Kairo Testbericht

Kairo
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Erfahrungsbericht von grashopper

Ein wahres Geheimnis offenbart sich beim Besuch der schönen Siegreichen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Es wird bald wieder kalt hier. Zum neuen Jahr abends um 10 noch 26 Grad draussen auf der Straße ?

Geht.

4 1/2 Stunden mit einem Egypt Air Flieger, die alle nach einem Pharaonen benannt sind. Thank u for flying with us -shukrun. Kairo Airport. Jacke aus, Hemd auf, es ist Sommer mitten im Januar. Hotel hab ich auch noch keins, aber es wird schon was zu finden sein. 15 Millionen Einwohner, das ist schon 'ne Stadt.

Rupps, den obligatorischen Stempel in den Pass, arabisch für die daheim, guck mal, ich war da. So, was nu ?

Ha, travel agency, wie praktisch, alles in englisch. 1 Woche Kairo, Gize, Stadtrundfahrt, Ägyptisches Museum, Hotel, Halbpension, 3 Sterne, Bustransfer zum und vom Hotel 2600 ägyptische Pfund - das kann man aber machen. " You pay Mark ? eh ? noo problem." Im Preis ist auch noch der Guide enthalten - in deutsch . Und los gehts, durchs nächtliche Heliopolis Richtung Innenstadt .

23.00 Uhr. Ein Verkehr wie zur besten Stoßzeit in Deutschland, Ampeln haben die auch nicht. Spurwechsel. Klar, einmal hupen, der Vordermann auf der anderen Spur wird langsamer, ein Lücke für den Bus. So einfach geht das. Das möcht' ich hier mal sehen.

Also, jetzt bin ich da. Mein alter Erdkundelehrer hatte ja was übrig fürs Reisen, vor allem in der Wüste, über Kairo hat er nichts erzählt. Da muss man auch nicht lernen, wie man einen Kaktus rasiert, weil man durst hat. Nur eine Story ist mir im Kopf geblieben: "Leute, wenn Ihr Euch hier die Karte von Afrika anseht, DAS ist der Nil, der ist nur völlig falsch gemalt. Der ist so schmal, dass ich hier mein dünnstes Haar vom Kopf nehmen kann ( es folgt eine kleine Demonstration, wie der Lehrer ein Haar verliert ), und das jetzt hier auf den Nil lege. Seht Ihr was ? Nö. So schmal ist der Nil. Der Bus überquert inzwischen eine Nilbrücke ,Mensch der alte hatte recht, das ist ja die Mosel bei Koblenz noch ein See gegen. Und sowas im Winter bei einem 4000 oder wieviel Kilometer langen Fluss. Mann, werd wach, Afrika.

Es geht um die Ecke, Palmen, Sand links und rechts. Diplomatenviertel. Da vorne ist das American Hospital, wenn Ihnen mal was fehlt- und nun sind wir am Hotel. Albany. Very american. Tasche raus. "Wee seeh tommorrow", jo jo ... jetzt wollen die auch gleich schon wieder meinen Pass. Abgeben bei der Rezeption - naaja, ob ich das so machen soll, und wenn mich morgen einer danach fragt ? Naja, dann bin ich halt ohne.

Jetzt kommts aber pur. Also wenn jemand in Teil 1 von Krieg der Sterne eine Inspiration gebraucht hat, wo die Orks hausen, der muss in diesem Hotel übernachtet haben. 6. Stock - Aufzug geht erst morgen wieder. Okay - aber die Treppe ? Ist das eine Treppe? Hält denn die ? Kunstvolle Arbeit. Nicht eine Linie gerade, keine Stufe, wo man sie erwartet ... ja.... so wollt' ich immer schon mal wohnen. Die haben ja hier keinen Wald und wenig Bauholz, woher solls also kommen... aber es hält ... es hält bis zum 6. Stock, und an den kommenden Tagen auch noch paarmal hoch und runter.

Das Zimmer war okay- da gibts nix. Fernseher drin. Programm schön mit dem ägyptischen Adler und den ernsten Gesichtern . Staatsfernsehen. Hofberichterstattung, die 5. - Verstehen kann ich zwar nix, aber ich bin ja auch schließlich nicht mehr daheim, gelle ?

Klo und Bad funktioniert. Dann kann auch nichts mehr schief gehen. So, nun wieder runter, mal sehen, was noch an der Bar so abgeht.

Tunesier, oder Libanesen ? En parle francais . Tres bien. Un Chai s'il vous plait. Ach Mist, hier sprechen die ja englisch , in Ägypten. "Bitteschön ein Tee..." äh, und deutsch... willkommen daheim, wo immer auf der runden Welt.

1. Tag: Die große Moschee und das Ägyptische Museum. Gigantisch. Hier die Schuhe aus und Kopf an die Decke, ja, das war ein wahrer Baumeister. Die hatten noch Bauholz. Das macht einen soliden Eindruck. Jetzt war ich auch mal in ner Moschee. In Kairo sogar. Ja, muss man mal gesehen haben. Auf dem Weg in Museum. Klar - Stau. Nee, Kamel. "...hat rotes Kreuz auf Hintern. Geht zu Metzger". Äh, wo essen wir den heute mittag ? - Keine Sorge wir haben da was leckeres ausgesucht... im Preis enthalten .... Und es erscheint auch schon das Ägyptische Museum. Aussteigen, sind auch alle da? Gut. ich denke, ich kauf mir mal ein Buch, wo alles drin steht. Für das Magazin hier braucht man ja ne Woche, wenn man alles sehen will. Da schiessts mir durch den Kopf- sag mal sind die Mumien da wirklich echt ? So klein ? Achso, die sind aus Stein - gut gemacht, hab mich schon gewundert, so nach 3000 Jahren - so möcht ich mit 70 noch aussehen... Ja, ja, die waren schon schlau. Werkzeug hatten sie, rechnen konnten sie - so viel weiter sind wir eigentlich auch nicht, wenn ich mir so die Asservaten hier betrachte.

2. Tag: Gize und die Nilfahrt.
Also Kairo ist schon ganz schön groß. Schnurgerade Straßen, Verkehr, Fußgänger haben ja nix auf der Straße verfloren, die haben auch keine Hupe. Aber so ein paar hängen so halb im Freien an einem alten VW Bus - (hier sind die alle, das Modell hab ich bei uns ja ewig nicht mehr gesehen). "Taxi". Kurzer und knapper Kommentar des Guide. Ah... ! Und auf einmal kommen sie. Die Spinnen ja, die Ägypter, haben die Ihre Pyramiden da irgendwo im Hinterhof versteckt, soo klein ? Also das sieht auf den Bildern immer ganz anders aus. So, das sind sie also. Jede Seite exakt gleich lang. Ein Kreisbogen drüber geschlagen und fertig ist die Berechnung der Zahl Pi. Donnerwetter. Daran haben unsere Wissenschaftler vor kurzem noch richtig gegrübelt. Naja, ich nehme mal an, das niemand Interesse hat hier nun ne Bergbesteigung zu machen. Ab ins Parfum-Geschäft .. und dann hätten wir noch eine Papyrus-Fabrik. "Sie müssen nix kaufen!" (Doch, hab ich wohl.) Zwar weiss ich nicht, wieveil Blüten für das Duftwasser gepflückt , sortiert und gepresst worden sind, aber es war kein Alkohol drin. Ja, jaa, wir sind in einem islamischen Land. Auch die Gelegenheit, echten Papyrus zu kaufen- nicht die Bananenblätter, die man die Europa kriegt. Doch, doch.
So, heute abend gibts Nilfahrt - wer macht mit ? Klar mach ich mit, Bauchtanz, Büffee und ne echte Fahrt auf dem Nil ? Ha. Das Essen war gut, der Bauchtanz auch, zwar ist der Schipper mal so paar Meter den Fluss hoch und runter gefahren, aber es war ja eh schon dunkel. Ne kleine Gaudi wars schon.

3. Tag Die Sphinx . MMMMM! Schon wieder die ollen Pyramiden. Aber die Show war gut. Kalt wars abends so am Rand der Wüste, schön beleuchtet und schön gruselig wars auch. 'Ne Alabaster-Vase war auf dem Rückweg auch wieder dabei - aber wenn man überall so schön handeln kann. Dass muss einfach. Ach ja , das Einwohnermeldeamt. Da musste ich an dem Tag auch hin. Anmelden. Aufenthalt eine Woche, im Albany. Stempel drauf. 3 Pfund. So. Auch in Ägypten herrscht Ordnung, man soll das einfach nicht vergessen. Das Amtshaus hatte zwar was so in der Art von alt römischen Einrichtungen, wie sie bei Asterix und Obelix auch zum Wahnsinn führen können, aber Asterix hat es ja auch überstanden. Oh, ist das doch ein schönes altes krummes Taxi, Fiat. Baujahr 1963. Hier halt mal da am Kentucky Fried Chicken, hier, 4 Pfund. Den Rest geh ich zu Fuss.

4. Tag. Die Stufenpyramide, die erste in Ägypten überhaupt und die Grabkammer.
Ja, ja, die ollen Ägypter. Die hatten so ein paar Pharaos gleich parallel. Wenn da einer gestorben ist, hat er den ganzen Hofstaat gleich mit genommen und hat auch gleich noch in Hieroklyphen an die Wand malen lassen, wieviel Kühe, Leute und zu Essen mit auf die Reise genommen worden ist. Die Schlange, das Symbol für Unterägypten und der Adler, das Symbol für Oberägypten waren auch immer dabei. Selbst der Wächter hatte seine eigene Pyramide. Zwar nur so 5 Meter hoch aber mathematisch exact an dem Punkt, an dem die Pyramide mit der Grabkammer zum Zeitpunkt der Sonnenwende genau um zwölf ihren Schatten geworfen hat. Und da der ja aufpassen musste, hatte der Wächter in seiner Privatpyramide auch ein Fensterchen. Einmal reingucken musste ich ja . Ja, da sitzt er noch drinn, zwar ein wenig leichter geworden, aber er passt immer noch auf.
Die Grabkammer war dafür leer. Klar. Und Leute, Ihr lest es ja, ich lebe auch noch. Keine Sanduhren, die Gänge verschütten, keine geheimnisvollen Steintore. Kein Scarabäus, der mich gebissen hätte. Ein bisschen ducken musste ich mich schon und das gefährlichste wäre sicher gewesen, wenn ich mir an einer Ecke die Rübe gestoßen hätte. Also das war die letzte Bleibe des örtlichen Dorfoberhauptes im Stand eines Pharao, der hatte bestimmt auch nen Namen, der in irgend einem schlauen Buch steht, die Pyramide sicher auch, aber wenn ich hier alles erzähle, braucht ja keiner mehr da hin.

5. Tag El Fayum. Oase ca. 70 Meter unter dem Meeresspiegel . Also, was kostet das Taxi für die 300 Kilometer Fahrt hin und zurück ? 600 Pfund. Da fährt aber mein Kollege, der hat ein Taxi, das so eine Strecke auch durchhält. Jo jo, macht mal. Also, was soll ich sagen? So eine Taxifahrt vergess ich so schnell nicht mehr. Peugeot 504 Kombi auch schöööön krumm- aber fährt... warum nicht. Der Fahrer fragt, wieviel ? Ja, ich denke 600 ?! Oh Allah hat mir Reichtum geschickt ... hup hup hup ... Womit man doch den Menschen noch eine Freude machen kann... Es erscheinen wieder die Pyramiden von Gize , diesmal von hinten , das macht doch schon was her von dieser Seite. Und es folgt eine Tiefe Sorgenfalte zwischen den Augen des Taxifahrers. "Gib mir Geld". Kurzer Blick auf die Tankuhr - alles klar. Hier 200. Mehr, Hälfte . Okay, hier, 300. Tank voll, weiter gehts. Erster Schlagbaum, kurze Kontrolle des Taxis, zweiter Schlagbaum aber doch schon sehr im Schneckentempo. So Aussteigen . WAS ?! Hier mitten in der Wüste ? Motorhaube auf. Zündkerzenschlüssel raus. Kleine Inspektion- alles klar? Naja, wenns der Gesundheit dient... die misstrauischen Blicke der Soldaten am Schlagbaum, hätten ja ganz andere Gedanken hoch kommen lassen können. Aber so ist das in Ägypten. So, fertig. weiter. Schlagbaum zu. 20 Kilometer sind's wohl noch. Man könnte ja mal das Beifahrerfenster öffnen. 'S riecht ja doch noch arg nach Benzin innen. Tja, ob das so ne gute Idee war, die Innenverkleidung löst sich im Wind und der halbe Dachhimmel fängt an zu flattern. Flupp, die Abdeckung der B-Säule , Allah hats so gewollt. Ein Bestandteil der Wüste. Ein vergnügter Blick des Taxifahrers, ob ich's auch gemütlich habe. Und es geht weiter.

Viel hab ich dann von El Fayum nicht mehr gehabt. Mittelalterliche Wasserräder, grüne Felder, ein kleiner Tierpark sogar. Und - endlich was zu essen. Also, was nun, der Taxifahrer betet und ich hab hunger. Kein Problem. Die Zeche ist schnell ausgehandelt. Wasserpfeife und Tabak zum Nachtisch inclusive. So, wie man das in Ägypten eben macht. Nun ist mein Bauch voll und der Taxifahrer hungrig. Oh, ich hab die Kommision für ihn vergessen . "Komm essen, gutt Restaurant". Nee, ich kann nich' zweimal.... "was gegessen ?" Naja, Kamel wars nicht. Na sowas, also es ging noch zweimal im Kreis im Ort herum, da Restaurant, da, nochmal Restaurant und dann gings Richtung Hotel. Diesmal ohne leeren Tank, ohne Inspektion aber mit geschlossenem Fenster.

6.Tag Ein Drink auf dem Nil und ein Blick vom Fernsehturm über die Stadt bei Sonnenuntergang.
Jaaa, El Figaro. Ganz oben im Hilton Tower gibts doch tatsächlich einen Friseur. Einen ägyptischen. Und der versteht was, von seinem Handwerk. Rasieren mit blankem Messer, Haare schneiden, als Kunstwerk, nicht mal so schnipp schnapp, Fön drüber. Nen Fünfziger ( in DM ) bringt man da zwar mit, aber DAS ? Das war die Vorstellung wert. So, nun fühlt man sich wieder entstaubt, nun drafs auch noch ein gemütlicher Drink sein. Pina Colada? Auf 'nem schwimmenden Gartenlokal im Nil im Januar bei 24 Grad in der Sonne. Das geb ich mir.

Auf dem Rückweg ins Hotel ist die Straße plötzlich wie leergefegt ? Wo sind denn die Autos? Hab ich einen zuviel ? Schwarzer Mercedes mit Blaulicht, bestimmt 100 Stundenkilometer , BMW Motorräder im Schlepp, auch Blaulicht und schließlich die schwere Limousine. Da war einer drin. Wahrscheinlich wichtig. Wer, weiß ich nicht.... noch zwei Motorräder, noch zweimal Mercedes und Sekunden später tobt wieder der volle Verkehr . Frag mich einer, wie die das machen in diesem Chaos. Vielleicht gings zum Einkaufen oder nach Hause... bei mir gehts jetzt zu meiner letzten Station meiner Kairoreise.

Der Fernsehturm. Schon mal die arabische Ausführung einer technischen Einrichtung gesehen ? Das kann einfach nicht anders aussehen. Schön rund, Marke Wasserturm, alles schön verziert und ganz oben natürlich auch ein Restaurant . Das ganz selbstverständlich aus.... Holz. Und damit man von Kahira, der siegreichen in der untergehenden Sonne auch was hat, dreht sich das ganze noch ächzend und knarzend immer schön im Kreis herum. Das muss man in Kairo auch mitnehmen. Hinsetzen, gucken, die Schiffe auf dem Nil betrachten, dabei in aller Ruhe was essen. Und wenn die rote Sonne hinter dem Horizont, im Land der Toten, für die vor tausenden von Jahren soviele Tore in Form der Pyramiden errichtet wurden , an der Grenze zwischen dem Leben, das Nil bedeutet und dem , wo Gott Ra zur Nachtruhe geht, und wo ewiges Sein herrscht, verschwindet. Ist eine interessante Woche zu Ende. Morgen geht's zurück in den Schnee nach Hause. Ein letzter Blick über die siegreiche, und zurück ins Albany zum Tee....
(c) hjesche

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