King Of Queens Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Summe aller Bewertungen
- Unterhaltungswert:
- Informationsgehalt:
- Präsentation:
- Spaß:
- Spannung:
- Romantik:
Erfahrungsbericht von AustroError
Alltagsleben witzig verpackt...
Pro:
- Sehr gute Darsteller - keine an den Haaren herbeigezogenen Situationen - abolut kompetente Synchronisation - SPASS - Offenlegung kleiner menschlicher Schwächen
Kontra:
- kaum Sozialkritik - kein politischer Bezug
Empfehlung:
Ja
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Folgende Situation: ER (Mitte 30) kommt nach der Arbeit froh gelaunt nach Hause und lädt SIE (seine ebenfalls berufstätige Ehefrau) in seine neue Lieblingskneipe ein. SIE hat zunächst keine Lust, leichte Migräne und obendrein natürlich nichts zum Anziehen. Aber der Bursche bleibt hart - nichts und niemand kann ihn heute Abend davon abbringen, seine Frau in das so unglaublich nette italienische Restaurant zu entführen. Seine Überredungskunst siegt!
Im Lokal angekommen werde beide vom Personal (inklusive Chef) auf das herzlichste begrüßt und vor allem die junge Dame mit Komplimenten überschüttet - ER fühlt sich geschmeichelt (und ist stolz darauf, bereits einen Spitznamen verpasst bekommen zu haben), SIE blättert ziemlich gelangweilt in der Speisekarte.
Als die Gerichte am Tisch serviert werden, meldet sich "Madame" erstmals zu Wort: "Ich hatte eine Pizza OHNE Kapern bestellt!" Nach kurzer Kunstpause will ER die Situation retten und beginnt, die ungeliebten Kugeln vom Teller seiner Frau auf seinen zu transferieren. "Nimm die Finger aus meinem Essen!" raunzt ihn die launische Diva an und blickt den Kellner scharf an.
"Ich kann Ihnen eine andere Pizza bringen", meint der etwas verlegen und bekommt als Antwort: "Ich will keine ANDERE Pizza sondern DIESE - nur ohne Kapern. Habe ich da eben ein Schnaufen von Ihnen gehört? Nerve ich sie etwa? Ich will sofort den Geschäftsführer sprechen!"
Die Vermittlungsversuche des Ehemanns scheitern kläglich - die Situation eskaliert und der ist Abend gelaufen. Aber sichtlich zufrieden lässt SIE sich von ihm nach Hause fahren...
Gibt es solche "Ziegen" auch in der Realität? Bevor ich diese Frage mit einem eindeutigen JA beantworte, möchte ich der Fairness halber darauf verweisen, dass wir Männer auch unsere Fehler haben - auf eine Einladung in eine Kneipe würden wir allerdings NIE so reagieren...
"King of Queens" ist eine Sitcom, die uns Zuschauern das Leben einer kinderlosen jungen amerikanischen Familie zeigt. Was Douglas (gespielt von Kevin James) und Carrie (gespielt von Leah Rimini) erleben, ist in dieser oder ähnlichen Form DIR und MIR schon einmal passiert. Tatsächlich würde alleine dieser Stoff durchaus für mehrere Staffeln genügen - doch da gibt es noch dem im Hause der beiden lebenden Herrn Arthur Spooner (durchgeknallter Vater von Carrie), der in dieser Serie für Ulk a la "Eine schrecklich nette Familie" zuständig ist. Er steht Al Bundy in Sachen Blödheit in nichts nach und lässt - ebenso wie sein berühmtes Vorbild - kein Fettnäpfchen aus. Natürlich hat er die Lacher auf seiner Seite, wenn er sich Suiten mietet, die er sich nicht leisten kann, wegen einer absoluten Lappalie eine 1000-km-Bahnfahrt auf sich nimmt oder im Kostüm eines Außerirdischen ins Nachtleben von New York abtaucht. Der (logische) ständige Konflikt zwischen ihm und dem Paar ist der zweite Hauptpfeiler dieser Sitcom.
Die dritte Säule des Konzeptes übernehmen die Freunde der Familie - JEDER von ihnen ist alles andere als eine Randfigur, niemand wirkt aufgesetzt oder gar ins Drehbuch hinein geschrieben. Man erkennt in ihnen ebenfalls Menschen, mit denen man es im eigenem Leben schon einmal zu tun gehabt haben könnte - dem mickrigen (fast hässlichen) Zwerg, der noch nie eine Frau abbekommen hat, zu Hause beim Mama lebt und trotzdem ein überaus liebenswerter Zeitgenosse ist. Dem Hallodri, der von einem One-Night-Stand zum anderen springt und ansonsten lieber "herum hängt" als zu arbeiten. Oder dem zuverlässigen Familienvater, der seiner Linie konsequent treu bleibt und trotzdem in eine Ehekrise gerät. Die Produzenten und Drehbuchschreiber haben sich also nicht gescheut, auch den Nebendarstellern eine glaubwürdige Lebensgeschichte zu spendieren...
Übrigens passen Douglas (klein und dick) und Carrie (noch kleiner aber dennoch richtig sexy) auf den ersten Blick scheinbar gar nicht zusammen. Aber sie führen diverse Vorurteile in fast jeder Folge ad absurdum und beweisen, dass Schönheit, Geld und Ruhm das stinknormale "kleine" Glück nicht auf Dauer ersetzen können. Interessant finde ich, wie sich die Dominanz innerhalb der Beziehung ständig verschiebt. Normaler Weise ist Carrie der "Chef", es gibt aber auch Situationen, in denen sie zurück stecken muß - beispielsweise als sie beim Frauenstammtisch erfährt, dass sie als einzige keinen Abiturabschluß (Matura) besitzt. Ich persönlich habe den zwar, könnte mir aber im Leben nicht vorstellen, deswegen deprimiert in eine persönliche Krise zu stolpern. Denn eigentlich sollte es sich ja inzwischen auch nach Amerika herumgesprochen haben, dass eine solide Ausbildung die beruflichen Chancen nicht wesentlich erhöht und wohl eher das eigene Ego befriedigt.
Und genau DA kommt es manchmal durch - dieses kleinbürgerliche Denken, die Sucht, im Leben unbedingt etwas "erreichen" oder besser als andere sein zu wollen. Ich belächle strebsame Menschen weil ich der Meinung bin, dass uns die (kapitalistische) Gesellschaft zu eben solchen Kleinbürgern erziehen möchte - alleine beschäftigt mit dem täglichen Kampf ums Überleben, anderen Belanglosigkeiten und als Höhepunkten des Daseins Steaks bei McDonalds, Büchsenbier und 14 Tagen Urlaub im Jahr. Warum? Damit wir keine Zeit darauf verschwenden, über unsere völlig überbezahlten Politiker nachzudenken - immerhin haben die genug damit zu kämpfen, abends vor Lachen in den Schlaf zu finden...
Für eine Serie, die so nah am "normalen" Leben spielt, ist sie mir nicht kritisch genug. Drogen, Kriminalität, Prostitution, Gewalt und Arbeitslosigkeit werden nur am Rande erwähnt. Die Lüge vom American Way of Life wird zwar nicht so penetrant aufgetragen wie in anderen Serien, allerdings lassen Douglas und Carrie keinen Zweifel daran, dass die USA ein lebenswertes Land sind. Letztlich muss ich dem Paar zustimmen - es ist in jedem Falle besser, sich "irgendwie durchzuschlagen" als sich den ganzen Tag über die Ungerechtigkeiten auf der Welt aufzuregen. Immerhin ist die Demokratie die menschlichste aller Diktaturen...
FAZIT
"King of Queens" ist eine SUPER-Sitcom! Die alltagstauglichen Themen, Casting/Maske und vor allem die fabelhafte deutsche Synchronisation konnten besser nicht aufeinander abgestimmt sein. Abgesehen von den erheiternden Ausflügen Arthur Spooners ins Reich des unglaublichen Nonsens hält uns die Serie ständig einen Spiegel vor Augen - wir Zuschauer werden quasi laufend zu der Frage angehalten: Wie hättest DU dich jetzt verhalten? Oder wir nicken um damit anzudeuten: Ja, das ist mir GENAU so passiert! Es gibt in jeder Serie viel zu lachen und das mir persönlich die Kritik am System fehlt, muss Sie/Euch ja nicht stören. Das Einschalten lohnt - zur Zeit werden auf RTL II von 17.00 bis 19.00 Uhr (Montag bis Freitag) 3 Folgen am Stück gezeigt.
Copyright: Veröffentlicht unter dem Pseudo AustroError bei ciao.com, yopi.de und unter dem Pseudeo GermanError bei dooyoo.de
Liebe Grüße
Steffen
Folgende Situation: ER (Mitte 30) kommt nach der Arbeit froh gelaunt nach Hause und lädt SIE (seine ebenfalls berufstätige Ehefrau) in seine neue Lieblingskneipe ein. SIE hat zunächst keine Lust, leichte Migräne und obendrein natürlich nichts zum Anziehen. Aber der Bursche bleibt hart - nichts und niemand kann ihn heute Abend davon abbringen, seine Frau in das so unglaublich nette italienische Restaurant zu entführen. Seine Überredungskunst siegt!
Im Lokal angekommen werde beide vom Personal (inklusive Chef) auf das herzlichste begrüßt und vor allem die junge Dame mit Komplimenten überschüttet - ER fühlt sich geschmeichelt (und ist stolz darauf, bereits einen Spitznamen verpasst bekommen zu haben), SIE blättert ziemlich gelangweilt in der Speisekarte.
Als die Gerichte am Tisch serviert werden, meldet sich "Madame" erstmals zu Wort: "Ich hatte eine Pizza OHNE Kapern bestellt!" Nach kurzer Kunstpause will ER die Situation retten und beginnt, die ungeliebten Kugeln vom Teller seiner Frau auf seinen zu transferieren. "Nimm die Finger aus meinem Essen!" raunzt ihn die launische Diva an und blickt den Kellner scharf an.
"Ich kann Ihnen eine andere Pizza bringen", meint der etwas verlegen und bekommt als Antwort: "Ich will keine ANDERE Pizza sondern DIESE - nur ohne Kapern. Habe ich da eben ein Schnaufen von Ihnen gehört? Nerve ich sie etwa? Ich will sofort den Geschäftsführer sprechen!"
Die Vermittlungsversuche des Ehemanns scheitern kläglich - die Situation eskaliert und der ist Abend gelaufen. Aber sichtlich zufrieden lässt SIE sich von ihm nach Hause fahren...
Gibt es solche "Ziegen" auch in der Realität? Bevor ich diese Frage mit einem eindeutigen JA beantworte, möchte ich der Fairness halber darauf verweisen, dass wir Männer auch unsere Fehler haben - auf eine Einladung in eine Kneipe würden wir allerdings NIE so reagieren...
"King of Queens" ist eine Sitcom, die uns Zuschauern das Leben einer kinderlosen jungen amerikanischen Familie zeigt. Was Douglas (gespielt von Kevin James) und Carrie (gespielt von Leah Rimini) erleben, ist in dieser oder ähnlichen Form DIR und MIR schon einmal passiert. Tatsächlich würde alleine dieser Stoff durchaus für mehrere Staffeln genügen - doch da gibt es noch dem im Hause der beiden lebenden Herrn Arthur Spooner (durchgeknallter Vater von Carrie), der in dieser Serie für Ulk a la "Eine schrecklich nette Familie" zuständig ist. Er steht Al Bundy in Sachen Blödheit in nichts nach und lässt - ebenso wie sein berühmtes Vorbild - kein Fettnäpfchen aus. Natürlich hat er die Lacher auf seiner Seite, wenn er sich Suiten mietet, die er sich nicht leisten kann, wegen einer absoluten Lappalie eine 1000-km-Bahnfahrt auf sich nimmt oder im Kostüm eines Außerirdischen ins Nachtleben von New York abtaucht. Der (logische) ständige Konflikt zwischen ihm und dem Paar ist der zweite Hauptpfeiler dieser Sitcom.
Die dritte Säule des Konzeptes übernehmen die Freunde der Familie - JEDER von ihnen ist alles andere als eine Randfigur, niemand wirkt aufgesetzt oder gar ins Drehbuch hinein geschrieben. Man erkennt in ihnen ebenfalls Menschen, mit denen man es im eigenem Leben schon einmal zu tun gehabt haben könnte - dem mickrigen (fast hässlichen) Zwerg, der noch nie eine Frau abbekommen hat, zu Hause beim Mama lebt und trotzdem ein überaus liebenswerter Zeitgenosse ist. Dem Hallodri, der von einem One-Night-Stand zum anderen springt und ansonsten lieber "herum hängt" als zu arbeiten. Oder dem zuverlässigen Familienvater, der seiner Linie konsequent treu bleibt und trotzdem in eine Ehekrise gerät. Die Produzenten und Drehbuchschreiber haben sich also nicht gescheut, auch den Nebendarstellern eine glaubwürdige Lebensgeschichte zu spendieren...
Übrigens passen Douglas (klein und dick) und Carrie (noch kleiner aber dennoch richtig sexy) auf den ersten Blick scheinbar gar nicht zusammen. Aber sie führen diverse Vorurteile in fast jeder Folge ad absurdum und beweisen, dass Schönheit, Geld und Ruhm das stinknormale "kleine" Glück nicht auf Dauer ersetzen können. Interessant finde ich, wie sich die Dominanz innerhalb der Beziehung ständig verschiebt. Normaler Weise ist Carrie der "Chef", es gibt aber auch Situationen, in denen sie zurück stecken muß - beispielsweise als sie beim Frauenstammtisch erfährt, dass sie als einzige keinen Abiturabschluß (Matura) besitzt. Ich persönlich habe den zwar, könnte mir aber im Leben nicht vorstellen, deswegen deprimiert in eine persönliche Krise zu stolpern. Denn eigentlich sollte es sich ja inzwischen auch nach Amerika herumgesprochen haben, dass eine solide Ausbildung die beruflichen Chancen nicht wesentlich erhöht und wohl eher das eigene Ego befriedigt.
Und genau DA kommt es manchmal durch - dieses kleinbürgerliche Denken, die Sucht, im Leben unbedingt etwas "erreichen" oder besser als andere sein zu wollen. Ich belächle strebsame Menschen weil ich der Meinung bin, dass uns die (kapitalistische) Gesellschaft zu eben solchen Kleinbürgern erziehen möchte - alleine beschäftigt mit dem täglichen Kampf ums Überleben, anderen Belanglosigkeiten und als Höhepunkten des Daseins Steaks bei McDonalds, Büchsenbier und 14 Tagen Urlaub im Jahr. Warum? Damit wir keine Zeit darauf verschwenden, über unsere völlig überbezahlten Politiker nachzudenken - immerhin haben die genug damit zu kämpfen, abends vor Lachen in den Schlaf zu finden...
Für eine Serie, die so nah am "normalen" Leben spielt, ist sie mir nicht kritisch genug. Drogen, Kriminalität, Prostitution, Gewalt und Arbeitslosigkeit werden nur am Rande erwähnt. Die Lüge vom American Way of Life wird zwar nicht so penetrant aufgetragen wie in anderen Serien, allerdings lassen Douglas und Carrie keinen Zweifel daran, dass die USA ein lebenswertes Land sind. Letztlich muss ich dem Paar zustimmen - es ist in jedem Falle besser, sich "irgendwie durchzuschlagen" als sich den ganzen Tag über die Ungerechtigkeiten auf der Welt aufzuregen. Immerhin ist die Demokratie die menschlichste aller Diktaturen...
FAZIT
"King of Queens" ist eine SUPER-Sitcom! Die alltagstauglichen Themen, Casting/Maske und vor allem die fabelhafte deutsche Synchronisation konnten besser nicht aufeinander abgestimmt sein. Abgesehen von den erheiternden Ausflügen Arthur Spooners ins Reich des unglaublichen Nonsens hält uns die Serie ständig einen Spiegel vor Augen - wir Zuschauer werden quasi laufend zu der Frage angehalten: Wie hättest DU dich jetzt verhalten? Oder wir nicken um damit anzudeuten: Ja, das ist mir GENAU so passiert! Es gibt in jeder Serie viel zu lachen und das mir persönlich die Kritik am System fehlt, muss Sie/Euch ja nicht stören. Das Einschalten lohnt - zur Zeit werden auf RTL II von 17.00 bis 19.00 Uhr (Montag bis Freitag) 3 Folgen am Stück gezeigt.
Copyright: Veröffentlicht unter dem Pseudo AustroError bei ciao.com, yopi.de und unter dem Pseudeo GermanError bei dooyoo.de
Liebe Grüße
Steffen
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