Erfahrungsbericht von HilkMAN
Hier kommt der Maerchenprinz
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Diesmal liefert Euer HilkMAN Euch eine Filmkritik zu “Kate & Leopold”, dem neuen Streifen mit Meg Ryan. Und er weiss mal wieder nicht recht, wie er ihn beurteilen soll. Eigentlich ja nicht schlecht, aber doch mit einigen stoerenden Dingen versehen. Aber lest selbst.
Die Handlung kurz vorweg: Kate McKay (Meg Ryan) arbeitet in einer Werbeagentur in New York, die Werbefilmchen produzieren. Ihr Exfreund Stuart, ein wirrer Idiot, findet heraus, wie er durch Zeitloecher in die Vergangenheit reisen kann. Dabei trifft er im Jahre 1876 auf Leopold, den Herzog von Albany. Durch ein paar kurz abgehandelte Verstrickungen geraet dieser mit Stuart “zurueck” ins Jahr 2001 und verliebt sich dort in Kate. Natuerlich glaubt ihm dort niemand seine Herkunft, ausser Stuart, und der liegt im Krankenhaus, weil er einen Fahrstuhl benutzen wollte. Der Fahrstuhl wurde aber einst von Herzog Leopold erfunden – nach 1876… Ihr seht schon, Ihr solltet Euch nicht zu sehr auf Realismus versteifen, sonst fallt Ihr mit diesem Film ziemlich auf die Schnauze (dazu aber spaeter noch mehr). Aber dennoch ist er nicht voellig schlecht, und ich will versuchen, darzulegen, warum.
Groesster Pluspunkt sind zweifellos die beiden HauptdarstellerInnen. Meg Ryan und Hugh Jackman sind sehr gut ausgewaehlt. Waehrend Jackman in Leopolds Rolle ziemlich souveraen durchspielen kann (wobei als einziger Wermutstropfen allenfalls bleibt, dass er sich viel zu schnell an die neue Umgebung anpasst – aber das ist natuerlich eher dem Drehbuch anzulasten), muss Meg Ryan eine gewissen Wandlung mitmachen. Ihre Transformation von der Karrierefrau zur rettungslos Verliebten fand ich geradezu niedlich anzuschauen. Die anderen SchauspielerInnen sind in Ordnung – einzige Ausnahme ist Liev Schreiber als Stuart, dessen Rolle nicht nur eine Katastrophe ist, sondern der auch in keinster Weise ueberzeugen kann. Ein richtiger Fremdkoerper in diesem Film.
Ansonsten steht im Zentrum des Filmes die Romanze. Der Herzog ist natuerlich ein klassischer Gentleman, der nach seinen Prinzipien lebt. Und gerade das wirkt in der hektischen, profitorientierten Welt von 2001 so edel – kein Wunder, dass Kate ganz hingerissen ist. Auch bei seinen anderen Mitmenschen kommt Leopold gut an. Das wird in diversen Szenen ausgebreitet – und die sind oft ziemlich witzig und hier und da sogar mal originell. Diese kleinen Erlebnisse machen Spass und tragen viel dazu bei, dass ich den Film nicht voellig runtermachen kann.
Neben diesen Aspekten verkommt der Rest der Handlung zur Nebensache. Soweit so gut, das waere ein netter Fuenfsternefilm. Aaaber… leider gibt es der Kritikpunkte doch so viele, dass ich einige Abstriche machen muss (ich gebe gerade noch vier Sterne, aber da bin ich schon ziemlich gnaedig). Den Totalausfall Stuart habe ich schon erwaehnt. Dazu kommen zahlreiche Logikfehler, wie zum Beispiel das Auftreten von Kate bereits in einer der ersten Szenen des Filmes – im Jahre 1876. Wie ich im Internet las, ist unter anderem diese Szene nachtraeglich noch herausgeschnitten worden, ebenso wie einige andere, in die das amerikanische Publikum offenbar Inzest zwischen Verwandten aus verschiedenen Jahrhunderten hineininterpretierte (Augen verdreh…) – seltsam, da habe ich offenbar die ungeschnittene Version gesehen. Und ohne diese Szenen wird die Handlung dann auch noch weniger Sinn ergeben – einer der Gruende, warum Leopold naemlich dringend wieder in die Vergangenheit muss, ist naemlich, dass er Stuarts Vorfahr ist – wenn das herausgeschnitten wird, dann wird die Handlung noch wirrer, als sie es sowieso schon ist. Ueberhaupt wird das ganze Thema Zeitreisen nur mal so am Rande erwaehnt – klar, sowas wird ja alle Tage mal erfunden, da brauchen wir uns nicht lange mit Erklaerungen aufzuhalten.
Konzentrieren wir uns also wieder auf die Romanze, die gegenueber den Science Fiction-Elementen klar in den Vordergrund geschoben wird. Bei dieser habe ich so meine Probleme mit dem Anspruch des Filmes. Denn Leopold spielt den Maerchenprinzen – das macht er zwar sehr gut, und damit macht er offenbar auch das, was Frauen wuenschen sollten, aber kann das der Weisheit letzter Schluss sein? Ritterliches Benehmen, markige Worte, ein Ritt auf einem weissen Pferd – und die erfolgreiche Frau von heute schmilzt dahin. Na ja. Zumal das keinen Gegenpol hat: Alle moegen Leopold, weil er so ist, wie er nun mal ist. Was in ihm, der aufgrund der ungewohnten Umgebung ja voellig von der Rolle sein muesste, vorgeht, erfahren wir kaum – beziehungsweise es wird auf ein paar Klischees reduziert, wenn der arme Kerl beim Ueberqueren einer Strasse gerade noch so dem Verkehr ausweichen kann. Dennoch wird kaum ein Wort der Kritik aus seinem Munde laut – er nimmt das in aller Seelenruhe hin. Gerade so, als ob die Welt auf seine Ankunft gewartet hat, damit er uns mal wieder ein paar anstaendige Manieren beibringt.
Irgendwie hat mich das Szenario an Crocodile Dundee erinnert (und es gibt natuerlich noch eine ganze Menge weiterer Filme mit so einer aehnlichen Ausgangslage): Moraralisch integrer, hinterwaeldlerischer Kauz wird mit den Verwirrungen der modernen, staedtischen Gesellschaft konfrontiert, kann sich aber letztlich gut behaupten. Das Konzept funktioniert auch bei “Kate & Leopold” wieder gut (vor allem dank Hugh Jackman) – aber innovativ ist es hinten und vorne nicht. Und auch mit Leuten wie Kate, die in den Chefetagen groesserer, angesehener Unternehmen arbeiten, bin ich in Filmen schon oefter konfrontiert worden, als ich das im wirklichen Leben jemals moechte.
Was soll’s. Kate & Leopold ist ein ueberwiegend recht charmanter Hollywoodstreifen, der seinen potentiellen Tiefgang im Keim erstickt hat. Kompliment an Meg Ryan und Hugh Jackman – Regisseur Peter Mangold hat bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Seht ihn Euch an, wenn Ihr Lust drauf habt – wenn nicht, habt Ihr auch nichts verpasst
Die Handlung kurz vorweg: Kate McKay (Meg Ryan) arbeitet in einer Werbeagentur in New York, die Werbefilmchen produzieren. Ihr Exfreund Stuart, ein wirrer Idiot, findet heraus, wie er durch Zeitloecher in die Vergangenheit reisen kann. Dabei trifft er im Jahre 1876 auf Leopold, den Herzog von Albany. Durch ein paar kurz abgehandelte Verstrickungen geraet dieser mit Stuart “zurueck” ins Jahr 2001 und verliebt sich dort in Kate. Natuerlich glaubt ihm dort niemand seine Herkunft, ausser Stuart, und der liegt im Krankenhaus, weil er einen Fahrstuhl benutzen wollte. Der Fahrstuhl wurde aber einst von Herzog Leopold erfunden – nach 1876… Ihr seht schon, Ihr solltet Euch nicht zu sehr auf Realismus versteifen, sonst fallt Ihr mit diesem Film ziemlich auf die Schnauze (dazu aber spaeter noch mehr). Aber dennoch ist er nicht voellig schlecht, und ich will versuchen, darzulegen, warum.
Groesster Pluspunkt sind zweifellos die beiden HauptdarstellerInnen. Meg Ryan und Hugh Jackman sind sehr gut ausgewaehlt. Waehrend Jackman in Leopolds Rolle ziemlich souveraen durchspielen kann (wobei als einziger Wermutstropfen allenfalls bleibt, dass er sich viel zu schnell an die neue Umgebung anpasst – aber das ist natuerlich eher dem Drehbuch anzulasten), muss Meg Ryan eine gewissen Wandlung mitmachen. Ihre Transformation von der Karrierefrau zur rettungslos Verliebten fand ich geradezu niedlich anzuschauen. Die anderen SchauspielerInnen sind in Ordnung – einzige Ausnahme ist Liev Schreiber als Stuart, dessen Rolle nicht nur eine Katastrophe ist, sondern der auch in keinster Weise ueberzeugen kann. Ein richtiger Fremdkoerper in diesem Film.
Ansonsten steht im Zentrum des Filmes die Romanze. Der Herzog ist natuerlich ein klassischer Gentleman, der nach seinen Prinzipien lebt. Und gerade das wirkt in der hektischen, profitorientierten Welt von 2001 so edel – kein Wunder, dass Kate ganz hingerissen ist. Auch bei seinen anderen Mitmenschen kommt Leopold gut an. Das wird in diversen Szenen ausgebreitet – und die sind oft ziemlich witzig und hier und da sogar mal originell. Diese kleinen Erlebnisse machen Spass und tragen viel dazu bei, dass ich den Film nicht voellig runtermachen kann.
Neben diesen Aspekten verkommt der Rest der Handlung zur Nebensache. Soweit so gut, das waere ein netter Fuenfsternefilm. Aaaber… leider gibt es der Kritikpunkte doch so viele, dass ich einige Abstriche machen muss (ich gebe gerade noch vier Sterne, aber da bin ich schon ziemlich gnaedig). Den Totalausfall Stuart habe ich schon erwaehnt. Dazu kommen zahlreiche Logikfehler, wie zum Beispiel das Auftreten von Kate bereits in einer der ersten Szenen des Filmes – im Jahre 1876. Wie ich im Internet las, ist unter anderem diese Szene nachtraeglich noch herausgeschnitten worden, ebenso wie einige andere, in die das amerikanische Publikum offenbar Inzest zwischen Verwandten aus verschiedenen Jahrhunderten hineininterpretierte (Augen verdreh…) – seltsam, da habe ich offenbar die ungeschnittene Version gesehen. Und ohne diese Szenen wird die Handlung dann auch noch weniger Sinn ergeben – einer der Gruende, warum Leopold naemlich dringend wieder in die Vergangenheit muss, ist naemlich, dass er Stuarts Vorfahr ist – wenn das herausgeschnitten wird, dann wird die Handlung noch wirrer, als sie es sowieso schon ist. Ueberhaupt wird das ganze Thema Zeitreisen nur mal so am Rande erwaehnt – klar, sowas wird ja alle Tage mal erfunden, da brauchen wir uns nicht lange mit Erklaerungen aufzuhalten.
Konzentrieren wir uns also wieder auf die Romanze, die gegenueber den Science Fiction-Elementen klar in den Vordergrund geschoben wird. Bei dieser habe ich so meine Probleme mit dem Anspruch des Filmes. Denn Leopold spielt den Maerchenprinzen – das macht er zwar sehr gut, und damit macht er offenbar auch das, was Frauen wuenschen sollten, aber kann das der Weisheit letzter Schluss sein? Ritterliches Benehmen, markige Worte, ein Ritt auf einem weissen Pferd – und die erfolgreiche Frau von heute schmilzt dahin. Na ja. Zumal das keinen Gegenpol hat: Alle moegen Leopold, weil er so ist, wie er nun mal ist. Was in ihm, der aufgrund der ungewohnten Umgebung ja voellig von der Rolle sein muesste, vorgeht, erfahren wir kaum – beziehungsweise es wird auf ein paar Klischees reduziert, wenn der arme Kerl beim Ueberqueren einer Strasse gerade noch so dem Verkehr ausweichen kann. Dennoch wird kaum ein Wort der Kritik aus seinem Munde laut – er nimmt das in aller Seelenruhe hin. Gerade so, als ob die Welt auf seine Ankunft gewartet hat, damit er uns mal wieder ein paar anstaendige Manieren beibringt.
Irgendwie hat mich das Szenario an Crocodile Dundee erinnert (und es gibt natuerlich noch eine ganze Menge weiterer Filme mit so einer aehnlichen Ausgangslage): Moraralisch integrer, hinterwaeldlerischer Kauz wird mit den Verwirrungen der modernen, staedtischen Gesellschaft konfrontiert, kann sich aber letztlich gut behaupten. Das Konzept funktioniert auch bei “Kate & Leopold” wieder gut (vor allem dank Hugh Jackman) – aber innovativ ist es hinten und vorne nicht. Und auch mit Leuten wie Kate, die in den Chefetagen groesserer, angesehener Unternehmen arbeiten, bin ich in Filmen schon oefter konfrontiert worden, als ich das im wirklichen Leben jemals moechte.
Was soll’s. Kate & Leopold ist ein ueberwiegend recht charmanter Hollywoodstreifen, der seinen potentiellen Tiefgang im Keim erstickt hat. Kompliment an Meg Ryan und Hugh Jackman – Regisseur Peter Mangold hat bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Seht ihn Euch an, wenn Ihr Lust drauf habt – wenn nicht, habt Ihr auch nichts verpasst
15 Bewertungen, 1 Kommentar
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13.05.2002, 18:49 Uhr von DrDuke
Bewertung: sehr hilfreichVon den Film hab ich noch nie was in irgendeiner Art gehört
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