum Risiko fährt man wohl am besten.

Falls Ihr doch einmal den Rat eines Apothekers benötigt: Keine Sorge, die meisten sind recht kompetent. Aber haltet Euch an die Dosierungsanweisung, die Euch nicht in Form eines Beipackzettels, sondern mündlich mit auf den Weg gegeben wird. Einige der in Indien erhältlichen Medikamente sind hierzulande längst nicht mehr zugelassen und echte Hämmer. Dafür wirken sie schnell und effektiv.

Plant Eure Reise nicht minutiös im Voraus. Sich an einen solchen Plan zu halten, ist in Indien unmöglich. Mit ziemlicher Sicherheit wird Euch "Shivas Rache", sprich: ein kleiner Reisedurchfall, ereilen. Bus- und Zugfahren könnt Ihr dann erst einmal für zwei Tage vergessen. Und auf die Pünktlichkeit indischer Verkehrsmittel braucht man sich auch nicht unbedingt zu verlassen; das liegt teils an den weiten Entfernungen, teils am schlechten Zustand der Fahrzeuge. Fragt bitte nie jemanden, wann der Bus endlich kommt. "Bus will come" wird die genaueste Auskunft sein, die Ihr kriegen könnt.

Man kann in Indien gut "ins Blaue hinein" reisen, denn in den Touristenorten und in den größeren Städten findet man immer ein freies Zimmer, auch wenn man manchmal bereit sein muss, sich erst einmal mit weniger Komfort als gewünscht zu begnügen. Für den Tag der Ankunft in Indien solltet Ihr aber schon einigermaßen vorgesorgt haben, denn der Flug ist anstrengend, und die Schlepper am Flughafen warten nur auf müde Touristen, um sie für teures Geld in ein billiges Hotel zu transportieren. Reserviert Euch ein Zimmer von Deutschland aus. Falls Ihr gleich an die Küste fliegt, zum Beispiel nach Goa, lasst Euch vom Taxi zu Eurem Lieblingsstrand transportieren (oder zu dem, der Euch im Reiseführer am besten gefallen hat), und fragt dort nach Zimmern herum. Taxis, die vom Flughafen abfahren, haben Festpreise; bei allen anderen muss verhandelt werden.

Fest gebuchte Rundreisen oder pauschaltouristische Hotelaufenthalte sind Geschmackssache und haben sicherlich ihre Existenzberechtigung. Wenn Ihr Euch für diese Art des Reisens entscheidet, muss Euch allerdings klar sein, dass Ihr weniger vom Land zu sehen bekommt, dafür aber wesentlich mehr bezahlt, als wenn Ihr Euch mit einem vernünftigen Reiseführer in der Hand allein auf Erkundungstour begebt.

Es gäbe natürlich noch viel zu schreiben, aber das Interessante am Reisen ist schließlich auch, vieles vor Ort selbst herauszufinden. Indien ist ein unermesslich vielseitiges Land, in dem es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Wen die Faszination einmal gepackt hat, der wird immer wieder hinfliegen. Und schon mancher ist irgendwann dort geblieben.

10 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Wunderblume

    29.05.2004, 19:57 Uhr von Wunderblume
    Bewertung: sehr hilfreich

    Danke, deine Infos sind echt nützlich, werde nämlich auch demnächst nach Indien fahren!

  • Blondine

    27.02.2002, 17:46 Uhr von Blondine
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich stimme dir in allen Punkten zu und muß dringend zu rück nach Indien. Es ist meines erachtens das schönste Land der Welt. Wirklich schöne Meinung