Kate & Leopold (VHS) Testbericht

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ab 18,04
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Erfahrungsbericht von Raileigh

Inspirationsloses Märchen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Die Zeit ist das größte Hindernis des Menschen. Sie zu nutzen, eines seiner wesentlichsten Ziele. Ist Liebe die einzige Möglichkeit, die Hürde, die uns die Zeit setzt, zu überwinden oder muss auch sie letztlich daran scheitern?

Diese Fragen ließen sich in einem Film, auch in einer romantischen Komödie sehr wohl ausformulieren und sinnvoll gestaltet Nachdenklichkeit beschwören. Die Geschichte, die James Mangold in seinem Film \"Kate und Leopold\" erzählt hätte genug Möglichkeiten geboten nicht allein auf entbehrliche Popkornunterhaltung zu setzen.
Leider verließ sich der Regisseur dabei zu sehr auf Amerikas Sweetheart Meg Ryan, deren Ausstrahlung süß, ihre schauspielerischen Fähigkeiten aber auf eben diesen Rollentypus festgenagelt scheinen, was schade ist, denn selten, zu selten blitzte auch schon Charakter durch.

Kate McKay (Meg Ryan) lebt im 21. Jahrhundert. Sie arbeitet und die Karriereleiter erklimmt sie eifrig, ohne dabei in anderer Leute Hintern oder Betten zu krauchen. Sie ist selbstbewusst, loyal und abgeklärt, wie ein moderner Mensch nur sein kann. Ihren letzten Freund hat sie erst vor kurzem verbummelt. Der lebt jetzt einen Stock höher und hat nicht nur ein Riss in der Schüssel, sondern auch einem im Raum-Zeit-Kontinuum entdeckt. Glaubt ihm natürlich keiner, schon gar nicht Kate, die ihn eines abends dabei beobachtet, wie er einen reglosen Mann in sein Zimmer wuchtet.
Dieser Mann ist Leopold. Herzog von Albany. Kates Ex hat ihn bei seinem Ausflug ins Jahr 1876 aufgelesen. Der Herzog hatte Verdacht geschöpft und verfolgte den eigentümlichen Fremden zu dessen Absprungebene, wo er selbst ins Wurmloch fiel und prompt im Jahr 2001 landete. Leopold ist ganz Gentleman und passt mit seinem gespreizten Gehabe eigentlich nicht ins moderne New York. Seine viktorianisches Outfit wird mit Verwunderung auf den Strassen aufgenommen. Hier erliegt der Regisseur einem ersten Irrtum, denn auf den Strassen New Yorks für seine Kleidung seltsame Blicke zu kassieren, zählt zu den unwahrscheinlichsten Dingen, die in dieser Stadt passieren.

Kate hält Leo für einen Spinner, was kein Wunder ist, denn ihr Ex-Freund war auch einer. Doch allmählich dringt das edle und von modernem Zynismus freie Wesen Leopolds zu ihr durch und ihre Sehnsucht nach Romantik bricht durch die Schale der Karrierefrau.

Leopold besitzt etwas völlig unmodernes: Er ist höflich und beweist Manieren. Besonders die Etikette gegenüber Damen weiß er zu pflegen. Kate erliegt dem und glaubt bald tatsächlich, das Leopold aus einer anderen Zeit stammt.

Wenn die Zeit aber nun ein Riss hat... Leopold muss zurück in die Vergangenheit. Über die Folgen, die es für die Gegenwart hätte, bliebe er, wird nicht spekuliert. In seiner eigenen Gegenwart soll er eine unattraktive Maus heiraten.

Kate ist geknickt, aber was soll\'s. Sie ist ein moderner Mensch und gerade zum Firmenchef ihrer Werbeagentur befördert worden. Doch ihr Ex gibt ihr die Möglichkeit, Leopold in die Vergangenheit zu folgen. Warum sie ihm vertraut und etwas wagt, das als Fehlschlag den Tod bedeutet - darüber hätte ich auch gern mehr erfahren. Jedenfalls landet sie als Aschenputtel am Hofe des Herzogs pünktlich zur Bekanntgabe des Brautnamens, der natürlich um dieses Zeit nur ihrer sein kann.
Märchenende.

Dramaturgische Meisterleistung! Selten habe ich mir beim Filmangucken so viele Fragen gestellt, die mir der Regisseur im Erzählfluss nicht beantwortete. Dafür habe ich aber ganz ordentlich gegähnt. Kein großer Wurf des Unterhaltungskinos, leider, denn die Vergeblichkeit gegenüber schwindender Zeit zu gestalten und dabei Romantik und Sehnsucht gleichermaßen zu bedienen, wie Philosophie, ist immer ein lohnenswertes Unterfangen.

Romantische Komödien sollten wie eine übertriebene Menge Meerrettich wirken. Wenn sie einem nicht zwingen eine Träne plattzudrücken und die Nase mit kribbeln zu belästigen, wenn sie also nicht in der Lage sind im Menschen eine Sehnsucht zu wecken, von der dieser bisher nichts wusste, haben sie ihr Ziel verfehlt. Trotz der Dauer-Romantikerin Ryan und einem recht charismatischem Hugh Jackman taucht selten der Eindruck auf, dass die beiden zueinander gehören und es unausweichlich ist, dass sie zusammenkommen. Es ist eher so, als klammern sich beide an die letzte erdenkliche Notlösung, bevor sie unausweichlich in Verbindungen landen, die sie nicht wollen, die aber konventionell notwendig werden.

Hervorragend ist das Setdesign, vor allem im 19. Jahrhundert. Schöne Farben, die ins nostalgisch bräunliche kippen. Löblich auch der Umgang mit der Sprache. Leopold bringt den stets quasselnden, aber selten einen vernünftigen Satz zu Ende bringenden Gegenwartsmenschen bei, wie man mit gezierter Ausdrucksweise, manchmal durch verschlungene Schachtelsätze reitend trotzdem klar und deutlich sagen kann, was man auf dem Herzen hat. Doch das sind schon die herausragenden Momente.

Über das Bonunsmaterial der DVD zu reden ist mühselig. Es beinhaltet den üblichen Scheiß. All die nichtssagenden Lobhudeleien der Crew über den Film, die Schauspieler und wie wunderbar doch die gemeinsame Arbeit war, bla,bla, bla... . Mangold versucht ein bisschen den Film zu erklären.
Lediglich Sting sagt wenig und dabei wesentliches.

Dem Regisseur sei entschuldigend zugute gehalten, das er \"Kate und Leopold\" im Herbst 2001 in New York drehte. Das Trauma des 11. September schlug gerade über das Land herein und entsprechend bedrückt muss die Stimmung am Set gewesen sein. Sicher wird dies das Einfühlungsvermögen in diesen Stoff etwas ausgebremst haben.

Was Mangold in zwei Stunden Film an Gefühl und Sentimentalität nicht darzustellen vermochte, was er an Rätselhaftigkeit und Nachdenklichkeit über die Phänomene Zeit und Liebe und die Chance in Kombination der beiden Elemente beide zu etwas ewigen zu machen nicht auszudrücken in der Lage war, gelingt Sting im Lied \"Until\" mühelos. Das Lied, das er für \"Kate und Leopold\" geschrieben hat und das auf der DVD im Bonusmaterial als Videoclip vorliegt, besitzt jenen schwerelosen Charme, mit dem man Jahrhunderte genauso überwinden kann, wie emotionale Blockaden. Erstaunlich, wie leicht es einem die Musik manchmal machen kann.

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