John Carpenter's Vampires: Los Muertos (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von winterspiegel

Rockstar jagt Draculas Erben

Pro:

Nette Effekte, schöne Drehorte

Kontra:

Durchschnittliche Schauspieler, fehlende Ideen

Empfehlung:

Ja

Neben den klassischen Vampir-Filmen, in denen diese faszinierenden Kreaturen der Nacht meist in Burgen und Schlössern ihr trübseliges Dasein fristen, und fast schon unwillkürlich mit einem zähnefletschenden Christopher Lee in Verbindung gebracht werden, taucht das Genre der Blutsauger zwar immer mal wieder auf, allerdings längst nicht mehr so klar definiert wie ehemals.

Regeln bezüglich der Bekämpfung dieser Untoden werden einfach mal - wenig Respekt zollend - über den Haufen geworfen, sollte es auch nur in Ansätzen der Dramatik zu Gute kommen. So ist zum Beispiel noch längst nicht immer gesagt, dass der Einsatz von einem Kreuz, oder dem allseits so beliebten Knoblauch, diese lästigen Biester auch nur auf angemessener Distanz halten kann.

Und schließlich das allerletzte Tabu, dass Vampire unbedingt darauf achten sollten vor Sonnenaufgang ihr dunkles Gemäuer aufzusuchen, um nicht bei lebendigem Leib gegrillt zu werden, scheint auch nicht mehr all zu viel zu gelten. Das Einzige was diese lichtscheuen Wesen aber seit ewigen Zeiten immer noch vereint, wenn ihr Auftreten auch ganz und gar nicht mehr den althergebrachten Regeln zu entsprechen scheint, ist nach wie vor ihre fast unstillbare Gier nach menschlichem Blut.



FILMHANDLUNG


Der Vampirjäger Derek Bliss (Jon Bon Jovi) ist der sengenden Sonne nach Mexiko gefolgt, um für seinen Auftraggeber mit dem er online in Kontakt steht, ein widerliches Nest von besonders hartnäckigen Untoden auszuräuchern. Dazu soll er sich mit anderen Jägern zu einem schlagkräftigen Team formieren. Doch überall dort wo Derek auftaucht um sich mit seinen Kollegen zu treffen, findet er nur noch ihre ziemlich ramponierten Leichen vor.

Um Derek formiert sich im Laufe seiner Ermittlungen ein recht illusterer Trupp von Möchtegern-Van Helsings, die sich ihm nach und nach anschließen. Eine Halbvampirin, ein verkappter Priester, ein übermütiger Junge und eine Art Rambo in schwarzer Ausgabe, die sich alle auf ihre Fahne geschrieben haben der Beißerplage ein Ende zu setzen. Doch die nachtaktiven Gegner – allen voran die attraktive aber auch sehr verschlagene Vampir-Lady Una (Arly Jover) machen es der ungewöhnlichen Mannschaft von Vampir-Bekämpfern nicht gerade einfach. Überall wo sie auftaucht hinterlässt sie ein Bild des Grauens, bevor ihre Verfolger auch nur in ihre Nähe kommen können.

Doch ist es letzten Endes gerade Una - die Obervampirin, die sich der Truppe der Jäger in einem unachtsamen Moment nähert. Denn sie hat die Faxen entgültig dicke, immer nur in stockfinsterer Nacht ihr Unwesen zu treiben. Dazu braucht sie aber die Unterstützung von einem der Vampirjäger, der sie mittels eines Rituals von ihrer, mehr als hartnäckig zu bezeichnenden Sonnenallergie entgültig befreien soll.



KRITIK


Man verzeihe mir den in einigen Punkten etwas ironischen Unterton, bei der Zusammenfassung der Handlung. Doch da die Geschichte die uns Tommy Lee Wallane, (aus dessen Feder sie auch stammt) an Einfachheit und Klischeehaftigkeit nicht mehr zu überbieten sein dürfte, war es mir fast unmöglich nicht ein paar Spitzen einzufügen, um bei der Rekapitulation der Handlung mir selber nicht verarscht vorzukommen.

Also vergessen wir diesen einfallslosen Teil ganz schnell und kommen am besten gleich zu den Akteuren. Jon Bon Jovi der Balladen-Schmusesänger, hat sich in letzter Zeit in den unterschiedlichsten Produktionen gezeigt, um sich auch als Schauspieler einen Namen zu machen. Hier mimt er zwar nicht unbedingt einen knüppelharten Draufgänger, der seine Widersacher á la „Blade“ geradezu niedermetzelt, nichtsdestotrotz versteht er es aber trotzdem den Blutsaugern kräftig in den Allerwertesten zu treten. Ein wenig gewöhnungsbedürftig dürfte es trotzdem sein den Sangesbarden in dieser Heldenrolle zu sehen, in der er aber dennoch insgesamt eine einigermaßen akzeptable Figur abgibt.

Mit Unterstützung seiner recht bunt gemischten Truppe, darunter die Vampirinfizierte Zoey (Natasha Wagner), die nicht nur wegen dem für ihre Rolle passenden farblosen Teint etwas blass wirkt, ist auch schnell der eine oder andere Beißer mitunter recht originell von seinem ewigen Leben erlöst. Das heißt dann auch soviel wie - mit literweise Kunstblut, abgetrennten Torsos und Köpfen wurde nicht unbedingt gegeizt. Erstaunlich, dass das Ganze aber dennoch relativ manierlich abläuft, da die Kamera sich mit diesen Effekten nie zu lange aufhält und sich auch scheut, sie bis ins letzte Detail auszukosten.

Leider ist die Ironie mit der Wallace ohne Zweifel im Stil von „From Dask till Dawn“ inszenieren wollte, teilweise auf der Strecke geblieben. Im Audiokommentar gibt er dem Studio die Schuld, da sie ihn zu einigen Schnitten zwang. Wer jedenfalls Carpenters Vorlage „Vampires“ gesehen hat, dem fällt auf, dass Wallace fast alle relevanten Bausteine aus dem Vorgänger übernommen hat – nur eben nicht immer unbedingt zum Besseren. Die Drehorte in Mexiko, die sich sicher fantastisch auf der Leinwand machen und bei denen man ja eigentlich nicht all zu viel falsch machen kann, geben dem Streifen aber zumindest einen sehr guten optischen Eindruck mit auf den Weg.



Resümee


Hätte der Film eine etwas coolere Aufmachung, könnte man vielleicht über die zum ärgern einfallslose, schon Zig-Mal da gewesene Handlung schon eher hinwegsehen. So bleibt der Streifen aber unter Umständen nur wegen der markanten, im Sonnenlicht verbrennenden und explodierenden Vampirkadaver in Erinnerung - wenn überhaupt.

Wer Werke dieses Genres liebt und deshalb schon sämtliche Filme durch hat, dem will ich diesen Vertreter sicher nicht madig machen. Wer allerdings auch bei dieser Art von Streifen eine durchgehend spannende und gehaltvolle Unterhaltung erwartet, dem lege ich Carpenters Original, oder noch besser „Bram Stokers Dracula“ von Francis Ford Coppola ans Herz, von dessen Meisterwerk auch ein Trailer auf dieser Scheibe zu finden ist.



DVD


Bei Bild und Ton gibt es auf der Scheibe aber nichts zu meckern. Das Bild kommt ungemein plastisch und mit natürlicher Farbgebung daher. Da ist es schon ein Genuss die herrlichen Landschaften zu betrachten, die die Kamera stimmungsvoll eingefangen hat. Auch die dunklen Abschnitte des Films sind sehr angenehm kontrastreich und mit genügend Schärfe versehen worden.
Der Ton ist insgesamt auch gelungen, da er kraftvoll und mit immer wieder auftauchenden Sound-Effekten gut die bedrohliche Stimmung des Filmes vermittelt. Die Filmmusik ist übrigens im typischen Carpenter-Stil eingespielt worden, lässt allerdings diesen Nervenkitzel- Rhythmus nur wage anklingen, mit dem der (ehemalige) Meister der Spannung seine früheren Werke stets untermalte. Man denke nur zum Beispiel an die spartanisch, aber spannungsgeladene Filmmusik von „Die Klapperschlange“.



EXTRAS


Kinotrailer:
Zwei Original-Kinotrailer sind auf dem Silberling enthalten „Bram Stokers Dracula“ und eben Vampires: Los Muertos. Das war’s dann aber auch schon gewesen.


Audiokommentar:
Hat der Regisseur und Drehbuchautor Tommy Lee Wallace seinen Film nicht unbedingt immer in mitreißender Art und Weise in Szene gesetzt, so ist er doch zugegebenermaßen ein sehr guter Erzähler. Denn im - mit seiner äußerst angenehmen Stimme vorgetragenen Audiokommentar - holt der ehemalige Zögling von John Carpenter schon etwas weiter aus.
Er berichtet wie er zu dem Projekt gekommen ist, plaudert aber auch über sehr viele interessante Einzelheiten, die vielleicht auch etwas privaterer Natur sind. Ein stellenweise fast schon tiefsinniger Einblick in die sonst für Außenstehende wohl verborgen bleibende Welt der Filmemacher kommt dabei heraus, der mit gängigen Hollywood-Klischees so gar nicht zusammen passen will.
Mich jedenfalls hat dieser fesselnde Kommentar fast noch besser unterhalten als der eigentliche Streifen. Deshalb empfehle ich auch diejenigen, die sonst nicht unbedingt mit diesem Feature etwas anfangen können zumindest mal kurz in diese Tonspur hineinzuhören, die übrigens auch wahlweise deutsch untertitelt ist, denn sie entschädigt meiner Meinung nach für das Fehlen sonstiger weiterer Extras mehr als genug.

(c) winterspiegel für Ciao & Yopi

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