Kairo Testbericht

Kairo
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Erfahrungsbericht von ulli1301

Tagestrip Hurghada - Kairo

Pro:

Man sieht viel an einem Tag

Kontra:

Stress!!

Empfehlung:

Ja

Ich möchte Euch einen Tag unseres Urlaubs in Ägypten beschreiben, den wir (ich, mein Freund Christian, Schwester Bini und Freund Jörg) vom 21.-28.08.2003 in Hurghada im Hotel Shedwan Golden Beach verbrachten. Die lange Reise führte uns nach Kairo. Gebucht hatten wir sie bei einem einheimischen Reiseveranstalter für die Hälfte des im Hotel geforderten Preises. Natürlich waren wir etwas skeptisch, was da auf uns zukommen würde. Aber lest selbst....

Hinfahrt:

Wir sind um 2.45 Uhr aufgestanden und ich war nicht so müde wie erwartet. Die Lunchbox, die wir dann im Hotel geholt haben, war nicht so der Bringer (die üblichen Brötchen, Ei, bisschen Schmelzkäse, Marmelade und ziemlich süßer Saft). Wir hatten uns glücklicherweise am Vortag etwas Fladenbrot eingepackt. Da die Zeit ziemlich knapp wurde, sind wir schnell zur Reiseagentur gegangen. 7 Minuten vor der geplanten Abfahrt war kein Mensch dort, komisch! Sollte vielleicht alles ein Reinfall sein? So langsam fanden sich dann doch die ersten Leutchen ein. Mit Kissen unterm Arm. Wie sich später herausstellt, gar keine so schlechte Idee. Der Bus kommt natürlich zu spät (ägyptische Zeit!) und ist auch schon ziemlich voll. Er hat wohl unterwegs schon einige Male gehalten. Im Bus waren Engländer, Russen, Deutsche und viele Polen. Als wir in den Bus steigen wollte, glaubte der Reiseleiter uns nicht, dass wir schon bezahlt hatten. Das wäre auf seiner Liste angeblich nicht vermerkt. Aber es war kein Problem, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Von der Ausstattung der Busses waren wir positiv überrascht. Er hatte Klimaanlage, saubere Sitze zum verstellen, Fernseher und eine Toilette. Wir konnte gerade noch 4 zusammenhängende Plätze ergattern. Nach einer kurzen Ansprache im Bus, ging es 24 km Richtung Norden, nach El Gouna. Ca 4.40 Uhr fuhren wir 160 km weiter durch die Wüste im Konvoi von zig Reisebussen. Der Sicherheit wegen. Dann war es Zeit für eine kurze Pause. Wir blieben allerdings im Bus und haben versucht, etwas zu schlafen, was auch ohne Kissen ganz gut ging. Die Fahrt ging weiter am Suezkanal entlang. Auf der rechten Seite sah man den Kanal und links die Wüste. Ab und an tauchten einige Hotels, Tankstellen, Sendemasten und andere kleine Bauten auf, aber selten zusammenhängend bebautes Gebiet. Gegen 11 Uhr fuhren wir in Kairo ein. Wir waren sehr erschrocken. Überall lag Bauschutt und anderer Müll. Dazwischen sah man einfach gebaute Wohnblocks aus rotem Backstein und ohne Fenster. Manche halbfertig, andere schon wieder zusammengefallen, aber alle nach dem gleichen Prinzip gebaut. Die Leute dort scheinen vielfach vom Müll zu leben. Der Himmel über Kairo ist grau gefärbt von Dunst und Smog. Es scheint auch hier keine Verkehrsordnung zu geben. Irgendwie kommt einem die ganze Stadt chaotisch, ohne System vor. Wir überquerten den Nil, den ich mir ehrlich gesagt viel größer vorgestellt hatte. Links und rechts des Nils sah man viele grüne Felder (mitten in der Stadt) und einzelne Bauern bei der Arbeit. Es wäre schön gewesen, wenn unser Reiseleiter ein paar Worte zu Kairo verloren hätte.

Ägyptisches Museum:

Unser erstes Ziel war das Ägyptische Museum. Dort standen viele Bussen und Massen von Touristen waren unterwegs. Von überall hörte man die Reiseleiter hektisch brüllen und umherwinken. Die Polizei war auch dort verstärkt präsent. Uns wurde der Museumsführer “Casanova“, wie er sich nannte, zugewiesen. Er sprach deutsch, englisch, polnisch und war ein etwas nerviger, aber auch lustiger Typ. Es schien, dass er sich gern reden hörte. Am Eingang gab es eine Polizeikontrolle. Man musste viel warten und es war sehr warm. Wir vier bekamen einen neuen Führer zugewiesen, der nur deutsch sprach und wurden in eine kleine Gruppe mit anderen Deutschen gesteckt. Das war gut so. Casanova übernahm die Polen. Da wir für das Museum nur 2 Stunden Zeit hatten und schon allein bis zum Eingang ziemlich lang brauchten, war es eine ziemliche Hetzerei. Wir schauten uns nur ausgewählte Ausstellungsstücke an. Unser Führer kannte sich sehr gut aus und gab einen kleinen Einblick in die ägyptische Geschichte. Für das ganze Museum sollte man meines Erachtens mindestens zwei Tage einplanen. Das Fotografieren musste man extra bezahlen. Blitzlicht war verboten wegen der Farben. Besonders interessant waren die Schätze aus dem Grab des Tutanchamun, dem eine große Abteilung im Museum gewidmet ist. Wir haben die berühmte goldene Maske, seine Särge und andere Goldbeigaben bewundert. Beeindruckend waren auch die riesigen Pharaostatuen aus Stein, die großen Sarkophäge und die Wandmalereien, die eigentlich nichts mit Anmalen zu tun hatten, da die Farbe in den Stein eingebracht wurde. Wir sahen viele Papyri, unter anderem einen, der den Weg in die Unterwelt darstellt. Er zeigte, wie der Verstorbene von Anubis zum Gerichtsaal geführt wurde. Dort wurde sein Herz, der Sitz des Willens, auf einer Waage gegen das Symbol der Maat (Wahrheit, Gerechtigkeit) gewogen. Thot, der Gott der Weisheit, protokollierte das Ergebnis. Sollte das Urteil negativ ausfallen, wartete das Ungeheuer Ammit, um das Herz des Verstorbenen zu verschlingen. Das bedeutete den endgültigen Tod, der von jedem Ägypter gefürchtet wurde. War das Wiegen des Herzens ausgestanden, durfte der Verstorbene als “Gerechfertigter” zum Osiris geführt werden. In dem Museum gab es auch eine Mumiensaal, für den wir leider keine Zeit mehr hatten. Als wir zum Essen weitergefahren sind, konnten wir zum ersten Mal die Pyramiden aus der Ferne betrachten. Sie erschienen beeindruckend groß über der Stadt und waren durch den Dunst verschleiert.

Mittagessen:

Das Restaurant in dem wir aßen hieß “First Class“. Das ließ auf die Qualität des Essens hoffen. Wir saßen mit Blick auf die Pyramiden und alles war sauber und ordentlich. Da wir nicht die einzige Reisegruppe dort waren, bildete sich am Buffet eine Schlange. Das Essen war dann nichts besonderes, Spaghetti, Salate, Melone, kleine Fischteilchen, Reis u.a. . Auch das Essen war mit Stress verbunden, denn wir mussten ja unseren tagesplan einhalten.

Pyramiden:

Wir sind dann zu den Pyramiden weitergefahren, wo wir natürlich auch nicht der einzige Reisebus waren. Ringsherum standen Busse und es wimmelte von Touristen und nervigen Verkäufern, die Hüte, Tücher, Pyramidenfiguren, Kamel- und Pferdeausritte oder sich als Fotoobjekt anboten. Ignorieren war da die beste Methode. Die erste Pyramiden an die wir anhielten war die kleinste der drei großen, die Mykerinos-Pyramide, die von Pharao Mykerinos (Menkaure), dem Sohn von Chephren, gebaut wurde. Sie erreicht eine Höhe von 62,2 m und ist die dritte und kleinste Pyramide des Alten Reiches in Gizeh. Wir hatten dort 20 Minuten Zeit, um uns umzuschauen. Es war sehr heiß und Hut und Brille waren ein Muss. Der obere Teil der Pyramide war sehr beschädigt. Im unteren Teil sah man noch einige Granitblöcke auf ihrem ursprünglichen Platz, andere lagen verstreut um die Pyramide herum. An der Nordseite der Pyramide, ca. 4 Meter über dem Boden befand sich ein Eingang, durch den man die Pyramide betreten konnte. Allerdings hatte sich davor eine lange Schlange gebildet. Da unsere Zeit begrenzt war und es angeblich sowieso nichts zu sehen gäbe und der Gang beengend sei sind wir nicht hineingegangen. Wäre etwas mehr Zeit gewesen, hätten wir es gewiss gemacht. Wir hatten von dem Tableau auf dem die Pyramiden errichtet wurden einen wunderbaren Blick auf Kairo und die Dunstwolke darüber. Auf der anderen Seite konnte man die Weiten der lybischen Wüste sehen und in unmittelbarer Nähe die Chephren-Pyramide. Sie erreicht eine Höhe von 143,5 m und ist somit die zweitgrößte der drei Pyramiden. Dies wird jedoch nicht so deutlich, da sie auf einem Sockel errichtet wurde. Am oberen Viertel kann man noch Reste der Tura-Kalksteinverkleidung erkennen. Da ich einen Standpunkt suchte, von dem man alle Pyramiden auf Foto bekommen würde, umrundeten wir die Mykerinos-Pyramide. Am Totentempel östlich der Pyramide wurden wir von einem Ägypter abgefangen, der uns einen geheimen Eingang und eine Granitstatue zeigen wollte. Chrischi ist im natürlich hinterhergelaufen und natürlich wollte dieser selbsternannte Reiseführer danach Euros haben. Wir versuchten im klar zu machen, dass wir keine Euros hätten und er musste sich mit ägyptischem Kleingeld begnügen. Hinter der Mykerinos-Pyramide (südlich) befanden sich drei kleinere Königinnenpyramiden, die alle unterschiedlich gebaut waren. Zwei von ihnen blieben unvollendet. Wir mussten uns sehr beeilen. Mein Fotostandpunkt erwies sich als unerreichbar, da ich dazu weit in die Wüste hätte gehen müssen. Völlig durchgeschwitzt kamen wir im Bus an. Unser Reiseleiter Casanova war sauer, weil Einige sich arg verspäteten. Wir hatten deshalb an der Cheops Pyramide, welche die größte der drei ist nur 10 Minuten Zeit. Es war Stress pur, schnell raus, Fotos machen und zurück. Es blieb keine Zeit sich umzuschauen oder das Bauwerk auf sich wirken zu lassen.

Sphinx:

Wir sind dann mit dem Bus ein kleines Stück weiter zur Sphinx gefahren, die den Kopf eines Menschen und den Körper eines Löwen hat. Die Figur ist ca. 73 m lang davon ca. 15 m Vorderpfoten, ca. 4 m breit und ca. 20 m hoch. Sie ist ein Überbleibsel des Steinbruches, von dem ein Teil der Steine für die Cheopspyramide gewonnen wurden und bewacht den Eingang des Pyramidenfeldes. Auch dort wimmelte es von Touristen. Für diese Attraktion wurden uns dann 30 Minuten gegönnt. Durch ein Tor bekamen wir Zugang zu einer Art Tempel. Ein enger Gang, leicht bergauf, führte uns direkt zu dem Platz auf dem die Sphinx saß. Vor uns mal wieder eine Schlange von Touristen. Als wir endlich angekommen waren, setzten wir uns auf einen erhöhten Vorsprung, machten einige Fotos und nahmen uns etwas Zeit, alles zu genießen. Im Hintergrund waren die drei Pyramiden in Reihe zu bestaunen. Auch hier waren wieder viele Souvenirverkäufer unterwegs, die aber teilweise durch einen Zaun abgehalten wurden. Auf dem Weg zum Ausgang kamen wir an einer kleinen Grube vorbei. Man sollte Geld hineinwerfen und würde dann viel Glück haben. Casanova erzählte uns, dass diese Grube jedoch jeden Abend geleert würde. Und da wir uns nicht sicher waren, dass das Geld dann auch zum Erhalt der Bauwerke benutzt würde, haben wir das lieber gelassen.

Parfumfabrik oder KFC:

Als wir wieder im Bus waren, hatte Casanova die Idee, bei einem Freund vorbeizuschauen und etwas Kühles zu trinken. Wir sind ein kurzes Stück weiter gefahren und standen dann vor einer Parfumfabrik. Das war also der Freund!! Drinnen setzten sich alle fein hin und eine junge Frau fing an zu erzählen. Letztlich zielte wohl alles auf den Verkauf von Parfum hin, deswegen sind wir da sofort wieder raus, was Casanova wohl nicht so nett fand. Gegenüber von den Pyramiden, an der Hauptstraße wie es schien, haben wir uns in ein KFC Fastfood-Restaurant gesetzt und Chicken Nuggets gefuttert und ne kalte Cola getrunken. Und das alles mit Blick auf die Pyramiden. Danach haben wir uns noch ein paar Minuten an den Straßenrand gestellt und das bunte geschäftige Treiben beobachtet. Die anderen waren noch nicht wieder im Bus. Man sah viele Pferde auf der Straße, allerdings teilweise in erbärmlichen Zustand. Auf jeden fall war das weit interessanter als sich Parfum aufschwatzen zu lassen. Als wir zurück im Bus waren, wollte Chrischi den Rest unserer Lunchpakete zum Mülleimer bringen. Soweit kam er jedoch gar nicht, da er gleich von einem kleinen Jungen abgefangen wurde, der ihm das Essen freudig abnahm. Aus dem Bus konnte man beobachten wie er und andere Kinder den Inhalt des Päckchens inspizierten und alles in eine große Tüte legten. Als der Kleine dann zurückkam und nach mehr fragte, haben alle im Bus ihr restliches Essen zusammengepackt und es ihm gegeben. Ich hatte ein beklemmendes Gefühl. So hatte ich Armut noch nie erfahren. Es tat gut zu helfen und ich war etwas traurig, dass ich nicht noch mehr zu geben hatte.

Papyrusfabrik oder Innenstadt:

Mit dem Bus sind wir wieder nach Kairo gefahren, um vor einer Papyrusfabrik zu halten. Die nächste Verkaufsveranstaltung also!! Wir sind kurz mit reingegangen, haben uns die Herstellung von Papyrus angeschaut und als es dann zu dem geschäftlichen Teil überging, haben wir kehrt gemacht. Wir sind statt dessen etwas durch die anliegenden Gassen gelaufen. Vor der Fabrik saßen einige Schuhputzer, die einem die Schuhe vom Staub der Pyramiden säuberten sofern man wollte. So langsam schien in Kairo die Rush-Hour zu beginnen. Es war kaum möglich, die vor dem Geschäft verlaufende dreispurige (in beide Richtungen) Straße zu überqueren. Überall wurde gehupt und aus den überfüllten Bussen hingen die Menschen heraus. In den Gassen kamen wir uns vor wie Exoten. Touristen waren nirgendwo mehr welche zu sehen. Die Ägypter waren zwar alle nett, haben gelacht, gegrüßt, Fragen gestellt und neugierig geguckt, aber etwas unwohl habe ich mich doch gefühlt. Die Straßen waren ungepflastert und überall war Staub und Müll. Inmitten des Drecks spielten Kinder Fußball und hatten Lebensmittelhändler ihre Geschäfte. Es war interessant, auch mal das andere Kairo abseits der Hauptstraße zu sehen. Wir haben uns dann noch etwas auf den Treppen der Papyrusfabrik ausgeruht und auf Bini und Jörg gewartet, die mit einer dicken Papyrusrolle auf dem Arm herauskamen.

Rückfahrt:

Wir haben dann mit dem Bus die Leute zum Hotel gebracht, die die Zweitagestour gebucht hatten. Nun das Hotel war nicht so beeindruckend. Aus dem Rückweg haben wir nochmals Kairo durchquert. Genau auf einer Nilbrücke fand eine Verkehrskontrolle statt, so dass wir noch einmal Gelegenheit hatten, Fotos vom Nil zu schießen. Nach wenigen Kilometern hielten wir an einer ESSO Tankstelle, wo der Bus durchgecheckt werden sollte. Es war super stickig dort und stank fürchterlich nach Benzin. Das Luftholen fiel echt schwer. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um die Toilette zu besuchen, für die man wie überall 1 LE hinlegen musste. Man bekam dann auch ein Blättchen Klopapier zugesteckt. Die Klos waren wie erwartet unter aller Sau. In der Tankstelle war es sehr teuer, trotzdem kauften wir uns eine Packung gute deutsche Leibnitzkekse. Im Bus lief dann “Die Akte Jane“ auf italienisch im Fernseher, obwohl sich nicht ein Italiener im Bus befand. Das Geblubber nervte tierisch und ließ einen nicht einschlafen. Langsam ging auch die Sonne unter und es wurde kalt im Bus, da die Klimaanlage immer noch auf Hochtouren lief. Ich wusste nicht wie ich sitzen sollte und war ziemlich fertig und angenervt nach dem Tag. Etwa zur Hälfte der Strecke machten wir eine kleine Pause an einem Cafe in der Wüste. Trotz der Hitze habe ich gefroren und erst mal einen Tee getrunken. Danach bat Chrischi den Busfahrer die Klimaanlage herunterzufahren. Die zweite Hälfte der Strecke konnte ich dann doch noch etwas schlafen. Nach 7,5 Stunden Fahrt kamen wir dann um 1.15 Uhr im Hotel an. Chrischi sprang noch fix in den Pool um sich zu waschen. Ich war völlig fertig, fühlte mich krank und wollte nur noch ins Bett (mit dicker Decke und ASS).

Fazit:

Im großen uns ganzen war es ein sehr aufregender, aber auch anstrengender Tag mit vielen Eindrücken, die man leider nicht zu verarbeiten schafft. Ich würde jedem empfehlen, für Kairo mindestend 1 - 2 Wochen einzuplanen.

Ich hoffe, Euch mit meinem Bericht weitergeholfen zu haben. Über eine Bewertung würde ich mich freuen.

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