Wassermelone (Taschenbuch) / Marian Keyes Testbericht

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ab 8,36
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Erfahrungsbericht von alteSchwedin

Melone mit Herz

Pro:

unterhaltsam, kurzweilig und witzig; sympathische Hauptfigur; amüsante Details; günstig im Preis

Kontra:

nix

Empfehlung:

Ja

In den letzten vier Wochen hatte ich mir selbst verboten, Belletristik in die Hand zu nehmen. Abgesehen von Büchern, die ich schon kannte und die ich mit in die Badewanne nahm, las ich nur Fachliteratur, um mich auf meine Prüfungen vorzubereiten. Doch jetzt sind endlich alle Prüfungen vorbei und so stürzte ich mich gierig auf das erste greifbare Buch. Die gut 500 Seiten von „Wassermelone“ von Marian Keyes waren in zwei Tagen geschafft und nun will ich euch erzählen, wie es mir gefallen hat!


Der Inhalt ist bei diesem Roman nicht allzu umfangreich:
Claire ist glücklich mit James verheiratet, hochschwanger und in ihrem Leben läuft eigentlich auch sonst alles wie geschmiert. Doch mit dem Tag, an dem sie ihre Tochter zur Welt bringt, ändert sich das schlagartig: Ihr Mann gesteht ihr, dass er schon längere Zeit ein Verhältnis mit ihrer Nachbarin (Hach! Was’n Klischee! ... die Kirschen in Nachbars Garten schmecken auch immer besser.) hat und Claire wegen dieser verlassen wird. Er wollte aber damit noch warten, bis sie ihr Kind zur Welt gebracht hat.
James hat bestimmt noch nichts von postnataler Depression gehört, denn er glaubt, dass Claire nach der Geburt besser damit zurechtkäme, verlassen worden zu sein. Aber die Depression, in die Claire nun stürzt ist so tief wie der Mariannengraben. Claire hat ein Neugeborenes, dessen Vater sie vergrault hat, sie sieht aus wie eine Wassermelone in Stiefeln und ihre ganze heile Welt liegt in Scherben. So flüchtet sie von London zu ihren Eltern nach Irland, um zur Ruhe zu kommen.
Die ersten paar Wochen verkriecht sich Claire permanent in ihrem Zimmer, wäscht sich nicht und auch um ihre Tochter, die lange ohne Namen bleibt, muss sich Claires Mutter kümmern. Claire betrinkt sich ständig, um ihren Mann zu vergessen. Sie ist völlig verzweifelt. Doch als dann endlich die Wut auf James durchkommt, beginnt es ihr besser zu gehen und so nach und nach nimmt sie wieder am Familienleben teil. Ihre Tochter nennt sie nach ihrer Großmutter mütterlicherseits Kate, sie gibt das Trinken auf und traut sich auch wieder auf die Straße.
So kommt es, dass sie Adam, einen Mitstudenten ihrer jüngeren Schwester, trifft. Die beiden verstehen sich immer besser und verlieben sich auch ineinander, nachdem Claire ihre Skrupel wegen des Altersunterschieds beiseite geschoben hat. Doch plötzlich taucht James auf und will Claire zurück...


Aufmerksam bin ich auf dieses Buch durch das Cover geworden. Kurz nach meiner letzten Prüfung dieses Semesters sah ich das Taschenbuch in den vielen Violetttönen und wollte es lesen. Also habe ich die 4,70 € ausgegeben und gleich mit Lesen angefangen. Es war dann auch ein Segen für mich, dass „Wassermelone“ so lustig und unterhaltsam ist, denn sonst hätte mir die Lust am Lesen gleich wieder vergehen können.

Die Story konzentriert sich ausschließlich auf Claire. Aus ihrer Sicht wird erzählt und so ist man immer ganz nah dran. Man weiß, was Claire bewegt und kann so jederzeit mit ihr mitfühlen. Marian Keyes lässt auch wichtige und witzige Erlebnisse aus Claires „Vorleben“ wieder lebendig werden, so dass man gerade genug über Claires Werdegang erfährt, um ihre Beweggründe zu verstehen. Andererseits wird aber auch die Sicht auf die aktuellen Geschehnisse nicht verstellt.
Nachdem Claire ihre schlimmste Depression überwunden hat, wird die Geschichte immer wieder mit kleinen Episoden aus Claires Leben gewürzt, was den Fokus der Geschichte nur unterstützt, denn alle diese Begebenheiten tragen zum besseren Verständnis von Claires Charakter bei. Außerdem wird so die Geschichte aufgelockert.

Marian Keyes beschreibt die Leiden und das Lieben Claires sehr lebendig. Jede Seite konnte ich mich perfekt in die Protagonistin hineinfühlen, denn sie wirkt unglaublich echt und real, was sicher dadurch bedingt ist, dass die Autorin einen Teil ihrer Geschichte selbst erlebt hat. So ist gerade genug autobiografisch, um dem Leser das Gefühl zu vermitteln, dass die Geschichte wahr sein könnte. Andererseits wird nicht zu viel aus dem wahren Leben der Autorin entnommen, dass die Geschichte ihren Pep und ihre Leichtigkeit behält. Denn wie vielen Leuten passiert im wahren Leben schon so viel, dass sie damit ein Buch unterhaltsam und interessant gestalten könnten? Zu wenigen...

Ein witziges Detail, das mir im Lauf des Buches immer wieder begegnete, war die Tatsache, dass Claire mit Vorliebe Gegenständen vorwirft, dass diese sie komisch angucken. So schaut zum Beispiel das alte Nachthemd von Claires Mutter sehr beleidigt, als Claire es zur Seite legt, nachdem sie es in ihrer Depression ständig getragen hatte. Solche Szenen sind schon sehr lustig, wenn man sie zum ersten mal liest, aber wenn man dann im weiteren Verlauf des Romans auf noch mehr davon trifft, hält man sich vor Lachen nur noch den Bauch!

Bei einem Roman wie „Wassermelone“, der so auf eine einzelne Person fokussiert ist, ist es natürlich auch wichtig, dass diese Person faszinierend und/oder sympathisch ist. Da kam es mir sehr gelegen, dass ich Claire überaus gut leiden konnte. Sie hat Probleme mit ihrer Figur, ihr Selbstvertrauen ist mächtig angeschlagen und auch sonst ist sie durch und durch menschlich, was mir bei Romanen immer noch am besten gefällt. Denn wer will schon dauernd von Superhelden lesen? Ich nicht! Irgendwo möchte ich mich immer identifizieren können.

Stilistisch nutzt Marian Keyes Altbekanntes und –bewährtes, nämlich die 1. Person Singular. Dies passt perfekt zur Story des Romans, denn so erfährt man unmittelbar, was Claire bewegt, und kann die Protagonistin deshalb am besten verstehen. Zumindest für eine Frau wird es somit kein Problem sein, alles an der Geschichte nachzuvollziehen. „Wassermelone“ ist schon ein typischer Frauenroman, aber ich mag diese Bücher recht gern, da man beim Lesen so schön entspannen kann und dabei auch meist gut unterhalten wird.
Dieser Roman hat mich jedenfalls voll überzeugt und so königlich unterhalten, dass ich mir kurze Zeit später gleich noch ein Buch von Marian Keyes gekauft habe. Ich hoffe mal, dass dieses mir genauso gut gefallen wird.

Insgesamt möchte ich euch (Frauen) „Wassermelone“ von Marian Keyes wärmstens empfehlen. Es ist ein überaus witziger und unterhaltsamer Roman, der mich auf ganzer Linie überzeugend konnte. Die Hauptfigur war mir sehr sympathisch und es wird sich wohl so ziemlich jede Frau mit ihr identifizieren können. Viele kleine Details verleihen der Geschichte eine angenehme Leichtigkeit, die das Lesen zu einem großen Spaß machten. Mir hat der Roman so gut gefallen, dass er volle fünf Sterne von mir bekommt.

„Wassermelone“ von Marian Keyes erschien im Mai 2004 unter der ISBN 3453880013 im Heyne Verlag und kostet in dieser Ausgabe 4,70 €, was als Preis für diese leichte Lektüre sehr angemessen ist. Die englische Originalausgabe trägt den Titel „Watermelon“ und erschien 2001 im Arrow Verlag.

26 Bewertungen, 1 Kommentar

  • stern.schnuppe

    04.10.2004, 18:15 Uhr von stern.schnuppe
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe ich auch in jeder der "Familiengeschichten" von M.K. - bisher hatten sie ja nur Nebenrollen.