Karneval Testbericht

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Erfahrungsbericht von DERWUNDERBARE

Karneval aus der Sicht eines Aktiven

Pro:

Spass ist garantiert

Kontra:

Alkoholleichen leider auch

Empfehlung:

Nein

Ahoi, liebe Leser!

Also, Karneval! Das ist etwas, womit ich groß geworden bin!
Natürlich ist der Karneval wie alles im Leben ein zweischneidiges Schwert und absolute Geschmackssache, die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn.

Ich möchte diese Meinung in 2 Teile gliedern:
Zum ersten einmal schreibe ich etwas über den Karneval allgemein, meine Meinung etc.

Zum zweiten möchte ich euch dann meinen Rosenmontag beschreiben. Ich bin seit ca. 12 Jahren aktives Mitglied eines Karnevalsvereines meiner Heimatstadt Kevelaer.


-------------erster Teil: Karneval allgemein--------------

Zuerst mal kurz zur Entstehung des Karnevals:
Der Karneval entstand sozusagen als Anti-kirchliche Veranstaltung. Nach dem Karneval, ab Aschermittwoch, beginnt im kirchlichem Kalender die Fastenzeit.
Im Mittelalter gründete das gemeine Volk sozusagen als Gegendemo den Karneval, wo nochmal so richtig geschlemmt und auf die Pauke gehauen wurde. Um Ärger zu vermeiden, maskierten sich die Leute, so blieben sie unerkannt. Im Schutze dieser Anonymität wurde dann auch ordentlich über Kirche und König gelästert. Dadurch entstanden die Büttenreden.

Nun zum heutigem Karneval:
Es gibt 3 Arten des Karnevals:

a) der Saalkarneval
Diesen Karneval kennen die meisten aus dem Fernsehen. Kostümsitzungen mit fröhlicher Musik und Büttenreden charakterisieren diese Art des Karnevals.

Meine Meinung: Diese Art des Karnevals ist mir persönlich zu aufgesetzt, zu sehr durch die Medien beeinflusst.
Den echten Bühnenkarneval findet man aber noch in den kleineren Gemeinden.
Als Beispiel gebe ich meine Heimatstadt Kevelaer an. Das Programm wird hier noch mit viel Liebe gemacht, man kennt die Aktiven fast alle persönlich, der Kontakt der Aktiven mit den Zuschauern ist gegeben, so kommt sehr schnell eine gute Stimmung auf!

b) der Strassenkarneval
Das ist wohl die Art des Karnevals, den die meisten mit dem Wort Rosenmontag verbinden. Umzüge mit bunten Wagen, kostümierte Leute etc.

Auch hier bin ich der Meinung, daß man für den echten Karneval die großen Gebiete um Köln verlassen sollte, und die Züge der kleineren Städte besuchen sollte. Hier sind Kostüme und Wagen selbstgemacht, man sieht den Aktiven die Freude förmlich an.

In Köln würde ich dann den sogenannten School- en Vädelszoch empfehlen (deutsche Übersetzung: Schul- und Viertelszug).
Die Teilnehmer dieses Umzuges bestehen aus Schulklassen und Strassenvierteln,die in Eigenregie Kostüme etc hergestellt haben.

c) der Kneipenkarneval

Nach den Umzügen strömen die Jecken in die Kneipen.
Ich persönlich finde das absolut furchtbar, erstens sind die Kneipen hoffnungslos überfüllt, zweitens wird hier das Hauptaugenmerk auf den Alkoholgenuss gelegt, Sehr schnell schlägt da die gute Stimmung in Aggression um, das ist und war niemals Sinn und Zweck des Karnevals!


Fazit: Karneval ist OK, mir persönlich gefällt der persönlichere Kontakt der kleineren Städte besser als der Kölner Karneval.




------------Zweiter Teil: Mein Karneval-------------

Hier möchte ich euch mal über meine Karnevals-Saison berichten.
Sie fängt an im November.
Die Mitglieder unseres Karnevalsvereines KC Drississippi (Benannt nach der Kevelaerer Strasse Drissenpass) setzen sich zusammen, um das Thema des Karnevals zu diskutieren und um Vorschläge für die Performance und die Kostüme anzubringen.

Je nachdem, welches Thema der Karneval hat, wählen wir dazu passend Kostüme und Musik aus, auf die wir dann einen Tanz aufführen werden.

Eine Tanzlehrerin stellt die Musik zusammen und Choreographiert dazu passend die Schritte.
Eine Schneiderin nimmt unsere Maße, um die Kostüme in den Niederlanden zu bestellen. Dort sind Sammelbestellungen billiger, und je nachdem, wie groß bzw umfangreich die Karnevalisten sind, müssen einige Änderungen an den Kostümen vorgenommen werden.

Spätestens im Dezember müssen wir anfangen, den Tanz einzustudieren, denn im Januar sind bereits die ersten der insgesamt 5 Auftritte im Bühnenhaus Kevelaer.

Einmal wöchentlich treffen sich die Drississippis, um fleissig den Tanz zu üben.
Im Januar sind dann noch mehrere Proben im Bühnenhaus angesetzt, damit wir uns mit den Platzverhältnissen der Bühne vertraut machen können.
Die Generalprobe mit den Kostümen findet dann ca. 1 Woche vor dem ersten Auftritt statt.

5 Auftritte gibt es pro Jahr, zweimal nachmittags für die Senioren,3 mal Abends als normale Kappensitzung.
Die letzte Kappensitzung ist immer am Samstag vor Rosenmontag. Im allgemeinen ist die Stimmung hervorragend. Unser Karnevalsclub tritt jedes Jahr auf, die Frauen in Männerkostümen, die Männer in Frauenkleidung.

Neben den Kappensitzungen ist der Höhepunkt des Jahres natürlich der Rosenmontagszug.
Auch hier muss geplant werden, werden wir uns einen Karnevalswagen mieten und ihn schmücken, oder werden wir als Fussgruppe auftreten?
Normalerweise sind wir meistens als Fussgruppe unterwegs, da der Kontakt zu den Narren am Strassenrand hier viel intensiver ist, es macht einfach mehr Spaß.
Nicht vergessen darf man, die Gruppe bei der Stadt anzumelden, damit wir einen Platz im Rosenmontagszug zugewiesen kriegen.

Als nächstes muss für genügend Wurfmaterial gesorgt werden. Beziehungen werden hier natürlich gerne ausgenutzt, ein Mitlied des Vereines arbeitet z.B. bei De Beucelar, so daß wir über ihn Chipstüten, Plätzchenpackungen etc. billig beziehen können. Auch ein Bäcker ist im Verein, er stellt zum Selbstkostenpreis ca. 750 Berliner, Nussecken, Apfeltaschen etc. zur Verfügung.

Dann ist er endlich da, der Rosenmontag.
Ich muss dazu sagen, der KC Drississippi ist so eine Art von Familienverein, neben mir und meinen Eltern sind noch Cousins, Cousinen, Onkels und Tanten von mir dabei, also sind etwa 12 der insgesamt 60 Mitglieder mit mir verwandt, das Karnevalstreffen ist gleichzeitig ne Art Familientreffen.

Am Rosenmontag treffen wir uns morgens im "Hauptquartier" bei meiner Tante zu Gulaschsuppe und Brötchen, im TV laufen natürlich Karnevalssendungen ;o)

Allerdings wartet auch noch viel Arbeit auf uns: Die Berliner etc. müssen hygienisch einzelnd in Beutel verpackt werden, Chipstüten und Plätzchen müssen aus den Kartons in die 4 Handwagen verteilt werden, ebenso andere Wurfartikel wie z.B. Capri-Sonne etc.
Weiterhin muss natürlich auch für die Versorgung der Mitglieder des Vereines gesorgt werden, Bierdosen, Feiglinge und andere wärmende Getränke werde eingekauft und verstaut.
Nach und nach treffen alle Mitglieder ein. Unser Verein besteht aus 2 Gruppen: neben den "normalen" Karnevalisten haben wir auch einen Fanfarenkorps, die "swingenden Doppelzentner".

Nachdem nun alle Mitglieder kostümiert und geschminkt sind, ziehen wir los, einmal quer durch die Stadt zum Sammelpunkt.
Vorher gehen wir allerdings an der Kneipe "Op de Schanz" vorbei, denn diese Kneipe ist sozusagen das Hauptquartier des Kevelaerer Karnevals. Da die swingenden Doppelzentner zur Garde des Prinzen gehören, treffen wir uns dort mit ihm, trinken ne Runde und ziehen dann gemeinsam weiter zum Sammelpunkt.
Inzwischen haben sich schon etliche Zuschauer angesammelt, und der Prinz wird natürlich freudig begrüßt.

Am Sammelplatz angekommen heisst es Aufstellung nehmen, Feuerwehr und Polizei leisten wie immer meisterhafte Arbeit, die Gruppen müssen in die richtige Reihenfolge gebracht werden, damit zum Beispiel die Spielmannszüge gleichmäßig verteilt sind.
Weiterhin werden die Karnevalswagen auf die Strassentauglichkeit geprüft, es ist schon vorgekommen, daß ein Wagen nicht teilnehmen durfte, weil seine Hebebühne ein Sicherheitsrisiko darstellte.

Pünktlich um 13.11 Uhr startet der Rosenmontagszug, und die Stimmung ist wie immer hervorragend, sowohl bei den Aktiven als auch bei den Zuschauern.
Das Wetter spielt eigentlich kaum eine Rolle, wir haben Spass, egal ob die Sonne scheint, ob es in Strömen regnet oder ob wir durch Neuschnee marschieren müssen.
Wichtig am Karneval ist eben die Einstellung und der Spass, und den gibt es bei uns reichlich!

Nach ca. 2 Stunden Marsch und 10 km Wegstrecke durch Kevelaer löst sich der Zug auf dem Marktplatz auf, die Mitglieder der Vereine verteilen sich nun auf die Kneipen der Stadt, um den Karneval feucht-fröhlich ausklingen zu lassen...


Wie man bemerkt hat, ich bin Karnevalist durch und durch, ein Jahr ohne Karneval kann ich mir nicht vorstellen!

Natürlich verstehe ich die Leute, die sagen, Karneval wäre ihnen zu albern - aber mir macht es Spass, und vielen Tausend anderen Leuten auch, und das ist die Hauptsache!!

31 Bewertungen, 8 Kommentare

  • undfunf

    20.06.2002, 17:41 Uhr von undfunf
    Bewertung: sehr hilfreich

    bin Karnevalist aus nordhessen

  • anonym

    20.06.2002, 14:53 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    bin ebenfalls karnevalistin in düren!

  • Swinja

    25.05.2002, 17:01 Uhr von Swinja
    Bewertung: sehr hilfreich

    naja dann "Tätääääää" *ggg*

  • suesses

    21.05.2002, 19:21 Uhr von suesses
    Bewertung: sehr hilfreich

    wow super interessanter Bericht!

  • Rena50

    19.05.2002, 03:16 Uhr von Rena50
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein ganz netter Bericht, hätte nur etwas näher zur Faschingszeit gepasst. Gruß Rena

  • Maxilenium

    18.05.2002, 16:12 Uhr von Maxilenium
    Bewertung: sehr hilfreich

    Dnake für deine Lesungen. lg maxi

  • tobi.birkner

    18.05.2002, 01:45 Uhr von tobi.birkner
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hi, du hast egrade ein Fake bewertet, der Beitrag zu Fifa 2002 von plete stammt nicht von ihm sondern von www.gameworld.de Ich bitte dich die Bewertung nochmal zu ändern Tobi

  • Ricke

    18.05.2002, 01:18 Uhr von Ricke
    Bewertung: sehr hilfreich

    guter Bericht, aber irgendwie biste in der falschen Jahreszeit. wir hatten heut sehr warm draussen. Grüsse